Ich habe einen Traum "Eine Million Bäume in New York"

Ein Schrebergarten in Frankfurt inspirierte die Sängerin und Schauspielerin Bette Midler zu ihrem Umweltprojekt

Ich träume davon, aus New York einen sauberen, lebenswerten Garten zu machen. Dafür setze ich mich seit 15 Jahren mit meiner Umweltgruppe Restoration Project ein. Diese Idee geht zurück auf einen Deutschlandbesuch in den frühen achtziger Jahren. Mein Mann ist Deutscher, sein Vater lebte in Frankfurt. Hinter dem Haus gab es kleine Gartenparzellen, in denen die Mieter Gemüse anpflanzten und ihre Häuschen verschönerten. Mein Schwiegervater zog Tomaten, kochte Marmeladen und Gelees – in der kleinsten Küche, die ich jemals gesehen habe. Sie war nicht mehr als drei Quadratmeter groß, aber aus ihr kamen wunderbare Gerichte. Ich erinnere mich an Kartoffeln mit Quark, die bis heute zu unseren Lieblingsgerichten zählen.

Als wir 1994 nach New York zogen, trug ich die Bilder von den Frankfurter Schrebergärten noch im Kopf. New York war trostlos und schmutzig, in den Parks handelte man mit Drogen und betrieb Prostitution. Jeden Tag fuhr ich meine Tochter mit dem Auto zur Schule, vom Süden Manhattans den West Side Highway hoch. So kamen wir immer an einem unglaublich verwahrlosten Park vorbei.

Eines Tages beschwerte ich mich beim zuständigen Amt, und der Mann am Telefon sagte: "Den Park finden Sie dreckig? Ich zeige Ihnen einen, der richtig heruntergekommen ist!" Er hatte nicht zu viel versprochen. Wir fuhren nach Washington Heights und besuchten einen 20 Hektar großen Park. Kriminelle benutzten ihn als Schrottplatz, weideten dort gestohlene Autos aus und ließen die Überreste einfach liegen oder verbrannten sie.

Da beschloss ich, etwas dagegen zu unternehmen. Ich rief das Restoration Project ins Leben, stellte Leute an, wir begannen die Autowracks abzutragen, reinigten das Gelände, eröffneten ein Café und pflanzten Bäume. Sobald die Autodiebe merkten, dass es neues Leben in ihrem Park gab, verschwanden sie, ohne jegliche Konfrontation. Ich setzte mir das Ziel, Grünflächen in alle fünf Stadtteile New Yorks zu bringen. In den nächsten zehn Jahren möchte ich eine Million Bäume pflanzen.

Das ist mein großer Traum. In Tribeca begann ich mit zwei Bäumen. Wir pflanzten sie mit großen Erdkübeln ein, weil es unter dem Asphalt hohl war, darunter fuhr die U-Bahn. Als wir die Bäume eingruben, liefen plötzlich die Menschen aus den umliegenden Gebäuden zusammen. Sie starrten uns an, als hätten sie noch nie einen Baum gesehen.

Und immer noch gibt es viel zu wenige Bäume. Wenn ich aus unserer Wohnung in der 16. Etage hinuntersehe, blicke ich auf den einen Baum in unserer Straße. Im Winter verfangen sich Plastiktüten in den Ästen. Dann träume ich davon, dass die New Yorker ihre Stadt eines Tages so sehr lieben werden, dass sie auf Plastiktüten verzichten und lernen, ihre Umwelt zu schätzen.

Aufgezeichnet von Ulf Lippitz

Bette Midler ist eine amerikanische Schauspielerin und Sängerin. Die 62-Jährige wuchs auf Hawaii auf, bekannt wurde sie in den siebziger Jahren dank ihrer voluminösen Stimme und des Films "The Rose", der auf dem Leben Janis Joplins basierte. Zurzeit gibt sie ein zweijähriges Las-Vegas-Gastspiel, kürzlich erschien ihr Greatest-Hits-Album "The Best Bette".

Zu hören unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • timto
    • 12.01.2009 um 17:48 Uhr

    In den letzten 1000 Jahren hat die Menschheit so unglaublich viele riesige Wälder abgeholzt. Für Schiffe wurde risiege Gebiete auf Irland, England, Spanien oder Island abgewaldet. In Amerika gibt es noch ca. 7% der Waldbestände die vor der Kolonialisierung da waren. Ganz zu schweigen von den Regenwäldern.
    1Mio Bäume und dazu ein verträumtes Gesicht. Lächerlich!
    Aber immerhin ein Anfang. Was wir doch eigenltich brauchen ist ein großes Konzept um ganz Europa wieder aufzuforsten! In Anbetracht der Klimaerwärmung und dem früher oder später entstehenden Bedarf nach Brennholz, sollte man schon bald beginnen flächendeckend Bäume anzupflanzen.
    Landschaftsplanerisch den Baum als zentrales Element einer urbanen Landschaft und nicht nur hier und da ein paar Zieralleen, das braucht der Mensch.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...und gleichzeitig brachten die riesigen entwaldungsaktionen der vergangenheit landschaften hervor, die einen schlichten wald an artenvielfalt und ökologischer stabilität um längen übertrafen.

    wer "die natur" lediglich auf bäume reduziert, hat weder von der natur noch vom menschen wirklich eine ahnung. und wer den "baum als zentrales element einer urbanen landschaft" bezeichnet, hat, mit verlaub, nicht mal von der "urbanen landschaft" eine ahnung.

    Man muss dann nur noch die Sache mit der Landwirtschaft und den Raum den die Menschen benötigen klären.
    Man könnte Ökolandwirtschaft verbieten (da sie mehr Raum braucht als Intensivlandwirtschaft) und den so frei werdenden Raum für Bäume nutzen. Des weiteren könnte man die Architektur der 60er und 70er wieder rausholen. Alle sollen in mind. 15-stöckigen Hochhäusern wohnen, die alle eng beieinander sind. So wird auch Platz für Bäume frei.

    Merkwürdiger Vorschlag zu versuchen einen so dicht besiedelten Kontinent wie Europa aufzuforsten und den Urwald wieder herzustellen...

    ...und gleichzeitig brachten die riesigen entwaldungsaktionen der vergangenheit landschaften hervor, die einen schlichten wald an artenvielfalt und ökologischer stabilität um längen übertrafen.

    wer "die natur" lediglich auf bäume reduziert, hat weder von der natur noch vom menschen wirklich eine ahnung. und wer den "baum als zentrales element einer urbanen landschaft" bezeichnet, hat, mit verlaub, nicht mal von der "urbanen landschaft" eine ahnung.

    Man muss dann nur noch die Sache mit der Landwirtschaft und den Raum den die Menschen benötigen klären.
    Man könnte Ökolandwirtschaft verbieten (da sie mehr Raum braucht als Intensivlandwirtschaft) und den so frei werdenden Raum für Bäume nutzen. Des weiteren könnte man die Architektur der 60er und 70er wieder rausholen. Alle sollen in mind. 15-stöckigen Hochhäusern wohnen, die alle eng beieinander sind. So wird auch Platz für Bäume frei.

    Merkwürdiger Vorschlag zu versuchen einen so dicht besiedelten Kontinent wie Europa aufzuforsten und den Urwald wieder herzustellen...

  1. 2. ja,...

    ...und gleichzeitig brachten die riesigen entwaldungsaktionen der vergangenheit landschaften hervor, die einen schlichten wald an artenvielfalt und ökologischer stabilität um längen übertrafen.

    wer "die natur" lediglich auf bäume reduziert, hat weder von der natur noch vom menschen wirklich eine ahnung. und wer den "baum als zentrales element einer urbanen landschaft" bezeichnet, hat, mit verlaub, nicht mal von der "urbanen landschaft" eine ahnung.

    Antwort auf "Bäume zu Schiffen"
  2. Man muss dann nur noch die Sache mit der Landwirtschaft und den Raum den die Menschen benötigen klären.
    Man könnte Ökolandwirtschaft verbieten (da sie mehr Raum braucht als Intensivlandwirtschaft) und den so frei werdenden Raum für Bäume nutzen. Des weiteren könnte man die Architektur der 60er und 70er wieder rausholen. Alle sollen in mind. 15-stöckigen Hochhäusern wohnen, die alle eng beieinander sind. So wird auch Platz für Bäume frei.

    Merkwürdiger Vorschlag zu versuchen einen so dicht besiedelten Kontinent wie Europa aufzuforsten und den Urwald wieder herzustellen...

    Antwort auf "Bäume zu Schiffen"
  3. Angeblich könnte eine Begrünung der Hochhausdächer sogar Klimaregulierend auf New York wirken. Die Gebäude würden sich vom Dach her weniger aufheizen und somit könnten Klimaanlagen einsparen. Außerdem wären es Naherholungsgebiete für Mittagspausen :)

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  • Quelle DIE ZEIT, 08.01.2009 Nr. 03
  • Kommentare 4
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  • Schlagworte Traum | Theater | Musik | Hawaii | Janis Joplin | Prostitution | U-Bahn | New York | Manhattan
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