Kunstmarkt
Am 200. Geburtstag Abraham Lincolns wird das Manuskript seiner Rede zur Amtseinführung 1864 versteigert»Ich verbringe viel Zeit mit der Lektüre von Lincoln. In seiner Auffassung vom Regieren finden sich Weisheit und Bescheidenheit«
Erste Seite des Manuskripts von Abraham Lincolns Victory Speech, 1864
Als das Wahlergebnis endlich feststand, kam es überall im Land zu spontanen Feiern auf den Straßen. In Washington versammelte sich eine große Menge vor dem Weißen Haus. Bands spielten, irgendwo wurde eine Kanone abgefeuert. Dabei hatte zunächst nicht einmal festgestanden, ob der Kandidat die Mehrheit seiner eigenen Partei hinter sich versammeln würde. Spät nominierte sie ihn – auch wegen des Krieges, der Amerika spaltete. »Und nun, da die Wahl vorüber ist«, rief der neue und alte Präsident den Menschen in seiner ersten Rede zu, »werden da nicht alle, die ein gemeinsames Interesse haben, sich in einer gemeinsamen Bemühung wieder vereinen, um unser gemeinsames Land zu retten?« Und das Volk jubelte ihm zu.
Abraham Lincolns Victory Speech von 1864 gehört zu den berühmtesten Reden, die je ein amerikanischer Präsident hielt. Jedes Schulkind in den USA liest sie mindestens einmal im Leben. Erstaunlicherweise fand das Manuskript, mit dem Lincoln seine zweite Amtszeit begann, bislang nicht in die Sammlung einer öffentlichen Einrichtung. Daher kann das Auktionshaus Christie’s die vier handschriftlich abgefassten Blätter nun am 12. Februar 2009 in New York versteigern, dem 200. Geburtstag von Abraham Lincoln – drei Wochen nachdem mit Barack Obama wieder ein Hoffnungsträger Präsident der USA geworden ist.
Zu Lincoln hat das intellektuelle Amerika ein so inniges Verhältnis wie zu keinem anderen Präsidenten. Hohe Summen waren Sammler bereit selbst für kleinste Teile seines Nachlasses zu zahlen. Steht sogar eine Devotionalie zum Verkauf, die Lincolns Hand berührte, kennt der Patriotismus keine finanziellen Grenzen. Auf 3,4 Millionen Dollar steigerten sich zwei Privatsammler im April 2008 hoch, als in New York jener Brief aufgerufen wurde, mit dem Lincoln 1864 die Bitte von 195 Mädchen und Jungen beantwortete, die Sklaverei abzuschaffen.
Das nun angebotene Manuskript schenkte Lincolns Sohn Robert 1916 dem New Yorker Kongressabgeordneten John A. Dwight. Dessen Witwe gab die kostbare Handschrift der Southworth Library Association in Dryden im Bundesstaat New York. Die lieferte das Manuskript nun zur Auktion ein, um einen Anbau und den Betrieb der Bibliothek zu finanzieren. Der Schätzpreis liegt bei mindestens drei Millionen Dollar. Stefan Koldehoff
Barack Obama wird am 20. Januar als 44. Präsident der USA ins Amt eingeführt
ZEIT magazin Fotos––– Olivier Douliery/Abaca/face to face; Christie’s Images Ltd.
- Datum 08.01.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.01.2009 Nr. 03
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren