Ich habe einen Traum "Ich habe mich immer als Rocker gefühlt"

Was kommt nach dem Abgang? Der Kapellmeister James Last möchte mit Mozart und Kurt Cobain an der Bar im Himmel sitzen

Es wäre vermessen, in meinem Alter, nach einem so langen und erfüllten Leben, noch hochfliegende Wünsche oder Träume zu haben. Ich habe so viele wertvolle Momente erlebt, ich hatte die Gelegenheit, mich in der Musik zu offenbaren und Millionen Menschen glücklich zu machen. Ich habe tolle Musiker kennengelernt, viele von ihnen haben meine Kompositionen gespielt, von Elvis bis Puff Daddy. Quentin Tarantino hat meine Musik in einem Soundtrack verwendet. Unglaublich! Wenn der liebe Gott es noch ein paar Jahre so weiterlaufen ließe, das wäre toll! Ich erlebe gerade die beste Zeit meines Lebens.

Trotz allem bleiben noch unerfüllte Träume. Ich habe mich immer als Rocker gefühlt und lange davon geträumt, einmal als Bassist mit einer der großen Rockbands auf Tour zu gehen, Guns N’ Roses zum Beispiel oder Metallica. Ich bin ja ausgebildeter Bassist und habe zu Beginn meiner Karriere in einer Jazzband gespielt. Ich mag es, wenn es richtig knallt und ich die Musik körperlich spüre. Das Urwüchsige, Kraftvolle in der Rockmusik, dieses Alles-Rauslassen, finde ich toll. Auf meine Weise habe ich versucht, diese Energie auch in meiner Musik durchklingen zu lassen. Leider kann ich den Bass aufgrund einer Handoperation nicht mehr spielen, dieser Traum wird also unerfüllt bleiben.

Aber das alles ist nicht wirklich wichtig. Ich denke, nur wenn wir unsere Grenzen kennen und innerhalb dieser Grenzen das Beste aus unserem Leben machen, finden wir Ausgeglichenheit und Zufriedenheit. Wer ständig über seine Möglichkeiten und Fähigkeiten hinausstrebt, dem wird das Herz brechen.

Ich träume nicht von Unsterblichkeit. Ob die Menschen nach meinem Tod noch von mir sprechen werden, bedeutet mir nichts. Ich lebe für den Moment. Ich wünsche mir nur, dass meine Frau nach meinem Ableben noch lange Freude an meiner Musik und ein Auskommen damit haben wird. Zeit meines Lebens war die Musik so erfüllend für mich, das genügt mir. Niemand soll um mich trauern. Im Gegenteil – ich träume von einer großen finalen Feier. Mein Grab auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg habe ich mir schon ausgesucht. Dort möchte ich bei meinen Eltern ruhen.

Und es ist eine schöne Vorstellung, irgendwann auf der großen Bühne im Jenseits aufzuspielen und anschließend mit Mozart, Bach, John Lennon, Kurt Cobain, Duke Ellington und all den anderen, die uns mit ihrer Musik so viel gegeben haben, an der großen Bar im Himmel zu sitzen, einen Drink zu nehmen und einige Takte zu spielen. Mein Vater, der ein leidenschaftlicher Musiker war, ist natürlich auch dabei. Das wäre ein großer Spaß!

Aufgezeichnet von Jörg Böckem

Zu hören unter www.zeit.de/audio

 
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