Verlagswesen Unternehmen Mimikry»Am Anfang war der Mord«Seite 2/2

Suhrkamp will gute Übersetzungen, literarische Qualität, Entdeckung und Pflege neuer Autoren. Das sind Programmabsichten, die das Herz von 60 Prozent der Belletristikleser höher schlagen lassen. Das erste Suhrkamp-Krimiprogramm sieht jedenfalls nicht so aus, als wolle – oder könne – man damit den hauseigenen Verlag der Weltreligionen (dem es selbstverständlich sehr gut geht) querfinanzieren. »Eine schöne Pointe«, sagt Winfried Hörning und lacht. Man kann nur wünschen, dass ihm das Lachen nicht vergeht. Wenn Suhrkamps Projekt scheitert, könnte das ein Rückschlag für die anspruchsvolle Kriminalliteratur sein, die es keineswegs so leicht hat, wie der Krimiboom glauben lässt.

 
Leser-Kommentare
  1. Krimis müssen heutzutage vor allem nicht mehr reine Spannungsromane, Nervenkitzel und Actiondauerfeuer sein. Es kann auch nur ein besonderes Ambiente, eine besondere Atmosphäre das Interesse an einem Krimi ausmachen. Deutlich wird das am Erfolg von italienischen Krimis wie denen von Donna Leon und Andrea Camilleri, wo eher das feine Essen und die Kunst als die Spannung zählt. Oder auch bei den skandinavischen Krimis, wo eine düstere, nördliche Atmosphäre und ein trockener skandinavischer Humor viel ausmacht. Oder auch bei den Regionalkrimis eben. Da wird oft gar nicht mehr so sehr darauf gesetzt, dass es sich um einen kompliziert verstrickten Fall handelt, kein großes Rätselraten für den Leser mehr. Dafür philosophische Zitate als Vorwort und über das Leben und Gott und die Welt sinnierende Kriminalisten mit Persönlichkeitsstörungen und Beziehungsproblemen.
    Ob und inwiefern da Suhrkamp es jetzt richtig Macht, auf den Krimizug aufzuspringen, kann ich nicht sagen. Sie sollten aber nicht den Fehler machen und zu klassische Krimis die keinen mehr interessieren in ihr Programm einbauen. Dann gehen sie womöglich zwischen italienischen, skandinavischen und regionalen Krimis in einer kaum beachteten Nische unter.
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    Man sollte auch bei Rot über die Ampel gehen dürfen, zumindest wenn kein Auto kommt und auf der anderen Straßenseite jemand Hilfe braucht.

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