USA Prima Klima im Weißen Haus
Obamas wichtigste Wissenschaftsberater
Eine bestimmte Sorte Menschen geht John Holdren so sehr auf den Geist, dass er sie nur in Anführungszeichen erwähnt: Für »Skeptiker« des Klimawandels hat Holdren nur Verachtung übrig. Der neue Wissenschaftsberater von Barack Obama gilt als unnachgiebiger Kämpfer in der Klimadebatte. Schon in den achtziger Jahren sagte Holdren voraus, bis zum Jahr 2020 werde eine Milliarde Menschen durch Klimakatastrophen sterben. Nun wird der Plasmaphysiker, der Umweltpolitik an der Harvard University lehrt, neuer Direktor des einflussreichen Office of Science and Technology Policy. Neben seinem Einsatz für nachhaltige Energieversorgung hat sich der Wissenschaftler besonders als Atomwaffengegner einen Namen gemacht. Als Wissenschaftsberater stehen ihm der Medizin-Nobelpreiträger Harold Varmus und der Genomforscher Eric Lander zur Seite.
Auch der neue Energieminister Steven Chu will mit allen Mitteln gegen die globale Erwärmung kämpfen. Bisher arbeitete der Physiker und Nobelpreisträger als Direktor des Lawrence Berkeley National Laboratory, dessen Forschungsschwerpunkte er mehr in Richtung Biosprit, Solarzellentechnologie und künstliche Photosynthese verschoben hat. Manche Kritiker irritiert, dass man Chu große Industrienähe nachsagt. Im vergangenen Jahr hat der Physiker mit British Petroleum (BP) eine Förderung über 500 Millionen Dollar zur Erforschung erneuerbarer Energien ausgehandelt. Einige sehen darin Vorboten eines neuen Kurses der öffentlich-privaten Partnerschaft in Energiefragen. Als Direktor des Energieministeriums wird Chu einem der größten Geldgeber der Grundlagenforschung in den USA vorstehen.
Dass sowohl Holdren als auch Chu sich dem Problem der Klimaerwärmung widmen, beschwört Koordinationsprobleme herauf. Für diesen Fall gibt es den neu geschaffenen Posten der »Koordinatorin für Energie und Klimafragen im Weißen Haus«. Diesen Posten wird Carol Browner übernehmen. Die »Klima-Zarin« war Chefin der Umweltbehörde EPA unter Bill Clinton (Al Gore war ihr Mentor). In dieser Eigenschaft war sie 2001 allerdings ins Gerede gekommen. Eine Angestellte hatte über Rassendiskriminierung in der Behörde geklagt und auf ihre Bürgerrechte gepocht, was bei der EPA-Chefin nicht gut ankam. Die Angestellte musste gehen. Auch in ihrem neuen Amt dürfte sich Carol Browner, die ein Fan von Hillary Clinton ist, nicht nur Freunde machen.
- Datum 09.01.2009 - 04:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.01.2009 Nr. 03
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren