Der Logo-Rhythmus

Vor 25 Jahren starteten die Privatsender und machten das Fernsehen zumindest bunter. Was verraten die Senderlogos über das Programm?

Natürlich ist das Privatfernsehen schuld an allem: Verflachung des Programms, Verrohung der Sitten, Verdummung des Zuschauers. Wie groß die Auswirkungen aber tatsächlich sind, lässt sich anhand der Senderlogos beweisen, die wir aus Anlass des 25jährigen Bestehens des Privatfernsehens zusammengetragen haben.

Bis zum Start von RTL (damals RTL plus) und Sat.1 (damals PKS) im Jahr 1984 waren die Logos der ARD und des ZDF so etwas wie Staatssymbole, sie waren unverrückbar, so wie der Bundesadler. Im Logo der ARD stand »Deutsches Fernsehen« – damals hatten die Dinge eine gewisse Verbindlichkeit.

Mit dem Privatfernsehen war es damit vorbei, es begann ein Logowechsel bei allen Sendern, der bis heute andauert. In den vergangenen 25 Jahren änderte RTL sein Senderlogo sechsmal, Sat.1 fünfmal, ARD, ZDF, RTL2 und Kabel eins je dreimal, und nur ProSieben und Vox änderten einmal ihr Logo (wenn man davon absieht, dass ProSieben bis 1988 ein Nachrichtenkanal namens Eureka war). Das zeugt nicht unbedingt davon, dass die Senderverantwortlichen ihrem Image trauen – welche anderen Marken verpassen sich schon so oft eine Veränderung? Aber tatsächlich ändert sich mit den Logos immer auch das Programm, vor allem bei RTL kann man das erkennen: Je einfacher und schlichter das Logo wurde, umso mehr war der Sender um Seriosität bemüht. Anfang der neunziger Jahre, als RTL vor allem für Trash-Sendungen wie Tutti Frutti oder Der heiße Stuhl stand, erinnerte das Logo an ein schlimmes Drogenerlebnis. Als man aber begann, journalistische Formate einzuführen, als »Infotainment« als Fernseh-Zauberwort galt, da versuchte der Sender sich über ein neues, nüchternes Logo ein seriöseres Image zu verpassen.

Der Weg hin zu einem schlichten Logo ist bei fast allen Sendern zu erkennen – außer beim ZDF. Das setzte seiner Wortmarke 1991 ohne Not etwas vor, das aussieht wie ein Mainzelmännchen-Auge, zehn Jahre später wurde aus dem Z eine 2, und als Leitfarbe wurde Orange gewählt (drei Jahre später übernahm dann die CDU diese Farbe ebenfalls, wohl weil sie Wärme und Geborgenheit transportieren soll). Die Zeitleiste zeigt aber auch etwas anderes: In Zeiten gesellschaftlichen Wandels blieben sich die Fernsehsender treu und wagten keine Experimente: Im Jahr der Wiedervereinigung gab es keinen Logowechsel, im Jahr als Rot-Grün an die Macht kam, auch nicht. Das entscheidende Jahr aber war 1993. Damals startete RTL2, und RTL plus wurde erstmals Marktführer. Und die Logos von ARD, RTL, ProSieben und Kabel eins veränderten sich enorm, die Sender waren auf der Suche nach sich selbst.

Erst 2004 scheint diese Suche an ihr Ende gekommen zu sein, nachdem ARD, RTL und Sat.1 noch einmal ihr Logo wechselten. Aus der ARD wurde »Das Erste«, nur die »1« blieb, RTL verabschiedete sich von dem Wort »Television«, und Sat.1 machte aus dem farbigen einen roten Ball. Bunt ist nur noch das Logo von RTL.

Vielleicht sind die deutschen Fernsehsender jetzt endlich bei sich angekommen, vielleicht haben sie sich gefunden, vielleicht wissen sie jetzt, wer sie sind, oder zumindest, wer sie sein wollen. Und das wäre dann die schlechte Nachricht nach 25 Jahren Privatfernsehen. Matthias Kalle

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
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    • Schlagworte Medien | ARD | CDU | ProSieben | RTL | Sat.1 | Fernsehen | Sender | Staatssymbol | ZDF
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