Erdgaskonflikt Scheinriese
Im Gasstreit mit Gasprom zeigt sich: Mehr Wettbewerb muss her

© Bertrand Guay/AFP/Getty Images
Gasprom-Vizechef Alexander Medwedjew auf einer Pressekonferenz am 5. Januar in Paris
Der russische Energiekonzern Gasprom hat ein schmutziges kleines Geheimnis. Er gibt sich stärker, als er ist. Tatsächlich muss der vermeintliche Riese das Gros seiner Gasförderung in Russland zu Preisen verkaufen, die deutlich unter den im Export erzielbaren Preisen liegen. Obendrein muss er sogar selbst Gas importieren, um sämtlichen seiner Exportverpflichtungen nachkommen zu können. Dieses Geschäftsmodell hat wiederholt zu Ärger geführt – und ist auch der Kern des jüngsten Konflikts zwischen dem ukrainischen Staatsunternehmen Naftogas und Gasprom.
Durch die "Gefahrenzone" in der Ukraine wird auch für Westeuropa bestimmtes Erdgas aus Russland gepumpt, normalerweise. Nun allerdings kommt immer weniger von dem flüchtigen Brennstoff aus der Röhre. Gasprom, das zeigen die ungewöhnlich intensiven PR-Aktivitäten des Unternehmens, gibt sich zwar alle Mühe, den Verdacht der Unzuverlässigkeit bei seinen westlichen Geschäftspartnern erst gar nicht entstehen zu lassen. Trotzdem – und obwohl der russische Konzern Westeuropa tatsächlich nicht treffen will – offenbart der jüngste russisch-ukrainische Gasstreit, dass die Lage auch für die hiesige Kundschaft weniger komfortabel ist, als es an wärmeren Tagen und in ruhigeren Zeiten scheint. Der Grund dafür: mangelnder Wettbewerb.
Auf dem postsowjetischen Gasmarkt hat Gasprom die Konkurrenz schon weitgehend abschaffen können. Dabei fördert das Unternehmen selbst gar nicht genug Gas, um sämtliche Kundenwünsche befriedigen zu können. Insbesondere die Ukraine wird deshalb mit Erdgas beliefert, das Gasprom erst selbst einkaufen muss – und zwar in den ehemaligen Sowjetrepubliken Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan. Aus Moskauer Sicht ist es klug, die Gasanbieter aus den zentralasiatischen Staaten auf diese Weise als Konkurrenten auszuschalten. Allerdings hat das Monopolstreben auch einen Preis: Weil an dem zentralasiatischen Gas beispielsweise auch China interessiert ist, lassen sich Turkmenistan & Co auf Dauer nicht mit Billigpreisen abspeisen. Seit Jahresbeginn zahlt Gasprom deshalb deutlich mehr für zentralasiatisches Gas.
Es gehört zu der auf dem Gasmarkt üblichen Unsitte der Intransparenz, dass die genauen Einkaufspreise Geschäftsgeheimnis sind. Kein Geheimnis ist allerdings, welchen neuen Preis Gasprom von der Ukraine verlangt: Erst war von 250 Dollar – statt bislang 179 Dollar – pro 1.000 Kubikmeter Gas die Rede, später von 400 Dollar. Das entspricht in etwa jenem Preis, der auf dem Weltmarkt zu erzielen ist. Auch wenn der genaue Betrag noch ausgehandelt werden muss, steht doch heute schon fest, dass die Ukrainer deutlich mehr werden zahlen müssen. Wie viel davon in Gasproms Kasse landet und was in den Armenhäusern Turkmenistan und Usbekistan ankommt, bleibt einstweilen unklar.
Klar wird indes, was der Westen aus dem Gasstreit lernen könnte: dass nur Konkurrenz Marktmacht brechen kann. Mittels Diversifizierung hätte auch Deutschland durchaus noch Spielraum – etwa durch den Bau eines Terminals für die Anlandung von Flüssiggas aus anderen Regionen.
- Datum 03.08.2009 - 13:14 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.01.2009 Nr. 03
- Kommentare 6
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"Es gehört zu der auf dem Gasmarkt üblichen Unsitte der Intransparenz, dass die genauen Einkaufspreise Geschäftsgeheimnis sind."
Was soll das den bitte? Kennen Sie ein Unternehmen, das seine Einkaufspreise öffentlich macht? Glauben Sie vielleicht ernsthaft, dass beispielsweise mein Arbeitgeber - ein mittelständisches Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie - seine Einkaufspreise veröffentlicht?
Jedes ernsthaft wirtschaftende Unternehmen behandelt seine Kosten (Höhe und Struktur) sowie seine Kalkulation als Unternehmensgeheimnis, was auch absolut legitim ist.
Zwar ist eine Kontrolle derselben bei Mono- oder Oligopolen - insbesondere bei Gütern des Grundbedarfs - angebracht, um Missbrauch der Markstellung vorzubeugen. Jedoch reicht es hier, wenn die zuständige Wettbewerbsbehörde über diese Daten verfügt, um die Angemessenheit von Preiserhöhungen zu überprüfen. Eine breite Veröffentlichung wäre hier IMHO unangemessen, da diese berechtigte Schutzinteressen der betroffenen Unternehmen gravierend verletzen würde.
Dem berechtigten Schutz der Verbraucher vor "Abzocke" kann ja bereits durch die Arbeit der zuständigen Regulierungs- bzw. Wettbewerbsbehörden nachgekommen werden. Leider fehlen diesen in Deutschland hierzu weitgehend wirksame Instrumentarien und Sanktionen. Insbesondere scheint auch kein politischer Wille vorhanden zu sein, diese zu schaffen. Angesichts der lukrativen Pöstchenschieberei an "verdiente" Politiker von Seiten der Energiewirtschaft und deren bezahlten Söldnern (offiziell "Leihbeamte" genannt) in den Ministerien, die die passenden Gesetze gleich selbst verfassen dürfen, verwundert dies auch nicht weiter.
wie kann man in einer globalisierten Markt-Welt Marktpreise fordern? Das ist doch unverschämt! Noch schlimmer, vom Gewinn kommt in Turkmenistan nichts an..... Skandal!!! Tja, so ist er halt, der Russe (Opa hat's immer gesagt!) Da ist das doch bei uns in Deutschland ganz anders, viel besser und gerechter eben. Da bekommt jeder pünktlich seinen gerechten Lohn, Gewinnbeteiligung, besonders in Klein- und Mittelunternehmen, Ehrensache! Genau wie die würdige Vergütung der Erzeugerleistungen im Ausland. Ich erinnere hier nur mal an den Bayern-München-Fußball, der, in D seinerzeit für 120 DM verkauft wurde, und für den sage und schreibe 3,5 DM an die Näher-Kinder in Indien (sind so kleine Hände...) gezahlt wurden.
Diese Großzügigkeit hätte den Verein fast ruiniert. Gott sei Dank ist Alles noch mal gut gegangen ....
Aber zurück zum Gas: ist das alljährliche Wintermärchen mit den zugedrehten Gashähnen nicht eine Inszenierung, die auch beim letzten Kunden die resignierte Einsicht fördert: da müssen ja die Preise steigen!
Und alle Akteure von Gazprom bis eon-Ruhrgas über Juschtschenko reiben sich die Hände. Dinner for three also - the sam procedere like every year!
Interessanter und informativer Artikel. Doch die Lösung, die die Europäer suchen und verwirklichen müssten, ist eine auf europäischer Ebene verstaatliche allgemeine Energieversorgung durch ein einziges europäisches Energieunternehmen, die von einem demokratirischen Europararat verwaltet würde. Da vertraut der Bürger schon mehr die Politik als den Markt.
Eine verstärkte Konkurrenz zum Erdgas kann man auch durch Verlängerung der Laufzeiten oder sogar kompletten Neubau von Atomkraftwerken schaffen. Dies sehen viele Länder so, nur in Deutschland steckt man den Kopf in den Sand.
Wie wäre es denn einmal mit der Forschung und möglicher Exploration von Methan-Hydrtaten. Schätzungen gehen dahin, dass dort der Energievorrat in einer Größenordnung vom 2,4 fachen aller fossilen Brennstoffen vorhanden sind.
Bei der jetzigen Situation um das russische Erdgas zeigt sich die teilweise Konzeptlosigkeit der deutschen Energiepolitik. Sie zeigt aber auch die Misere der grünen Umweltpolitik. Auf Partnern wie Russland ist eben keine hundertprozentiger Verlass, und die grünen Träumer werden deshalb auch wieder zur Atomkraft zurückkehren, wenn sich die Umstände wie die derzeitigen in Russland öfters wiederholen.
Es gibt noch einen zu diskutierenden Sachverhalt. Die Meldungen zu einer beginnenden globalen kleinen Eiszeit kommen vor allem aus Rußland von den dortigen Wissenschaftlern. Putin gewinnt seine Erkenntnisse zum zukünftigen Klimageschehen weniger vom IPCC als vielmehr von seinen Wissenschaftlern, die den Prophezeiungen der Klimaalarmisten sehr reserviert gegenüber stehen.
Nach Angaben von russischen Astr-Physikern, aber nicht nur von denen, stehen wir vor einer weltweiten Abkühlung der globalen Temperaturen, und zwar bis zum Jahre 2040.
Dadurch wird natürlich die Konkurrenz auch gestärkt, und zwar von der Nachfrageseite, wenn sich noch mehr Ländern um russisches Erdgas streiten.
Aber für die EU spielt das keine Rolle. Wir werden die Energieprobleme mit Windrädern und Photovoltaik lösen. Nur darf es dann nicht so kalt werden wie derzeit.
Das Jahr 2008 war, laut Fazit des Deutschen Wetterdienstes, wärmer und trockener als der langjährige Durchschnitt. Sehr wahrscheinlich wird auch 2008 in die Top Ten der wärmsten Jahre seit 1901 vorstoßen. Vier Jahre aus diesem Jahrtausend sind bereits in dieser Liste, die angeführt wird vom Rekordjahr 1998. Nun gibt es seit ein paar Tagen ausnahmsweise normale Wintertemperaturen und schon wird eine neue Eiszeit halluziniert, um mal wieder Atomkraftwerke zu propagieren.
Zu #6 von peter2:
Ein Buch von Hans-Werner Sinn ist stets zu empfehlen, wenn man wissen will, was garantiert nicht zutrifft bzw. in der Zukunft nicht passieren wird.
Das Jahr 2008 war, laut Fazit des Deutschen Wetterdienstes, wärmer und trockener als der langjährige Durchschnitt. Sehr wahrscheinlich wird auch 2008 in die Top Ten der wärmsten Jahre seit 1901 vorstoßen. Vier Jahre aus diesem Jahrtausend sind bereits in dieser Liste, die angeführt wird vom Rekordjahr 1998. Nun gibt es seit ein paar Tagen ausnahmsweise normale Wintertemperaturen und schon wird eine neue Eiszeit halluziniert, um mal wieder Atomkraftwerke zu propagieren.
Zu #6 von peter2:
Ein Buch von Hans-Werner Sinn ist stets zu empfehlen, wenn man wissen will, was garantiert nicht zutrifft bzw. in der Zukunft nicht passieren wird.
Interessante Beiträge! "Faustus 34" hat Recht: 1.) Kernenergie (Deutschland ist der Geisterfahrer!). 2.) Forschung in neue Recourcen z.B. Explorations- und Förder-Technologie zum Thema Methan-Hydrat. Zu einem anderen Komentator: Flüssiggas anlanden: richtig zur Diverifizierung auf dem Gebiet Erdgas; schon heute liefern mehr als 200 LNG Tanker v.a. Gas aus dem weltweit 2. wichtigsten Gas-Recourcen Land, Qatar, nach USA, aber auch nach Spanien, Portugal, Frankreich, vermutlich auch schon nach Japan. Ein Argument gegen Anlanden von Flüssiggas, insbesondere auch an der amerikanischen Ostküste, ist immer wieder Thema Sicherheit für angrenzende Gemeinden; daher ggf. Entlade-Terminals offshore vorsehen. Zu Kernenergie und erneuerbare Energien empfehle ich u.a. das neue Buch von Hans-Werner Sinn "Das Grüne Paradoxon".
Das Jahr 2008 war, laut Fazit des Deutschen Wetterdienstes, wärmer und trockener als der langjährige Durchschnitt. Sehr wahrscheinlich wird auch 2008 in die Top Ten der wärmsten Jahre seit 1901 vorstoßen. Vier Jahre aus diesem Jahrtausend sind bereits in dieser Liste, die angeführt wird vom Rekordjahr 1998. Nun gibt es seit ein paar Tagen ausnahmsweise normale Wintertemperaturen und schon wird eine neue Eiszeit halluziniert, um mal wieder Atomkraftwerke zu propagieren.
Zu #6 von peter2:
Ein Buch von Hans-Werner Sinn ist stets zu empfehlen, wenn man wissen will, was garantiert nicht zutrifft bzw. in der Zukunft nicht passieren wird.
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