Spielen Lebensgeschichte

Sie sei »ein wenig eigen« in ihren Vorstellungen von Liebe und Freundschaft, schrieb sie als junges Mädchen ihrer besten Freundin. Vielleicht lag das an den Erlebnissen ihrer Kindheit. Ständig zog die Familie um, weil wieder einmal eine der spekulativen Seifenblasen des Vaters geplatzt war. Die Verantwortung für die Geschwister übernahm sie als zweites von sechs Kindern schon früh, und später auch für die Mutter, die der Vater im Alkoholrausch verprügelte. Sie legte sich vor die Tür zum Schlafzimmer, um sie vor dem Vater zu beschützen. Die intellektuelle Atmosphäre im Elternhaus der Freundin empfand sie als befreiend, ihr selbst fehlte jegliche Schulbildung. Als der bankrotte Vater sie zudem zwang, ihm das Erbe auszuhändigen, das sie mit Erreichen der Volljährigkeit erhalten sollte, sah ihre Zukunft düster aus. Mit 18 Jahren schlug sie die Karriere ein, die jungen Mädchen aus gutem, aber armem Hause offenstand: In kurzer Abfolge wurde sie Gesellschafterin, Gouvernante und gründete mit ihren beiden Schwestern eine Schule für Mädchen. Die Freundin, mit der sie die Schule als eine Art weibliches Utopia ersonnen hatte, war doch der Konvention gefolgt und hatte geheiratet.

Als die Schule an finanziellen Problemen scheiterte, beschloss sie mutig, sich als Autorin selbstständig zu machen. Sie zog in die Hauptstadt und lernte in kürzester Zeit Fremdsprachen, schrieb Rezensionen, übersetzte und lektorierte. Sie begegnete bedeutenden Intellektuellen, bei einer Gesellschaft auch ihrem späteren Mann. Zunächst waren allerdings beide enttäuscht voneinander, sie griff ihn in allem an, was er sagte. Dafür verliebte sie sich in einen Künstler, der jedoch an seiner Ehe festhielt. Enttäuscht, dass er ein Zusammenleben zu dritt ablehnte, und auf der Flucht vor dem Skandal reiste sie in ein Land, dessen politische Entwicklung sie bereits in einem Buch vehement verteidigt hatte. Nun wollte sie erleben, wie sich diese neuen Ideen in die Praxis umsetzen ließen. Leidenschaftlich verliebte sie sich dort in einen Abenteurer, der sie als seine Frau ausgab, sich allerdings weigerte, sie zu heiraten, auch als sie ein Kind bekam. Um ihn zu halten, bereiste sie in seinen dubiosen Geschäften fremde Länder. Dennoch trennte er sich von ihr; verzweifelt versuchte sie zwei Mal, sich umzubringen.

Später veröffentlichte sie ihre Briefe von dieser Reise. »Wenn es je ein Buch gab, das einen Mann in die Autorin verliebt machen sollte, dann dieses«, schrieb der Mann, der radikal die Abschaffung der Ehe forderte und sie dann heiratete. Sie erwartete ein Kind von ihm, dieses wenigstens sollte legitim sein. Elf Tage nach der Geburt starb sie. Der Nachruf des untröstlichen Witwers wurde zwar als abschreckendes Beispiel für die Folgen der Unmoral missbraucht, ihr Leben aber inspirierte Dichter, ihre Schriften erfuhren eine späte Würdigung, und ihre Tochter wurde berühmter als sie selbst. Wer war's?

Wolfgang Müller

Lösung aus Nr. 2:
Nico (1938 bis 1988), eigentlich Christa Päffgen, stammte aus Köln und modelte in Paris, bevor sie in die USA ging, wo sie Andy Warhol, Lou Reed, John Cale, Bob Dylan und andere traf. Als Sängerin von Velvet Underground wurde sie zur Rock-Ikone. 20 Jahre lang schwer heroinabhängig, wagte sie den Entzug mit Methadon. Da starb sie bei einem Fahrradunfall

 
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