Unser Körper besteht zu 60 bis 70 Prozent aus Wasser, und jeden Tag verliert er durch Atmen, Schwitzen und Ausscheiden etwa zwei bis zweieinhalb Liter davon – das muss wieder nachgefüllt werden. Trinken ist also lebensnotwendig. Allerdings ist der oft zu lesende Rat, jeden Tag zwei Liter zu trinken (manchmal ist sogar von drei Litern die Rede) übertrieben. Niemand muss ständig ein Trinkfläschchen mit sich herumtragen aus Angst, jeden Moment aufgrund von Dehydrierung umzukippen.

Zunächst einmal ist die Angabe über den Flüssigkeitsverlust nur ein Durchschnittswert. Der Körper kann nämlich seinen Wasserhaushalt durchaus regulieren, und wenn er weniger Wasser bekommt, dann scheidet er auch weniger aus. Zudem wird etwa die Hälfte des Bedarfs schon über die feste Nahrung zugeführt. Auch dieser Wert schwankt natürlich von Mensch zu Mensch – wer viel Obst und Gemüse isst, der »trinkt« entsprechend mehr als jemand, der sich von Brot ernährt.

Bleibt eine Menge von einem bis eineinhalb Litern, die man dem Körper in flüssiger Form zuführen sollte. Und dabei zählen Kaffee, Tee und schwach alkoholische Getränke wie Bier durchaus mit. Woher der Mythos von den zwei Litern kommt, ist nicht klar. Jedenfalls haben mehrere Studien, zuletzt 2008 im Journal of the American Society of Nephrology, keinen Beleg für irgendwelche positiven Wirkungen des übermäßigen Trinkens gefunden. Zu viel Wasser macht weder die Haut schöner, noch hilft es beim Abnehmen. Auch alte Menschen sollte man nicht zum Trinken zwingen, solange keine Anzeichen für einen tatsächlichen Wassermangel vorliegen.

Übrigens hat der Körper einen ausgeklügelten Mechanismus, mit dem er den Menschen warnt, wenn er zu wenig Wasser hat. Das Phänomen nennt sich »Durst«. Christoph Drösser

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