Kolumne Wörterbericht
Handgeld
Wie eine verlorene Tochter kehrt die Virtualität derzeit ins Vaterhaus Wirklichkeit zurück. Ramponiert von den Luftnummern und Leergeschäften, sehnt sie sich nach Notaufnahme in der Realwelt. Die aber sagt, wie nach allzu langem Bluff beim Pokern: Ich will sehen. Und sieht, dass es nichts mehr zu sehen gibt: à fonds perdu. Doch da kommt die Rettung: Geld. Nicht Geld irgendwo auf schwarzen Konten oder in schwarzen Koffern, sondern echtes Geld, ungewaschen, aber sauber, hier und jetzt. Geld zum Anfassen. Geld, das man in die Hand nimmt. Jetzt geht es nicht mehr um Schutzschirme und Investitionsprogramme, sondern um die paradiesisch anmutende Formel, dass »endlich Geld in die Hand genommen wird, richtig Geld«. Vor allem der Staat mit seiner großen öffentlichen Hand will da zulangen, aber auch wir alle sind gefordert, nur die Banken natürlich nicht, es sei denn beim Entgegennehmen. Richtig Geld in die Hand nehmen: das heißt klotzen statt kleckern, Turmbau aus Tausendern, aber eben handlich, greifbar, kauflustig und – vorhanden. Während die Wirtschaftsweisen sich gerade als Shakespeare-Narren bewerben, ist die Lösung doch so nah: Wenn wir alle nur richtig Geld in die Hand nehmen, gibt es am Ende nicht nur wieder Vertrauen, sondern sogar Kredite. Dieter Hildebrandt
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- Datum 15.01.2009 - 06:00 Uhr
- Serie Audio
- Quelle DIE ZEIT, 15.01.2009 Nr. 04
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