Spielen Lebensgeschichte

Wenn ein Rezensent eines Buches zu der These gelangt, der Autor des Buches sei »ein unglücklicher Mensch« – dann ist das schon etwas seltsam. Aber ungewöhnlich war eben auch das Werk, von dem ein anderer Rezensent meinte, »Literaturkritik im Alltagssinn muss davor versagen«. Nur: War der Autor deshalb unglücklich? War er nicht nur ein Mahner? Einer, der sich dem Geplänkel der Welt verweigerte?

Freilich, manchmal konnte man schon meinen, da gönne sich einer selber keinen Frieden, habe nie gelernt, den Tag zu verträumen – so ernst wirkten Wort und Bild. Aber trotz aller Schwere im Künstlerischen gab es ja auch noch den Privatmann hinter dem Werk. Und der schien sein Glück durchaus gefunden zu haben, bei jener Frau, mit der er Tisch, Bett und vielfach Projekte teilte. Und als sie ihn dann noch zum Vater einer Tochter machte, geriet er vollends aus dem Häuschen: »(Ich) kann nicht genug von ihr sehen – dieses kleine Gähnen – der glücklichste Tag meines Lebens.« Nur noch zehn Jahre sollte er diese Vaterfreuden erleben, dann war alles aus – er hatte sich aufgerieben an seinem letzten Projekt: »Zuerst hatte ich ein Buch geplant, dann wurden es zwei Bände, zum Schluss saß ich da mit diesen drei Schinken.« Aber dann war er doch auch stolz auf das Erreichte: »Alles, was hier vorkommt, ist wahr für mich.« Und diese Suche nach der Wahrheit war wohl immer ein Antrieb für ihn gewesen. Auch in jenen Jahren, als er mehr malte als schrieb. »Immer fand ich mich am Ende wieder vor der Staffelei.«

Dabei waren seine Bilder ganz deutlich auch der Versuch, erlittene Verluste zu verarbeiten. Vor allem der Unfalltod der geliebten jüngeren Schwester hinterließ eine lang anhaltende Verstörung. Dazu kam die emotionale Starre der Eltern, das Umherreisen über den Kontinent, später ein Lebenmüssen in vielen Sprachen. Kein Ort, nirgends – diesem Topos fühlte er sich auch am Ende des Lebens wieder nah, als er notierte: »Ich sage zwar, ich könnte überall zu Hause sein, doch es stimmt nicht. Ich bin es nirgendwo.« War er also doch unglücklich? Heute lässt sich eher vermuten, dass ihn ein Schuldgefühl quälte: weil er überlebt hatte, während Weggefährten hatten sterben müssen. Und dieses Schuldgefühl transformierte er zugleich in künstlerische Antriebskraft.

Seine Frau beschrieb ihn gleichwohl auch als einen humorvollen Mann, der unbändigen Hunger nach Leben, nach Menschen, nach Austausch gehabt habe – er sei, so nannte sie ihn, »ein Mann der Widersprüche« gewesen.

Die brachte er übrigens öfters auf die Bühne. Zur Uraufführung seines wohl bekanntesten Stückes schrieb ein Blatt: »Auf der Bühne wurde geliebt, gebetet … gesungen, getanzt … gebadet, gestritten … gefoltert, gepeitscht, geköpft… Akrobaten traten auf, ein Jongleur, Nonnen, eine Musikkapelle saß auf der Bühne und wich nicht.« Wer war's?

Frauke Döhring

Lösung aus Nr. 3:
Mary Wollstonecraft (1759 bis 1797) schrieb neben Romanen und Erziehungsbüchern für Mädchen eine Verteidigung der Französischen Revolution und forderte in einem zweiten Band gleiche Rechte für Frauen. Mit »Vindication of the Rights of Women« wurde sie zur Urahnin der Frauenbewegung. Ihr Reisebericht aus Skandinavien beeinflusste besonders die englischen Romantiker. Shelley nahm Wollstonecraft als Vorbild für die Dichtung »Laon and Cynthia« und heiratet ihre Tochter. Mary Shelley wurde die Autorin von »Frankenstein«

 
  • Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
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  • Schlagworte Recht | Frauenbewegung | Bühne | Autor | Skandinavien | Band
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