Forschende Laien
Er habe »gesammelt und kombiniert« und enthalte sich kühner Deutungen. Dieter Macek versteht seine Genealogie nicht als Wissenschaft. Aus reiner Vorsicht. Denn der Vorarlberger kennt die Fallstricke, die ambitionierte Laien stolpern lassen. Winzige Ungenauigkeiten zerpflückt die etablierte Forschung zu gern und ist schnell mit Kritik und Häme zur Stelle. Vor allem in Archäologie und Paläontologie gelten Arbeiten von Laien als umstrittene »Hilfeleistungen«, ist mit deren Sammelwut doch oft die Zerstörung der wissenschaftlichen Grundlage verbunden.
Am ehesten freuen sich Astronomen über Entdeckungen von Laien – wer jahrelang mit dem Privatteleskop den Himmel beobachtet, macht nichts kaputt. Die Zoologie verdankt den Hobbyforschern die Entdeckung mancher Art; außerdem liefern Birdwatcher – etwa in deren Hochburg Großbritannien – zuverlässige Bestandeswerte. Die Umweltorganisation Reef Check erforscht Korallenriffe – und zählt auf die Mithilfe von Hobbytauchern.
Einen interpretatorischen Ausflug gönnt sich Freizeitphilologe Macek abseits seines Stammbaums aber doch: Er glaubt, Obelix sei nichts anderes als ein gallischer Herakles. Das Original trank als Kleinkind Milch der Hera, die Kopie fiel in den Zaubertrank. Beide erreichten übermenschliche Kräfte. Beide sind jähzornig, der eine verspeist ganze Rinder, der andere Wildschweine. Beide erledigen europaweite Aufträge und kehren stets als Sieger heim. Beide haben einen treuen Begleiter, der eine Iolaos, der andere Asterix. Und beide gaben einem Land das Gefühl nationaler Stärke. will
- Datum 15.01.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
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