Bezahlstudium Das schmeckt nicht jedem

Die Studiengebühren in Hessen sind vom Tisch. Den Wahlkampf bestimmen sie dennoch

Es ist ein Wahlkampf ganz nach dem Geschmack von Malte Clausen. »Alle sind auf einmal gegen Studiengebühren«, stellt er zufrieden fest – jetzt, nachdem er mit seinem studentischen Aktionsbündnis über Jahre hinweg auf die Barrikaden gegangen ist. Zwei Semester lang mussten die hessischen Studenten zahlen, dann schaffte der Landtag mit seiner rot-rot-grünen Mehrheit die Studiengebühren wieder ab. Dabei dürfte es auch nach der vorgezogenen Neuwahl am kommenden Wochenende bleiben: Selbst die einstigen Gebührenverfechter von CDU und FDP geloben, zumindest eine Legislaturperiode lang die entsprechenden Paragrafen im Hochschulgesetz nicht wieder zu ändern.

Was Studentenvertreter als Erfolg feiern, stellt indes die Hochschulen vor große Probleme. Denn eins steht fest: Vom Tisch ist das Thema Studiengebühren in Hessen noch nicht, spätestens im nächsten Wahlkampf dürfte es wieder zum Topthema werden. Nach der Abschaffung der Gebühren hat ein regelrechter Ansturm auf die hessischen Hochschulen eingesetzt. Statt der 151000 Studenten im vergangenen Jahr sind nun 170000 eingeschrieben. Die linksorientierten Parteien suggerieren zwar, dass hinter dieser plötzlichen Vermehrung Studenten stehen, die sich zuvor ein Studium nicht mehr leisten konnten. Trotzdem bekommen jetzt die Befürchtungen neue Nahrung, dass Gebührenflüchtlinge aus den benachbarten Bundesländern nach Hessen strömen.

»Wir sind an unseren Kapazitätsgrenzen angekommen«, heißt es aus den ersten Hochschulen. Mehr Geld jedenfalls bekommen die Unis trotzdem nicht: Im hessischen Haushalt ist eine pauschale Summe als Kompensation für die ausbleibenden Studiengebühren vorgesehen, die aber nicht an die Zahl der Studenten gekoppelt ist.

Für die hessische Wissenschaftsministerin Silke Lautenschläger von der CDU war das eine undankbare Aufgabe: Sie musste den Beschluss der rot-rot-grünen Mehrheit umsetzen. »Wir respektieren die Entscheidung des hessischen Landtags und halten an der Abschaffung der Studienbeiträge fest«, heißt es im Wahlprogramm der CDU. Aus diesen Zeilen lässt sich das Zähneknirschen der Fraktion herauslesen, die am liebsten an den Gebühren festgehalten hätte. »Wir wollen kein ständiges Hin und Her. Die Hochschulen brauchen Planungssicherheit«, sagt Lautenschläger. Auch wenn es nach der Wahl in Wiesbaden zur gelb-schwarzen Wunschkoalition käme, blieben die Studiengebühren für eine Legislaturperiode tabu, versichert die Ministerin: »Wir rennen nicht zweimal mit dem Kopf gegen die gleiche Wand. Die Studenten können sich darauf verlassen: CDU und FDP werden die Studienbeiträge nicht wieder einführen.«

Als blanken Opportunismus legen ihr das ihre politischen Gegner aus. Um Stimmen zu gewinnen, verrate sie ihre eigenen Überzeugungen, höhnen einige der hessischen Studentenvertreter. Skeptisch werden die Aktivisten vom Bündnis gegen Studiengebühren vor allem deshalb, weil die CDU ihre Aussage auf die nächste Legislaturperiode beschränkt und sich nicht generell von den Hochschulbeiträgen lossagt.

Was bei solchen Vorwürfen leicht übersehen wird: Inzwischen geht es nicht mehr nur um die politische Frage eines reinen Pro oder Contra, sondern auch um die Zumutbarkeit für die Hochschulen. Dort ist man deshalb dankbar für die mindestens vierjährige Verschnaufpause. »Es ist ein richtiger Schritt, dass die Diskussion erst mal vom Tisch ist«, sagt Hans Jürgen Prömel, Präsident der Technischen Universität Darmstadt und gleichzeitig Sprecher der Konferenz der hessischen Uni-Chefs: »Die Debatten der vergangenen Jahre haben uns viel Kraft gekostet.« Er wünscht sich vor allem Kontinuität, denn jede Gesetzesänderung bedeutet für seine Verwaltung eine Unmenge an Arbeit. »Da haben wir eigens Mitarbeiter eingestellt, um die Studienbeiträge zu verwalten«, heißt es in einer der Uni-Verwaltungen, »und zwei Semester später hat sich die Situation schon wieder komplett verändert.«

Interessant ist derzeit vor allem die Frage, wie die benachbarten Bundesländer auf den Kurswechsel in Wiesbaden reagieren. Das Geschehen in Hessen ist ein Präzedenzfall: Nirgendwo anders in Deutschland sind einmal eingeführte Studienbeiträge wieder abgeschafft worden. Deshalb wittern jetzt vor allem die einschlägigen Studenteninitiativen ihre Chance. »Der Erfolg in Hessen macht Mut, auch anderswo wieder stärkeren Widerstand zu leisten«, sagt Malte Clausen vom Aktionsbündnis gegen Studiengebühren. Durch die Proteste sei der Druck so stark geworden, dass die Politik gar keine andere Wahl gehabt habe als die Abschaffung der Gebühren. Man dürfe sich nicht nur auf die Parteien verlassen. »Das haben wir außerparlamentarisch erkämpft«, sagt er.

Dieses Stichwort des »Erkämpfens« stößt Nicola Beer sauer auf. Die bildungspolitische Sprecherin der hessischen FDP macht keinen Hehl daraus, dass sie die Studienbeiträge generell befürwortet – solange jede hessische Hochschule selbst darüber entscheiden könne. Beer beklagt, dass die Debatte in den vergangenen Jahren rein ideologisch geführt worden sei. »Die entscheidende Frage nach der Qualität der Bildung ist darüber in den Hintergrund gedrängt worden.«

Trotzdem hat die FDP auf ihrem Landesparteitag entschieden, während der nächsten vier Jahre nach dem Muster der CDU auf Gebühren für das Erststudium zu verzichten. Wie es nach dieser Legislaturperiode weitergeht, hänge schlicht von den Erfahrungen ab, die man jetzt in den nächsten Jahren sammeln werde. Und wenn es dann wieder zu einer Diskussion über die Studiengebühren komme, dann könne man sie hoffentlich sachlicher führen. »In fünf Jahren«, sagt Beer, »ist die gesellschaftliche Diskussion zu diesem Thema sicher weiter fortgeschritten.«

 
Leser-Kommentare
  1. Die finanzielle Situation eines Studenten und seines familiären Hintergrundes kann und darf nicht ausschlaggebend dafür sein, ob er studieren kann oder nicht.

    Es ist ungewiss wie oft dies noch wiederholt werden muss aber man darf nicht aufhören es zu verdeutlichen bis es endlich auch in den letzten Köpfen angekommen ist.

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    fahrtüchtigen Autos. Aber kein Geld für die Hochschulen um die Studiengebühren zu finanzieren, obwohl Studenten zur bescheidensten Bevölkerungsgruppe zählen und viele unter der Armutsgrenze leben?

    Das zeigt doch eindeutig, wie Dumm und vor allem Interessengeleitet die Politik ist. Eines ist doch klar - für viele Studenten sind Studiengebühren kein Thema - die Eltern bzw. Sie selbst sind so wohlhabend, dass die Studiengebühren keinerlei Probleme verursachen.

    Wenn man selbst jedoch von ca. 8000 € / Jahr leben muss sind 1000 € zusätzlich viel, viel Geld.

    Wir sind ein Rohstoffarmes Land - Bildungist unser wichtigstes Gut. Wieso versuchen wir nicht das Beste aus unseren jungen Menschen herauszukitzeln? Wieso investieren wir nicht in die Bildung unserer jungen Generation?

    Die Hochschulpolitik ist ein Teil dieser fragwürdigen und einfältigen Politik. Dabei beweist jede Studie, dass Bildung einen Return of Investment für die Gesellschaft und für den Einzelnen erwirtschaftet.

    Auch wenn es nicht der Todesstoß sein muss - es ist eine weitere, künstliche Hürde auf dem Weg zu Abschluss. Jetzt da die offensichtlichen Schwächen des angelsächsischen System zu Tage treten, sollten unsere rückständigen Politiker langsam beginnen umzudenken. Wer kann denn noch den Menschen vermitteln, dass noch nicht einmal für die Bildung 1-2 Milliarden pro Jahr übrig sind (Aufkommen der Studiengebühren?) wenn wir mit 50++ Milliarden die Fehler der Manager von Banken, Konzernen finanzieren, die im schlimmsten Fall auf einer 500qm Villa, in einem Porsche zur Ruhe gesetzt werden?

    Jede Statistik beweist den Wert von Bildung - und jede anständige Untersuchung bestätigt die Verdrängungseffekte von Studiengebühren. Die Vorteile? Können an einer Hand abgezählt werden.

    fahrtüchtigen Autos. Aber kein Geld für die Hochschulen um die Studiengebühren zu finanzieren, obwohl Studenten zur bescheidensten Bevölkerungsgruppe zählen und viele unter der Armutsgrenze leben?

    Das zeigt doch eindeutig, wie Dumm und vor allem Interessengeleitet die Politik ist. Eines ist doch klar - für viele Studenten sind Studiengebühren kein Thema - die Eltern bzw. Sie selbst sind so wohlhabend, dass die Studiengebühren keinerlei Probleme verursachen.

    Wenn man selbst jedoch von ca. 8000 € / Jahr leben muss sind 1000 € zusätzlich viel, viel Geld.

    Wir sind ein Rohstoffarmes Land - Bildungist unser wichtigstes Gut. Wieso versuchen wir nicht das Beste aus unseren jungen Menschen herauszukitzeln? Wieso investieren wir nicht in die Bildung unserer jungen Generation?

    Die Hochschulpolitik ist ein Teil dieser fragwürdigen und einfältigen Politik. Dabei beweist jede Studie, dass Bildung einen Return of Investment für die Gesellschaft und für den Einzelnen erwirtschaftet.

    Auch wenn es nicht der Todesstoß sein muss - es ist eine weitere, künstliche Hürde auf dem Weg zu Abschluss. Jetzt da die offensichtlichen Schwächen des angelsächsischen System zu Tage treten, sollten unsere rückständigen Politiker langsam beginnen umzudenken. Wer kann denn noch den Menschen vermitteln, dass noch nicht einmal für die Bildung 1-2 Milliarden pro Jahr übrig sind (Aufkommen der Studiengebühren?) wenn wir mit 50++ Milliarden die Fehler der Manager von Banken, Konzernen finanzieren, die im schlimmsten Fall auf einer 500qm Villa, in einem Porsche zur Ruhe gesetzt werden?

    Jede Statistik beweist den Wert von Bildung - und jede anständige Untersuchung bestätigt die Verdrängungseffekte von Studiengebühren. Die Vorteile? Können an einer Hand abgezählt werden.

  2. fahrtüchtigen Autos. Aber kein Geld für die Hochschulen um die Studiengebühren zu finanzieren, obwohl Studenten zur bescheidensten Bevölkerungsgruppe zählen und viele unter der Armutsgrenze leben?

    Das zeigt doch eindeutig, wie Dumm und vor allem Interessengeleitet die Politik ist. Eines ist doch klar - für viele Studenten sind Studiengebühren kein Thema - die Eltern bzw. Sie selbst sind so wohlhabend, dass die Studiengebühren keinerlei Probleme verursachen.

    Wenn man selbst jedoch von ca. 8000 € / Jahr leben muss sind 1000 € zusätzlich viel, viel Geld.

    Wir sind ein Rohstoffarmes Land - Bildungist unser wichtigstes Gut. Wieso versuchen wir nicht das Beste aus unseren jungen Menschen herauszukitzeln? Wieso investieren wir nicht in die Bildung unserer jungen Generation?

    Die Hochschulpolitik ist ein Teil dieser fragwürdigen und einfältigen Politik. Dabei beweist jede Studie, dass Bildung einen Return of Investment für die Gesellschaft und für den Einzelnen erwirtschaftet.

    Auch wenn es nicht der Todesstoß sein muss - es ist eine weitere, künstliche Hürde auf dem Weg zu Abschluss. Jetzt da die offensichtlichen Schwächen des angelsächsischen System zu Tage treten, sollten unsere rückständigen Politiker langsam beginnen umzudenken. Wer kann denn noch den Menschen vermitteln, dass noch nicht einmal für die Bildung 1-2 Milliarden pro Jahr übrig sind (Aufkommen der Studiengebühren?) wenn wir mit 50++ Milliarden die Fehler der Manager von Banken, Konzernen finanzieren, die im schlimmsten Fall auf einer 500qm Villa, in einem Porsche zur Ruhe gesetzt werden?

    Jede Statistik beweist den Wert von Bildung - und jede anständige Untersuchung bestätigt die Verdrängungseffekte von Studiengebühren. Die Vorteile? Können an einer Hand abgezählt werden.

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    [...]Wir sind ein Rohstoffarmes Land - Bildung ist unser wichtigstes Gut. Wieso versuchen wir nicht das Beste aus unseren jungen Menschen herauszukitzeln? Wieso investieren wir nicht in die Bildung unserer jungen Generation?[...]

    Bildung macht unregierbar. Die CDU wünscht sich ein Volk von berufsqualifizierten, aber sonst beschränkten Unterwürflingen, die widerspruchslos ihre Lebenszeit verschwenden in die Bereicherung der Ackermänner.

    _________________________________________________
    In diesem Wahljahr werde ich mich für keine Partei
    aussprechen und zu keinem Parteiprogramm. Aber ich
    werde nicht aufhören, zu sagen, dass diese Krise eine
    ideologische Heimat hat: die FDP.…
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    [...]Wir sind ein Rohstoffarmes Land - Bildung ist unser wichtigstes Gut. Wieso versuchen wir nicht das Beste aus unseren jungen Menschen herauszukitzeln? Wieso investieren wir nicht in die Bildung unserer jungen Generation?[...]

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