Auf die Lehrer kommt es an
Bildungsexperten blicken zurück und voraus: »Wie war’s, wie wird’s?«
Ihr Expertenzirkel weist zum Thema Schule auf viele und vielleicht auch wichtige Punkte hin, aber der meiner Meinung nach wichtigste Punkt wird nur am Rande erwähnt: Die Lehrer.
Ich als Schüler behaupte, dass die Lehrer der entscheidende Faktor für eine gelungene Bildungspolitik sind. Alle anderen angesprochenen Probleme werden durch engagierte und in ihrer Gestaltung freie Lehrer aufgehoben. Ich sehe ihn praktisch vor mir: den gut bezahlten, bestens in Pädagogik ausgebildeten Lehrer, der seinen Schülern kreativ motiviert und fächerübergreifend angemessene Methoden und sinnvollen Stoff vermittelt. Natürlich ist das utopisch, aber vielleicht ist es genau das, was wir im Moment brauchen: Mehr Mut zur Utopie und keine pessimistischen Ausblicke in die Zukunft.
Es ist doch eigentlich gar nicht so schwer, gute und einheitliche Bildungspolitik zu machen! Was man braucht, ist erstens eine soziale Aufwertung des Lehrerberufs, in allen Schulformen – damit Menschen Lehrer werden, die wirklich Interesse an diesem Beruf und den Kindern haben und die keine pedantischen Bürokraten sind. Eine gute Maßnahme wäre es, die schlechte und uneinheitliche Bezahlung in den Bundesländern zu vereinheitlichen. Ein Hauptschullehrer vermittelt zwar selten Cicero oder Kant, aber leistet dafür wahrscheinlich ein Vielfaches mehr an pädagogischer Arbeit. Beim Klassenprimus Finnland ist Lehrer ein Traumberuf.
Das größte Problem ist meiner Meinung die mangelhafte Ausbildung von Lehrern an den Universitäten. Die Schwerpunkte, auf die es wirklich ankommt, nämlich eine praxisbezogene Bildung in Pädagogik und das kreative Vermitteln von Methoden und nicht nur von (manchmal) sinnlosem Stoff, werden nur selten weitergegeben und müssen in den starren Reglements des Schulalltags von engagierten Lehrkräften selbst gefunden werden. Beim Lehren in Schulen ist fachliche Bildung sicher wichtig. Sehr viel wichtiger ist eine gewisse Ausbildung im Umgang mit Kindern und ihren Problemen. Wer in der Schule immer nur sehr gute Noten geschrieben hat, wird sich nie in ein Kind hineinversetzen können, das nur ausreichende Leistungen erbringt, und es dementsprechend fördern, wenn er es nicht gelernt hat.
Des Weiteren bin ich mir nicht ganz sicher, welche Auffassung von Bildung Ihre Expertengruppe hat. Aber das Lernmodell des Nürnberger Trichters führt sicher nicht zu kritischen und aufgeklärten Menschen. Wie kann ein guter Lehrer selbstbewusst und mit Engagement etwas vertreten, was ihm sinnlos vorkommt, was ihn nicht interessiert und von dem er merkt, dass es auch die Schüler nicht interessiert? Jeder, der schon einmal einen Vortrag über etwas für ihn Uninteressantes gehalten hat, kennt dieses erniedrigende Gefühl, wenn die Aufmerksamkeit der Zuhörer nachlässt. Deshalb sollte ein Großteil der Stellen in Kultusministerien mit guten ehemaligen Lehrern besetzt werden.
Denn wie will jemand beurteilen, ob etwas im Unterricht realisierbar und wichtig ist oder nicht, wenn er noch nie gelehrt hat? Dies ist wahrscheinlich der wichtigste Bestandteil einer gelungenen Bildungspolitik. Sie muss von Lehrern und eventuell auch Eltern und Schülern unter gewissen generellen, hoffentlich bundeseinheitlichen Grundsätzen selbst gemacht oder wenigstens beeinflusst werden.
Aber genau das passiert nicht. Warum haben sie unter fünf verschiedenen Experten nicht wenigstens zwei engagierte Lehrer und einen Schüler befragt?
Moritz Andresen Schüler eines Gymnasiums in Niedersachsen
- Datum 08.01.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.01.2009 Nr. 03
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