Was kommt nach AmerikaDas Ende der ArroganzWas kommt nach Amerika?

Mit der Ära Bush endet auch die Vormachtstellung der USA. Unter Barack Obama muss das Land vor allem eines lernen: Bescheidenheit von Andrew J. Bacevich

Barack Obama

Auf Barack Obama ruhen viele Hoffnungen, auch auf einen neuen Politikstil  |  © Joshua Roberts-Pool/Getty Images

Wenn der neue Präsident Barack Obama in sein Amt eingeführt wird, ist der Augenblick gekommen, in dem die Vereinigten Staaten endlich jene Selbstgerechtigkeit über Bord werfen sollten, mit der sie die Welt seit dem Ende des Kalten Krieges behelligt haben. Selbstgerecht war der Anspruch, eine unipolar herrschende Supermacht zu sein; selbstgerecht die Vorstellung, die USA seien eine ebenso exzeptionelle wie unverzichtbare Nation. Diese Ansprüche haben Amerika schon in dem Augenblick geschadet, als sie zum ersten Mal geäußert wurden. Doch die vergangenen acht Jahre haben unmissverständlich gezeigt, dass sie auf absurde Weise falsch waren.

Bacevich

Der Historiker und Politikwissenschaftler Andrew B. Bacevich  |  © Courtesy of Indiana University

Was die Kunst der Staatsführung betrifft, so erteilt uns die Ära Bush im Wesentlichen drei Lektionen: Arroganz und Überheblichkeit offenbarten die Grenzen der globalen Führerschaft Amerikas; Leichtsinn und Stümperhaftigkeit enthüllten die Grenzen seiner militärischen Stärke; und die ebenso törichte wie maßlose Weigerung der Amerikaner, ihren Reichtum nicht auf Pump zu bauen und nicht ständig über ihre Verhältnisse zu leben, zeigte die Grenzen des amerikanischen Wohlstands. Gewiss, das Volk und seine politische Führung mögen es vorziehen, diese Lehren zu ignorieren. Auch die neokonservativen Intellektuellen werden diese Lektionen in den Wind schlagen wollen. Doch für den Fall, dass sie es tun, werden wir alle schwerwiegende Konsequenzen zu fürchten haben.

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Die Ära Bush und die amerikanische Vormachtstellung gehen zu Ende, das Zeitalter Obamas beginnt. Dennoch glaube ich nicht, dass die Vereinigten Staaten künftig zum Niedergang verurteilt sind und sich ihre Macht in einer unaufhaltsamen Abwärtsspirale befindet. Auch in einer postamerikanischen Welt bleiben die USA ein wichtiger Akteur auf internationaler Bühne. Doch im Gegensatz zu den Gepflogenheiten der Bush-Administration wird die neue Regierung nicht mehr in der Lage sein, die Interessen anderer wichtiger Akteure massiv zu missachten. Anstatt andere Länder einfach einem Diktat zu unterwerfen, wird Barack Obama – anders als George W. Bush – nicht umhinkommen, mit ihnen zu verhandeln, mit ihnen zusammenzuarbeiten – und sich ihnen manchmal sogar anzupassen.

Was bedeutet die neue weltpolitische Lage für die Regierung Obama noch darüber hinaus? Nun, in nächster Zeit wird es für die Amerikaner Vorrang haben müssen, ihr Haus wieder in Ordnung zu bringen und sich selbst zu bessern. Für die Außenpolitik heißt dies, dass sie wieder ein Gleichgewicht herstellen muss zwischen den internationalen Verpflichtungen der USA und den verfügbaren Mitteln, diesen Verpflichtungen nachzukommen. Vieles muss überprüft und manches revidiert werden, vor allem die von Grund auf falsche Vorstellung, ein grenzenloser und unbefristeter »globaler Krieg« sei die einzig richtige Antwort auf die Bedrohung durch den gewaltbereiten islamistischen Radikalismus.

Bushs »Krieg gegen den Terror« entsprang der strategischen Überzeugung, die USA müssten den Mittleren Osten militärisch befrieden, um eine Wiederholung des 11. September dauerhaft zu verhindern. Die geballte amerikanische Macht sollte eingesetzt werden, um die gesamte Region umzugestalten. Auf diese Weise sollte eine neue Ordnung erzwungen und demokratische Freiheit ermöglicht werden. Machen wir uns nichts vor: Im Wesentlichen ging es darum, eine Vorherrschaft der USA zu errichten. Sie sollte verhindern, dass die islamische Welt auf Dauer eine Brutstätte für Terroristen ist, die den Westen in Angst und Schrecken versetzen. Deshalb machten sich Bush und seine Offiziere daran, im Mittleren Osten jene historische Transformation einzuleiten, die die Vereinigten Staaten – allerdings unter vollkommen anderen Umständen – nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und Japan auch schon ins Werk gesetzt hatten.

Leserkommentare
  1. Die Kapitäne dicker Tanker kennen und berücksichtigen das in der Navigation:
    Ein von der Brücke gegebener Befehl, einen anderen Kurs zu steuern - das Schiff fährt zunächst einmal infolge seiner Trägheit und der gesamten hydrodynamischen Wirkungen mindestens 15 Seemeilen im bisherigen Kurs weiter.

    Warum diese Analogie:

    - Die Trägheit ist die Denke und die über nunmehr Jahrzehnte eingeschliffene Gewohnheit der US-Amerikaner, auf Pump, auf den Taschen der übrigen Welt zu leben
    - die "hydrodynamischen Verhältnisse" sind die politische und militärische Großkotzigkeit, die sich ebenfalls nicht mit Tippen eines Schalters abstellen läßt.
    Selbst Ice Eisenhauer, der ja als Militär seine "Pappenheimer" bestens kannte, hätte sich in den letzten Jahren angesichts des immer mächtiger werdenen MIK (Militärisch Industrieller Komplex) in seinem Grabe umgedreht.

    Obama sollte mal einen Blick in den Roman "Don Quichote" riskieren, um eine Taktik gegen die mächtigen Lobbygruppen zu entwickeln.

    Ergo: Auch ein dicker Strauß von Vorschusslorbeeren neigt zum Verwelken!

  2. Dieser Artikel setzt das Wort Vormachtstellung mit den Worten Bush und Arroganz gleich. Nichts könnte falscher sein. Eine Vormachtstellung erreicht ein Land weder durch eine Einzelperson noch durch Arroganz. Vormacht beruht auf wirtschaftlicher Basis.

    Noch immer sind die USA mit einem BIP von 14 Billionen Dollar die größte Volkswirtschaft, gefolgt mit großem Abstand von Japan, China (3,6 B.) und Deutschland (3,5 B.). Die US-Wirtschaft ist also größer als die drei nächsten zusammen genommen.

    Eine Vormachtstellung verpflichtet. Sie erfordert nicht Arroganz sondern Verantwortung.

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    Wohl dem, der in der heutigen Wirtschaftswelt noch im festen religiös anmutenden Glauben an der Aussagekraft der BIP-Statistikwerte festhält.

    - Der Anteil der in der Industrie Beschäftigten an den Gesamtbeschäftigten ist in den USA auf etwa 12% abgesunken.

    -Welcher Anteil steckt davon wiederum allein in der Rüstungsindustrie?
    - Der überwiegende Anteil steckt im Dienstleistungsbereich
    - Welchen Anteil davon hat bzw. hatte die "Finanzindustrie?

    - Die chinesische Wirtschaftsstatistik klammert den Dienstleistungsbereich hingegen ganz aus. Was gäbe das für einen fantastischen Multiplikationsfaktor.
    - Nicht nur die US-Autoindustrie, sondern inzwischen auch das bisherige Flaggschiff der US-Zivilindustrie, die Flugzeugbauer leiden an Arthrose, man informiere sich nur mal über den aktuellen Stand im Entwicklungs- und Produktionsprozeß des Projektes Boeing 787 - man kriegt das große Staunen.

    Anmerkung: Die aktuell gravierende Finanzkrise hat die Ausmasse des berühmten Grand Canon, weil fast weltweit die komplette Welt-Managergeneration an die unschlagbare Allmacht der US-Wirtschaft geglaubt hat.
    Sie hätten lieber einmal nachschlagen sollen beim Dänischen Märchendichter Hans Christian Andersen "Von des Kaisers neuen Kleidern"

    Nur einer der Kaiser, der eigentlich nackt war, hieß Lehmann Brothers, andere Kaiser halten zur Zeit noch beide Hände über ihre intimen Körperteile.

  3. und meist zu einfach, um funktionieren zu können.

    Der Autor unterstellt auch, dass die USA nicht irgendwie an den statt gefundenen Terrorakten beteiligt waren (oder diese zumindest zugelassen haben).

    Schliesslich brauchte man sichtbare Gründe, die Pistole aus dem Halfter zu ziehen.

    Beim Irak ging es überwiegend um das Öl und weiterhin, darum das dieses nicht in Euro gehandelt wird und sich dieser Handel in Euro ausweitet. Das hätte dem Dollar schon 2003 den Todesstoß versetzt, der überwiegend aus seiner Funktion "Petro-Dollar" lebt. Die "Änderung der Lebensgewohnheiten" in der überfallenen Region war dabei eher ein vorgeschobenes Abfallprodukt amerikanischer arroganter Überheblichkeit.

    Den Dollarverfall wollten die hinter der FED stehenden Kapital-Clans keinesfalls zulassen, den MIK hat es schon lange gejuckt und über den MIK haben ja alle am Krieg bestens verdient - was sogar die Finanzkrise um 5 Jahre verschoben hat, die schon 2003 überfällig war.

    @dunnhaupt
    Das BIP der USA kommt mir weit übertrieben vor. Sind da auch die Scheinwerte der Finanz-, Hypotheken- und Kreditkartenblasen mit drin enthalten?
    Alleine der MIK muss ja riesige Anteile davon haben.

    Das BIP aus realer Produktion kann so hoch nicht sein.

  4. Wohl dem, der in der heutigen Wirtschaftswelt noch im festen religiös anmutenden Glauben an der Aussagekraft der BIP-Statistikwerte festhält.

    - Der Anteil der in der Industrie Beschäftigten an den Gesamtbeschäftigten ist in den USA auf etwa 12% abgesunken.

    -Welcher Anteil steckt davon wiederum allein in der Rüstungsindustrie?
    - Der überwiegende Anteil steckt im Dienstleistungsbereich
    - Welchen Anteil davon hat bzw. hatte die "Finanzindustrie?

    - Die chinesische Wirtschaftsstatistik klammert den Dienstleistungsbereich hingegen ganz aus. Was gäbe das für einen fantastischen Multiplikationsfaktor.
    - Nicht nur die US-Autoindustrie, sondern inzwischen auch das bisherige Flaggschiff der US-Zivilindustrie, die Flugzeugbauer leiden an Arthrose, man informiere sich nur mal über den aktuellen Stand im Entwicklungs- und Produktionsprozeß des Projektes Boeing 787 - man kriegt das große Staunen.

    Anmerkung: Die aktuell gravierende Finanzkrise hat die Ausmasse des berühmten Grand Canon, weil fast weltweit die komplette Welt-Managergeneration an die unschlagbare Allmacht der US-Wirtschaft geglaubt hat.
    Sie hätten lieber einmal nachschlagen sollen beim Dänischen Märchendichter Hans Christian Andersen "Von des Kaisers neuen Kleidern"

    Nur einer der Kaiser, der eigentlich nackt war, hieß Lehmann Brothers, andere Kaiser halten zur Zeit noch beide Hände über ihre intimen Körperteile.

    Antwort auf "Vormachtstellung"
  5. Zitat: "Die USA streben ganz offen die Vormachtstellung im All an. Ist dieses Ziel erreicht, soll der Kosmos den USA als Plattform zur planetaren Kontrolle dienen".
    Ist es nicht bedrückend wenn man sich vorstellt, daß nur eine Supermacht die absolute Kontrolle über unseren Globus anstrebt. Dieser Artikel sollte daher informativ und kurz gefaßt die Problematik vom Thema: "Rüstung im Weltraum" aufzeigen.

    In der Literatur wird auch vom amerikanischen Frieden (lat. Pax Americana) gesprochen, was aber ist die militärisch-technologischen Basis der "Pax Americana":

    * Joint Vision 2020 (US-Perspektive für die die streitkräfteübergreifende Operationsführung im Jahre 2020)
    * Global Strike (weltweiter Schlag)
    * National Missile Defense
    * Cyberwar (Krieg im Netz)

    Nun sowohl China als auch Russland warnen vor einem Wettrüsten im All und kritisieren besonders die nationale Raketenabwehr. Obwohl es internationale Abkommen gibt, die USA ratifiziert den Weltraumvertrag (engl. Outer Space Treaty) von 1967 der eine Inbesitznahme von Raum und die Installierung von Massenvernichtungswaffen untersagt, wird trotzdem der Weltraum weiter militarisiert.

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  • Schlagworte Barack Obama | Donald Rumsfeld | Condoleezza Rice | Irak | USA | USA
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