Nahost "Dialog der Gewalt"

Was will Hamas, was Israel? Die Ziele des ungleichen Krieges erläutert Josef Joffe

Nach einem israelsichen Raketeneinschlag im Gaza-Streifen. Blick von der israelischen Grenz-Seite

Nach einem israelsichen Raketeneinschlag im Gaza-Streifen. Blick von der israelischen Grenz-Seite

Gewiss, es gibt keine militärische Lösung im Konflikt Israel – Palästina. Aber es gibt auch keine politische – siehe »Madrid« und »Oslo«, siehe Rabin und Arafat im Weißen Haus 1993 und Camp David 2000. Siehe tadiyah – »Ruhe« –, die von Hamas beendet wurde, und zwar mit Worten wie diesen (Al-Aksa-TV, 24. Dezember): »Treibt sie in die Hölle! … Reißt sie in Stücke! … Habt kein Erbarmen! … Lasst keine Spur von ihnen übrig!«

Dass es mit einem solchen Gegner keine politische Lösung gibt, heißt freilich nicht, dass dieser »Dialog der Gewalt« keine politischen Interessen transportiert. Hamas wollte mit dem erneuten Raketenbeschuss einen günstigeren Waffenstillstand aushandeln, hat sich aber übel verrechnet. Denn diesmal kamen aus Israel nicht die üblichen Nadelstiche einer Regierung, die im Libanonkrieg 2006 so schimpflich versagt hatte, sondern die F-16 und schließlich die Panzer.

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Und die Israelis? Ihre Ziele liegen auf der Hand, genauer: in den offiziellen Auslassungen. Gesprochen wird von der »Zerstörung der terroristischen Infrastruktur«, der »Kontrolle mancher Areale, die als Abschussrampen fungieren«, schließlich der »Stärkung der Abschreckung« gegen Hamas. Interessant ist dagegen die Absenz just jener Ambitionen, die Jerusalem 2006 im Libanon hinausposaunt hatte: die totale Entmachtung von Hisbollah, regime change à la Olmert.

Interessanter ist aber ein anderer Unterschied: Die Zahl der Zivilopfer ist relativ klein, die Zahl der getroffenen Militärziele – Raketenfabriken, Tunnel – relativ hoch. Das bedeutet, dass Israels Dienste präzise Fingerzeige aus Gaza bekommen haben – sei’s von der entmachteten Fatah oder den Bürgern, die den Puritanismus und die Gewaltpolitik von Hamas nicht mehr ertragen wollen.

Diese »Kollaboration« ist ebenso bedeutsam wie die gar nicht so heimliche Freude der Sunni-Regime von Kairo bis Kuwait. Für die leistet Israel willkommene Drecksarbeit, fungiert doch Hamas als Vorhut iranischer Vorherrschaft. Palästinenser-Präsident Abbas schimpft zwar aus allen Rohren, aber auch er profitiert vom Vormarsch der Israelis.

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