Israel trägt große Verantwortung

Josef Joffe: »Logik des Wahnsinns«

Nachdem Hunderte von Menschen gestorben sind und von Europa geförderte, öffentliche Gebäude in Schutt und Asche liegen, wächst die Enttäuschung über eine unglaublich einfallslose und sture Politik in Nahost. Die in Medien wie selbstverständlich klingende Kriegsberichterstattung über die gezielte Tötung eines Hamas-Führers nebst zehnköpfiger Familie ist erschreckend.

Henning v. Winterfeld, Wedel

Josef Joffes strategisches Tableau der gegenwärtigen Lage im Nahostkonflikt – Hamas als williger Gehilfe Irans bei der Umgestaltung der Region »unter der grünen Flagge des Propheten« – lässt die entscheidende lokale Komponente für die Rolle der islamistischen Partei außer Acht. Bekanntlich haben die Palästinenser im Gaza-Streifen Hamas nicht aus Begeisterung für eine islamistische Ideologie gewählt, sondern aus Frustration über die Erfolglosigkeit der Fatah-Regierung, der die fortgesetzte israelische Kontrolle in den besetzten Gebieten oder an ihren Grenzen keine Chance gab, sich gegenüber dem Rivalen zu profilieren.

Die anschließende erneute Radikalisierung der palästinensischen Politik und die Solidarisierung der Bevölkerung Gazas mit Hamas haben wenig mit Iran zu tun. Sie ist vielmehr das Ergebnis des Versuchs, die 1,5 Millionen Bewohner Gazas durch die Blockade der Grenzen zum Regime-Wechsel zu bewegen. Der Raketenbeschuss als Antwort auf die wirtschaftliche Abschnürung seit 18 Monaten soll damit nicht gerechtfertigt werden. Er ist ebenso inakzeptabel wie die israelischen Militäraktionen. Die Empörung über die Eskalation der Gewalt beider Seiten enthebt aber nicht der Frage nach dem Warum. Dass Israel durch seine Abriegelungspolitik große Verantwortung für die gegenwärtige Zuspitzung trägt, dürfte außer Frage stehen.

Josef Joffes Vorstellung, nach der das israelisch-palästinensische Problem erst lösbar sein werde, wenn die Auseinandersetzung zwischen Iran und den USA entschärft ist, bedeutet für die praktische Politik, den Konflikt mit unabsehbaren Konsequenzen weitertreiben zu lassen. Die Konzentration auf Iran scheint mir außerdem zu ignorieren, dass die Verbindung nach Teheran für Syrien, Hisbollah oder Hamas zwar nützlich, aber nicht zentral ist. Sie alle haben ihre eigene lokale Agenda, gegenüber der die Umgestaltung der Region nach islamistischen Prinzipien eher zweitrangig sein dürfte. Syrien geht es vor allem um die Rückgewinnung der besetzten Golanhöhen, Hisbollah um ein größeres Gewicht in der libanesischen Politik und Hamas um eine Führungsrolle oder zumindest Beteiligung an der Macht in den palästinensischen Gebieten.

Dr. Martin Schneller, Zlan/Österreich

Israel, hochgerüstet mit modernen Waffen, hat von jeher auf Stärke und Unterdrückung gesetzt und alle Verhandlungen in diesem Sinne geführt mit dem Ergebnis, dass die palästinensische Bevölkerung wie in einem Gefängnis eingesperrt ist und ihrer Rechte beraubt wurde.

Hätte Israel auf Verhandlungen und Gespräche gesetzt und vor allem die Grenzen von vor 1967 respektiert, sähe es in Nahost und beim internationalen Terrorismus anders aus. Nun frage ich, wo ist die Logik des Wahnsinns?

Gudrun Mogler, per E-Mail

Die Logik des Konflikts bitte noch zu Ende denken, Herr Joffe! Natürlich geht es um mehr Macht – immer und überall. Man muss die Frage beantworten, was macht denn insbesondere Iran so stark (außer George W.)? Es ist die nukleare Drohung, das Öl und – sie halten Israel als Geisel gegenüber dem »Westen«. Letzteres, solange es nicht gelingt, Israel zurück auf die Grenzen von vor 1967 festzulegen und damit die Voraussetzungen für einen zweiten lebensfähigen Staat in Palästina zu schaffen. Von einer Koalition der Willigen in der Nachbarschaft anerkannt (Sie haben sie genannt) und von westlichen Sicherheitsgarantien geschützt, fände dann auch der Hegemonialanspruch der Ajatollahs seine Grenzen. Israelis und Palästinenser könnten endlich ausprobieren, in Sicherheit vor und miteinander zu leben und nicht länger für fremde Interessen ihr Leben zu lassen.

Hubert Rieping, per E-Mail

 
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