Die magische Geschichte der Menschheit
Rechtzeitig zum Darwin-Jahr: Ein malerisches Bildersachbuch über die Entstehung von Universum und Leben
Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde…« So steht es in der Heiligen Schrift. Doch der große französische Paläontologe Yves Coppens folgt hier einer anderen Theorie: »Bäng!!!« Eine gewaltige Explosion schoss Materie in die grenzenlose Leere. Nach dem Urknall formten sich über Milliarden von Jahren hinweg Sterne, Galaxien und Planeten, auch unser Planet, die Erde.
Seite für Seite taucht der Leser dieses Bildersachbuchs in die faszinierende Geschichte vom Beginn des Lebens ein, von den frühen Organismen im Meer über die Dinosaurier, die Primaten, den Homo erectus bis zu den ersten Menschen. Coppens erzählte, so schildert es das Vorwort, die Geschichte seinem kleinen Sohn, bevor er sie für dieses Buch aufgeschrieben hat. Doch bleibt der Autor so sachkundig, so einfach und spannend in seiner Darstellung, dass man selbst als Erwachsener der naturwissenschaftlichen Theorie von der Entstehung des Universums und der Evolution mit großen Augen folgt.
Wir geraten aber auch deshalb ins Staunen, weil zu Coppens’ Text Bilder von atemberaubender Intensität entstanden sind. Es sind Illustrationen, die im Grunde den wissenschaftlichen Erklärungen konträr gegenüberstehen, denn sie führen uns eine magische, geheimnisvolle und dramatische Weltgeschichte vor Augen.
Der bekannte französische Grafiker Sacha Gepner entwirft düstere, apokalyptische Landschaften, in denen Vulkane glühende Lava speien; wir entdecken in der Dunkelheit Schattenfiguren und rätselhafte Gestalten, wir schauen in Gesichter der Vormenschen und erkennen uns auf wundersame Weise darin wieder. Das Porträt des Homo habilis zeigt uns menschliche Züge und einen spürbar wissenden Blick: »Nach 4 Milliarden Jahren ist er das erste Wesen, das weiß, dass es weiß.«
Je weiter die Geschichte der Menschheit voranschreitet, desto deutlicher treten in den Bildern Strukturen hervor: von Bäumen, von Steinen und Wänden, bis wir schließlich in den Fels geritzte Zeichnungen sehen und die Spuren des Menschen als Künstler und Erfinder bewundern. Sacha Gepner entwirft seine Welten am Computer und entwickelt dabei Bildräume, die wie übereinander gelegte Zeitschichten wirken. Manches bleibt opak und rätselhaft, anderes, über das wir mehr wissen, tritt deutlicher hervor; dazwischen geraten wir mit unserer Fantasie, unseren Fragen.
Das Buch endet mit der Erfindung der Hieroglyphen. »14 Milliarden Jahre sind vergangen und wenige Jahrtausende Zivilisation.« Schlägt man das gut sechzig Seiten umfassende Buch zu, bleibt ein Bilderrausch zurück und die Erkenntnis, dass die Vorgeschichte menschlichen Lebens ein großes Abenteuer ist. Im Anfang war das Wort – am Ende bleibt das Staunen. Jens Thiele
Yves Coppens/Sacha Gepner (Ill.):
Der Ursprung des Menschen
A. d. Franz. v. Ilse Rothfuss; Hanser Verlag, München 2008; 64 S., 17,90 € (ab 8 Jahren)
- Datum 15.01.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
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