TechnikUmwelt
Dass es so etwas gibt: Ein Kernkraftwerk für nur eine Million Dollar versorgt eine ganze Stadt und passt in eine Kiste, die braucht man nur einzubuddeln, Kies drauf, und »am Ende kommt ein Kabel heraus«! So hat es 1956 ein Technologieexperte auf dem Münchner SPD-Parteitag zu berichten gewusst, so hatte es ihm der Vertreter einer amerikanischen Firma erzählt. Und so steht es bei Joachim Radkau zu lesen: Der Technik- und Umwelthistoriker hat nun eine überarbeitete Fassung seiner uferlos kenntnisreichen, methodisch nonkonformistischen und politisch auf kluge Langsamkeit setzende Technikgeschichte Deutschlands vorgelegt. Dass Wissenschaft mit Komik gesegnet sein kann wie mit Weisheit, dass sie aus tiefer politischer Sorge genährt sein kann und doch lebhaft erzählt, belegt Radkau in seinem renovierten Standardwerk aufs Neue. Und auch, dass von Technik etwas wissen sollte, wer sich mit Umwelt befasst.
Joachim Radkau: Technik in Deutschland
Vom 18. Jahrhundert bis heute; Campus Verlag, Frankfurt a. M. 2008; 533 S., 29,90 €
Es gibt also auch Handbücher, die noch andere Ratschläge bereithalten, als die Glühbirnen auszutauschen, den Trockner abzuschaffen und auf Stand-by-Tasten zu drücken. Dieses hier stellt den Alltag eines Europäers in den Zusammenhang einer wachsenden Erdbevölkerung, schrumpfender Ressourcen, zunehmenden Flächenverbrauchs, es stellt also Fragen nach der Verteilungsgerechtigkeit von Gütern und Freiheiten und berichtet von Lösungen, die schon in Arbeit sind. Stichworte: Konsum, Wohnen, Städte, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Planet. Autoren: aus aller Welt. Wer zu blättern anfängt, liest weiter.
Alex Steffen (Hg.): World Changing
Das Handbuch der Ideen für eine bessere Zukunft, Knesebeck Verlag, München 2008; 471 S., 39,95 €
Kritik in kürze: Elisabeth v. Thadden
- Datum 15.01.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
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