Von der Angst zur Ironie – und zurück
Schaut mal, wer da spricht! Die Angst hat niemals ausgedient. Sie steht am Anfang von 60 Jahren deutscher Wahlkämpfe und kehrt bis heute immer wieder. Selten ist die namenlose Bedrohung so allumfassend eingefangen worden wie in diesem Kleinkind-Klassiker der CDU von 1953. Steckt hinter der roten Hand nun der Kommunismus oder der Scharlach-Erreger? Und was hat die Gen-Food-Gefahr der Grünen mit finster-psychedelischen Kreisen zu tun? Am stärksten wirkt das Unheimliche, solange man es nur erahnen kann.
Doch im Diskurs der Angst spricht die politische Macht von oben zum bedrängten Bürger da unten. Seit Politiker den Wähler als Partner entdeckt haben, als ironisch zwinkernden Verbündeten gegen die politische Konkurrenz, suchen sie oft Ansprache auf Augenhöhe. »Keep Kohl!«, ein Appell der CDU, sollte noch 1998 Coolness suggerieren, da war der Kanzler schon so gut wie abgewählt. Die Sozialdemokraten gaben sich dagegen in zehn Jahren Regierungszeit nie wieder so ironiefreudig wie in ihrem letzten Oppositionswahlkampf 98. Die Ironie ist eben mit den Machtlosen. pat
- Datum 08.01.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.01.2009 Nr. 03
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