Es braucht mehr als private Initiative
Petra Pinzler: »Kämpferin für die Gemeinschaft«
Die Arbeit von Julia Middleton hat gesellschaftliche Anerkennung verdient. Sie verdeutlicht aber auch, dass unser Bildungssystem viele kompetente Spezialisten hervorbringt, die anscheinend nicht in der Lage sind zu erkennen, dass ihr Handeln gesamtgesellschaftliche Auswirkungen hat. Manager wollen von Frau Middleton Regeln hören, wie sie die Gesellschaft nicht aus den Augen verlieren. Eine vereinfachte Antwort hätte lauten können: Gehen sie mit offenen Augen und Ohren durchs Leben.
Wenn Führungskräfte nicht vernunftorientiert handeln können, verdeutlicht das, wie wichtig die Geisteswissenschaften in der Bildung sind.
Es reicht einfach nicht aus, nur Betriebswirte und Ingenieure auszubilden und zum Beispiel die Philosophie außen vor zu lassen. Dass das Gemeinwohl bei wichtigen Entscheidungen immer im Vordergrund stehen sollte, ist keine These von Julia Middleton, aber diese Forderung sollte jedem Menschen innerhalb seines Bildungsweges bewusst gemacht werden.
Nun entsteht aber an dieser Stelle ein Problem, wenn Menschen wie Frau Middleton nicht in der Bildungspolitik aktiv werden, sondern ihre Kräfte in private Initiativen stecken. Grundlegende Veränderungen wie eine Bildungsreform, die selbstständige Geistestätigkeit hervorruft, können in unseren Demokratien nur über den Weg der Ministerien und Parlamente geschehen, und wenn man diesen nicht geht, sondern den des geringsten Widerstandes (private Initiative), dann ist mir das für eine Kämpferin zu wenig.
Uwe Michaelis, Hannover
- Datum 15.01.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







