Sprachlich, das kann nicht ganz verschwiegen werden, fällt dabei nicht viel ab. In der längsten Geschichte, die dem ältesten Thema, dem Ehebruch, gewidmet ist und dem – natürlich vergeblichen – Versuch, ihn vielleicht doch als Vorstufe zum Dreierglück in unsere Gesellschaft einzubauen, kommt für einmal – nein, nicht die Liebe, aber doch ein ungemachtes Bett vor, und was da dann zeitweilig mehr wie Wrestling als wie Leidenschaft aussieht, das geschieht mit einer Dame, an der der Mann »ihren langen Hals und das Spiel der Muskeln unter der Haut ihrer Schulter und das des Lichts auf dem Seidenglanz ihrer Haare« bewundert. Und etwas weiter liest man dann (ohne jede Ironie): »Sekunden später lagen wir da, und ich spürte die Festheit ihrer Glieder, sah aus der Nähe die Dunkelheit ihrer Augen. Ihre Hände nestelten an meinem Gürtel, meine Hände glitten unter ihre Bluse, all das ganz von selbst, ohne Zögern und Überlegen, es lief ab wie ohne unser Zutun: Dann die Decke und die Nacktheit und das Keuchen und ihre kräftigen Hände, und sie, die mich, und ich, der sie…« et cetera, am Ende fehlt auch nicht »auf ihrer Haut ein dünner Film von Schweiß«. Nun gut, man muss nicht alles können.

Ob’s wirklich ein Roman ist, was man da am Ende gelesen hat, das sei dahingestellt ebenso wie die sich auch am Ende nicht recht erschließende Bedeutung des Titels. Der Roman an sich hat ja ein weites Herz, dann mag auch dieser neue Text von Kehlmann einer sein. In jedem Fall aber ist das Ganze eine kleine Scheherazaderie, ein hübsch gemusterter, nicht ungeschickt gewobener Teppich. Fliegen kann er allerdings nicht.

Daniel Kehlmann: Ruhm

Ein Roman in neun Geschichten; Rowohlt Verlag, Reinbek 2009; 224 S., 18,90 €