Unterhaltung Geschichte hautnah

Alfred Dorfer will mehr historische Spektakel sehen, damit das Leben wieder Sinn macht

Der römische Kulturbeauftragte mit dem klingenden Namen Broccoli sieht sich als Mann, der einen Bildungsauftrag zu erfüllen hat. Er möchte Gladiatorenkämpfe im Kolosseum wieder auferstehen lassen, natürlich in penibler historischer Rekonstruktion. Originale Kostüme und Kampftechniken sollen dem Publikum dabei ebenso geboten werden wie antike Gerüche. Der Gestank in den Straßen Roms soll ja einst beeindruckend gewesen sein. Ein imposantes Erlebnis also, das erlaubt, mit allen Sinnen in die Historie einzutauchen. Leider hinken hier österreichische Event-Organisatoren noch etwas nach. Wäre es nicht eine schöne Idee, etwa die Schlacht bei Aspern nachzustellen? Angesichts der Finanzkrise würde es an Komparsen für dieses Spektakel kaum mangeln. Arbeitslos gewordene Banker könnte man in Uniformen stecken und ihnen aussichtslose Attacken befehlen. Heißa, welch ein Getümmel! Für die Beteiligten wäre es vielleicht auch eine lehrreiche Erfahrung, jetzt nicht mehr, wie bisher, Existenzen nur virtuell zu vernichten. Für das französische Heer könnten obdachlose Jugendliche aus der Banlieue rekrutiert werden, und der gegenwärtige Möchtegern-Napoleon hätte eine Sorge weniger. Nicht uninteressant auch der Gedanke, die zweite Türkenbelagerung für Touristen nachzustellen, mit türkischen Einwanderern in den Kostümen ihrer alten Heimat. Höhepunkt des Events wäre der Angriff des Entsatzheeres unter der souveränen Führung von HC Strache im Kostüm des Polenkönigs, der Wien einst vor der islamischen Bedrohung gerettet hatte.

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
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    • Schlagworte Geschichte | Alfred Dorfer | Kolosseum | Gestank | Rom | Wien
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