Ein Amerikaner ruft die Revolution aus. Eine amerikanische Revolution, was ja seit 1776 einen guten Klang der Unabhängigkeit hat. Er will das Fundament der Vereinigten Staaten ökologisch erneuern und das ganze Gebäude gleich mitsanieren, ab sofort, und zwar weil das im Interesse Amerikas sei.

Das Buch, das diese Revolution im nationalen Interesse ausruft, heißt Hot, Flat, and Crowded oder, nun mit dem deutschen, etwas angestrengten Titel: Was zu tun ist. Eine Agenda für das 21. Jahrhundert. Sein Autor ist Thomas Friedman, politischer Starjournalist der New York Times und mehrfacher Pulitzer-Preisträger. Auch dieses Buch ist in einer so gewinnenden Prosa verfasst, dass es sogar in einem Absatz mal kurz mit der Unlesbarkeit spielen kann, und zwar wenn es angibt, was denn das Ziel der Revolution sein soll: ÖeEziEsSzVdEudRuzSdU<dwKdVvKEuE.

Das heißt: »ein Ökosystem erneuerbarer Energie zur innovativen Erzeugung sauberen Stroms, zur Verbesserung der Energieeffizienz und der Rohstoffproduktivität und zum Schutz der Umwelt, das billiger ist als die wahren Kosten der Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas«. Das wär’s. Das müsste man hinkriegen. Eine grüne Revolution, wie Friedman nicht müde wird zu betonen, ist aber keine lustige Party in Harmonie. Die Ratgeberrhetorik der »100 einfachen Wege, die Welt zu retten« verwirft er in einer suggestiven Sprache, die sich zwischen Ermutigung und Illusionslosigkeit hin und her bewegt, ganz entschieden. Einfach sei gar nichts.

Der Planet hat noch nie so viele Amerikaner gesehen. Samt Konsum

Außer der Chef-Frage: Die Führung dieser Revolution habe Amerika zu übernehmen, wer sonst? Denn die Vereinigten Staaten seien ja nicht nur der skandalöseste Energieverschwender weltweit, sondern dieser Kontinent habe auch allein jene Vitalität der Erneuerung, die in einer Gesellschaft von unten kommen muss, von jedem Einzelnen. Den Wettbewerb um die ökologische Avantgarde anzuführen sei das ureigenste nationale Interesse. Friedman ist nicht nur ein deutlich nach links rückender, geogrüner Weltbürger, er ist auch Nationalist. Amerikaner.

Was aber ist ein Amerikaner? Von Bürger- oder Menschenrechten ist erst mal wenig die Rede (außer in der scharfen Kritik an den arabischen Ölimperiumsstaaten, in denen die demokratische Freiheit zuschanden kommt, auch weil der Westen jeden Ölpreis zu zahlen bereit und gezwungen ist). Amerikanisch, das heißt energieverschwendend. »Heute breiten sich überall in der Welt ›Amerikaner‹ aus – von Doha bis Dalian und von Kalkutta bis Casablanca und Kairo. Sie wohnen im amerikanischen Stil, sie fahren Autos im amerikanischen Stil, und sie erzeugen Müll im amerikanischen Stil. Der Planet hat noch nie so viele Amerikaner gesehen.«

Es wimmelt nur so von Konsumenten, die den amerikanischen Lebensstil inklusive Handy, Internet, iPod und Flugreisen kopieren, allein in Indien steigt die Zahl der Handybesitzer monatlich um fast zehn Millionen an. Das sind die Signaturen einer technologisch eingeebneten, überbevölkerten und klimatisch überhitzten Erde, der die Energie gerade ausgeht: hot, flat, and crowded.