USA Die fatalen Männer

Wäre die Weltgeschichte ohne George W. Bush anders verlaufen?

Im Irak protestieren die Menschen immer wieder gegen die Politik Bushs

Im Irak protestieren die Menschen immer wieder gegen die Politik Bushs

Männer machen Geschichte – für dieses Wort aus dem Jahre 1879 hat der Historiker Heinrich von Treitschke Schelte bezogen. Aber verdient er die heute noch immer? Haben wir nicht bis in die allerjüngste Zeit beiderseits des Atlantiks Anlass gehabt, über Treitschkes Wort nachzudenken? Hat nicht George W. Bush den vergangenen Jahren ganz persönlich seinen Stempel aufgedrückt – und stand nicht mit Al Gore ein Politiker bereit, unter dessen Führung die Geschichte womöglich ganz anders verlaufen wäre?

Gewiss kann man gegen Treitschke einwenden, dass Geschichte überhaupt nicht gemacht werden kann, sondern allenfalls das ist, was dabei herauskommt, wenn Männer versuchen, Geschichte zu machen, die Frauen dann erleiden müssen. In diesem eingeschränkten Sinne freilich stimmt jener Satz dann doch. Diese Männer sind allerdings sehr unterschiedlich am Geschäft der Geschichte beteiligt: als Befehlshaber, Meinungsmacher, Ausführende, Unbeteiligte, Opfer und Widersacher. Daraus erwächst die Frage, wer wie viel zum jeweiligen Geschehen beigetragen hat. Die personalistische Perspektive eines Treitschke betonte die Rolle der Anführer. Die kollektivistische Sicht seiner Kritiker lenkte den Blick auf die gesellschaftlichen Umstände, auf die sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen.

Der lesende Arbeiter in Brechts Kalendergeschichten fragte: »Alexander eroberte Indien. Er allein?« Gewiss nicht. Er kommandierte dort alles in allem wohl 70000 Mann, den Tross mit den Frauen nicht gerechnet. Der Erfolg des Königs beruhte auf einem gemischten Heer, das in wohlgeordneten Verbänden seine Siege erstritt. Ohne diese Männer war der König machtlos, aber ohne ihn wären auch sie nie nach Indien gezogen: Wenn Alexander das Heer nicht geführt hätte, dann hätte es auch kein anderer getan, dann hätte der indische Feldzug nicht stattgefunden. Dies lässt sich damit begründen, dass vor und neben Alexander – soweit wir wissen – kein Grieche auf die Idee gekommen ist, geschweige denn versucht hat, nach Indien zu ziehen. Ganz anders ist die Beweislage für den ersten Teil von Alexanders Feldzug, die Befreiung der Griechen Kleinasiens von der Perserherrschaft. Dies war in der griechischen Öffentlichkeit immer wieder gefordert und dreimal vergeblich in Angriff genommen worden. Daher ist zu vermuten: Hätte Alexander am Granikos den Heldentod gefunden, so hätte irgendwann später ein anderer die Aufgabe gelöst. In Kleinasien wäre Alexander ersetzbar gewesen, weil der Wunsch und die Durchführbarkeit gegeben waren. In Indien war das nicht der Fall, hier mussten die Voraussetzungen von Alexander erst geschaffen werden.

Das Beispiel zeigt, dass der individuelle Einfluss der großen Männer auf das Geschehen abhängt von der Wahrscheinlichkeit, mit der dieses zu erwarten war: geringer, wo man es kommen sah; größer, wo es überraschte. Der Grad der Wahrscheinlichkeit aber ergibt sich aus der Vorgeschichte und ihrem Gehalt an Zielstrebigkeit. Wo sich eine politische oder kulturelle, soziale oder ökonomische Entwicklung abzeichnet, bestimmt sie den Handlungsspielraum. Selbst auf der Höhe seiner Macht hätte Bismarck in Deutschland die Naturalwirtschaft nicht wiederherstellen können. Dies meinte Georgi Plechanow in seinem Essay Über die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte aus dem Jahr 1898, als er den großen Männern Einwirkung auf das »individuelle Gepräge der Geschehnisse«, nicht aber auf deren »allgemeine Richtung« zugestand. Bloß: Wo liegt die Grenze zwischen dem »individuellen Gepräge« und der »allgemeinen Richtung«?

Plechanow erklärte, wenn Napoleon am 15.November 1796 an der Brücke bei Arcoli gefallen wäre, dann hätte ein anderer Revolutionsgeneral die Rolle des Korsen übernommen. Dies mag man für Napoleons Italienfeldzug zugestehen. Ihn hätte auch, sagen wir, Masséna oder Augereau zu Ende führen können. Aber hätte einer der beiden sich zum Kaiser aufgeworfen und Moskau erobert? Wohl kaum. Jede historische Tat setzt die vorgegebene Möglichkeit zu ihr voraus, diese aber zu erkennen und zu verwirklichen erfordert unter Umständen ein seltenes Zusammentreffen von Einsicht, Tatkraft und Glück. Die Menge des Möglichen übersteigt die Zahl der realisierten Chancen ums Zehntausendfache.

Die Geschichte besteht aus einer Folge von Entscheidungssituationen, in denen jeweils eine von mehreren Möglichkeiten verwirklicht wird. Diese Entscheidungen können weitreichende Folgen haben, die von den Beteiligten mitunter falsch eingeschätzt werden, weil sie sich mehr von Emotionen als von Informationen leiten lassen. Das gilt für jeden Krieg, für jede Wahl. Da kann der Fortgang auf des Messers Schneide stehen. In einer angespannten Situation, in der zwei gleich starke Kräfte einander die Waage halten, kann ein echter oder inszenierter Zufall, eine Sondermeldung oder ein Demagogenauftritt Lawinen auslösen.

Fragen wir, worauf es beruht, dass bei solchen Gelegenheiten der Einfluss einzelner Persönlichkeiten so unterschiedlich eingestuft wird, so ist zunächst an die politische Haltung der Urteilenden zu denken. Monarchisten neigen wohl dazu, die Rolle des großen Einzelnen zu betonen, während Demokraten und Sozialisten mehr Gewicht auf die Umstände legen.

Diese Annahme ist indessen einzuschränken durch die Erfahrung, dass Massen emotionalisiert und mobilisiert werden können, wenn ein Notstand eingetreten oder ein spektakuläres Attentat gelungen ist wie an den Iden des März 44 vor Christus, in Sarajevo 1914 oder in New York 2001. In solchen Situationen können begabte Redner auftreten, die hohe Erwartungen zu nähren, Stimmungen zu schüren und schlafende Bedürfnisse zu wecken verstehen. Das konnten im Mittelalter Prediger wie Peter von Amiens sein, der die Kreuzzugsbewegung auslöste, oder in der Neuzeit Robespierre, der in der Krise von 1793 die Französische Revolution radikalisierte. Im Namen von »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit« tobte blutiger Terror. Ein Appell an die höchsten Werte rechtfertigt die härtesten Maßnahmen.

Die Jakobinerherrschaft zeigt, dass auch eine Demokratie vor Volksverführern nicht geschützt ist. Zumal in Krisensituationen können sie einen Massenrausch erzeugen und darüber einen Einfluss gewinnen, der dem eines absolutistischen Herrschers gleichkommt: so Lenin nach der demoralisierenden Niederlage der Russen bei Tannenberg 1914, so Hitler nach der Weltwirtschaftskrise und der Massenarbeitslosigkeit um 1930, so George W. Bush nach Nine Eleven, den Anschlägen vom 11. September 2001, die ja auch »von Männern gemacht« worden waren.

Lenin hatte nur seine Stimme zur Verfügung, Hitler nutzte das Radio und Bush das Fernsehen, um die Atmosphäre anzuheizen, die den Griff nach der Macht ermöglicht. Vermutlich hätte Al Gore, wäre er Präsident geworden, besonnener reagiert. Doch wissen wir nicht, wie weit Bush von Interessengruppen geschoben worden ist. Jedenfalls ist ihm der Griff in einer epochalen Kampagne gelungen; er hat seine Landsleute elektrisiert. Am 16. Oktober 2002 haben die Repräsentanten der amerikanischen Nation im Kongress ihrem Präsidenten durch ein staatsrechtlich korrektes Ermächtigungsgesetz die Entscheidung über Krieg und Frieden abgetreten, das heißt sich selbst aus der politischen Verantwortung verabschiedet. Damit besaß Bush eine ganz persönliche Verfügung über die größte Militärmacht, die es je auf dieser Erde gab, eine legale Vollmacht, an der das Schicksal von Tausenden hing. Das, was als Merkmal barocker Königsgewalt oder moderner Diktaturen gilt, die autorisierte Gewalt eines einzelnen Mannes über Leben und Tod von vielen, ist mithin auch in einer Demokratie von heute ohne Verfassungsbruch politisch möglich. Das hätte Treitschke nicht gewundert.

 
Leser-Kommentare
    • Serrax
    • 13.01.2009 um 11:07 Uhr
    1. (...)

    Gibts außer einigen Hinweisen auf historische Personen, Orte und Ereignisse irgend etwas gehaltvolles in diesem Artikel?
    (...entfernt. Bitte bleiben Sie fair. Die Redaktion/jk)

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    Not at all!

  1. 2. Nope!

    Not at all!

    Antwort auf "(...)"
  2. Mir hat der Artikel gefallen, weil er sich mit der Kausalität in der Geschichte befasst hat. Ich finde die Frage, ob ein Ereignis auch ohne eine bestimmte Person eingetreten wäre sehr interessant, weil man so viel realistischer die geschichtliche Bedeutung einer Person und von geschichtlichen Ereignissen einschätzen kann.
    Ich würde sogar sagen dieser Artikel war wesentlich gehaltvoller, als vieles andere, was ich bei der Zeit oft lese.

  3. Vielen Dank, Herr Demandt.
    Durch einprägsame Beispiele aus 2000 Jahren Weltgeschichte kommen sie pünktlich zum Mandatsende von George W. Bush den schlichtgeistigen Kritikern desselben mit einfachen Wahrheiten zuvor :
    Bush ist austauschbar
    Es hätte noch schlimmer kommen können - oder besser laufen können
    Ein anderer Präsident hätte u.U. auch nicht anders gehandelt oder später handeln können
    Ein anderer Präsident hätte ohne Irakkrieg u.U. die Basis für einen späteren atomaren Weltkrieg gelegt, usw, usw.

    Es ist wichtig, sich vor Augen zu führen, daß bei aller Kritik an Bushs Politik niemand sagen kann, ob andere Entscheidungen langfristig besser für den Planeten und seine Bewohner gewesen wären.
    Die o.g. Geschichtsstunde beweist, daß gerade Diplomatie und Appeasementpolitik die schlimmsten Kriege und größtes Leiden ermöglicht haben, daß Imperien erst fallen müssen, damit aus deren Asche erneuerte Gesellschaften hervorgehen können, daß unterschiedliche Entscheidungen doch zu gleichen Ergebnissen führen können - und visaversa.

    Die Amtszeit Bushs hat sicher vielen Menschen Leid beschehrt. Es wäre anmaßend zu behaupten, daß ein anderer Präsident dieses Leid hätte verhindern können. Geographisch oder zeitlich verschieben vielleicht.

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    Lieber Globalworx, haben Sie den Artikel eigentlich richtig gelesen? Ich meine, die Theorie der Entscheidungskette besagt doch eindeutig, dass eben doch EINE Person zu einem bestimmten Zeitpunkt weitreichende Folgen auslösen kann. Das finde ich logisch, denn wäre der nächste Atomkrieg von der Vorsehung determiniert, könnte ja jeder Mr. President sein. Es wäre egal, wer den Job machte.
    Globalworx, die grösste Heldentat Bushs ist es gewesen, Leuten wie Ihnen weiszumachen, dass ein Grüppchen von privaten Selbstmordpiloten das Wetterleuchten eines heraufziehenden Unterganges des Abendlandes bedeutete. "Entweder sie, oder wir", diese Stimmung hat Bush massgeblich, anfangs vielleicht aus persönlichen Motiven (er war ja damals fast weg vom Fenster und der Lacher der Nation), gefördert und am Leben erhalten. Nur durch seinen persönlichen Fatalismus ist aus einem isolierten Terrorattentat eine Selbstzerstörungsmaschinerie der westlichen Werte geworden.

    und ganz besonders ohne Vizepräsident Dick Cheney mit grösster Wahrscheinlichkeit völlig anders verlaufen. Es hätte nämlich weder einen 11. September 2001 noch einen Irak-Krieg gegeben.

    Wenn sie das bezweifeln, informieren sie sich mal über John O'Neill, den Chef der FBI-Ermittlergruppe, die den Terroristen unmittelbar auf den Fersen war, bis er aus Verärgerung über die permanenten Behinderungen durch die Regierung Bush den Job hinwarf und Sicherheitschef des WTC wurde, wo er am 11.9.2001 starb.

    Eine Regierung Gore hätte die Gruppe, die von der Regierung Clinton+Gore eingesetzt wurde, nicht behindert, sondern gefördert, so das die Terroristen verhaftet worden wären, bevor es überhaupt einen Anschlag gegeben hätte.

    So aber gehen der 11.9. und der nachfolgende Irakkrieg als das grösstmögliche Versagen der Polizei und Geheimdienste, das bewusste Unterdrücken von Informationen durch die Regierung (Pearl Harbour lässt grüssen) sowie das Belügen von Kongress und Senat für die Ermächtigung zur Invasion des Iraks in die Geschichte ein.

    Lieber Globalworx, haben Sie den Artikel eigentlich richtig gelesen? Ich meine, die Theorie der Entscheidungskette besagt doch eindeutig, dass eben doch EINE Person zu einem bestimmten Zeitpunkt weitreichende Folgen auslösen kann. Das finde ich logisch, denn wäre der nächste Atomkrieg von der Vorsehung determiniert, könnte ja jeder Mr. President sein. Es wäre egal, wer den Job machte.
    Globalworx, die grösste Heldentat Bushs ist es gewesen, Leuten wie Ihnen weiszumachen, dass ein Grüppchen von privaten Selbstmordpiloten das Wetterleuchten eines heraufziehenden Unterganges des Abendlandes bedeutete. "Entweder sie, oder wir", diese Stimmung hat Bush massgeblich, anfangs vielleicht aus persönlichen Motiven (er war ja damals fast weg vom Fenster und der Lacher der Nation), gefördert und am Leben erhalten. Nur durch seinen persönlichen Fatalismus ist aus einem isolierten Terrorattentat eine Selbstzerstörungsmaschinerie der westlichen Werte geworden.

    und ganz besonders ohne Vizepräsident Dick Cheney mit grösster Wahrscheinlichkeit völlig anders verlaufen. Es hätte nämlich weder einen 11. September 2001 noch einen Irak-Krieg gegeben.

    Wenn sie das bezweifeln, informieren sie sich mal über John O'Neill, den Chef der FBI-Ermittlergruppe, die den Terroristen unmittelbar auf den Fersen war, bis er aus Verärgerung über die permanenten Behinderungen durch die Regierung Bush den Job hinwarf und Sicherheitschef des WTC wurde, wo er am 11.9.2001 starb.

    Eine Regierung Gore hätte die Gruppe, die von der Regierung Clinton+Gore eingesetzt wurde, nicht behindert, sondern gefördert, so das die Terroristen verhaftet worden wären, bevor es überhaupt einen Anschlag gegeben hätte.

    So aber gehen der 11.9. und der nachfolgende Irakkrieg als das grösstmögliche Versagen der Polizei und Geheimdienste, das bewusste Unterdrücken von Informationen durch die Regierung (Pearl Harbour lässt grüssen) sowie das Belügen von Kongress und Senat für die Ermächtigung zur Invasion des Iraks in die Geschichte ein.

  4. Ohne die überflüssigen Hitler-Bush Analogien mitsamt Anspielungen auf das Ermächtigungsgesetz wäre der Artikel deutlich lesenswerter. Es nervt mittlerweile nur noch, mit welcher Zwanghaftigkeit in Deutschland Hitler und Bush in einen Topf geworfen werden. Als würde es nicht auch mal 'ne Nummer kleiner gehen. Und als hätten alle den Geschichtsunterricht (jedenfalls den Teil, in dem die Gräuel des NS-Regimes behandelt werden) komplett verpennt.

    Aber der Artikel handelt schließlich von "Wahrscheinlichkeiten" und "Erwartungshaltungen". Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Hitler-Bush Analogie ist in Deutschland natürlich hoch, aber von der ZEIT habe ich sowas eigentlich nicht erwartet. Aber Erwartungen können bekanntlich enttäuscht werden - was dann, so man der Logik des Autoren weiter folgt - umso überraschender ist.

  5. Lieber Globalworx, haben Sie den Artikel eigentlich richtig gelesen? Ich meine, die Theorie der Entscheidungskette besagt doch eindeutig, dass eben doch EINE Person zu einem bestimmten Zeitpunkt weitreichende Folgen auslösen kann. Das finde ich logisch, denn wäre der nächste Atomkrieg von der Vorsehung determiniert, könnte ja jeder Mr. President sein. Es wäre egal, wer den Job machte.
    Globalworx, die grösste Heldentat Bushs ist es gewesen, Leuten wie Ihnen weiszumachen, dass ein Grüppchen von privaten Selbstmordpiloten das Wetterleuchten eines heraufziehenden Unterganges des Abendlandes bedeutete. "Entweder sie, oder wir", diese Stimmung hat Bush massgeblich, anfangs vielleicht aus persönlichen Motiven (er war ja damals fast weg vom Fenster und der Lacher der Nation), gefördert und am Leben erhalten. Nur durch seinen persönlichen Fatalismus ist aus einem isolierten Terrorattentat eine Selbstzerstörungsmaschinerie der westlichen Werte geworden.

  6. und ganz besonders ohne Vizepräsident Dick Cheney mit grösster Wahrscheinlichkeit völlig anders verlaufen. Es hätte nämlich weder einen 11. September 2001 noch einen Irak-Krieg gegeben.

    Wenn sie das bezweifeln, informieren sie sich mal über John O'Neill, den Chef der FBI-Ermittlergruppe, die den Terroristen unmittelbar auf den Fersen war, bis er aus Verärgerung über die permanenten Behinderungen durch die Regierung Bush den Job hinwarf und Sicherheitschef des WTC wurde, wo er am 11.9.2001 starb.

    Eine Regierung Gore hätte die Gruppe, die von der Regierung Clinton+Gore eingesetzt wurde, nicht behindert, sondern gefördert, so das die Terroristen verhaftet worden wären, bevor es überhaupt einen Anschlag gegeben hätte.

    So aber gehen der 11.9. und der nachfolgende Irakkrieg als das grösstmögliche Versagen der Polizei und Geheimdienste, das bewusste Unterdrücken von Informationen durch die Regierung (Pearl Harbour lässt grüssen) sowie das Belügen von Kongress und Senat für die Ermächtigung zur Invasion des Iraks in die Geschichte ein.

    • suraf
    • 14.01.2009 um 0:59 Uhr

    Der Menschen im allgemeinen und die Wissenschaftler im besonderen mögen den Zufall nicht - so behauptete ein großer Physiker Gott würde nicht würfeln; auch wenn man sich zwischenzeitlich mit der Wahrscheinlichkeit arrangiert zu haben schien, bevorzugen heute einige Kosmologen Parallelweltentheorien gegenüber Wahrscheinlichkeitsaussagen.
    Die Gesellschaftswissenschaften, welche das Agieren großer Menschenmengen zu verstehen suchen, können den Zufall einfach als "Ausnahme von der Regel" ignorieren.
    Da der gemeine Historiker nun mal Mensch ist - und Wissenschaftler sein möchte, kommt auch in seinen Werken der Zufall eher selten vor. Leider können sich seine Untersuchungen nicht auf die historischen Sozialwissenschaften beschränken, denn in seinem Metier tritt die Anarchie des Zufalls immer wieder wirkmächtig auf.
    Es gibt sehr viele Menschen mit besonderen Fähigkeiten; um jedoch als "großer Mann" in die Geschichte einzugehen bedarf es einer Reihe günstiger Zufälle.
    Es ist eine Frage des Glücks ob ein befähigter Militärführer von Griechenland aus Indien erobern kann und als Alexander "der Große" in die Geschichte eingeht, oder wie Karl XII. bei Poltawa als "Hanswurst im Fürchterlichen".
    Einerlei ist es ob Menschen durch monarchische Erbfolge oder durch Einflußreiche Interessengruppen in Republiken in Führungspositionen kommen, "große Männer" zeichnen sich dadurch aus, daß sie unerwartetes tun. Andauernde Glücksträhnen werden von der Umwelt nicht als Zufall sondern als Vorsehung interpretiert und verleihen demjenigen noch mehr Macht.

    "Doch wissen wir nicht, wie weit Bush von den Interessengruppen geschoben worden ist" hat Prof. Demandt geschrieben. Interessen vor allem der Rüstungs- und Ölindustrie sowie die Theorien der Neokonservativen "think tanks" haben seine Politik bestimmt - er hat keineswegs unerwartetes getan, sondern die Gedanken dieser Berater exekutiert. Es war wohl auch hier der Zufall, daß 2000 die Wahlmaschinen in Florida nicht funktionierten, welcher diesen Gruppen die Hebel der Macht in die Hand gegeben hat.

    P.S. Manchmal haben große Männer auch überhaupt keine Macht, vermögen aber trotzdem dem Rad der Geschichte in die Speichen zu greifen. So hat der Tischlergeselle Georg Elser beschlossen den Zweiten Weltkrieg nicht stattfinden zu lassen - indem er Hitler 1939 bei einer Ansprache im Bürgerbräukeller duch eine Zeitzünderbombe tötet. Alles war perfekt durchdacht, allerdings verließ Hitler die Veranstaltung viel früher als alle erwartet hatten... ja,ja der Zufall.

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    Die Frage, die Prof. Demandt hier behandelt ist ä u ß e r s t aktuell. Der Grund: der weltindustrielle Fortschrittsprozess befindet sich in einer hochaufgeschaukelten Systemkrise, in der chaosphysikalische Effekte auftreten, d.h. kleine Anstöße k ö n n e n dominomächtige Wirkungen haben.

    Die Ursache-Wirkungsfrage ist in höchstkomplexen Systemen nur auf der Grundlage von Chaos- und Evolutionsprozessphysik fruchtbar zu diskutieren. Evolutionsprozess-Physik erlaubt den Einblick in die Welt der sich realisierenden Möglichkeiten, d.h. z.B. Einblicke in das Noch-Nicht-Sein einer durchsetzungsmächtigen 'konkreten Utopie' - oder anderer, mehrerer Entwicklungspfade. Chaosphysik erlaubt den Einblick in die Welt der Realisierungs-Szenarien und der erfolgreichen, kleinen Startpotenziale. Wer über beide Einblicke verfügt, kann den Lauf des Fortschrittsprozess bestimmen, d.h. 'Geschichte schreiben'.

    In Zeiten von Systemkrisen, in denen eine Gesellschaftsordnung auf einen Tipping-Point zustrebt, bei dem zwischen Crash oder gesteuerter Exodus entschieden wird, in Zeiten, in denen es keine Weiter-So-Perspektive gibt und sich die Systemfrage aufdrängt und ein Systemwechsel ansteht, wenn also gesellschaftliche Exodus- und Übergangsprozesse in eine umfassendere Akzelerationsordung von den Spitzen des Ancien Regime unterdrückt werden, kommt es schließlich allein auf einzelne Personen an, Personen, die den Erkenntnisstand, auf den Mut zu systemlogischen/chaosphysikalisch-bewußten Handeln, usf. aufbringen. Ein gutes Beispiel ist Michael Gorbatschow.

    In einer solchen Tipping-Point-Geschichtsphase befindet sich der weltindustrielle Fortschrittsprozess im Jahr 2009. Die Welt wird mit Notwendigkeit eine kleine Gruppe von Menschen hervorbringen, die das Exodus- und Übergangsprojekt in die folgende, evolutionsprozess-logische Ordnung des weltindustriellen Fortschrittsprozess anstoßen wird. Die Welt wartet auf auf eine/n globalen Gorbatschow/a. Sie wird sich von den Erkenntnissen der Chaos- und Evolutionsprozess-Physik leiten lassen und das herangewachsene Exoduspotenzial nutzen.

    PS. Aus den beiden Prinzipien 'Effizienz- und Steigerungs-Maximierung' der Evolutionsprozessphysik läßt sich auch der 'Zufall' rational erklären, warum Hitler im Bürgerbräukeller eine nur sehr kurze Rede hielt und er so dem Attentat von Georg Elser entging ... Das aber ist eine andere Geschichte.

    Die Frage, die Prof. Demandt hier behandelt ist ä u ß e r s t aktuell. Der Grund: der weltindustrielle Fortschrittsprozess befindet sich in einer hochaufgeschaukelten Systemkrise, in der chaosphysikalische Effekte auftreten, d.h. kleine Anstöße k ö n n e n dominomächtige Wirkungen haben.

    Die Ursache-Wirkungsfrage ist in höchstkomplexen Systemen nur auf der Grundlage von Chaos- und Evolutionsprozessphysik fruchtbar zu diskutieren. Evolutionsprozess-Physik erlaubt den Einblick in die Welt der sich realisierenden Möglichkeiten, d.h. z.B. Einblicke in das Noch-Nicht-Sein einer durchsetzungsmächtigen 'konkreten Utopie' - oder anderer, mehrerer Entwicklungspfade. Chaosphysik erlaubt den Einblick in die Welt der Realisierungs-Szenarien und der erfolgreichen, kleinen Startpotenziale. Wer über beide Einblicke verfügt, kann den Lauf des Fortschrittsprozess bestimmen, d.h. 'Geschichte schreiben'.

    In Zeiten von Systemkrisen, in denen eine Gesellschaftsordnung auf einen Tipping-Point zustrebt, bei dem zwischen Crash oder gesteuerter Exodus entschieden wird, in Zeiten, in denen es keine Weiter-So-Perspektive gibt und sich die Systemfrage aufdrängt und ein Systemwechsel ansteht, wenn also gesellschaftliche Exodus- und Übergangsprozesse in eine umfassendere Akzelerationsordung von den Spitzen des Ancien Regime unterdrückt werden, kommt es schließlich allein auf einzelne Personen an, Personen, die den Erkenntnisstand, auf den Mut zu systemlogischen/chaosphysikalisch-bewußten Handeln, usf. aufbringen. Ein gutes Beispiel ist Michael Gorbatschow.

    In einer solchen Tipping-Point-Geschichtsphase befindet sich der weltindustrielle Fortschrittsprozess im Jahr 2009. Die Welt wird mit Notwendigkeit eine kleine Gruppe von Menschen hervorbringen, die das Exodus- und Übergangsprojekt in die folgende, evolutionsprozess-logische Ordnung des weltindustriellen Fortschrittsprozess anstoßen wird. Die Welt wartet auf auf eine/n globalen Gorbatschow/a. Sie wird sich von den Erkenntnissen der Chaos- und Evolutionsprozess-Physik leiten lassen und das herangewachsene Exoduspotenzial nutzen.

    PS. Aus den beiden Prinzipien 'Effizienz- und Steigerungs-Maximierung' der Evolutionsprozessphysik läßt sich auch der 'Zufall' rational erklären, warum Hitler im Bürgerbräukeller eine nur sehr kurze Rede hielt und er so dem Attentat von Georg Elser entging ... Das aber ist eine andere Geschichte.

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  • Serie opi
  • Quelle DIE ZEIT, 08.01.2009 Nr. 03
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  • Schlagworte George W. Bush | USA | Indien | Moskau | New York | Sarajevo
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