Wer an der Universität von Hawaii spätabends oder am Wochenende arbeiten möchte, muss ab sofort schwitzen. Um das Budget zu schonen, wird die Hochschule auf der amerikanischen Pazifikinsel ihre Klimaanlagen nur noch am Tag laufen lassen. Andere US-Hochschulen schlossen ihre Tore über die Jahreswende – um Heizkosten zu sparen. Gestrichene Reiseetats, in die Zukunft verschobene Bauvorhaben, erhöhte Studiengebühren: Die Finanzkrise hat Amerikas höhere Bildungseinrichtungen erfasst und zwingt sie zu teilweise drastischen Sparprogrammen. Viele stellen nur noch Teilzeitpersonal an, die Zahl der Jobangebote für Professoren ist stark gesunken.

Reiche wie arme, große staatliche Universitäten wie kleine private Colleges: Es gibt kaum eine Hochschule, die den Einbruch der Wirtschaft nicht spürt. Während die einen ihre Stiftungsvermögen schmelzen sehen, sorgen sich andere über sinkende Einnahmen aus Studiengebühren. Schon ertönen Hilferufe in Richtung des neuen Präsidenten. Obama soll die Bildungsindustrie mit staatlichen Hilfen stützen.

Für Philip Altbach, Bildungsexperte am Boston College, bedeutet der Finanzeinbruch die »größte Krise in der Geschichte der amerikanischen Universität«. Selbst die große Depression in den dreißiger Jahren habe die Hochschulen nicht so hart getroffen wie die Krise heute, weil sie damals weniger auf nichtstaatliches Kapital angewiesen waren. Was bislang ihre größte Stärke war, entpuppt sich nun als Schwäche des amerikanischen Universitätssystems: die Abhängigkeit von privatem Geld.

Sogar in Harvard, der reichsten Universität der Welt, wird nun gespart und gekürzt. Michael D. Smith, Dekan der Fakultät für Arts and Sciences, will das Budget seiner Fakultät um neun Prozent reduzieren, viele offene Stellen werden erst einmal nicht wieder besetzt. Die Elite-Hochschule in Massachusetts hat rund ein Drittel ihres Kapitalstocks verloren. Anderen Elite-Einrichtungen wie Yale oder Stanford ergeht es ähnlich. Jahrelang hatten sie ihr Vermögen um jährlich zehn Prozent oder mehr gesteigert, auch dank risikoreicher Anlagen auf dem Kapitalmarkt. Nun rächt sich der Wagemut ihrer Finanzstrategen.

Schenkungen in Millionenhöhe waren früher an der Tagesordnung

Gleichzeitig sinkt die Spendierfreude. Meldungen von Schenkungen in Millionenhöhe gehörten bisher zur Tagesordnung im amerikanischen Universitätsbetrieb und wurden kaum erwähnt. Jetzt sind sie zur Ausnahme geworden. Dass die Vanderbilt University in Nashville sich über 20 Millionen Dollar freuen kann, wird mit öffentlichem Erstaunen registriert.

Der Wertverlust der Eliteuniversitäten zieht viel Aufmerksamkeit auf sich, weil sich große Summen innerhalb weniger Monate in Luft auflösten. Langfristig einschneidend oder gar existenzbedrohend ist der Kapitalschwund jedoch kaum, sagt Ronald G. Ehrenberg, Direktor des Higher Education Research Institute an der Cornell University. Zwar seien die Harvards & Co nicht mehr so reich wie noch vor einem Jahr, doch als arm könne man sie deshalb noch lange nicht bezeichnen. 76 Universitäten verfügten Mitte 2008 über Stiftungen im Wert von über einer Milliarde Dollar. Noch im Sommer verkündete Harvard, sein Endowment sei nun auf 36,9 Milliarden Dollar gestiegen. Auf solch einem Finanzpolster lässt sich gemütlich sparen.

Wesentlich härter wird der Finanzcrash die vielen kleinen, privaten Institutionen treffen, besonders jene im Nordosten und Mittelwesten des Landes. Sie leben zu einem großen Teil von den Gebühren ihrer Studenten, weil sie nur über bescheidene Stiftungen verfügen, die sich zumeist unter der 50-Millionen-Dollar-Grenze bewegen. Zwischen 1982 und 2006 sind die Kosten für eine akademische Ausbildung landesweit um über 400 Prozent gestiegen, das mittlere Familieneinkommen in den USA stieg jedoch nur um rund 150 Prozent. An die 45000 Dollar im Jahr kostet ein Studium mittlerweile an einem Spitzencollege. Eltern aus dem Mittelstand müssen oft jahrzehntelang sparen, um eine solche Summe für ihre Kinder aufzubringen. In vielen Fällen hat die Krise die Sparguthaben aufgefressen. Nur die großen Namen wie Amherst, Wellesley oder Swarthmore verfügen über so hohe Stipendien, dass sich auch bedürftige Bewerber die Ausbildung leisten können. Der Rest der Colleges ist auf die Campusmaut angewiesen.

Zu dieser Gruppe zählen viele Hochschulen, die besonders ethnische oder religiöse Minderheiten ansprechen. Sie profitierten vor allem vom Wachstum der Studentenzahlen in den vergangenen Jahren. So verzeichneten die rund 100 Einrichtungen, die im Council for Christian Colleges and Universities organisiert sind, in den vergangenen 15 Jahren einen Zuwachs von über 70 Prozent. Nun lässt der erwartete Rückgang der Studentenzahlen sie zittern. Vier christliche Colleges mussten bereits Konkurs anmelden.