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Langer Marsch durch die Sahara

Der Sehnsuchtsort des französischen Abenteurers Michel Vieuchange hat einen klangvollen Namen: Smara. Die sagenumwobene Stadt liegt in einem unerkundeten Gebiet am Saum der mauretanischen Wüste. Ihre Häuser sind Ruinen, um sie herum toben Stammeskriege, Fremden ist der Zugang verboten. Dennoch will Vieuchange der erste Europäer sein, der Smara betritt. 1930 macht er sich auf, als Berberin verkleidet, im Schutz einer kleinen Karawane. Da ist er 26 Jahre alt. Seine Füße schmerzen, er hungert, erkrankt und verliert das Vertrauen zu seinen arabischen Begleitern. Aber nach zwei Monaten und 300 Kilometern kommt er an in der Stadt, die seine Gedanken nicht loslässt. Und weiß noch nicht, dass Smara ihn das Leben kosten wird. Seine Reisenotizen werden posthum veröffentlicht und sind nun als Taschenbuch wieder aufgelegt. Noch immer schafft es Vieuchange, den Leser in seinen Bann zu ziehen – mit detaillierten Tagebuchaufzeichnungen, die zwischen Selbstzweifel und Erwartungsfreude schwanken. CHB

Michel Vieuchange: »Smara – Verbotene Stadt«. Unionsverlag, Zürich 2008; 272 S., 9,90 €

Vom Wannsee zur Bulettenbude

Mit einem Reiseführer durch die eigene Stadt bummeln? Das hat man nicht nötig. Der Band 100 % Berlin – auf den ersten Blick nicht als Touristenlektüre identifizierbar – macht eine Ausnahme. Er porträtiert das Hintergründige und zeigt selbst den Alteingesessenen die Hauptstadt aus ungewohntem Blickwinkel. Autor Falko Hennig beschreibt in launigen Kleintexten von A bis Z lokale Besonderheiten wie »Bulettenbuden« oder »Taxifahrer«. Harry Schnitger fügt mit eigenwilligen, teils skurrilen Fotos seine Sicht der Dinge dazu. Und so entsteht ein sehr persönliches Porträt, das unterschiedliche Facetten beleuchtet: Bekanntes wie den Wannsee, Abgelegenes wie die schwimmende Badeanstalt »Badeschiff Arena« in Treptow oder Neumodisches wie das Phänomen der »urbanen Penner«, der hippen Jugendlichen, die sich mit wenig Geld durchschlagen. Wohl hinterfragen die Autoren Berliner Sitten und Manieren kritisch – und haben letztendlich doch eine Liebeserklärung geschrieben. DOH

Falko Hennig/Harry Schnitger: »100 % Berlin. Was drin ist, was dran ist, was in ist«. Knesebeck-Verlag, München 2008; 128 S., 14,95 €

 
  • Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
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  • Schlagworte Literatur | Sahara | Stadt | Reiseführer | Wannsee | München | Berlin | Zürich
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