Abraham Lincoln Der Mann aus den Wäldern
Er steht für den Traum von einem neuen Amerika, für die Wiedergeburt der Freiheit: Abraham Lincoln. In diesem Jahr feiern die USA den 200. Geburtstag ihres großen Präsidenten. Ein Lebensbild in zwei Teilen
Einen Inauguration Day wie diesen hat Washington noch nicht erlebt. Die feierliche Amtseinführung eines neuen Präsidenten ist für die amerikanische Hauptstadt stets ein Festtag gewesen, doch diesmal übertrifft das Interesse alle Erwartungen. Schon um 8 Uhr morgens gibt es, so berichtet ein Chronist, »in den Straßen um das Kapitol kein Durchkommen mehr«. Zur Mittagszeit, zur Stunde der Vereidigung, ist alles »schwarz vor Menschen«. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm. Entlang der Pennsylvania Avenue stehen Soldaten, auf den Dächern wachen Scharfschützen.
Es ist der 4. März 1861. Seit jeher haben die USA an einem 4. März ihre Präsidenten vereidigt (erst im 20. Jahrhundert sollte es der 20. Januar werden). In den Gesichtern der Menge spiegeln sich die unterschiedlichsten Gefühle, hoffnungsfroh die einen, besorgt viele andere, befindet sich die Nation doch in einer schweren Krise. Wird der neue Präsident aus Illinois, der kaum Regierungserfahrung hat, einen Ausweg finden?
Es ist keine der üblichen Krisen. Diesmal geht es um das Sein oder Nichtsein der USA. Sieben der längst nicht mehr einigen 34Bundesstaaten haben ihren Austritt aus der Union erklärt, andere stehen im Begriff zu folgen. Der Grund für diese »Sezession« des agrarisch geprägten, Sklaven haltenden Südens vom industriell orientierten Norden, in dem die Sklaverei verpönt ist, hängt eng mit der Person und dem Bekenntnis jenes Mannes zusammen, der jetzt die Tribüne vor dem Kapitol besteigt. Er wird der 16. Präsident der Vereinigten Staaten sein. Sein Name ist Abraham Lincoln.
Der Regen, der Washington am Morgen in ein trübes Grau gehüllt hat, lässt nach, als Lincoln sich erhebt. Seine lange, knochige Gestalt wird für die vieltausendköpfige Menge sichtbar. Er setzt seine Lesebrille auf, nimmt den Zylinder ab und sucht linkisch nach einer Ablage dafür. Von all den geladenen Gästen ist es ausgerechnet sein ewiger Rivale, der unterlegene Gegenkandidat Senator Stephen Douglas von den Demokraten, der ihm zu Hilfe kommt und ihm den Zylinder abnimmt. »Wenn ich schon nicht selbst Präsident sein kann«, seufzt er Lincoln augenzwinkernd zu, »dann will ich zumindest dessen Hutträger sein.«
Seine tiefe Menschlichkeit fasziniert die Nation und die Welt bis heute
Lincoln beginnt seine Ansprache mit den Worten »Mitbürger der Vereinigten Staaten!« – und das Wort United löst in der Menge Jubel aus. Er wendet sich umgehend an die »Mitbürger« im Süden, die doch nicht länger seine und anderer »Yankees« Landsleute sein wollen. Er versichert ihnen, dass er weder befugt sei, am Bestehen der Sklaverei dort, wo sie seit Langem existiere, etwas zu ändern, noch diese Absicht habe. Die Rede ist versöhnlich, enthält keine Drohungen und versichert den einzelnen Staaten, über ihre Angelegenheiten selbst entscheiden zu dürfen. Doch eine Spaltung des Landes könne es nicht geben, und auch für jene, die sich von der gemeinsamen Staatsschöpfung abwendeten, gelte die Verfassung: »In euren Händen, meine unzufriedenen Landsleute, und nicht in meinen, liegt die monumentale Frage eines Bürgerkrieges. […] Wir sind keine Feinde, sondern Freunde. Wir dürfen keine Feinde sein.«
Feinde. Bürgerkrieg. Sezession. Kaum einer der Teilnehmer der Inauguration, am wenigsten wohl Lincoln selbst, kann sich in dieser Stunde das Grauen, das Blutvergießen vorstellen, das am Horizont aufzieht. Dort am anderen Ufer des Potomac, in Virginia, wird sich bald schon Schlachtfeld an Schlachtfeld und Friedhof an Friedhof reihen, ebenso wie in Pennsylvania und in Maryland, in Tennessee und Louisiana. 620.000 Gräber lässt der vierjährige Bürgerkrieg schließlich zurück, der erste wirklich »moderne« Krieg der Geschichte mit Massenmobilisierung und industrieller Kriegstechnik.
Doch sein Ende, der Sieg der Nordstaaten, wird auch das Ende eines Menschheitsverbrechens bedeuten, des Verbrechens der Sklaverei in Nordamerika – und so das Verfassungsversprechen der Gründerväter überhaupt erst einlösen und die USA neu begründen. Nach diesem grausigen Krieg wird das Land eine »Wiedergeburt der Freiheit« erleben (wie es der 16. Präsident später, in seiner berühmtesten Rede nannte) und eine neue Dynamik entfalten: eine Nation auf dem Weg zur Weltmacht.
Lincoln ist alles andere als ein Mann des Krieges. Jede Art von Gewaltanwendung erfüllt ihn mit Trauer und Entsetzen. Sein Einsatz als »Captain« der Heimwehr 1832 im Black-Hawk-War gegen die Indianer endete als Farce; dem einzigen Indianer, dem er dabei begegnete, rettete er das Leben. Selbst die Jagd, eine Selbstverständlichkeit für jeden männlichen Amerikaner jener Zeit, lehnt er ab, da ihn das Leiden der Kreatur erschüttert. Im politischen Streit zeigt er sich angriffslustig, polemisch, ätzend, doch niemals verletzend. Und so feiern die USA in diesem Jahr ihren großen Präsidenten zu seinem 200. Geburtstag nicht nur als Staatsmann, als Sklavenbefreier und als Begründer des modernen Amerikas. Es sind auch seine moralische Autorität und seine tiefe Menschlichkeit, die nach wie vor die Nation und die Welt faszinieren.
Abraham Lincoln kommt von ganz unten. Am 12. Februar 1809 wird er in einer fensterlosen Blockhütte im Westen von Kentucky geboren. Der Vater, ein Kleinbauer, kann kaum lesen und schreiben. Die Mutter, Nancy Hanks, stirbt, als das Kind neun Jahre alt ist und die Familie gerade auf eine neue, ähnlich ärmliche Farm in Indiana gezogen ist. Der Junge besucht nur gelegentlich die Schule, schließlich ist Indiana noch weitgehend Wildnis. Sein Bildungshunger bleibt unstillbar. Bücher werden seine Leidenschaft; sie eröffnen dem Heranwachsenden einen Fluchtweg aus der ungeliebten Welt der harten und stupiden Landarbeit.
In New Orleans erlebt er erstmals die Gräuel der Sklaverei
Als er 19 Jahre alt ist, erweitert sich sein Horizont auf ungeahnte Weise. Lincoln nimmt einen Job auf einem flatboat an, einem jener Lastenkähne, die auf den Flüssen das wichtigste Transportmittel sind, um die Erzeugnisse der Farmen zu den großen Umschlagplätzen zu schaffen. Das Ziel der fast zweitausend Kilometer langen Reise, vor allem auf dem Mississippi, ist eine Stadt, die dem Farmersburschen unvorstellbar erscheint, eine Mischung aus Verheißung und Sodom: New Orleans. Lincoln sieht Häuser mit schmuckvoll verzierten Balkongittern, tropische Vegetation – und er beobachtet etwas Neues, Erschreckendes: Menschen schwarzer Hautfarbe, die in Ketten zum Verkauf angeboten werden. Familien, die zerrissen werden, sobald der Auktionator seine Kunden gefunden hat, von denen der eine den Vater mit nach Louisiana, der andere die Mutter mit nach Virginia und der dritte die Kinder mit nach Tennessee nimmt. Das Elend der Sklaverei beeindruckt Lincoln tief – ebenso wie der grelle Kontrast zwischen dem Leben der Schwarzen und dem Reichtum, den die Herrensitze auf den Plantagen des Südens protzig zur Schau stellen.
Zurück im Norden, arbeitet er seit 1831 in einem Tante-Emma-Laden des Örtchens New Salem, Illinois; zwei Jahre später wird er Chef der lokalen Poststation. Diese bedeutsame Aufgabe birgt einen schönen Vorteil: Mit Leidenschaft verschlingt er die Zeitungen, die hier eintreffen, bevor sie an die Abonnenten von New Salem weitergehen. Er liest vom allumfassenden Machtanspruch der Demokratischen Partei des Präsidenten Andrew Jackson. Und er erfährt, dass gerade aus den Resten der alten Föderalistischen Partei, der Gründerväter wie George Washington und John Adams zugerechnet werden, eine neue Kraft entsteht. »Whigs« nennt sich, nach englischem Vorbild, die neue Formation.
Lincoln ist dabei. Am 9. März 1832 erklärt er seine Kandidatur als Whig für die Wahl zur Gesetzgebenden Versammlung von Illinois, dem Staatsparlament. Er veröffentlicht eine Art Programm, in dem er Verbesserungen der Infrastruktur verspricht; vor allem fordert er, das kommt immer gut, den Ausbau der Eisenbahn. Er zeigt wenig Scheu vor der Menge. Meist stellt er sich als der einfache Bursche von nebenan vor – ein Image, das er zu kultivieren beginnt und das den Mythos vom einfachen und ehrlichen, vom humble und honest Abe mitbegründen hilft.
Der erste Anlauf scheitert, Lincoln wird nicht gewählt. Dennoch hat sein Debüt beeindruckt. Der 1,92 Meter große junge Mann mit der melancholischen Physiognomie ist nicht nur ein guter und überzeugender Redner. Er entwickelt darüber hinaus die Fähigkeit, Menschen für sich zu gewinnen und einen Kreis loyaler Freunde aufzubauen.
Beim zweiten Mal hat er mehr Erfolg. Im August 1834 wird Lincoln für die Whigs in das Parlament der provisorischen Kapitale von Illinois gewählt, eines Städtchens mit dem wenig vertrauenerweckenden Namen Vandalia. Kurz darauf zieht die Regierung ins Zentrum des Staates um – nach Springfield, das bis heute Illinois’ Hauptstadt ist. Noch vor dem Wechsel dorthin bringt Lincoln zusammen mit einem anderen Abgeordneten eine Resolution ein: »Wir glauben, dass die Sklaverei eine Institution ist, die sowohl auf Unrecht als auch auf schlechter Politik beruht.« Zum ersten Mal hat Lincoln öffentlich Stellung bezogen.
In Springfield beginnt neben dem politischen auch Lincolns beruflicher und privater Aufstieg. Der Autodidakt hat das Anwaltspatent erworben und eröffnet zusammen mit seinem Partner William Herndon eine Kanzlei wenige Schritte vom neuen Parlament entfernt. Im Dezember 1839 lernt er auf einem Ball eine junge Frau kennen, die einer der angesehensten Familien Kentuckys entstammt und deren Schwester und Schwager zur Elite von Springfield zählen. Mary Todd ist klein von Gestalt, voller Esprit und brennt für die Politik. Ungeachtet allen Widerstandes aus ihrer Verwandtschaft und einer stürmischen Verlobungszeit – er zur Melancholie, sie zur Cholerik neigend – schließt das in jeder Beziehung ungleiche Paar am 4. November 1842 den Bund fürs Leben.
Lincoln reüssiert zu einem begehrten Anwalt. Nicht nur Bauern, die um eine entlaufene Kuh streiten, versichern sich seiner Dienste, sondern auch jene Unternehmen, die just traumhafte Profite machen und denen eine glänzende Zukunft beschieden ist: die Eisenbahngesellschaften. 1844 kaufen die Lincolns (deren Ehe mit vier Söhnen gesegnet wird) ein eingeschossiges Wohnhaus im Herzen von Springfield – heute die wichtigste Touristenattraktion der Hunderttausend-Einwohner-Stadt und wie ein Heiligtum gehegt.
Lincolns eigener Ehrgeiz ist längst auf Höheres aus: Er strebt nach Washington. Er wird gewählt und nimmt im Dezember 1847 seinen Sitz im Repräsentantenhaus ein. Wenige Wochen später hält er dort eine flammende Rede gegen die Politik des Präsidenten James Polk, dessen Krieg mit Mexiko er für unmoralisch hält und nicht mit der Verfassung zu vereinbaren.
Polks Krieg zeigt, wie die USA sich verändern. Sie expandieren in Richtung Westen und Süden und erleben, nicht zuletzt dank der Einwanderung aus Europa nach der gescheiterten Revolution von 1848, einen drastischen Bevölkerungsanstieg. Doch in dem gelobten Land der Freiheit existiert nach wie vor die Sklaverei. Und deren Befürworter suchen sie auszudehnen auf jene Territorien, die neu erschlossen und bald zu Bundesstaaten werden.
Dagegen formiert sich Widerstand. Für eine strikte Begrenzung der Sklaverei setzt sich eine neue Partei ein, in der die Whigs aufgehen: die Republikaner. Lincoln wird in Illinois schnell zu ihrem bekanntesten Mann, doch neben den entschlossenen Kämpfern gegen jede Art der Sklaverei, den Abolitionisten, nimmt sich seine Position noch moderat aus. Im Sommer 1858 versucht er, dem Demokraten Stephen Douglas – Anwalt in Springfield wie er – den Senatssitz in Washington streitig zu machen. Die sieben öffentlichen Debatten zwischen dem langen Lincoln und dem kleinen, rundlichen Douglas gehören zu den Sternstunden der Demokratie. Die Zahl der Zuhörer steigert sich von Runde zu Runde, am Ende sind es an die zehntausend. Sie nehmen stundenlange, manchmal tagelange Anfahrten auf sich, um dabei zu sein. Douglas zieht schließlich erneut in den Senat ein, doch Lincolns Name ist jetzt landesweit bekannt.
Schon bei der Präsidentschaftswahl 1860, der ersten an der die Republikaner teilnehmen, scheint ein Sieg der neuen Partei möglich, da sich die Demokraten in eine nördliche (mit Stephen Douglas als Spitzenkandidat) und eine südliche Partei gespalten haben. Favorit für die Nominierung bei den Republikanern ist Senator William Seward aus New York, ein energischer Gegner der Sklaverei. Die Geschichte hätte möglicherweise einen anderen Verlauf genommen, wenn die Republikaner ihren Wahlparteitag irgendwo an der Ostküste, vielleicht gar in Sewards Heimatstaat abgehalten hätten. Doch er findet, denkbar ungünstig für den Senator, weit im Westen statt, in der noch recht überschaubaren Stadt Chicago – in Abraham Lincolns Illinois.
Den schärfsten Partei-Rivalen macht er zum Außenminister
Es wird ein Heimspiel: Lincolns Freunde haben dafür gesorgt, dass die Zuschauertribünen dicht mit seinen Anhängern besetzt sind. In der Chicago Press and Tribune erscheint zugleich eine überdimensionale Titelgeschichte unter der Schlagzeile The Winning Man, Abraham Lincoln; auch das verfehlt seinen Eindruck nicht. Zwar liegt Seward zunächst deutlich vorn, doch wechseln viele Delegierte im dritten Wahlgang schließlich zu Lincoln und verschaffen ihm die Mehrheit. Später, nach seiner Wahl zum Präsidenten, geht er auf Seward zu, beruft ihn in sein Kabinett und gibt ihm das Außenministerium. (2008 wiederholte sich diese Geschichte, als bei den Demokraten eine hoch favorisierte Senatorin aus New York einem charismatischen Kandidaten aus Illinois unterlag. Dieser betraute sie nach gewonnener Wahl zum Präsidenten – wie einst Lincoln Seward – mit dem State Department.)
Der Wahlkampf von 1860 bleibt seltsam still. Die Stimmung ist aufgeheizt, und zugleich wirken alle wie paralysiert. Lincolns Name und der seines Vizepräsidentschaftskandidaten, Senator Hannibal Hamlin aus Maine, stehen in zehn Staaten des Südens gar nicht auf dem Wahlzettel. Auch Senator Douglas hat im Süden weder eine Organisation noch Anhänger in nennenswerter Zahl. Unterdessen zeichnet sich im Norden, der wegen seines demografischen Übergewichts die Mehrzahl der entscheidenden Wahlmännerstimmen liefert, ein Zweikampf Lincoln gegen Douglas ab.
Lincoln verbringt die Monate bis zur Wahl zu Hause und verzichtet sowohl auf größere öffentliche Auftritte als auch auf jede Polemik in der Sklaverei-Debatte. Zu den vielen, die ihn in Springfield besuchen, gehört auch der aus Deutschland vertriebene Freiheitskämpfer Carl Schurz, ein einflussreicher Repräsentant der großen Wählergruppe der Deutschamerikaner. Lincoln, so beschreibt er später in seinen bekannten Lebenserinnerungen die Begegnung, »sah ungelenk aus in seinem dunklen Anzug, der offensichtlich neu war, aber schlecht saß. Sein langer, sehniger Hals ragte fast gespenstisch aus dem Kragen hervor, die melancholischen Augen tief in einem verhärmten Gesicht versunken.« Das Gespräch indes verlief heiter und herzlich.
Am Wahltag, dem 6. November 1860, gewinnt Lincoln alle 18 zum Norden gerechneten Staaten bis auf den Sklavenstaat Missouri im Westen, der für Douglas stimmt. Die Staaten des Südens gehen an zwei andere Kandidaten. Im Wahlmännerkollegium sieht Lincolns Sieg fast glanzvoll aus. Mit 180 Elektoren hat er weit mehr als seine drei Rivalen zusammengenommen, die es nur auf 123 Wahlmänner bringen.
Die Antwort des Südens auf die Entscheidung lässt nicht lange auf sich warten: Am 20. Dezember 1860 erklärt Süd-Carolina seinen Austritt aus der Union. Binnen Kurzem folgen Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas. Es geht gespenstisch schnell, und es wirkt wie von langer Hand geplant. In Montgomery, Alabama, trifft sich die Führungsspitze der Sezession, ruft die Konföderierten Staaten von Amerika (CSA) aus und ernennt am 9. Februar 1861 Jefferson Davis, den ehemaligen Kriegsminister der USA, zu ihrem Präsidenten.
Am 11. Februar, einen Tag vor seinem 52. Geburtstag, verlässt Lincoln Springfield. Die ganze Stadt scheint an diesem regnerischen Morgen vor dem Bahnhof versammelt zu sein. »Ich weiß nicht«, ruft der gewählte Präsident der Menge zum Abschied zu, »wann und ob ich zurückkehren werde. Vor mir liegt eine Aufgabe, die größer ist als jene, die auf George Washington lastete.«
Zwei Wochen lang fährt er mit einem Sonderzug quer durch den nördlichen Teil der USA, hält unzählige Reden vor Zehntausenden. Das letzte Stück der Reise, durch das sezessionistisch-feindselige Baltimore und das zum Süden neigende Maryland, absolviert er allerdings inkognito; es gibt Hinweise auf ein geplantes Attentat.
Springfield wird Abraham Lincoln nie wiedersehen. Als er im Mai 1865 heimkehrt, geschieht das in einem schwarz verhängten Salonwagen, einem Leichenwagen, der durch ein erschüttertes, trauerndes Land rollt.
Der Autor ist Arzt und Historiker und lebt in Washington, D. C. Mehr zum Thema in seiner Lincoln-Biografie, die soeben im Pustet Verlag erschienen ist (272 S., Abb., 26,90 €)
- Datum 15.01.2009 - 01:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
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