Vermögen: Der Unterschied wird größerWer baut die Batterien der Zukunft?Grüne ComputerKleinfeld kämpftUnd ewig siegt der GolfBonn als Ökozentrale?

Deutschlands Autokäufer bevorzugen auch in der Krise einheimische Marken

Der Abstand zwischen Armen und Reichen in Deutschland wächst. Auch deswegen, weil in den Krisenjahren viele Arbeitslose ihre Ersparnisse aufbrauchen mussten und die Vermögen seitdem besonders ungleich verteilt sind – so ein zentrales Ergebnis einer am kommenden Mittwoch erscheinenden Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Forscher Joachim Frick und Markus Grabka weisen nach, dass die Ungleichheit der Vermögensverteilung zwischen 2002 und 2007 stark gestiegen ist. Vor allem viele Ostdeutsche haben in diesen Jahren ihre Vermögen aufgezehrt. Da dies besonders für Menschen mittleren Alters gilt, vermuten die Forscher einen Zusammenhang mit den Arbeitsmarktreformen der rot-grünen Regierung. Eine Folge der Hartz-Reformen ist, dass Arbeitslose einen Großteil ihrer Rücklagen aufbrauchen müssen, bevor der Staat ihnen das Arbeitslosengeld II zahlt. Die DIW-Forscher warnen davor, dass eine Spätfolge der Arbeitslosigkeit in den untersuchten Jahren Altersarmut sein werde, weil ein Teil der aufgebrauchten Ersparnisse auch für die Altersvorsorge gedacht gewesen sei. Der Staat, daran hatten die Wirtschaftsweisen bereits in ihrem vorletzten Gutachten erinnert, gleicht die Unterschiede in der Vermögensverteilung in Deutschland viel weniger aus als Unterschiede bei den Lohn- und Gehaltseinkommen. Nia

Extrem leistungsfähige Lithium-Ionen-Batterien gelten als Schlüsseltechnologie – sowohl für neue Hybrid- als auch für reine Elektrofahrzeuge. Kein Wunder, dass Batterieproduzenten, die bislang solche Zellen für Handys oder Laptops produzierten, aber auch Autohersteller und ihre Zulieferer darum wetteifern, wer diese künftig liefern darf. Soeben hat General Motors (GM) angekündigt, eine eigene Fabrik im heimischen US-Staat Michigan zu bauen: Der Chevrolet Volt (Bild), das E-Auto, welches helfen könnte, den angeschlagenen Autoriesen zu retten, soll Batteriepacks bekommen, »die in den USA von General Motors hergestellt werden«, verkündete Konzernchef Rick Wagoner auf der Detroiter Autoshow. Dazu hat sich GM mit dem US- Ableger des koreanischen Akku-Spezialisten LG Chem zusammengetan, der die Zellen zuliefern wird. Den Kürzeren gezogen hat dabei der Autozulieferer Conti, der sich ebenfalls Hoffnungen als Lieferant für den Volt gemacht hatte. Conti baut in einer neuen Fertigung in Regensburg schon Akkus für kommende Hybridmodelle von BMW und Daimler. Die Stuttgarter haben kürzlich aber bekannt gegeben, im Verein mit dem Essener Evonik-Konzern auch selbst ins Batteriebusiness einzusteigen. Genauso wie der weltgrößte Autozulieferer Bosch, der gemeinsam mit den koreanischen Spezialisten von Samsung an dem zukunftsträchtigen Geschäft teilhaben will. dhl

Für Kühlung und Betrieb brauchen die Rechenzentren von Google und anderen Internetfirmen viel Strom, der aber nur selten aus regenerativen Quellen stammt. Indirekt wird die Computerbranche für mehr CO₂ verantwortlich gemacht als der Flugverkehr. Etliche Firmen haben sich daher in der Climate Savers Computing Initiative (CSCI) zusammengeschlossen, um den Energiehunger von Computern bis 2010 zu halbieren. Die derzeit sinkenden Energiepreise könnten nun jedoch den Druck mildern, sich nach sauberen Alternativen umzusehen, fürchten Kritiker. CSCI-Chefin Lorie Wigle weist das zurück. »Nicht einmal in den USA wird das Umweltbewusstsein wieder verschwinden«, sagt sie. »Unternehmerische Entscheidungen werden zwar nicht nur unter Umweltaspekten getroffen«, sagt sie, »aber sie gehören nun definitiv dazu.« roh

Der Karriereknick schien ausgebügelt. Nachdem der ehemalige Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld wegen des Korruptionsskandals aus München verbannt worden war, schaffte er es innerhalb kürzester Zeit auf den Chefsessel des US-Aluminium-Schwergewichts Alcoa, das zu den 30 Dow-Jones-Werten gehört. Damit gelang Kleinfeld, was bisher keinem Manager aus Deutschland gelungen ist. Doch mit dem massiven Einbruch der Rohstoffpreise und dem sich rapide verschlechternden Konjunkturklima ist Alcoa tief in die roten Zahlen abgestürzt. Kleinfeld muss schwer kämpfen. Dabei bemüht der 51-Jährige – ganz amerikanisch – meteorologische Vergleiche. »Die Aluminiumbranche erlebt einen perfekten Sturm historischen Ausmaßes«, sagte er Anfang dieser Woche. Jetzt will er massiv Personal abbauen und Investitionen kürzen. Derweil freut man sich bei Siemens über üppige Auftragseingänge, deren Basis nicht zuletzt aus der Ära Kleinfeld stammt. hbu

Und wieder führt er die Zulassungsstatistik mit großem Abstand an: der VW Golf. Auch der Modellwechsel im November – von Golf V auf Golf VI – änderte im Jahr 2008 daran nichts. Spannend wurde es allerdings im Wettlauf um die nächsten Plätze. Erst in den letzten Wochen sicherte sich hier der neue Audi A4 Rang zwei, knapp vor der ebenfalls jungen Mercedes C-Klasse sowie VW Passat und 3er BMW. Offenbar greifen die Käufer nach wie vor gern zu den frischesten Modellen. Und noch einen weiteren Trend zeigt die Zulassungsstatistik des vergangenen Jahres: Die kleineren und kompakten Fahrzeuge der Hersteller haben ihre größeren Brüder wie Audi A6, BMW 5er oder Mercedes E-Klasse aus der Rangliste verdrängt. Aber eines kann die Beschäftigten bei VW, Audi, Mercedes oder BMW freuen: Deutsche Autokäufer bevorzugen auch in der Krise einheimische Fabrikate: 70 Prozent der neu zugelassenen Pkw trugen ein deutsches Markenlabel, Konzerntöchter wie Škoda oder Seat noch nicht mitgezählt. dhl

Steter Tropfen höhlt den Stein. Fast 20 Jahre lang hat Hermann Scheer, SPD-Bundestagsabgeordneter und Träger des Alternativen Nobelpreises, für die Gründung einer Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien getrommelt. Nun wird seine Hartnäckigkeit belohnt. Ende Januar werden Vertreter von rund 40 Nationen IRENA in Bonn aus der Taufe heben. Die neue Organisation soll die weltweite Verbreitung regenerativer Energien fördern, unter anderem durch Know-How-Transfer. Über den Generalsekretär und den Sitz der Behörde wird erst im Juni entschieden. Deutschland bewirbt sich mit Bonn. Dass Hermann Scheer, dem durchaus Ambitionen nachgesagt werden, an die Spitze von IRENA berufen wird, ist eher unwahrscheinlich. Im Universum der Diplomaten gilt der Grundsatz: Sitz plus Vorsitz läuft nicht. vo

 
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