Gesellschaftskritik

Das kleine Geheimnis der Rachida Dati

In einer neuen Rubrik deutet das ZEITmagazin eine Frage des gesellschaftlichen Lebens. Diesmal: warum verschweigt Frankreichs Justizministerin den Vater ihres Kindes?

Gesellschaftskritik

Es versteht sich von selbst, dass diese neue Kolumne mit dem Begründer des modernen Gesellschaftsdramas beginnen muss, mit Alexandre Dumas dem Jüngeren. Zum einen, weil alle seine Stücke, nicht nur die berühmte Kameliendame, die Rolle der modernen Frau zum Thema haben. Sondern auch, weil Alexandre Dumas der Jüngere der uneheliche Sohn war von, durchaus logisch, Alexandre Dumas dem Älteren.

Nachdem Emile Cordier ebenfalls unehelich von dem älteren Dumas schwanger wurde und ihr diese patriarchalische Namensgebung zu Ohren gekommen war, weigerte sie sich, ihr eigenes Kind von ihm rechtlich anerkennen zu lassen. Sie hatte keine Lust, die Mutter eines Alexandre Dumas des Jüngeren zu sein.

Auf diese traditionsreiche juristische Verweigerungsoption bezog sich jetzt offenkundig die französische Justizministerin Rachida Dati. Die 43-jährige flamboyante Politikerin gebar Anfang Januar ihre Tochter Zohra, ohne den Namen des Vaters preiszugeben. Mit ihrer schönen Erklärung "Mein Privatleben ist kompliziert" bewies die Tochter eines Marokkaners und einer Algerierin, dass sie auch in Fragen der Liebe die französischen Traditionen zu pflegen vermag.

Der Bruder des französischen Präsidenten, Guillaume Sarkozy, gilt in den Wettbüros der französischen Boulevardpresse als heißester Kandidat auf die Vaterschaft – offenkundig wollte Dati das französische Kabinett nicht um einen Sarkozy junior bereichern. Es ist dann ohnehin eine Tochter geworden, Zohra, und es braucht wohl noch ein paar Jahrzehnte Emanzipation, bis sich auch eine weibliche Form für Töchter etabliert hat, in deren Vor- und Nachnamen sich die Väter oder Mütter lebenslang festsetzen können. Die beim Sport übliche Form "junior (weiblich)" überzeugt uns sprachlich noch nicht ganz.

Als Gesellschaftskritiker haben wir übrigens aufgemerkt, als wir hörten, dass Rachida Dati die Ältere (sehr weiblich), wie eine fleischgewordene Heldin eines Stücks von Alexandre Dumas dem Jüngeren, nur fünf Tage nach der Geburt wieder ihre Amtsgeschäfte im Justizministerium aufgenommen hat – und zwar mit den Worten: "Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit."

Die Tochter von Rachida Dati hat, dankbar für ihren mütterlichen Nachnamen, daraufhin sofort begonnen, gemeinsam mit ihrem Kindermädchen ein Plakat zu beschriften. Motto: Samstags gehört Dati mir.

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Leser-Kommentare

    • 15.01.2009 um 11:14 Uhr
    • Kometa

    Gesellschaftskritik...?

    "Das kleine Geheimnis der Rachida Dati..." - nein, ein Spekulationskind ist so eine Zorah, die wachsen darf und gesäugt werden muss mit fraulich Herrischem.

    Ob so ein Zellhaufen nach der Kohabitation abgesaugt oder propagandistisch zur 'Welt' gebracht wird - es ist Eigen-Werbung des Pseudoadels, aber nicht eine Schriftstellerfamilie.

    Es gibt nichts Gutes, außer frau läßt es.

    • 17.01.2009 um 21:21 Uhr
    • Hugo_P

    Damit stützt er nicht nur die deutsche Wirtschaft, nein, er wird auch einsehen, daß selbst ein Golf nicht so langweilig wie er ist. Und ja, das Buch zum Auto und den Fahrern hab ich nie gelesen. Vielleicht war es ein Fehler; ab und an braucht mensch auch Einschlafhilfen.
    Falls der Artikel irgenwie lustig/ironisch... gemeint sein soll bestätigt der Autor das Klischee, daß Deutschland und Humor zwei extrem auseinanderliegende Baustellen sind!
    Allerunterste Schublade ist m.E. noch ein Kompliment. Das was unter einem Schrank liegt und schwer drunter vorzuholen ist, trifft es eher.
    *kopfschüttel*

  1. Immerhin: es ist zumindest erfreulich, wenn Politiker unkonventionelle Lebensentwürfe vorleben, die sich nicht so leicht in Traditionen oder gar Gesetze pressen lassen.

    • 18.01.2009 um 9:52 Uhr
    • Kometa

    Zohra - oder Zorah?

    Entwickelpsücholog Departemente döh:

    Da hat die Kleina abba balt watt zu lachen mit die Mama, so lang se stillsen tut:

    Unn die Filme dabei kuckt sie noch gerne: De drei Muskeltiere, De Graf von Münte Christus sein Papst der Zweite, Dägen und Schwanz, Cocosmilchferien auffe Schatzinsel, Halzband der Königin bei de Meuterei aum Bounty gehängt.

    Jau, die vilen Filme vonne Abentören:
    Da steckt vil für Pipi inne Augen unn Wehmut innet Härz unn Bilderkes für die Hofkameras. Unn wenn dat süße Elent mit di Milli nich mehr klappen will, kannse sich füa en Auge ne Klappe drüberziehn: Piratin anne Pschüchoanalüse.

    • 18.01.2009 um 10:32 Uhr
    • Hugo_P

    Also ich hab mir das nochmal durchgelesen und etwas im Internet rumgesucht; wird mensch ja auch nicht dümmer von.
    Der Auto sagt schlußendlich mit verschwurbelten Worten, daß diese französische Politikerin sich "hochgeschlafen" hat.
    Das dürfte wohl für ne Verleumdungsklage reichen!
    Außerdem isses ne Sauerei, Frauen auch jetzt noch nicht an ihren Leistungen zu beurteilen, sondern mit nem miesen Sexismus um sich zu werfen.
    Und es ist das gute Recht einer jeden Mutter, den Vater nicht preiszugeben, mal so am Rande.
    Die Gesellschaftskritik in dem Artikel hab ich wie Kometa immernochnicht gefunden!

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    Welches Selbstbestimmungsrecht hat Vorrang – das des Kindes oder das der Mutter?

  2. Erstmal ist verständlich, dass die Frage nach dem Vater aufkommt. Wie sich der Autos allerdings traut aus dem Wettfavoriten auch gleich den Vater zu machen bzw. seine Ironie versprüht, ist mehr als gewagt:

    "offenkundig wollte Dati das französische Kabinett nicht um einen Sarkozy junior bereichern. Es ist dann ohnehin eine Tochter geworden"

    Wie bedauerlich?

    Ich gehe davon aus, dass die drei die es was angeht es auch wissen (werden), und es ist in der Tat französische Tradition, dass die Öffentlichkeit weniger ins Privatleben eingeweiht ist, erst recht in komplizierteren Fällen (wurde erst durch Sarkozy und Bruni anders), wie z. B. bei Mitterrands unehelicher Tochter Mazarine Pingeot.

    Aber bei Männern wird das ja eh lockerer gesehen. Oder stellen Sie sich vor: nicht Seehofer hätte letztes Jahr außerehelich Nachwuchs bekommen, sondern (um im Dati-Format zu bleiben) Claudia Roth. Die Zeitungen würden uns Bilder vom Laufenlernen präsentieren mit traurigen Überschriten à la: "Wird Sie je Ihren Vater kennenlernen?". Als reales Beispiel fällt mir nur Iris Berben ein: nach dem Vater Ihres 1971 geborenen Sohnes wird die glaub ich immer noch jedes Jahr gefragt!

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

  3. Welches Selbstbestimmungsrecht hat Vorrang – das des Kindes oder das der Mutter?

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    In Zusammenhang mit diesem Artikel gefragt: Glauben Sie, dass Frau Dati Ihrem Kind den eigenen Vater verheimlichen will, oder vielleicht nur der Presse?

    Natürlich hat ein Kind ein Recht auf seinen Vater, ein Vater ein Recht auf sein Kind - eigentlich. Aber wissen Sie noch, wie letztes Jahr in unseren Medien das Gerichtsurteil gefeiert wurde, indem ein Vater erfolgreich dagegen geklagt hat, sein uneheliches Kind sehen zu müssen? Würde mich mal sehr interessieren, wie Sie das fanden!

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

  4. In Zusammenhang mit diesem Artikel gefragt: Glauben Sie, dass Frau Dati Ihrem Kind den eigenen Vater verheimlichen will, oder vielleicht nur der Presse?

    Natürlich hat ein Kind ein Recht auf seinen Vater, ein Vater ein Recht auf sein Kind - eigentlich. Aber wissen Sie noch, wie letztes Jahr in unseren Medien das Gerichtsurteil gefeiert wurde, indem ein Vater erfolgreich dagegen geklagt hat, sein uneheliches Kind sehen zu müssen? Würde mich mal sehr interessieren, wie Sie das fanden!

    In der Theorie sind Theorie und Praxis immer dasselbe, in der Praxis sind sie es nie!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Also daß es zwei verschiedene Baustellen sind, obs die Presse erfährt oder der Erzeuger. Vater ist mann meines Erachtens erst, wenn mann sich auch um sein Kind kümmert.

    In dem Artikel wird keineswegs behauptet, dass der Vater nichts von seiner Tochter ahnt.
    Es ist das gut Recht der Mutter / Eltern dies vor der Öffentlichkeit und den Medien nicht zu offenbaren.
    Ungewöhnlich ist es trotzdem und die Frage daher erlaubt, wer denn wohl der Vater ist.

    Das Urteil, das besagt, dass ein Vater nicht gezwungen werden kann sein uneheliches Kind zu sehen, ist richtig und zu Recht gefeiert worden!

    Endlich hat sowohl die Legeslative wie auch die Justiz eingesehen, dass es nicht sein kann, dass Väter nur Pflichten aber keine Rechte haben.

    Das manche Väter sich vor Ihren Pflichten drücken, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt.

    Und im Übrigen war es eine Frau (die Ehefrau), die darauf bestand, dass der Vater keinen Kontakt zu seinem unehelichen Kind haben sollte.

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  • Von Florian Illies
  • Datum 23.1.2009 - 16:00 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
  • Kommentare 25
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  • Schlagworte Gesellschaft und soziales Leben
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