Abraham Lincoln Der Mann aus den WäldernSeite 4/4
Die Antwort des Südens auf die Entscheidung lässt nicht lange auf sich warten: Am 20. Dezember 1860 erklärt Süd-Carolina seinen Austritt aus der Union. Binnen Kurzem folgen Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas. Es geht gespenstisch schnell, und es wirkt wie von langer Hand geplant. In Montgomery, Alabama, trifft sich die Führungsspitze der Sezession, ruft die Konföderierten Staaten von Amerika (CSA) aus und ernennt am 9. Februar 1861 Jefferson Davis, den ehemaligen Kriegsminister der USA, zu ihrem Präsidenten.
Am 11. Februar, einen Tag vor seinem 52. Geburtstag, verlässt Lincoln Springfield. Die ganze Stadt scheint an diesem regnerischen Morgen vor dem Bahnhof versammelt zu sein. »Ich weiß nicht«, ruft der gewählte Präsident der Menge zum Abschied zu, »wann und ob ich zurückkehren werde. Vor mir liegt eine Aufgabe, die größer ist als jene, die auf George Washington lastete.«
Zwei Wochen lang fährt er mit einem Sonderzug quer durch den nördlichen Teil der USA, hält unzählige Reden vor Zehntausenden. Das letzte Stück der Reise, durch das sezessionistisch-feindselige Baltimore und das zum Süden neigende Maryland, absolviert er allerdings inkognito; es gibt Hinweise auf ein geplantes Attentat.
Springfield wird Abraham Lincoln nie wiedersehen. Als er im Mai 1865 heimkehrt, geschieht das in einem schwarz verhängten Salonwagen, einem Leichenwagen, der durch ein erschüttertes, trauerndes Land rollt.
Der Autor ist Arzt und Historiker und lebt in Washington, D. C. Mehr zum Thema in seiner Lincoln-Biografie, die soeben im Pustet Verlag erschienen ist (272 S., Abb., 26,90 €)
- Datum 15.01.2009 - 01:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren