USA Alles, jetzt und gleichSeite 2/2

Krasser kann ein Politikwechsel kaum ausfallen. Obamas Vorgänger George W. Bush und Bill Clinton widmeten sich beide erst in ihrem letzten Amtsjahr einem Friedensplan – für den Nahen Osten – und scheiterten. Zu sehr verhedderten sie sich in den teuflischen Details eines Abkommens zwischen Palästinensern und Israelis und verloren den Blick für das Ganze. Bush lehnte es überdies ab, mit Syrien und Iran zu verhandeln.

Obama und seine Experten haben die Versäumnisse und Fehler genau studiert, auch die eigenen, denn viele Berater standen einst im Dienst Bill Clintons. Hört man sich bei ihnen jetzt um, wird die neue Regierung alsbald einen diplomatischen Dreisprung wagen, von Gaza über Damaskus bis Teheran. Zunächst will Obama Hamas und Israelis zu einem Waffenstillstand drängen, viel weiter aber wird sich Amerikas neuer Präsident einstweilen nicht auf dieses nahöstliche Minenfeld vorwagen. Er möchte es am liebsten von außen, von Osten her, entschärfen – und damit zugleich einige Gewichte verschieben. Anders als Bush will Obama nach Kräften Friedensgespräche zwischen Israelis und Syrern fördern und zugleich die Fühler gen Iran ausstrecken.

Dahinter steckt eine klare Überzeugung. In Obamas Weltsicht hängt alles mit allem zusammen, die Wiederaufrichtung der Moral mit der Genesung der Wirtschaft und den Friedensaussichten. Das eine ist nicht ohne das andere zu haben. Deshalb bleibt seine große Hoffnung, dass ein von Selbstherrlichkeit befreites, prosperierendes und tugendhaftes Amerika wieder weit ausstrahlt und selbst auf die Despoten in Damaskus und Teheran anziehend und mäßigend wirkt. Das klingt bestechend, auch wenn der Weg dorthin unendlich schwer sein wird. Und doch: Amerika blickt auf den Epochenwechsel mit Zuversicht. Den neuen Präsidenten begleiten die guten Wünsche der ganzen Welt.

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