Wer A sagt, hat schon B gesagt
Nach dem Skiunfall: Thüringens CDU tut Dieter Althaus keinen Gefallen
Die Worte von Birgit Diezel, stellvertretende Ministerpräsidentin in Thüringen, sind bemerkenswert: »Wir fahren Plan A, und der heißt Dieter Althaus.« Ein Satz, der ebenso verführerisch wie trügerisch ist. Den eingeschlagenen Weg zum einzig gangbaren zu erklären, bestimmt und alternativlos, das schafft ein Gefühl von Sicherheit. Tatsächlich aber hat Birgit Diezel mit ihrer Wortwahl den Zweifel nur befördert: Wo ein Plan A ist, ist ein Plan B nicht weit.
Der Rückschluss wird in Thüringens CDU derzeit noch vehement verneint. Die Partei will mit Dieter Althaus die Landtagswahl in Thüringen am 30. August bestreiten, auch wenn nicht abzusehen ist, wie schnell er sich von seinem Skiunfall erholen, wie belastbar er künftig sein wird und was die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ergeben werden. Dass die CDU zum jetzigen Zeitpunkt bedingungslos an Althaus festhält, gebieten Loyalität und Pietät – aber auch mangelnde Alternativen. Nicht von ungefähr soll die Wahlkampagne ganz auf Dieter Althaus zugeschnitten sein, als Duell zwischen ihm und dem Spitzenkandidaten der Linkspartei, Bodo Ramelow, inszeniert werden. Die Linkspartei rangiert in den Umfragen mit 30 Prozent nur knapp hinter der CDU.
Sich ganz und gar auf Dieter Althaus auszurichten, darauf haben sich Thüringens Christdemokraten schon im vergangenen November festgelegt, als sie ihn auf ihrem Landesparteitag einstimmig als Parteivorsitzenden bestätigt haben. Ein Vorhaben, das bereits damals nicht ohne Risiko war, denn für die Partei und Althaus lief es nicht gut. Die Kabinettsumbildung im großen Stil, die ein Aufbruchssignal sein sollte, wurde wegen der Personalie Peter Krause zum Fiasko. Der designierte Kulturminister trat sein Amt gar nicht erst an, nachdem öffentlich geworden war, dass er früher einmal für die rechtskonservative Wochenzeitung Junge Freiheit gearbeitet hatte. Althaus hat Ordnung weder in den Landeshaushalt noch in die Umfragewerte bringen können, die CDU kommt in Thüringen aus dem demoskopischen Tief nicht heraus.
Nun, nach Althaus’ tragischem Sportunfall, bei dem eine Skifahrerin starb, ist die Partei erst recht dazu verdammt, öffentlich an ihrem Spitzenkandidaten festzuhalten. Die CDU hat sich selbst handlungsunfähig gemacht, und so ist ihr Plan A gar kein Plan. In Wirklichkeit bedeutet er, dass die Partei wartet. Nur worauf? Dass Althaus rechtzeitig gesundet, die Klinik mit einem Attest in der Tasche verlässt, das ihm volle physische und psychische Belastbarkeit bescheinigt? Dass es erst gar keine Anklage gegen ihn geben wird? Ein glatter Neustart wäre ebenso perfekt, wie er unwahrscheinlich ist. Die bisherigen Ermittlungen legen nahe, dass Anklage gegen Althaus erhoben werden wird. Auch wenn das Verfahren mit einem Freispruch enden sollte, der Schatten des Vorwurfs, einen Menschen fahrlässig getötet zu haben, wird sich nicht einfach wegwischen lassen können.
In der CDU weiß man, der Unfall von Dieter Althaus ist eine Zäsur – er teilt die Zeit in ein Davor und ein Danach. Deshalb wird sich die Partei zumindest Gedanken über einen Plan B machen. Schon jetzt. dagmar rosenfeld
- Datum 15.01.2009 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
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