Wieder Premiere

Teil 8: »Kabale und Liebe« oder »Der Untergang des Hauses Koch«?

Premierenfieber macht sich breit auf der hessischen Bühne, jetzt, da wir den Sonntagabend, 18 Uhr, kaum noch erwarten können. Dabei wissen wir immer noch nicht, was uns dann im landesweiten Open-Air-Theater zwischen Darmstadt und Kassel geboten wird. Das sozialdemokratische Trauerspiel »Kabale und Liebe« aus Anlass des Schiller-Jahres 2009? Eine Komödienfassung von »Der Untergang des Hauses Koch«, christdemokratisch heiter und passend zum Poe-Jahr 2009? Oder vielleicht doch »Survival of the Fittest«, die szenische Darstellung der politischen Evolutionsgeschichte, eine hessische Groteske, passend zum Darwin-Jahr? Das wirft natürlich gleich drei Fragen auf. Erstens: Wie viele Jahre passen eigentlich in 2009? Zweitens: Warum steht das hessische Wahlergebnis nicht mehr in den Sternen, sondern schon so gut wie fest, wo doch gerade erst das Jahr der Astronomie angebrochen ist? Und drittens: Was haben wir, wenn Thorsten Schäfer-Gümbel am Sonntag die Landtagswahl gewinnt: nur eine Sensation – oder zusätzlich noch ein ganzes Gümbel-Jahr?

Auf das Mendelssohn-Jahr können wir an dieser Stelle ebenso verzichten wie auf das Jahr des Trollingers und des Tagpfauenauges, nicht aber auf das Jahr des Gorillas. Denn Affen passen zu vielem in diesem Jahr. Zu Darwin wegen des gemeinsamen Vorfahren mit uns Menschen. Zu Poe wegen der Detektivgeschichte The Murders in the Rue Morgue, in der ein Affe einen Doppelmord begeht. Und natürlich zu Hessen. Wenn am Sonntag die Wahllokale schließen, ist das Affentheater beendet. Toi, toi, toi. Peter Dausend

 
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