Gasstreit Gasputins Zittern

Russlands Härte im Energiestreit mit der Ukraine ist ein Zeichen der Schwäche. Das System Putin kämpft in der Wirtschaftskrise um sein Überleben

Wladimir Putin

Wohin, Chef? Wladimir Putin ist auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft

Der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine erschien im ersten Augenblick als das übliche Neujahrsritual, das nach Drohgebärden und Zänkereien im letzten Moment zu einer Einigung führt. Aber diesmal ist vieles anders: Hunderttausende in Europa mussten frieren, während die Streitparteien sich mit Vorwürfen übertrumpften. Fühlte sich Russland so stark, dass es sich nicht einmal mehr um den Ansehensverlust scherte?

Es war im Gegenteil eher ein Zeichen der Schwäche. Während Russland vor drei Jahren im Gasstreit mit der Ukraine die orangefarbenen Revolutionssieger abstrafen wollte, ging es diesmal vor allem ums Geld. Für Gasprom steht ein ehrgeiziges Investitionsprogramm zur Erschließung neuer Gasfelder auf der Jamalhalbinsel und im Eismeerschelf an. Aber der Gasmonopolist, ein Kernbaustein des russischen Staates, ist klamm.

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So schnell ist der Triumph des Fünf-Tage-Krieges im August vergangen. Als seine Panzer durch Georgien rollten, fühlte sich Russland mit sich eins und als Siegermacht. Nichts wollte sich die Führung mehr gefallen lassen, weder politisch noch militärisch. Einen Monat zuvor hatte der Preis für Rohöl den Höchstwert von 147 Dollar pro Fass erreicht. Die Öl- und Gasexporte brachten Russland Milliarden – und Selbstbewusstsein. Im Herbst jedoch schlug die Finanzkrise zu. Und im Dezember fiel der Ölpreis unter 40 Dollar. Wladimir Putin ist zwar auch als Premierminister noch immer Russlands starker Mann. Doch nun steht ihm die erste fundamentale Herausforderung seiner Amtszeit bevor: Er muss das Überleben seines Systems sichern.

Sowjetisches Erbe wird mit Zutaten aus dem Kapitalismus gemischt

Putin hat als Präsident sein Land psychologisch stabilisiert, den Zusammenhalt des Vielvölkerstaates vorerst gewahrt und zum Durchregieren die Vertikale der Macht geschaffen. Schritt für Schritt schaltete er alle konkurrierenden Machtzentren aus: Die Gouverneure degradierte er zu besseren Hausmeistern ihrer Regionen, das Parlament zur Zustimmungsbude auf Zuruf aus dem Kreml, die einst gefürchteten Oligarchen zum spendablen Anhang. Das Monopol der strategischen Entscheidungen konzentriert sich in seiner Hand, auch wenn die Verfassung das so nicht vorsieht. Putins System ist eine modernisierte autoritäre Herrschaft, die Sowjet-Elemente bunt mit den Zutaten des Kapitalismus, mit Konsum, Privateigentum und Bewegungsfreiheit der Bürger mischt. Die Elite macht größtenteils mit, da sie an den Öl- und Gaseinnahmen teilhat. Mit der Mehrheit der Bevölkerung schloss Putin eine Art Vertrag: Stabilität, wachsender Wohlstand und Ordnung werden gegen den Verzicht auf Freiheitsrechte gewährt. Repression als letztes Mittel blieb meist entbehrlich. Jetzt aber hat den Putinschen Gesellschaftsvertrag mit dem Volk die Wirtschaftskrise zerrissen.

Die Wohlfühl-Produktion des Kremls stockt. Zwar hat sich Russland einen beachtlichen Speckbauch zugelegt – mit den drittgrößten Devisenreserven der Welt. Doch in nur vier Monaten sind sie um ein Viertel auf 438 Milliarden Dollar zusammengeschmolzen. Allein am vergangenen Sonntag verpulverte die Zentralbank nach Expertenschätzungen zwei Milliarden Dollar zur Stützung des Rubels. Die Wirtschaftsdaten sind schlecht: Die Industrieproduktion sinkt, die Realeinkommen schrumpfen, das Kapital flieht. Der Haushalt wird in diesem Jahr ein Defizit von gut 50 Milliarden Euro aufweisen.

Offiziell wächst die Arbeitslosigkeit nur langsam, aber aus dem ganzen Land häufen sich die Berichte über Zwangsurlaub und Kurzarbeit. Besonders schwer trifft es die Menschen in den vielen »Monostädten«, deren Wohl von einem Großarbeitgeber abhängt: Er bezahlt die Einkommen, betreibt oft die Heizung und das Stromnetz und sponsert das Kulturzentrum. Die Klein- und Mittelunternehmen können die Arbeitslosen nicht auffangen. Sie erschöpfen sich im Kampf gegen Bürokratie und Korruption, die unter Putin systemtypisch wurden.

Das System Putin hat die aktuelle Krise nicht nur nicht verhindert, es hat sie erst in dieser Schärfe ermöglicht. Der frühere Präsident hat sich in den vergangenen fünf Jahren der Feinjustierung seiner Macht statt den nötigen Reformen gewidmet, die Russlands Übergang zu einem modernen Industrieland befördern könnten. 97 Prozent des gewonnenen Nickels, beklagt der Wirtschaftswissenschaftler Ruslan Grinberg, gingen in den Export. »Heißt das, wir wollen nichts selbst produzieren?«, fragt er rhetorisch. Eigenständigen Unternehmergeist aber fürchten die Mächtigen im Kreml. Unterordnung und Gehorsam werden gepredigt. Der Zukunftswunsch vieler Absolventen der Moskauer Business-Schulen spiegelt diese Mentalität wider: ein Job beim Staat.

Leser-Kommentare
  1. aber den Wunsch eines Lieferanten nach Bezahlung und die Einstellung der Lieferungen nach Ausbleiben der Zahlungen als ein Zeichen von Schwäche zu bezeichnen deutet auf meilenweiten Abstand von volks- und auch betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Nicht jedes Land sieht sich wie Deutschland in der Pflicht, alljährlich große Anteile des Volksvermögens in alle Welt zu verschenken. Is ne Einstellung, die man auch gelten lassen muss, oder?

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    die vorzugspreise der letzten jahre/jahrzehnte an die ex-teilrepubliken waren doch nichts anderes als geschenktes geld. Nach dem sie die gemeinscheaft auf eigenen wunsch verlassen haben und den grossen und oft leeren versprechungen gefolgt sind ist jetzt die konfrontation mit der realitaet hart. Ernuechternd, was z.b. die ukraine mit diesem startvorteil gemacht hat: verschleudert. Eigentlich sollte amerika und europa, die sie zur eigenstaatlichkeit verfuehrt haben, die differenz bezahlen. Die hoehe dieser differenz bekundet die zugeneigtheit. Da kann mal der westen zeigen wie er auch in harten zeiten seine spezis nicht im kalten laesst. Ausserdem muss ja jeder marktwirtschaftler weltmarktpreise fordern. Das ist doch schon wegen der WTO/GATT notwendig.

    Das ist so wie mit polen. Die EU baut die infrastruktur auf - aber grosse investitionen (zivilluftfahrt, verteidigung) werden, zum schaden der EU, bei boeing und der ami-ruestung in auftrag gegeben.

    Fuer diese methode gibt es schon eine eigenen namen: trojanischer-esel

    die vorzugspreise der letzten jahre/jahrzehnte an die ex-teilrepubliken waren doch nichts anderes als geschenktes geld. Nach dem sie die gemeinscheaft auf eigenen wunsch verlassen haben und den grossen und oft leeren versprechungen gefolgt sind ist jetzt die konfrontation mit der realitaet hart. Ernuechternd, was z.b. die ukraine mit diesem startvorteil gemacht hat: verschleudert. Eigentlich sollte amerika und europa, die sie zur eigenstaatlichkeit verfuehrt haben, die differenz bezahlen. Die hoehe dieser differenz bekundet die zugeneigtheit. Da kann mal der westen zeigen wie er auch in harten zeiten seine spezis nicht im kalten laesst. Ausserdem muss ja jeder marktwirtschaftler weltmarktpreise fordern. Das ist doch schon wegen der WTO/GATT notwendig.

    Das ist so wie mit polen. Die EU baut die infrastruktur auf - aber grosse investitionen (zivilluftfahrt, verteidigung) werden, zum schaden der EU, bei boeing und der ami-ruestung in auftrag gegeben.

    Fuer diese methode gibt es schon eine eigenen namen: trojanischer-esel

  2. Noch ein Propaganda-Artikel gegen Putin, gegen Rußland. Immer das Gleiche - wie ein scharfsichtiger Kommentator zum letzten Artikel dieser Coleur bemerkte: Hauptsache in der Schlagzeile erscheinen die Begriffe "Rußland/Kein/Gas".
    Jetzt möchte ich mal eine Analyse der wirtschaftlichen Verhältnisse der Ukraine, der Machtstrukturen des Team Orange und der Hintergründe des letzten Gerangels mit dem russischen Lieferanten lesen. Wer hat die Jungs nur ermutigt, sich am Gas zu bedienen ohne die Rechnungen zu zahlen?
    Also, verehrte ZEIT-Redaktion - ich warte!

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    • sokil
    • 15.01.2009 um 20:33 Uhr

    teilt die Welt in Russophilie und Russophobie.
    Die Ukraine ist gewiss nicht viel besser nach 300 Jahre russischer Herrschaft. Ihre Elite ist sowjetisch erzogen. Aber sie hat zumindest eine geistige Alternative dank ihre zumeist erfolglose Geschichte des Widerstands gegen moskowitische Kolonialisierung. Ein Paar Stauffenbergs machen einen doch was aus.

    • sokil
    • 15.01.2009 um 20:33 Uhr

    teilt die Welt in Russophilie und Russophobie.
    Die Ukraine ist gewiss nicht viel besser nach 300 Jahre russischer Herrschaft. Ihre Elite ist sowjetisch erzogen. Aber sie hat zumindest eine geistige Alternative dank ihre zumeist erfolglose Geschichte des Widerstands gegen moskowitische Kolonialisierung. Ein Paar Stauffenbergs machen einen doch was aus.

  3. wird von mir vorgeschlagen für den Preis: Beste Überschriften einer OnlineZeitung 2009.

    Schließe mich meinem Vorredner ansonsten inhaltlich an.

  4. 4. gähn,

    Seine Autorität ruht auf Unterordnung, Geheimentscheidungen und Kontrolle. Argumente sind zweitrangig. Nie hat Putin eine öffentliche Diskussion mit seinen Gegnern geführt.

    ohohohoo, sie waren wohl noch nie auf einer seiner pressekonferenzen, wa? allein die wortlautprotokolle der gespräche mit ihren kollegen sprechen bände.

    es ist mir ein rätsel, warum viele westliche journalisten ein derart stümperhaftes verhalten an den tag legen.
    anstatt einfach mal offen zuzugeben, dass putin ihnen intellektuell und rhetorisch um längen voraus ist, kriegen sie nix anderes hin als inhaltsleeres blabla, ergänzt durch projektionen und flache kalauer.
    (entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe und formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)

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    • xD
    • 15.01.2009 um 13:48 Uhr

    ich stimme ihnen zu ,haben sie sich auch die pressekonferenz bezüglich des
    gaskonfliktes von letzter woche zur gemüte gezogen ?
    das war richtig erbärmlich von der deutschen presse ,ich verweise allein auf die fragen die sie herrn putin gestellt haben.zuerst hören sie nicht zu und stellen solch dumme fragen.
    ein weiteres beispiel ist das ard interview mit putin, das von herrn roth geleitet wurde , putin ließ den langjährigen journalisten roth wie einen statisten wirken.
    die wenigste wissen von putin,dass sein spitzname beim kgb fuchs lautete.

    Formulieren Sie doch bitte Ihren Artikel sachlich! Folgende Passage ist behauptet nun wirklich unfundiert:

    "Seine Autorität ruht auf Unterordnung, Geheimentscheidungen und Kontrolle. Argumente sind zweitrangig. Nie hat XXX eine öffentliche Diskussion mit seinen Gegnern geführt."

    Auch auf jedes westliche Regime anwendbar -- oder diskutiert Merkel mit Attac, der Anti-G8-Bewegung oder Greenpeace?

    Ich wünschte mir eine ähnlich kritische Schreibe über Geschehnisse in transatlantischer Verantwortung. Der Gipfel der ZEIT-Doppelmoral ist jedoch das Abschalten der Kommentarfunktion zu jeglichen Israelberichten! Diese boykottiere ich demzufolge, denn Joffe ist nur lesbar, wenn man sich dazu äußern kann ;)
    _______________________________________________________
    "Ich glaube, daß die Bankinstitutionen für unsere Freiheiten gefährlicher sind als die Armeen."
    (Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)

    • xD
    • 15.01.2009 um 13:48 Uhr

    ich stimme ihnen zu ,haben sie sich auch die pressekonferenz bezüglich des
    gaskonfliktes von letzter woche zur gemüte gezogen ?
    das war richtig erbärmlich von der deutschen presse ,ich verweise allein auf die fragen die sie herrn putin gestellt haben.zuerst hören sie nicht zu und stellen solch dumme fragen.
    ein weiteres beispiel ist das ard interview mit putin, das von herrn roth geleitet wurde , putin ließ den langjährigen journalisten roth wie einen statisten wirken.
    die wenigste wissen von putin,dass sein spitzname beim kgb fuchs lautete.

    Formulieren Sie doch bitte Ihren Artikel sachlich! Folgende Passage ist behauptet nun wirklich unfundiert:

    "Seine Autorität ruht auf Unterordnung, Geheimentscheidungen und Kontrolle. Argumente sind zweitrangig. Nie hat XXX eine öffentliche Diskussion mit seinen Gegnern geführt."

    Auch auf jedes westliche Regime anwendbar -- oder diskutiert Merkel mit Attac, der Anti-G8-Bewegung oder Greenpeace?

    Ich wünschte mir eine ähnlich kritische Schreibe über Geschehnisse in transatlantischer Verantwortung. Der Gipfel der ZEIT-Doppelmoral ist jedoch das Abschalten der Kommentarfunktion zu jeglichen Israelberichten! Diese boykottiere ich demzufolge, denn Joffe ist nur lesbar, wenn man sich dazu äußern kann ;)
    _______________________________________________________
    "Ich glaube, daß die Bankinstitutionen für unsere Freiheiten gefährlicher sind als die Armeen."
    (Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)

  5. Sie können gerne inhaltliche Kritik an den Stücken unserer Autoren üben, aber etwas Respekt und Sachlichkeit würden der Debatte gut tun. Ihr indirekter Vorwurf der Polemik ist, erlauben Sie mir die Bemerkung, reichlich polemisch formuliert.
    Freundliche Grüße,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

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    Erst das ZEIT Forum gibt überhaupt die Möglichkeit irgendwelche Lücken, ob nun real oder imaginär, in der Berichterstattung und der Meinungen.. ja, eben offenzulegen und zu kommentieren. Ein Tagesblatt aus Zürich hat es bis heute nicht geschafft eine ebenbürtige Kommentarfunktion zu implementieren und die Zensur ist im Gegensatz zur ZEIT komplett intransparent.

    Dafür einfach mal Danke. Ich glaube das dies ein ernstzunehmender Ansatz für Medien ist die sich im Print und Onlinebereich behaupten müssen. Nur Print zu konsumieren ist mir zuwenig genauso wie es nur Online zu kommentieren ist....

    Trotzdem... Auch ich habe, nicht nur in der ZEIT, den Eindruck das über gewisse Themen, Personen, Länder, Situationen usw. teils sehr einseitig und eben mit einem gewissen Mass an Begriffen operiert wird die einige blinde Flecken übriglassen oder überhaupt erst generieren. Ein Beweis dafür das es nur mit privatisierten Medien nicht geht, mit ausschliesslich staatlichen Medien aber auch nicht.

    Russland ist so ein Themenbereich oder das nicht Berichten über die massive Einflussnahme westlicher Geldgeber/NGO's in der Ukraine (und auch Russland und allen anderen ex. GUS Staaten) und von dem her in vielen anderne Ländern auch noch. Ein weiteres Thema welches viele gerade überrollt ist das jahrelange Nachbeten von Neoliberalen Glaubenssätzen welche keinerlei Kritik zugelassen hat. Einen gewalltigen Schlamassel hat diese Kritiklosigkeit bewirkt den wir nun alle aufräumen müssen... Die ex. GUS Staaten fallen einer nach dem anderen auf die Nase und stehen kurz vor dem Abgrund der totalen Verarmung... Berichte darüber muss man sich aber zusammensuchen. Warum?

    Hier, so denke ich, wird von westlicher Seite oft nicht mit der Wahrheit oder vieleicht besser, mit genügen Objektivität und Gelassenheit operiert... auch einigen Kommentaren fehlt es manchmal an Gelassenheit. Es gibt Themen die bringen einen nun mal zur Verzweiflung... Ja?

    ...aber eben, darüber könnte man ganze Bücher schreiben, nächtelang Diskutieren und Philosphieren und wird dann wohl immer noch auf der Suche sein...

    Ich bin mir nicht sicher ob ich ein Verleger sein möchte... so attraktiv das im ersten vieleicht sein könnte.

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    Hi Johannes!
    Wo sehen Sie in meinem Beitrag Polemik?
    Das ist eine 100% sachliche Feststellung.
    Hingegen Ihre Headline: "Gasputin" = Rasputin + Gas ... das ist 100% bösartig und unsachlich.

    • Colon
    • 15.01.2009 um 16:03 Uhr

    Lieber Herr Kuhn,

    Es ehrt Sie, wenn Sie Herrn Vosswinkel zur Seite springen. Der hat aber, soweit ich es überblicke, noch nie auf einen kritischen Kommentar aus der ZEIT-Online Leserschaft reagiert und neigt selbst nicht gerade zu einer polemikfreien Sprache (s.u.).
    Tatsächlich vergeht aber kaum keine Woche, lieber Herr Kuhn, dass in der ZEIT/ZEIT-Online vor allem dieser Meinungsjournalismus zum Schlag gegen Putin und Russland ausholen darf. Der Gipfel war 2008 erreicht, mit dem blutigroten Seite -1 Auftritt der ZEIT in den Zeiten des Georgien-Krieges.

    Sie wollen Argumente und Fakten:

    1. "Schwäche" und "Stärke", überhaupt eine Hauptkategorie der Betrachtungen des Herrn Vosswinkel:

    Russland zeige derzeit Schwäche im Gasstreit mit der Urkraine. - Das ist ein genau so falsches Argument, wie es die Gegenmeinung wäre, es zeige nun Stärke. Denn im Falle von Milliarden Euro- oder Dollar- Ausfällen, weil ein Geschäftspartner, ein Schuldner nicht zahlt, könnte auch kein Deutscher Staat, kein deutsches Unternehmen zur Tagesordnung übergehen und sagen, wir liefern trotzdem weiterhin Stahlröhren und Druckmaschinen, Bohrgestänge und Transportfahrzeuge, je aus Stärke oder Schwäche, wie es dem je schreibenden Journalisten gefiele.

    Wenn Sie eine Ware (Gas) aus Ihrem Lande lieferten und der Abnehmer bezahlt seine Rechnungen nicht, ihnen ca. 2-3 Milliarden Dollar schuldete, wenn Sie jahrzehntelang einem Nachbarland Preise einräumen, die auf dem Niveau von ca. 50-60% des Weltmarktpreises liegen und dieses Nachbarland diese Preise nicht zahlt, sich statt dessen an dem Gas, für welches Sie aus dem Westen den Weltmarktpreis bekommen, bedient, dann haben Sanktionen gegen dieses Land höchstens den Stellenwert einer Forderung auf Mietrückstände und fehlende Nebenkostenzahlungen.

    Schlussendlich verhandelt die Moskauer Regierung und Gazprom ja auch noch mit einer dreigeteilten Regierung in der Urkraine. Da ist die auch von der ZEIT vor Zeiten gefeierte, "Gasprinzessin", Julia Tymoschenko, einmal pro Russland ,einmal entschieden dagegen, eine wahre Perle der urkrainischen Revolution und der Demokratie, die ihren ganz persönlichen politischen Einfluß der Tatsache verdankt, sich zusammen mit ihrem Mann wesentliche Teile der ursprünglich staatlichen Energiewirtschaft und der ländlichen Energieversorgung angeeignet zu haben. Da ist Viktor Juschtschenko, der seinen Einfluss vor allem dem Wirken und der tätigen Hilfe der Bush -Regierung verdankt und da ist das pro-russische Lager mit Janukowytsch.

    Dann behauptet Herr Vosswinkel, Putins sei nun erstmals vor eine "fundamentale Herausforderung" gestellt. Wenn man den Satz nicht floskelhaft verstehen möchte, denn alle Staatsführungen sind derzeit vor fundamentale Herausforderungen gestellt, -Russland hat noch einen Staatsschatz, während Merkel und Steinbrück auf die Staatsschuld von 1500 Millionen Euro, derzeit kräftig aufsatteln-, dann würden doch Leute mit Archiv und Gedächtnis gerne daran erinnern wollen, welche Jubelarien hier in der ZEIT und in anderen konservativen Blättern zur Regierungszeit Jelzins angestimmt wurden, der sein Land mutwillig und zum Vorteil der Wall Street und der Londoner City ausbluten lies, aber als Führer einer "demokratischen Revolution" hier himmelhoch gefeiert wurde. Da war Putin jedenfalls mindestens genau so unter Druck, schnell Änderungen herbei zu führen, um das Land vor dem Abschmieren ins Wirtschaftselend und in die Bedeutungslosigkeit zu bewahren.

    Na, und der Vorwurf der mangelnden Korruptionsbekämpfung, aus einem Land, dessen führender Konzern bestätigt, mindestens 1,2 Milliarden Euro für Korruption ausgab, der übrigens in Wirtschaftsfragen nicht anders dachten als die korrupten "bussinessmany" in Russland, die rechtzeitig sich und ihr Geld nach New York und London verbrachten, - Einige schafften es nicht und sitzen nun im Knast.-, klingt schon ein wenig angestrengt. Was tut den unsere Regierung, um durch Gesetze und Staatsanwälte gegen korrupte Wirtschaftstätigkeit vorzugehen? Sie zerlegt in Frankfurt die Steuerfahndung für die großen Verfahren und beruft Aufklärer zur Strafe ihrer Amtsführung zu Amtsrichtern, versetzt sie in die Provinz und klagt sie wegen Dienstvergehen an.

    2. Georgien-Krieg: Russland wird als "Siegermacht" von Herrn Vosswinkel gemalt, seine unverändert einseitige Meinung zur Geschichte am Kaukasus ist ja archivfest x-mal nachzulesen. Selten hat sich eine Siegermacht so schnell wieder zurück gezogen und die Chance, den weiterhin auf seine Ziele verpflichteten Gegner abzusetzen, ungenutzt gelassen. Immer noch nicht las ich von Herrn Vosswinkel, wer denn diesen Krieg am Kaukasus vom Zaume brach und gerade wieder und das mit westlicher Hilfe, aufrüstet für den nächsten Konflikt. Doppelte Buchführung wurde nicht das erste Mal hier angeprangert.

    3. Wenn "Teflon"-Journalisten über "Teflon"- Ministerpräsidenten schreiben, sollten sie sich nicht über polemische Kritik wundern. Denn der Vorwurf des "Abprallen-lassens" gegensätzlicher Meinungen, der trifft ja für Herrn Vosswinkel ganz exakt zu. Mir ist kein Artikel dieses Profis bekannt, in dem er eine seiner Thesen je widerrufen oder deutlich geändert hätte. Das ist das Problem mit Kritik und Fairness. Sie sollte doch in beide Richtungen erfolgen und dann eben maßvoll sein.

    Lieber Herr Kuhn, stellen Sie sich einmal vor, jemand schreibt über Sie, auch wenn es sich dabei der Meinung Dritter indirekt bedient, an Ihnen prallte alle Kritik ab. - Zum Glück trifft das ja für Sie nicht zu! - Die Professionalität in der Presse kann ja nicht so gestaltet sein, dass den Leser/Usern Unsachlichkeit und Polemik vorgeworfen wird, aber Kritik in umgekehrter Richtung nicht einmal vom Autor beantwortet wird. Das kann man sich nur leisten, weil man glaubt, auf einem hohen Ross zu sitzen.

    4. Nickel: Warum sollte der weltgrößte Nickelexporteur sein Nickel nicht zu 95% auf dem Weltmarkt, zum Weltmarktpreis verkaufen? Neben den drei weniger leistungsfähigen Nickelexporteuren, die es ebenfalls nicht vorwiegend in eigenen Industrien verwerten,- es wird bei Edelstahlkochern und in der galvanischen Industrie in Massen benötigt, derern Haupt-Produktionstandorte nun einmal nicht in Russland und z.B. Kanada liegen, verhält sich Russland hier marktgerecht und vor allem völlig zuverlässig. Das würde übrigens auch jeder Industrielle oder Wirtschaftler bezüglich der Gaslieferungen, über Regime- und Machtwechsel hinweg, unterschreiben.

    Stellten wir uns nur einmal vor Russland steckte z.B. 15 Milliarden seines Schatzes in die Errichtung dreier großer Stahlwerke, oder in moderne Galvanisierungsindustrien und Halbfertigwaren-Produktionen. Ich glaube nicht, dass Herr Vosswinkel noch eine Aktie von den Vereinigten Deutschen Nickelwerken kaufte oder hielte, oder z.B. ein Gesellschafter der Deutschen Nickel-GmbH sein wollte.

    5. Dialog mit dem politischen Gegner. Da wirft der Journalist dem Ministerpräsidenten Putin vor, was zunächst für ihn gelten sollte. - "Stelle dich." Allerdings würde Putin wohl so antworten, wie Sie es, Herr Kuhn, nun stellvertetend für Herrn Vosswinkel taten. "Mit Polemikern, die mich als Initiator von "Auftragsmorden", als nicht-diskussionsfähig, als "Zaren" und als roten, blutsaufenden Bolschewiken (ZEIT-Titel) verunglimpfen, brauche ich mich als Profi doch nicht herum zu streiten." Übrigens spricht Herr Putin in Interviews immer so klar und deutlich, dass hinterher sogar die ARD sich gezwungen sieht, seinen Redeanteil stark zu verkürzen, damit die Argumente des fragenden und vorwerfenden Journalisten gut aussehen.

    5. Worüber man mit Herrn Vosswinkel wohl überhaupt nicht diskutieren kann, weil es sein Glaubenssatz geworden zu sein scheint, das ist die Frage, ob Bezüge auf die sowjetische Geschichte (1962!!!) oder das Zarenreich, -"Gasputin", dazu hatten ja schon Vorkommentatoren das Nötige angemerkt-, irgend etwas tiefgründig erklären und warum er die Politik Putins und Medwedews unbedingt und konsequent immer wieder in diese zweifelhafte Kontinuität setzen möchte.

    Tut mir leid, Herr Kuhn, aber ihre Kritik an den Forenteilnehmern wirkt doch etwas einseitig. Ich hoffe, Sie sind in der ZEIT/ZEIT-Online-Redaktion noch in der Lage, ernsthaft mit Herrn Vosswinkel, Herrn Joffe, Herrn Krönig oder Herrn Thumann intern zu diskutieren, um bei diesen Herren zu mehr Interaktion mit dem Publikum und natürlich zu weniger einseitiger Meinungsäußerung zu werben. - Das ist allerdings Ihre interne Angelegenheit und geht uns Leser letztlich nichts an.

    Grüße
    und Mahlzeit

    Christoph Leusch

    Erst das ZEIT Forum gibt überhaupt die Möglichkeit irgendwelche Lücken, ob nun real oder imaginär, in der Berichterstattung und der Meinungen.. ja, eben offenzulegen und zu kommentieren. Ein Tagesblatt aus Zürich hat es bis heute nicht geschafft eine ebenbürtige Kommentarfunktion zu implementieren und die Zensur ist im Gegensatz zur ZEIT komplett intransparent.

    Dafür einfach mal Danke. Ich glaube das dies ein ernstzunehmender Ansatz für Medien ist die sich im Print und Onlinebereich behaupten müssen. Nur Print zu konsumieren ist mir zuwenig genauso wie es nur Online zu kommentieren ist....

    Trotzdem... Auch ich habe, nicht nur in der ZEIT, den Eindruck das über gewisse Themen, Personen, Länder, Situationen usw. teils sehr einseitig und eben mit einem gewissen Mass an Begriffen operiert wird die einige blinde Flecken übriglassen oder überhaupt erst generieren. Ein Beweis dafür das es nur mit privatisierten Medien nicht geht, mit ausschliesslich staatlichen Medien aber auch nicht.

    Russland ist so ein Themenbereich oder das nicht Berichten über die massive Einflussnahme westlicher Geldgeber/NGO's in der Ukraine (und auch Russland und allen anderen ex. GUS Staaten) und von dem her in vielen anderne Ländern auch noch. Ein weiteres Thema welches viele gerade überrollt ist das jahrelange Nachbeten von Neoliberalen Glaubenssätzen welche keinerlei Kritik zugelassen hat. Einen gewalltigen Schlamassel hat diese Kritiklosigkeit bewirkt den wir nun alle aufräumen müssen... Die ex. GUS Staaten fallen einer nach dem anderen auf die Nase und stehen kurz vor dem Abgrund der totalen Verarmung... Berichte darüber muss man sich aber zusammensuchen. Warum?

    Hier, so denke ich, wird von westlicher Seite oft nicht mit der Wahrheit oder vieleicht besser, mit genügen Objektivität und Gelassenheit operiert... auch einigen Kommentaren fehlt es manchmal an Gelassenheit. Es gibt Themen die bringen einen nun mal zur Verzweiflung... Ja?

    ...aber eben, darüber könnte man ganze Bücher schreiben, nächtelang Diskutieren und Philosphieren und wird dann wohl immer noch auf der Suche sein...

    Ich bin mir nicht sicher ob ich ein Verleger sein möchte... so attraktiv das im ersten vieleicht sein könnte.

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    Hi Johannes!
    Wo sehen Sie in meinem Beitrag Polemik?
    Das ist eine 100% sachliche Feststellung.
    Hingegen Ihre Headline: "Gasputin" = Rasputin + Gas ... das ist 100% bösartig und unsachlich.

    • Colon
    • 15.01.2009 um 16:03 Uhr

    Lieber Herr Kuhn,

    Es ehrt Sie, wenn Sie Herrn Vosswinkel zur Seite springen. Der hat aber, soweit ich es überblicke, noch nie auf einen kritischen Kommentar aus der ZEIT-Online Leserschaft reagiert und neigt selbst nicht gerade zu einer polemikfreien Sprache (s.u.).
    Tatsächlich vergeht aber kaum keine Woche, lieber Herr Kuhn, dass in der ZEIT/ZEIT-Online vor allem dieser Meinungsjournalismus zum Schlag gegen Putin und Russland ausholen darf. Der Gipfel war 2008 erreicht, mit dem blutigroten Seite -1 Auftritt der ZEIT in den Zeiten des Georgien-Krieges.

    Sie wollen Argumente und Fakten:

    1. "Schwäche" und "Stärke", überhaupt eine Hauptkategorie der Betrachtungen des Herrn Vosswinkel:

    Russland zeige derzeit Schwäche im Gasstreit mit der Urkraine. - Das ist ein genau so falsches Argument, wie es die Gegenmeinung wäre, es zeige nun Stärke. Denn im Falle von Milliarden Euro- oder Dollar- Ausfällen, weil ein Geschäftspartner, ein Schuldner nicht zahlt, könnte auch kein Deutscher Staat, kein deutsches Unternehmen zur Tagesordnung übergehen und sagen, wir liefern trotzdem weiterhin Stahlröhren und Druckmaschinen, Bohrgestänge und Transportfahrzeuge, je aus Stärke oder Schwäche, wie es dem je schreibenden Journalisten gefiele.

    Wenn Sie eine Ware (Gas) aus Ihrem Lande lieferten und der Abnehmer bezahlt seine Rechnungen nicht, ihnen ca. 2-3 Milliarden Dollar schuldete, wenn Sie jahrzehntelang einem Nachbarland Preise einräumen, die auf dem Niveau von ca. 50-60% des Weltmarktpreises liegen und dieses Nachbarland diese Preise nicht zahlt, sich statt dessen an dem Gas, für welches Sie aus dem Westen den Weltmarktpreis bekommen, bedient, dann haben Sanktionen gegen dieses Land höchstens den Stellenwert einer Forderung auf Mietrückstände und fehlende Nebenkostenzahlungen.

    Schlussendlich verhandelt die Moskauer Regierung und Gazprom ja auch noch mit einer dreigeteilten Regierung in der Urkraine. Da ist die auch von der ZEIT vor Zeiten gefeierte, "Gasprinzessin", Julia Tymoschenko, einmal pro Russland ,einmal entschieden dagegen, eine wahre Perle der urkrainischen Revolution und der Demokratie, die ihren ganz persönlichen politischen Einfluß der Tatsache verdankt, sich zusammen mit ihrem Mann wesentliche Teile der ursprünglich staatlichen Energiewirtschaft und der ländlichen Energieversorgung angeeignet zu haben. Da ist Viktor Juschtschenko, der seinen Einfluss vor allem dem Wirken und der tätigen Hilfe der Bush -Regierung verdankt und da ist das pro-russische Lager mit Janukowytsch.

    Dann behauptet Herr Vosswinkel, Putins sei nun erstmals vor eine "fundamentale Herausforderung" gestellt. Wenn man den Satz nicht floskelhaft verstehen möchte, denn alle Staatsführungen sind derzeit vor fundamentale Herausforderungen gestellt, -Russland hat noch einen Staatsschatz, während Merkel und Steinbrück auf die Staatsschuld von 1500 Millionen Euro, derzeit kräftig aufsatteln-, dann würden doch Leute mit Archiv und Gedächtnis gerne daran erinnern wollen, welche Jubelarien hier in der ZEIT und in anderen konservativen Blättern zur Regierungszeit Jelzins angestimmt wurden, der sein Land mutwillig und zum Vorteil der Wall Street und der Londoner City ausbluten lies, aber als Führer einer "demokratischen Revolution" hier himmelhoch gefeiert wurde. Da war Putin jedenfalls mindestens genau so unter Druck, schnell Änderungen herbei zu führen, um das Land vor dem Abschmieren ins Wirtschaftselend und in die Bedeutungslosigkeit zu bewahren.

    Na, und der Vorwurf der mangelnden Korruptionsbekämpfung, aus einem Land, dessen führender Konzern bestätigt, mindestens 1,2 Milliarden Euro für Korruption ausgab, der übrigens in Wirtschaftsfragen nicht anders dachten als die korrupten "bussinessmany" in Russland, die rechtzeitig sich und ihr Geld nach New York und London verbrachten, - Einige schafften es nicht und sitzen nun im Knast.-, klingt schon ein wenig angestrengt. Was tut den unsere Regierung, um durch Gesetze und Staatsanwälte gegen korrupte Wirtschaftstätigkeit vorzugehen? Sie zerlegt in Frankfurt die Steuerfahndung für die großen Verfahren und beruft Aufklärer zur Strafe ihrer Amtsführung zu Amtsrichtern, versetzt sie in die Provinz und klagt sie wegen Dienstvergehen an.

    2. Georgien-Krieg: Russland wird als "Siegermacht" von Herrn Vosswinkel gemalt, seine unverändert einseitige Meinung zur Geschichte am Kaukasus ist ja archivfest x-mal nachzulesen. Selten hat sich eine Siegermacht so schnell wieder zurück gezogen und die Chance, den weiterhin auf seine Ziele verpflichteten Gegner abzusetzen, ungenutzt gelassen. Immer noch nicht las ich von Herrn Vosswinkel, wer denn diesen Krieg am Kaukasus vom Zaume brach und gerade wieder und das mit westlicher Hilfe, aufrüstet für den nächsten Konflikt. Doppelte Buchführung wurde nicht das erste Mal hier angeprangert.

    3. Wenn "Teflon"-Journalisten über "Teflon"- Ministerpräsidenten schreiben, sollten sie sich nicht über polemische Kritik wundern. Denn der Vorwurf des "Abprallen-lassens" gegensätzlicher Meinungen, der trifft ja für Herrn Vosswinkel ganz exakt zu. Mir ist kein Artikel dieses Profis bekannt, in dem er eine seiner Thesen je widerrufen oder deutlich geändert hätte. Das ist das Problem mit Kritik und Fairness. Sie sollte doch in beide Richtungen erfolgen und dann eben maßvoll sein.

    Lieber Herr Kuhn, stellen Sie sich einmal vor, jemand schreibt über Sie, auch wenn es sich dabei der Meinung Dritter indirekt bedient, an Ihnen prallte alle Kritik ab. - Zum Glück trifft das ja für Sie nicht zu! - Die Professionalität in der Presse kann ja nicht so gestaltet sein, dass den Leser/Usern Unsachlichkeit und Polemik vorgeworfen wird, aber Kritik in umgekehrter Richtung nicht einmal vom Autor beantwortet wird. Das kann man sich nur leisten, weil man glaubt, auf einem hohen Ross zu sitzen.

    4. Nickel: Warum sollte der weltgrößte Nickelexporteur sein Nickel nicht zu 95% auf dem Weltmarkt, zum Weltmarktpreis verkaufen? Neben den drei weniger leistungsfähigen Nickelexporteuren, die es ebenfalls nicht vorwiegend in eigenen Industrien verwerten,- es wird bei Edelstahlkochern und in der galvanischen Industrie in Massen benötigt, derern Haupt-Produktionstandorte nun einmal nicht in Russland und z.B. Kanada liegen, verhält sich Russland hier marktgerecht und vor allem völlig zuverlässig. Das würde übrigens auch jeder Industrielle oder Wirtschaftler bezüglich der Gaslieferungen, über Regime- und Machtwechsel hinweg, unterschreiben.

    Stellten wir uns nur einmal vor Russland steckte z.B. 15 Milliarden seines Schatzes in die Errichtung dreier großer Stahlwerke, oder in moderne Galvanisierungsindustrien und Halbfertigwaren-Produktionen. Ich glaube nicht, dass Herr Vosswinkel noch eine Aktie von den Vereinigten Deutschen Nickelwerken kaufte oder hielte, oder z.B. ein Gesellschafter der Deutschen Nickel-GmbH sein wollte.

    5. Dialog mit dem politischen Gegner. Da wirft der Journalist dem Ministerpräsidenten Putin vor, was zunächst für ihn gelten sollte. - "Stelle dich." Allerdings würde Putin wohl so antworten, wie Sie es, Herr Kuhn, nun stellvertetend für Herrn Vosswinkel taten. "Mit Polemikern, die mich als Initiator von "Auftragsmorden", als nicht-diskussionsfähig, als "Zaren" und als roten, blutsaufenden Bolschewiken (ZEIT-Titel) verunglimpfen, brauche ich mich als Profi doch nicht herum zu streiten." Übrigens spricht Herr Putin in Interviews immer so klar und deutlich, dass hinterher sogar die ARD sich gezwungen sieht, seinen Redeanteil stark zu verkürzen, damit die Argumente des fragenden und vorwerfenden Journalisten gut aussehen.

    5. Worüber man mit Herrn Vosswinkel wohl überhaupt nicht diskutieren kann, weil es sein Glaubenssatz geworden zu sein scheint, das ist die Frage, ob Bezüge auf die sowjetische Geschichte (1962!!!) oder das Zarenreich, -"Gasputin", dazu hatten ja schon Vorkommentatoren das Nötige angemerkt-, irgend etwas tiefgründig erklären und warum er die Politik Putins und Medwedews unbedingt und konsequent immer wieder in diese zweifelhafte Kontinuität setzen möchte.

    Tut mir leid, Herr Kuhn, aber ihre Kritik an den Forenteilnehmern wirkt doch etwas einseitig. Ich hoffe, Sie sind in der ZEIT/ZEIT-Online-Redaktion noch in der Lage, ernsthaft mit Herrn Vosswinkel, Herrn Joffe, Herrn Krönig oder Herrn Thumann intern zu diskutieren, um bei diesen Herren zu mehr Interaktion mit dem Publikum und natürlich zu weniger einseitiger Meinungsäußerung zu werben. - Das ist allerdings Ihre interne Angelegenheit und geht uns Leser letztlich nichts an.

    Grüße
    und Mahlzeit

    Christoph Leusch

    • Shenja
    • 15.01.2009 um 11:20 Uhr

    LIEBES ZEIT.DE Fehlen Ihnen eigentlich komplett die betriebswirtschaftlichen bzw. volkswirtschaftlichen Kenntnisse?

    Wann hört diese Blasphemie auf gegen Russland, falsche Berichtserstattungen, Verzerrungen - schauen sie sich einmal Vesti an und dolmetschen Sie mal die Wahrheit, seine (Putins & Medw.) Pressekonferenzen, Zitate und EU Auftritte.

    Und wenn Sie der Mieinung sind, dass Putins politische Vermächtniss sich dem Ende neigt, dann schlage ich vor machen Sie mal eine Straßenbefragung in Moskau - sie werden sich wundern wie patriotisch das russische Volk ist, mit welchem Stolz Sie zu ihrem Präsidenten stehen und was sich binnen der letzten 10 Jahre geändert hat!

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    machen Sie mal eine Straßenbefragung in Moskau

    vielleicht ginge zur not auch eine unvoreingenommene unterhaltung mit der dezhurnaja der evroremont-butze, die man bewohnt, dann muss man nämlich nicht ins kalte raus.

    hätte dann eher einen...qualitativen ansatz.

    • sokil
    • 15.01.2009 um 21:02 Uhr

    besucht und die Kommentare liest, kann man über die grobe Sprache, den Fremdenhass, antisemitismus, ja Faschismus nur entsetzt werden. Da wird jede nur liberalere Außerung heruntergepöbelt. Die russichen Medien zombieren die Leute. Furchtbar. Dieses Volk ist im Gefahr sich selber wieder großen Schaden hinzuzufügen. Die Art, wie man dem sog. "ukrainischen Brudervolk" zum Sündenbock allen übels gemacht hat (gleich hinter amerikaner und Juden) gibt Anlass zur Sorge. Leider machen viele Ukrainer nun ihrerseuts das gleiche gegenüber Russland. Eine Ahnung erhalten sie, wenn sie diese Seite besuchen : www.ukraine-vs-russia.com

    machen Sie mal eine Straßenbefragung in Moskau

    vielleicht ginge zur not auch eine unvoreingenommene unterhaltung mit der dezhurnaja der evroremont-butze, die man bewohnt, dann muss man nämlich nicht ins kalte raus.

    hätte dann eher einen...qualitativen ansatz.

    • sokil
    • 15.01.2009 um 21:02 Uhr

    besucht und die Kommentare liest, kann man über die grobe Sprache, den Fremdenhass, antisemitismus, ja Faschismus nur entsetzt werden. Da wird jede nur liberalere Außerung heruntergepöbelt. Die russichen Medien zombieren die Leute. Furchtbar. Dieses Volk ist im Gefahr sich selber wieder großen Schaden hinzuzufügen. Die Art, wie man dem sog. "ukrainischen Brudervolk" zum Sündenbock allen übels gemacht hat (gleich hinter amerikaner und Juden) gibt Anlass zur Sorge. Leider machen viele Ukrainer nun ihrerseuts das gleiche gegenüber Russland. Eine Ahnung erhalten sie, wenn sie diese Seite besuchen : www.ukraine-vs-russia.com

  6. 7. hehe,

    machen Sie mal eine Straßenbefragung in Moskau

    vielleicht ginge zur not auch eine unvoreingenommene unterhaltung mit der dezhurnaja der evroremont-butze, die man bewohnt, dann muss man nämlich nicht ins kalte raus.

    hätte dann eher einen...qualitativen ansatz.

  7. Erst das ZEIT Forum gibt überhaupt die Möglichkeit irgendwelche Lücken, ob nun real oder imaginär, in der Berichterstattung und der Meinungen.. ja, eben offenzulegen und zu kommentieren. Ein Tagesblatt aus Zürich hat es bis heute nicht geschafft eine ebenbürtige Kommentarfunktion zu implementieren und die Zensur ist im Gegensatz zur ZEIT komplett intransparent.

    Dafür einfach mal Danke. Ich glaube das dies ein ernstzunehmender Ansatz für Medien ist die sich im Print und Onlinebereich behaupten müssen. Nur Print zu konsumieren ist mir zuwenig genauso wie es nur Online zu kommentieren ist....

    Trotzdem... Auch ich habe, nicht nur in der ZEIT, den Eindruck das über gewisse Themen, Personen, Länder, Situationen usw. teils sehr einseitig und eben mit einem gewissen Mass an Begriffen operiert wird die einige blinde Flecken übriglassen oder überhaupt erst generieren. Ein Beweis dafür das es nur mit privatisierten Medien nicht geht, mit ausschliesslich staatlichen Medien aber auch nicht.

    Russland ist so ein Themenbereich oder das nicht Berichten über die massive Einflussnahme westlicher Geldgeber/NGO's in der Ukraine (und auch Russland und allen anderen ex. GUS Staaten) und von dem her in vielen anderne Ländern auch noch. Ein weiteres Thema welches viele gerade überrollt ist das jahrelange Nachbeten von Neoliberalen Glaubenssätzen welche keinerlei Kritik zugelassen hat. Einen gewalltigen Schlamassel hat diese Kritiklosigkeit bewirkt den wir nun alle aufräumen müssen... Die ex. GUS Staaten fallen einer nach dem anderen auf die Nase und stehen kurz vor dem Abgrund der totalen Verarmung... Berichte darüber muss man sich aber zusammensuchen. Warum?

    Hier, so denke ich, wird von westlicher Seite oft nicht mit der Wahrheit oder vieleicht besser, mit genügen Objektivität und Gelassenheit operiert... auch einigen Kommentaren fehlt es manchmal an Gelassenheit. Es gibt Themen die bringen einen nun mal zur Verzweiflung... Ja?

    ...aber eben, darüber könnte man ganze Bücher schreiben, nächtelang Diskutieren und Philosphieren und wird dann wohl immer noch auf der Suche sein...

    Ich bin mir nicht sicher ob ich ein Verleger sein möchte... so attraktiv das im ersten vieleicht sein könnte.

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

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