Zwischen Zauberwelt und Schreibtisch

Margaret Mahy verfasste schon als Kind Geschichten. Ihr Rezept: Eigene Erlebnisse und dazu eine ordentliche Portion Magie Von Iris Mainka

Ihr Vater, ein Bauingenieur, war ein leidenschaftlicher Leser und geschickter Erzähler. Und auch die Mutter, eine Lehrerin, hielt die Kinder sehr zum Lesen an. 1936 in Whakatane, Neuseeland, geboren, begann Margaret Mahy als ältestes von fünf Geschwistern, kaum dass sie lesen konnte, mit dem Schreiben und schickte ihre Gedichte und Geschichten an die Zeitung. Mit seiner Vorliebe für englische Kinderliteratur und Abenteuergeschichten habe der Vater ihre Arbeit geprägt, glaubt Mahy.

Ihren Lebensunterhalt verdiente sie nach dem Studium zunächst als Bibliothekarin. Denn obwohl ihre Werke in den sechziger Jahren regelmäßig im New Zealand School Journal erschienen, brachte erst 1968 eine amerikanische Verlegerin ihr erstes Buch heraus; es hieß A Lion in the Meadow . Von da an wuchsen Mahys Bekanntheit und Erfolg. Aber es dauerte noch zwölf Jahre, bis die alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern halbwegs vom Schreiben leben konnte.

Meist nimmt Margaret Mahy eigene Erlebnisse oder solche, die ihr erzählt werden, erfindet jede Menge Übersinnliches dazu und verändert das Ganze, bis ihr die Geschichte rund erscheint. In Interviews, bei Lesungen und auf ihrer Homepage gibt Mahy offen Auskunft über ihre Arbeit; aus all diesen Zeugnissen entsteht das Bild einer uneitlen, bescheidenen, noch immer unorthodoxen Person, die ihr Schicksal so fantasievoll wie tatkräftig in die Hand genommen hat. Wer sich mit über 60 Jahren einen Schädel mit einer Rose auf die Schulter tätowieren lässt, kann nicht völlig verknöchert sein. »Meine Mutter hatte mich immer gewarnt, dass ich das bereuen würde; aber in meinem fortgeschrittenen Alter blieb mir nun nicht mehr viel Zeit für Reue. Das kleine Piratentattoo macht mir Spaß!«, sagt Mahy.

In ihrem Haus in Canterbury lebt Margaret Mahy seit 40 Jahren, mit Hund und Katze, inmitten von Papierstapeln, Keramikeulen, Hexenhüten sowie Tausenden von Büchern. Die Ideen sind ihr noch nicht ausgegangen; ein bisschen langsamer sei sie freilich geworden, erzählt sie.

In Großbritannien gilt sie seit Jahrzehnten als herausragende Persönlichkeit der Kinderliteratur. 2006 erhielt sie mit dem Hans Christian Andersen Award die höchste internationale Auszeichnung für Kinderbuchautoren. In ihrem Geburtsland wurde ihr Werk an Universitäten lange kaum wahrgenommen, wohl weil auch dort das alte Vorurteil galt, dass Bücher für Kinder zwar recht hübsch, aber keine ernst zu nehmende Literatur seien – eine Einschätzung, die sich nicht nur in Neuseeland inzwischen gewandelt hat.

Foto: Vanessa Hamilton

 
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