Liebeskolumne Wie originell muss ein Geschenk sein?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Was tun, wenn man am Geburtstag leer ausgeht?

Die Frage: Elise und Floriansteuern beide auf ihren 40. Geburtstag zu. Sie schenkt ihm zu seinem Ehrentag eine Reise nach Kroatien, seinem Lieblingsland. Sie hat sie heimlich und aufwendig vorbereitet: Gemeinsam mit seinem Chef hat sie die Woche mit Schein-Terminen vollgestopft, damit er sich nichts anderes vornehmen kann. Sie hat heimlich das Auto gepackt, das Hotel gebucht, sogar eine Angel hat sie gekauft, damit er entspannen kann. Es ist eine gelungene Überraschung, und für beide wird es ein sehr schöner Urlaub. Wenige Jahre später wird Elise 40 und bekommt von Florian: nichts. Er entschuldigt sich wortreich, erzählt von vielen Ideen, die er hatte, die ihm aber alle nicht gut genug erschienen. Seine Erklärung mündet in dem Satz: "Dein Geschenk war so toll – da stand ich unter Druck." Elise versteht, ist aber trotzdem enttäuscht.

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Der Fall scheint offensichtlich: die arme Frau. Sie hat alles getan, um ihrem Liebsten einen schönen Geburtstag zu bereiten. Hätte sie es nicht verdient, dass ihr Partner wenigstens versucht, etwas davon zurückzugeben? Zweifellos, aber bevor Elise den Stab über ihren Lebensgefährten bricht, sollte sie sich fragen, wie viele eigene Wünsche in ihrem Überraschungsei steckten. Mein Verdacht: Elise hat ihrem Partner den Geburtstag bereitet, den sie selbst gerne gefeiert hätte. Florian hätte sich über eine weniger bombastische Inszenierung genauso gefreut. So aber hat Elise einen Wettbewerb eröffnet, wer den anderen fantasiereicher feiert. Florian kann damit nicht umgehen und verweigert sich. Schade drum, er sollte seinen eigenen Stil entwickeln und sich nicht so passiv-aggressiv einstellen.

Wolfgang Schmidbauer, 67, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten, von ihm erschien u.a. "Das Mobbing in der Liebe", Gütersloher Verlagshaus

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Welchen Problemen Wolfgang Schmidbauer in seiner täglichen Praxis begegnet, erzählt er im Interview mit ZEIT ONLINE.

 
Leser-Kommentare
  1. Zunächst vermisse ich "Die Frage", denn hinter diesem Text ist weit und breit keine Frage zu finden.

    Dann endet die Antwort leider an der Stelle, an der es erst richtig interessant wird:

    "Schade drum, er sollte seinen eigenen Stil entwickeln und sich nicht so passiv-aggressiv einstellen."

    Tja, wie entwickle ich denn nun meinen eigenen Stil beim Schenken in einer langjährigen Beziehung, in der meine Geschenke der letzten Jahre nahezu alle mehr oder weniger müde belächelt wurden?! Und was mache ich, wenn mein Stil zu schenken meiner Frau so gar nicht zusagt?! Dass man gerne etwas schenkt, was einen (auch?) selber begeistert, ist ja nun keine großartige neue Erkenntnis.

    Wie wichtig ist denn das anlassbezogene Schenken überhaupt in einer Beziehung? Der Mann ist hier deutlich im Nachteil beim Schenken: Valentinstag, Muttertag, Geburtstag, Hochzeitstag, Ostern und Nikolaus (die Kinder kriegen was von ihrer Mutter, der Mann nebenbei auch, nur der Mann selber schenkt seiner Frau wieder nichts), Weihnachten. Das ist einfach inflationär. Wie soll man da noch einen eigenen Stil entwicklen?!

    Die Antwort erscheint mir hier wie ein Horoskop, viel allgemeiner Text, wenig Substanz, die einem etwas bringt. ;-)

  2. ... und am allermeisten meinen eigenen.

    Da erscheinen völlig ungefragt Leute an der Türschwelle oder am Telefon, bei denen man froh ist, wenn man sie den Rest des Jahres nicht sieht. Warum? Um einem völlig sinnfreien Plunder anzudrehen, den man sowieso nicht braucht, und zwar in der Erwartung, daß man sich artig dafür bedankt.

    Genau deshalb verschwinde ich an meinem eigenen Geburtstag stets in die Fremde, um nur ja keinen zu sehen. Strategisch liegt mein Anniversaire in diesem Sinne recht günstig: Ich wurde an einem 29. Dezember geboren, also im so ziemlich totesten Winkel des ganzen Jahres.

    Und von einem Paartherapeuten hätte ich eine etwas differenziertere Antwort auf das "Problem" erwartet. In einer Beziehung, deren Wohl und Wehe von der Art und Weise und dem Umfange des Schenkens am Jubeltage abhängt, liegt meines Erachtens mehr im Argen als der "Druck", der auf dem Beschenkten lastet. Wenn ich mit jemandem zusammenlebe, dann täte ich gut daran, den Partner das ganze Jahr über meiner Wertschätzung zu versichern, und zwar so, daß er gar nicht erst in Versuchumg kommt, diese anhand eines Geschenks an einem bestimmten Datum zu ermessen.

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