Wenn der neue Präsident Barack Obama in sein Amt eingeführt wird, ist der Augenblick gekommen, in dem die Vereinigten Staaten endlich jene Selbstgerechtigkeit über Bord werfen sollten, mit der sie die Welt seit dem Ende des Kalten Krieges behelligt haben. Selbstgerecht war der Anspruch, eine unipolar herrschende Supermacht zu sein; selbstgerecht die Vorstellung, die USA seien eine ebenso exzeptionelle wie unverzichtbare Nation. Diese Ansprüche haben Amerika schon in dem Augenblick geschadet, als sie zum ersten Mal geäußert wurden. Doch die vergangenen acht Jahre haben unmissverständlich gezeigt, dass sie auf absurde Weise falsch waren.

Der Historiker und Politikwissenschaftler Andrew B. Bacevich© Courtesy of Indiana University Was die Kunst der Staatsführung betrifft, so erteilt uns die Ära Bush im Wesentlichen drei Lektionen: Arroganz und Überheblichkeit offenbarten die Grenzen der globalen Führerschaft Amerikas; Leichtsinn und Stümperhaftigkeit enthüllten die Grenzen seiner militärischen Stärke; und die ebenso törichte wie maßlose Weigerung der Amerikaner, ihren Reichtum nicht auf Pump zu bauen und nicht ständig über ihre Verhältnisse zu leben, zeigte die Grenzen des amerikanischen Wohlstands. Gewiss, das Volk und seine politische Führung mögen es vorziehen, diese Lehren zu ignorieren. Auch die neokonservativen Intellektuellen werden diese Lektionen in den Wind schlagen wollen. Doch für den Fall, dass sie es tun, werden wir alle schwerwiegende Konsequenzen zu fürchten haben.

Die Ära Bush und die amerikanische Vormachtstellung gehen zu Ende, das Zeitalter Obamas beginnt. Dennoch glaube ich nicht, dass die Vereinigten Staaten künftig zum Niedergang verurteilt sind und sich ihre Macht in einer unaufhaltsamen Abwärtsspirale befindet. Auch in einer postamerikanischen Welt bleiben die USA ein wichtiger Akteur auf internationaler Bühne. Doch im Gegensatz zu den Gepflogenheiten der Bush-Administration wird die neue Regierung nicht mehr in der Lage sein, die Interessen anderer wichtiger Akteure massiv zu missachten. Anstatt andere Länder einfach einem Diktat zu unterwerfen, wird Barack Obama – anders als George W. Bush – nicht umhinkommen, mit ihnen zu verhandeln, mit ihnen zusammenzuarbeiten – und sich ihnen manchmal sogar anzupassen.

Was bedeutet die neue weltpolitische Lage für die Regierung Obama noch darüber hinaus? Nun, in nächster Zeit wird es für die Amerikaner Vorrang haben müssen, ihr Haus wieder in Ordnung zu bringen und sich selbst zu bessern. Für die Außenpolitik heißt dies, dass sie wieder ein Gleichgewicht herstellen muss zwischen den internationalen Verpflichtungen der USA und den verfügbaren Mitteln, diesen Verpflichtungen nachzukommen. Vieles muss überprüft und manches revidiert werden, vor allem die von Grund auf falsche Vorstellung, ein grenzenloser und unbefristeter »globaler Krieg« sei die einzig richtige Antwort auf die Bedrohung durch den gewaltbereiten islamistischen Radikalismus.

Bushs »Krieg gegen den Terror« entsprang der strategischen Überzeugung, die USA müssten den Mittleren Osten militärisch befrieden, um eine Wiederholung des 11. September dauerhaft zu verhindern. Die geballte amerikanische Macht sollte eingesetzt werden, um die gesamte Region umzugestalten. Auf diese Weise sollte eine neue Ordnung erzwungen und demokratische Freiheit ermöglicht werden. Machen wir uns nichts vor: Im Wesentlichen ging es darum, eine Vorherrschaft der USA zu errichten. Sie sollte verhindern, dass die islamische Welt auf Dauer eine Brutstätte für Terroristen ist, die den Westen in Angst und Schrecken versetzen. Deshalb machten sich Bush und seine Offiziere daran, im Mittleren Osten jene historische Transformation einzuleiten, die die Vereinigten Staaten – allerdings unter vollkommen anderen Umständen – nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und Japan auch schon ins Werk gesetzt hatten.