Schweden Wehrpflicht in der BankDie Prinzipien
Bei Bankenkrisen haben die Schweden nie lange gezögert: Dann übernimmt der Staat die Institute. Dafür steht eine Eingreiftruppe aus ehemaligen Managern parat, die dem Gemeinwohl dienen will

© Olivier Morin/AFP/Getty Images
Die schwedische Bank Nordea (hier ein Logo in Stockholm) entstand durch eine staatliche Rettungsaktion
Unterschiedlicher könnten die Auftritte nicht sein. Alles glitzert in dem turnhallengroßen Glashaus, durch das man das Nordea-Hauptquartier in der Stockholmer Innenstadt betritt. Das Licht Hunderter Deckenspots wird vom polierten Steinboden, von gläsernen Wänden und der bewegten Wasserfläche des Springbrunnens vervielfacht und zurückgeworfen. Über dem Portal lässt Schwedens Großbank ihr blaues Logo strahlen, ein stilisiertes Wikingersegel, dessen Widerschein das regennasse Trottoir der Norrlandsgatan zum Leuchten bringt.
Nur 200 Meter die Straße hinauf, ist das Entree eines anderen Finanzinstituts eher mühsam zu finden. Die staatliche Schuldenverwaltung verbirgt sich im Inneren eines weitläufigen Büro- und Ladenblocks, auf dem Hauswegweiser steht nicht mehr als ein schlichter Namenszug »Riksgälden«, gegenüber von Friseur und Schlüsseldienst eine solide Stahlrahmentür mit Zahlencodeschloss, Fahrstuhl in den siebten Stock, ein Empfangstresen aus gediegenem Nussbaum.
Doch der Schein trügt. Nordea ist nur eine Bank, die Behörde Riksgälden aber ein globaler Star ihres Fachs. Sie führt dem Rest der Welt beispielhaft vor, wie sich Finanzkrisen meistern lassen. Experten, die derzeit in Washington, Berlin oder Brüssel versuchen, das globale Bankensystem zu retten, rufen Rat suchend in Stockholm an. In Deutschland folgt die aktuelle Teilverstaatlichung der Commerzbank einer Strategie, welche die Schweden vorexerziert haben.
Ohne Riksgälden, die 160 Leute beschäftigt, gäbe es die Großbank Nordea mit ihren 30.000 Mitarbeitern gar nicht – und manch anderes schwedische Geldhaus ebenfalls nicht. Anfang der neunziger Jahre nämlich hat Skandinavien schon erlebt, was sich derzeit weltweit wiederholt: Banken waren zu hohe Risiken eingegangen und standen vor dem Kollaps, die Volkswirtschaften von Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark rutschten in eine Rezession.
Die staatliche Schuldenverwaltung Schwedens, die im Normalbetrieb die Kredite und die Kassenflüsse für den Staatshaushalt organisiert, hatte 1992 flugs eine Abteilung zur Bankenstützung aufgebaut und in Kooperation mit Zentralbank, Finanzministerium und Finanzaufsichtsbehörde massiv in die Märkte eingegriffen. Die bedrohten Banken wurden mit Steuergeld gestützt, alle Einlagen garantiert. Im Gegenzug nahm der Staat als Eigentümer in den Aufsichtsräten Platz, feuerte verantwortliche Manager, zerlegte Kreditinstitute und formte neue aus den Einzelteilen. So wurde unter anderem aus der einstigen Nordbank und Resten der Gota Bank Nordeuropas neuer Marktführer Nordea, die größte Bank Schwedens.
Staatsdiener, die ausgebuffter sind als die Investmentbanker
Von den aktuellen Turbulenzen auf den Weltfinanzmärkten ist auf den Bürofluren von Riksgälden wenig zu spüren. Wäre da nicht der Handelsraum, in dem junge Männer konzentriert vor den Bildschirmen sitzen, um Devisengeschäfte zum Nutzen der Staatskasse zu tätigen – es herrschte fast die Atmosphäre eines Ikea-Wohnzimmers. Die hellen Besprechungsräume sind gut belegt, man berät sich pausenlos. Man hat die Zimmer auf die Namen großer Schwedinnen getauft, die mit Porträt und Zitat neben den Türen präsent sind: Ingrid Bergman, Selma Lagerlöf, Birgit Nilsson, Astrid Lindgren. »Wir haben so viel mit kalten Zahlen zu tun«, erklärt Kommunikationschefin Marja Lång, »dass wir ein bisschen weibliche Wärme hierherbringen wollten.«
Dass Riksgälden aber gegenüber Bankmanagern ungemütlich werden kann, wird auch gegenwärtig sichtbar. Ende Oktober hat der Reichstag ein neues Gesetz zur Bankenstützung verabschiedet, das sämtliche Einlagen garantiert, staatliche Kreditbürgschaften über 150 Milliarden Euro und einen Stabilisierungsfonds mit 1,5 Milliarden Euro vorsieht. Bislang hat keine Bank davon Gebrauch gemacht, denn Schwedens Geldhäuser haben das Platzen der Kreditblase in den Vereinigten Staaten und die globalen Schockwellen gut überstanden – abgesehen von der Investmentbank Carnegie.
Schon im vergangenen Jahr war die Bank aufgefallen, weil Manager die Bilanz geschönt hatten, um ihre Boni hochzutreiben. Im Herbst stellte die Finanzaufsicht fest, dass an einen Geschäftsmann zweifelhafte Kredite in einer Höhe vergeben worden waren, die alle Deckungsregeln brach. Ende Oktober, wenige Tage vor der Verabschiedung des Stützungsgesetzes, musste Carnegie Hilfskredite der Reichsbank über 240 Millionen Euro in Anspruch nehmen, die mit Aktien der beiden Konzerngesellschaften Carnegie Investment AB und Max Matthiesen Holding AB besichert wurden. Die Carnegie-Eigner entwickelten einen Rettungsplan, der auf eigenen Kapitalnachschüssen und dem Engagement eines neuen Großinvestors fußte.
Doch am 10. November inszenierten die Behörden einen Showdown, an dessen Ende Riksgälden neuer Eigentümer der Investmentbank war. Entscheidend war, dass die Finanzaufsicht Punkt 14.30 Uhr Carnegie die Banklizenz entzog. Eine Minute später trat Riksgälden in die Reichsbankkredite ein und übernahm die Carnegie-Aktien. Um 15.10 Uhr widerrief die Finanzaufsicht den Lizenzentzug. Nun steht Riksgälden vor der Aufgabe, Carnegie und die Versicherungsagentur Max Matthiesen in angemessener Zeit zu ihren Konditionen zu verkaufen.
Håkan Erixon ist der Mann, der das erledigen soll. Treuherzigen Blicks erläutert er erst einmal die offizielle Version der Abläufe am 10. November: »Wir hatten wirklich keine Ahnung, wie die Finanzaufsicht in der Lizenzfrage an dem Tag entscheiden würde. Natürlich hatten wir einen Plan A und einen Plan B in der Schublade.« Dass die staatlichen Institutionen den Carnegie-Eignern ihre Firmen mit einem ausgebufften Trick aus den Händen gewunden haben, weist er zurück. Die Exeigner sollen ja entschädigt werden. Aber wie viel mag eine Bank wert sein, die vorübergehend ihre Lizenz verlor, wenn auch nur für die paar Minuten, in denen der Staat zugriff?
Erixon hat mehr als ein Dutzend Jahre lang als Investmentbanker gearbeitet, für die UBS, die Citigroup und Merrill Lynch. Äußerlich entspricht der 47-Jährige dem Klischee des Wall-Street-Bankers: Maßanzug, Kurzhaarschnitt, Figur und Gesichtszüge des Ausdauersportlers. Aber weitere 20 Jahre Investmentbanking hat er sich nicht vorstellen können. Und dann, sagt er, gebe es in Schweden halt auch dieses Phänomen, das sie värnplikt nennen: die zweite Wehrpflicht. »Wenn man erfolgreiche Jahre im Beruf hinter sich hat, einigermaßen nach oben gekommen ist, dann wollen viele bei uns dem Staat noch einmal etwas zurückgeben«, sagt er. »Deshalb habe ich die Fronten gewechselt.« Er ist im Sommer in den Dienst des Wirtschaftsministeriums getreten, um die Privatisierung von sechs Staatsbetrieben zu betreiben, darunter Vin och Sprit, der Hersteller von Absolut-Wodka. Bei Ausbruch der Finanzkrise wurde er ans Finanzministerium ausgeliehen, und nun hat er diesen Teilzeitjob bei Riksgälden. Auf kriminelle Handlungen des Carnegie-Managements sei er nicht gestoßen, sagt er, aber die Unternehmen seien schlecht geführt worden. Fünf Topleute wurden gefeuert. Man entwerfe gerade ein Programm zur Kostensenkung.
Mit Männern wie Erixon, die sich auf den Märkten auskennen und zugleich dem Staat verpflichtet fühlen, sichert sich Riksgälden das nötige Know-how. In der Abteilung Bankenstützung arbeiten nur drei Leute fest, aber sie können bei Bedarf auf Leiharbeiter aus der personell gut ausgestatteten Verwaltung wie eben Erixon zurückgreifen. Es sind alte Haudegen darunter wie Arne Berggren. Sein Ohr ist noch warm und rot vom längeren Kontakt mit dem Mobiltelefon. »Es war die Zentralbank von Kasachstan«, sagt er. Dass man seinen Rat einholt, ist er gewohnt. Das vergangene Jahrzehnt hat der 50-Jährige im Dienst von Internationalem Währungsfonds und Weltbank verbracht, und die Liste seiner Einsatzorte korrespondiert mit dem Titel des Ölbildes hinter ihm an der Wand: From Hell. Er war bei der Finanzkrise in Südostasien Mitte der neunziger Jahre unterwegs, in Mexiko, Lateinamerika, Osteuropa, Südkorea. Und natürlich war er schon 1992 in Schweden dabei. Er hat damals geholfen, die Kosten für den Staat möglichst niedrig zu halten, und ein Schritt dazu war, die strauchelnden Banken zu teilen. Die guten Teile des Geschäfts wurden von den Problembereichen getrennt – das waren vor allem Geschäftsimmobilien, die als Sicherheit für faule Kredite an die Banken gefallen waren. »Die Gentlemen-Abteilungen sollten ganz schnell das Normalgeschäft weiterführen, die problem assets wurden in eigene Gesellschaften eingebracht. Sie sollten ohne allen Zeitdruck verwertet werden, damit die Erlöse daraus nicht unter Druck kamen. Dafür brauchte man einen ausgeschlafenen Typ Manager«, sagt Berggren. »Schlicht gesagt, haben wir Profitmaximierung für den Staat betrieben. Wir haben uns einfach verhalten wie der letzte Kapitalist.« Es habe höchstens fünf Jahre gedauert, da habe der Staat schon die Hälfte der zur Bankenrettung ausgelegten Steuergelder zurückbekommen. Heute sei der Fiskus bestimmt verlustfrei: »Aber fragen Sie mich nicht nach den Zahlen, die habe ich nicht mehr im Kopf.«
»In Krisen muss der Staat eingreifen, und dann muss er stark sein«
Der Mann, der die Zahlen auch im Schlaf hersagen kann, ist Bo Lundgren, der Generaldirektor von Riksgälden. Im Krisenjahr 1992 diente er als Minister für Steuer- und Finanzangelegenheiten im bürgerlichen Kabinett von Ministerpräsident Carl Bildt. Um die Jahrtausendwende war er vier Jahre lang Vorsitzender der konservativen Partei Moderaterna und kandidierte zur Reichstagswahl 2002 erfolglos gegen den Sozialdemokraten Göran Persson. Damals wie heute war und ist er bekennender Marktliberaler. »Aber«, sagt er, »in Krisen muss der Staat eingreifen, und dann, nur dann, muss er ein sehr starker Staat sein, der entschlossen handelt.«
Alles in allem habe der Staat 1992 zur Rettung der Banken sieben Milliarden Euro eingesetzt, vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Fünf Jahre später seien tatsächlich schon 3,5 Milliarden zurückgeflossen. Eine Studie hat für 2007 sogar einen Gewinn des Staates aus der Bankenoperation von 15 Millionen Euro errechnet – durch die Verwertung von Sicherheiten, durch Kursgewinne und Dividenden aus den Bankenbeteiligungen und den Verkauf von mittlerweile 75 Prozent der Großbank Nordea über die Börse. Lundgren zweifelt diese Zahlen allerdings an, seine private Daumenschätzung läuft eher darauf hinaus, dass wohl doch ein paar Millionen Euro Kosten am Fiskus hängen geblieben sind.
Die Krisenerfahrung der Neunziger hat in Schweden ein Problembewusstsein geschaffen, das wirkungsvolle Reformen des Wohlfahrtsstaats ermöglichte. Die Hilfe für die Banken hatte die Staatsverschuldung hochgetrieben, den Wechselkurs der Krone unter Druck gesetzt und so den Reformdruck in sichtbaren Zahlen ausgedrückt. In der Frage hat es zwischen Moderaten und führenden Sozialdemokraten übrigens keinen grundsätzlichen Dissens gegeben. Das kleine Land mit seinen neun Millionen Einwohnern verfügt über eine kompakte politökonomische Elite, die ein Faible für den starken Staat eint – quer durch die Parteien. Man kennt einander, von der Uni, aus Jobs irgendwo in der weitläufigen staatlichen Verwaltung, aus Gremien in Politik und Wirtschaft. Das schafft die Voraussetzung dafür, dass die staatlichen Institutionen bei Bedarf sehr entschieden, einig und kompetent handeln.
Die Prinzipien, nach denen die Finanzkrise zu bewältigen ist, sind nach Bo Lundgren universell dieselben: »Erstens rasch das Vertrauen wiederherstellen, zweitens die Kapitalversorgung des Systems sichern.« Für Riksgälden und Lundgren gilt noch ein drittes: »Als Erste zahlen die Shareholder, als Letzte die Steuerzahler.« Das knallhart durchzusetzen, haben die Schweden jedenfalls geschafft.
- Datum 04.05.2009 - 11:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
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Was für ein wohltuender Bericht, der zeigt, dass der Staat aus der Krise im Prinzip gestärkt hervorgehen kann, wenn er mutige Entscheidungen trifft. Wer nimmt endlich unseren profilierungssüchtigen Parteipolitikern die Schere aus dem Kopf?
Wer nimmt endlich unseren profilierungssüchtigen Parteipolitikern die Schere aus dem Kopf?
Antwort: Solange Lobbyisten in Deutschland das Sagen haben, wohl keiner.
Die Skandinavier scheinen ein Land der pragmatischen Entscheidungen zu sein. Wenn es dem Gemeinwohl dient, dann scheinen Lobbyisten ihre Interessen hinen an stellen zu können, weil sie wissen, am Ende profitieren auch sie.
Hier scheint es leider Gang und Gebe zu sein, dass jeder noch so kleine katholische Hundezüchterverein ein Wörtchen mitreden muss und dann kommt halt der kleinste gemeinsam Nenner dabei raus. Gemeinwohl scheint bei uns ein Fremdwort zu sein. Hier lautet der Wahlspruch, "Erst ich, dann lange Zeit gar nichts und dann schaun `mer mal".
nur will, stehen alle Räder still.
Ich meine förmlich zu spüren, wie Sie sich nach dem starken Staat sehnen, der - wenn er denn nur wollte - alles zum Guten wenden könnte.
Woher kommt dieser unbedingte Wunsch, geführt zu werden?
Wer nimmt endlich unseren profilierungssüchtigen Parteipolitikern die Schere aus dem Kopf?
Antwort: Solange Lobbyisten in Deutschland das Sagen haben, wohl keiner.
Die Skandinavier scheinen ein Land der pragmatischen Entscheidungen zu sein. Wenn es dem Gemeinwohl dient, dann scheinen Lobbyisten ihre Interessen hinen an stellen zu können, weil sie wissen, am Ende profitieren auch sie.
Hier scheint es leider Gang und Gebe zu sein, dass jeder noch so kleine katholische Hundezüchterverein ein Wörtchen mitreden muss und dann kommt halt der kleinste gemeinsam Nenner dabei raus. Gemeinwohl scheint bei uns ein Fremdwort zu sein. Hier lautet der Wahlspruch, "Erst ich, dann lange Zeit gar nichts und dann schaun `mer mal".
nur will, stehen alle Räder still.
Ich meine förmlich zu spüren, wie Sie sich nach dem starken Staat sehnen, der - wenn er denn nur wollte - alles zum Guten wenden könnte.
Woher kommt dieser unbedingte Wunsch, geführt zu werden?
Wer nimmt endlich unseren profilierungssüchtigen Parteipolitikern die Schere aus dem Kopf?
Antwort: Solange Lobbyisten in Deutschland das Sagen haben, wohl keiner.
Die Skandinavier scheinen ein Land der pragmatischen Entscheidungen zu sein. Wenn es dem Gemeinwohl dient, dann scheinen Lobbyisten ihre Interessen hinen an stellen zu können, weil sie wissen, am Ende profitieren auch sie.
Hier scheint es leider Gang und Gebe zu sein, dass jeder noch so kleine katholische Hundezüchterverein ein Wörtchen mitreden muss und dann kommt halt der kleinste gemeinsam Nenner dabei raus. Gemeinwohl scheint bei uns ein Fremdwort zu sein. Hier lautet der Wahlspruch, "Erst ich, dann lange Zeit gar nichts und dann schaun `mer mal".
"Die Skandinavier scheinen ein Land der pragmatischen Entscheidungen zu sein"
Skandinavien ist die Halbinsel auf der sich Norwegen und Schweden befinden und kein Land (sag mal einem Norweger er sei von gleicher Nationalität wie ein Schwede, aber vorher in Deckung gehen!).
Davon abgesehen, wer sich wirklich mit der schwedischen Bankenkrise in den 90ern befasst hat und nicht bloß ein paar Infos aus den Artikeln zu dem Thema zitiert der wird sehr schnell feststellen dass es sich um einen ähnlichen Sumpf wie in Island gehandelt hat - da ist weder etwas pragmatisches oder sonstwie vorbildmäßiges dabei gewesen. Gleichzeitig gab es massive Hilfe von anderen europäischen Ländern bzw. deren Notenbanken um die schwedische Währung nicht kollabieren zu lassen. Diese und einige andere Dinge sind so nicht möglich da es sich nun um ein weltweites Problem handelt und nicht nur um einen lokalen Krisenherd wie in Schweden in einer sonst recht aufstrebenden Welt (die restliche Welt befand sich nach dem Mauerfall Anfang der 90er in einem Wirtschaftsboom).
"Hier scheint es leider Gang und Gebe zu sein, dass jeder noch so kleine katholische Hundezüchterverein ein Wörtchen mitreden muss und dann kommt halt der kleinste gemeinsam Nenner dabei raus. Gemeinwohl scheint bei uns ein Fremdwort zu sein. Hier lautet der Wahlspruch, "Erst ich, dann lange Zeit gar nichts und dann schaun `mer mal"."
Alles dabei, die Katholiken, der Verein.. oh was sind die Deutschen nicht spießig und "muffig" (wahlweise vielleicht noch tumb oder miefig? Sind glaub ich erstmal alle Vokabeln die gerne mit Verve verwendet werden wenn über jenen Deutschen der dem "Gelsenkirchener Barock" anhängt gespottet werden soll den es zwar überall geben soll aber der natürlich keiner selbst sein will). Das mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner nennt sich Demokratie, und ist die Voraussetzung für Gemeinwohl.
Ihre Vorstellung von Gemeinwohl orientiert sich hier wohl eher an einem absolutistischen "Landesvater" der stets die Entscheidung trifft die für das große Ganze am besten ist, oder? Und dann natürlich die große solidarische Volksgemeinschaft die von ihm regiert wird, da sind alle gleich, gleicher am gleichsten und es läuft natürlich nicht nach der Devise "Erst ich, dann lange Zeit gar nichts und dann schaun mer mal" (hab ich schon erwähnt dass in der DDR nicht alles schlecht war?)
Im Übrigen nenne ich ein Bankenrettungspaket und zwei Konjunkturpakete im Umfang vom vierfachen Bruttoinlandsprodukt von ganz Schweden was die letzten Monate auf den Weg gebracht wurde durchaus ein Zeichen für eine gewisse Entscheidungsfreudigkeit, das von ihnen angedeutete Zaudern kann ich hier nicht wirklich erkennen. Es gibt nur eines, wirklich nur eines, auf dieser Welt was mit Fug und Recht als "typisch Deutsch" bezeichnet werden kann: Gemecker, Gemecker, Gemecker.
Während der deutsche Michel sich langsam in den Schlaf der Selbstgerechten meckert handelt die Bundesregierung.
"Die Skandinavier scheinen ein Land der pragmatischen Entscheidungen zu sein"
Skandinavien ist die Halbinsel auf der sich Norwegen und Schweden befinden und kein Land (sag mal einem Norweger er sei von gleicher Nationalität wie ein Schwede, aber vorher in Deckung gehen!).
Davon abgesehen, wer sich wirklich mit der schwedischen Bankenkrise in den 90ern befasst hat und nicht bloß ein paar Infos aus den Artikeln zu dem Thema zitiert der wird sehr schnell feststellen dass es sich um einen ähnlichen Sumpf wie in Island gehandelt hat - da ist weder etwas pragmatisches oder sonstwie vorbildmäßiges dabei gewesen. Gleichzeitig gab es massive Hilfe von anderen europäischen Ländern bzw. deren Notenbanken um die schwedische Währung nicht kollabieren zu lassen. Diese und einige andere Dinge sind so nicht möglich da es sich nun um ein weltweites Problem handelt und nicht nur um einen lokalen Krisenherd wie in Schweden in einer sonst recht aufstrebenden Welt (die restliche Welt befand sich nach dem Mauerfall Anfang der 90er in einem Wirtschaftsboom).
"Hier scheint es leider Gang und Gebe zu sein, dass jeder noch so kleine katholische Hundezüchterverein ein Wörtchen mitreden muss und dann kommt halt der kleinste gemeinsam Nenner dabei raus. Gemeinwohl scheint bei uns ein Fremdwort zu sein. Hier lautet der Wahlspruch, "Erst ich, dann lange Zeit gar nichts und dann schaun `mer mal"."
Alles dabei, die Katholiken, der Verein.. oh was sind die Deutschen nicht spießig und "muffig" (wahlweise vielleicht noch tumb oder miefig? Sind glaub ich erstmal alle Vokabeln die gerne mit Verve verwendet werden wenn über jenen Deutschen der dem "Gelsenkirchener Barock" anhängt gespottet werden soll den es zwar überall geben soll aber der natürlich keiner selbst sein will). Das mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner nennt sich Demokratie, und ist die Voraussetzung für Gemeinwohl.
Ihre Vorstellung von Gemeinwohl orientiert sich hier wohl eher an einem absolutistischen "Landesvater" der stets die Entscheidung trifft die für das große Ganze am besten ist, oder? Und dann natürlich die große solidarische Volksgemeinschaft die von ihm regiert wird, da sind alle gleich, gleicher am gleichsten und es läuft natürlich nicht nach der Devise "Erst ich, dann lange Zeit gar nichts und dann schaun mer mal" (hab ich schon erwähnt dass in der DDR nicht alles schlecht war?)
Im Übrigen nenne ich ein Bankenrettungspaket und zwei Konjunkturpakete im Umfang vom vierfachen Bruttoinlandsprodukt von ganz Schweden was die letzten Monate auf den Weg gebracht wurde durchaus ein Zeichen für eine gewisse Entscheidungsfreudigkeit, das von ihnen angedeutete Zaudern kann ich hier nicht wirklich erkennen. Es gibt nur eines, wirklich nur eines, auf dieser Welt was mit Fug und Recht als "typisch Deutsch" bezeichnet werden kann: Gemecker, Gemecker, Gemecker.
Während der deutsche Michel sich langsam in den Schlaf der Selbstgerechten meckert handelt die Bundesregierung.
"Die Skandinavier scheinen ein Land der pragmatischen Entscheidungen zu sein"
Skandinavien ist die Halbinsel auf der sich Norwegen und Schweden befinden und kein Land (sag mal einem Norweger er sei von gleicher Nationalität wie ein Schwede, aber vorher in Deckung gehen!).
Davon abgesehen, wer sich wirklich mit der schwedischen Bankenkrise in den 90ern befasst hat und nicht bloß ein paar Infos aus den Artikeln zu dem Thema zitiert der wird sehr schnell feststellen dass es sich um einen ähnlichen Sumpf wie in Island gehandelt hat - da ist weder etwas pragmatisches oder sonstwie vorbildmäßiges dabei gewesen. Gleichzeitig gab es massive Hilfe von anderen europäischen Ländern bzw. deren Notenbanken um die schwedische Währung nicht kollabieren zu lassen. Diese und einige andere Dinge sind so nicht möglich da es sich nun um ein weltweites Problem handelt und nicht nur um einen lokalen Krisenherd wie in Schweden in einer sonst recht aufstrebenden Welt (die restliche Welt befand sich nach dem Mauerfall Anfang der 90er in einem Wirtschaftsboom).
"Hier scheint es leider Gang und Gebe zu sein, dass jeder noch so kleine katholische Hundezüchterverein ein Wörtchen mitreden muss und dann kommt halt der kleinste gemeinsam Nenner dabei raus. Gemeinwohl scheint bei uns ein Fremdwort zu sein. Hier lautet der Wahlspruch, "Erst ich, dann lange Zeit gar nichts und dann schaun `mer mal"."
Alles dabei, die Katholiken, der Verein.. oh was sind die Deutschen nicht spießig und "muffig" (wahlweise vielleicht noch tumb oder miefig? Sind glaub ich erstmal alle Vokabeln die gerne mit Verve verwendet werden wenn über jenen Deutschen der dem "Gelsenkirchener Barock" anhängt gespottet werden soll den es zwar überall geben soll aber der natürlich keiner selbst sein will). Das mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner nennt sich Demokratie, und ist die Voraussetzung für Gemeinwohl.
Ihre Vorstellung von Gemeinwohl orientiert sich hier wohl eher an einem absolutistischen "Landesvater" der stets die Entscheidung trifft die für das große Ganze am besten ist, oder? Und dann natürlich die große solidarische Volksgemeinschaft die von ihm regiert wird, da sind alle gleich, gleicher am gleichsten und es läuft natürlich nicht nach der Devise "Erst ich, dann lange Zeit gar nichts und dann schaun mer mal" (hab ich schon erwähnt dass in der DDR nicht alles schlecht war?)
Im Übrigen nenne ich ein Bankenrettungspaket und zwei Konjunkturpakete im Umfang vom vierfachen Bruttoinlandsprodukt von ganz Schweden was die letzten Monate auf den Weg gebracht wurde durchaus ein Zeichen für eine gewisse Entscheidungsfreudigkeit, das von ihnen angedeutete Zaudern kann ich hier nicht wirklich erkennen. Es gibt nur eines, wirklich nur eines, auf dieser Welt was mit Fug und Recht als "typisch Deutsch" bezeichnet werden kann: Gemecker, Gemecker, Gemecker.
Während der deutsche Michel sich langsam in den Schlaf der Selbstgerechten meckert handelt die Bundesregierung.
dass Sie wider den Etatismus argumentieren.
Der Autor sowie einige seiner Leser scheinen einfach zuviel von Vater Staat zu erwarten.
Dafür umso weniger vom einzelnen Mitbürger.
Grauslig.
Sie schätzen mich wirklich falsch ein. Was ich meine ist, dass wir in Deutschland zu sehr in Lagern denken. Auf der einen Seite die Wirtschaft (aus Sicht der Gewerkschaften die bösen, ausbeuterischen Arbeitgeber, die den gebeutelten Arbeitnehmer bis aufs letzte Hemd auspressen), auf der anderen Seite die Gewerkschaften, die am liebsten die Gewalt über Wohl und Wehe von Firmen in die Hände der Arbeitnehmern legen würden und am liebsten alle gleich entlohnen würden, egal welches Risiko sie dabei tragen.
Das zieht sich leider durch sämtliche Institutionen in Deutschland, die ihr Wohl an erster Stelle sehen wollen und der Rest ist ihnen egal.
Insofern gestehe ich den Skandinaviern zu, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und deswegen heute in der Lage sind, pragmatische Entscheidungen für das Gemeinwohl zu treffen.
An einer Abwrackprämie ist aus meiner Sicht nichts Pragmatisches zu erkennen. Sie ist ein Zugeständnis an eine Industrie, die, wenn es um ihre Belange gibt, immer die Keule Arbeitsplätze schwingt. Und da knicken Politiker in Deutschland immer ganz schnell ein.
dass Sie wider den Etatismus argumentieren.
Der Autor sowie einige seiner Leser scheinen einfach zuviel von Vater Staat zu erwarten.
Dafür umso weniger vom einzelnen Mitbürger.
Grauslig.
Sie schätzen mich wirklich falsch ein. Was ich meine ist, dass wir in Deutschland zu sehr in Lagern denken. Auf der einen Seite die Wirtschaft (aus Sicht der Gewerkschaften die bösen, ausbeuterischen Arbeitgeber, die den gebeutelten Arbeitnehmer bis aufs letzte Hemd auspressen), auf der anderen Seite die Gewerkschaften, die am liebsten die Gewalt über Wohl und Wehe von Firmen in die Hände der Arbeitnehmern legen würden und am liebsten alle gleich entlohnen würden, egal welches Risiko sie dabei tragen.
Das zieht sich leider durch sämtliche Institutionen in Deutschland, die ihr Wohl an erster Stelle sehen wollen und der Rest ist ihnen egal.
Insofern gestehe ich den Skandinaviern zu, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und deswegen heute in der Lage sind, pragmatische Entscheidungen für das Gemeinwohl zu treffen.
An einer Abwrackprämie ist aus meiner Sicht nichts Pragmatisches zu erkennen. Sie ist ein Zugeständnis an eine Industrie, die, wenn es um ihre Belange gibt, immer die Keule Arbeitsplätze schwingt. Und da knicken Politiker in Deutschland immer ganz schnell ein.
dass Sie wider den Etatismus argumentieren.
Der Autor sowie einige seiner Leser scheinen einfach zuviel von Vater Staat zu erwarten.
Dafür umso weniger vom einzelnen Mitbürger.
Grauslig.
nur will, stehen alle Räder still.
Ich meine förmlich zu spüren, wie Sie sich nach dem starken Staat sehnen, der - wenn er denn nur wollte - alles zum Guten wenden könnte.
Woher kommt dieser unbedingte Wunsch, geführt zu werden?
Coole Frage
Woher wohl kommt dieser Wunsch ...
Gerade in aussenpolitischen, moralischen Themen,
hört man gerne den Staat als Anwalt der guten Gesellschaft.
"Woher kommt dieser unbedingte Wunsch, geführt zu werden?"...das ist ja gar nicht die eigentliche Frage...die letzten Jahre sind wir zumindest von den Lobbyisten...Investmentbankern und Wirtschaftsverbänden "geführt" worden. Wäre ja vielleicht an der Zeit das zu ändern ;-) ...´89 gab es ja einen erfolgreichen Versuch...nur mit einem, in dem Zusammenhang nicht ganz wünschenswerten Ausgang
Coole Frage
Woher wohl kommt dieser Wunsch ...
Gerade in aussenpolitischen, moralischen Themen,
hört man gerne den Staat als Anwalt der guten Gesellschaft.
"Woher kommt dieser unbedingte Wunsch, geführt zu werden?"...das ist ja gar nicht die eigentliche Frage...die letzten Jahre sind wir zumindest von den Lobbyisten...Investmentbankern und Wirtschaftsverbänden "geführt" worden. Wäre ja vielleicht an der Zeit das zu ändern ;-) ...´89 gab es ja einen erfolgreichen Versuch...nur mit einem, in dem Zusammenhang nicht ganz wünschenswerten Ausgang
Coole Frage
Woher wohl kommt dieser Wunsch ...
Gerade in aussenpolitischen, moralischen Themen,
hört man gerne den Staat als Anwalt der guten Gesellschaft.
"Woher kommt dieser unbedingte Wunsch, geführt zu werden?"...das ist ja gar nicht die eigentliche Frage...die letzten Jahre sind wir zumindest von den Lobbyisten...Investmentbankern und Wirtschaftsverbänden "geführt" worden. Wäre ja vielleicht an der Zeit das zu ändern ;-) ...´89 gab es ja einen erfolgreichen Versuch...nur mit einem, in dem Zusammenhang nicht ganz wünschenswerten Ausgang
Sie schätzen mich wirklich falsch ein. Was ich meine ist, dass wir in Deutschland zu sehr in Lagern denken. Auf der einen Seite die Wirtschaft (aus Sicht der Gewerkschaften die bösen, ausbeuterischen Arbeitgeber, die den gebeutelten Arbeitnehmer bis aufs letzte Hemd auspressen), auf der anderen Seite die Gewerkschaften, die am liebsten die Gewalt über Wohl und Wehe von Firmen in die Hände der Arbeitnehmern legen würden und am liebsten alle gleich entlohnen würden, egal welches Risiko sie dabei tragen.
Das zieht sich leider durch sämtliche Institutionen in Deutschland, die ihr Wohl an erster Stelle sehen wollen und der Rest ist ihnen egal.
Insofern gestehe ich den Skandinaviern zu, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben und deswegen heute in der Lage sind, pragmatische Entscheidungen für das Gemeinwohl zu treffen.
An einer Abwrackprämie ist aus meiner Sicht nichts Pragmatisches zu erkennen. Sie ist ein Zugeständnis an eine Industrie, die, wenn es um ihre Belange gibt, immer die Keule Arbeitsplätze schwingt. Und da knicken Politiker in Deutschland immer ganz schnell ein.
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