Die Erpresser von Bohunice

Die Slowakei spielt Atompoker mit der EU

Das westslowakische AKW Bohunice liegt lediglich knapp 250 Kilometer von Linz entfernt; die drittgrößte Stadt in Österreich befindet sich also in einer potenziell heißen Zone. Vor allem die beiden über 30 Jahre alten Blöcke V1 gelten als Hochrisikoreaktoren vom Typ Tschernobyl. Nur unter der Bedingung, sie stillzulegen, konnte die Slowakei deshalb der EU beitreten.

Keine 14 Tage nachdem der letzte V1-Block abgeschaltet wurde, kündigten die Slowaken nun an, neuerlich eine Kettenreaktion in dem gefährlichen Gehäuse zu starten. Angeblich weil wegen Erdgasmangels die Stromversorgung gefährdet sei. Netter Vorwand.

Was bezweckt der slowakische Premier Robert Fico mit seiner gefährlichen Drohung? Vermutlich pokert er und versucht so, der EU größere Unterstützung auf dem Energiesektor (Erdgasspenden, Hilfe beim Bau neuer AKWs) abzuringen. Er kann sich darauf verlassen, dass der Name Bohunice in dem unmittelbar bedrohten Österreich alle Alarmsirenen aufheulen lässt. Dadurch wird der Nachbar zum slowakischen Interessenvertreter. Das kann man auch Erpressung nennen. jr

 
Service