Naher Osten So klingt der Krieg

Israelis und Palästinenser machen einander das Leben zur Hölle und finden keinen Weg hinaus. Aber kein Mensch lebt ohne Hoffnung

Grenzstadt Rafah im südlichen Gaza-Streifen, 14. Januar 2009

Ich wäre lieber der Leser dieses Artikels und nicht sein Verfasser, säße lieber in einem geräumigen Berliner Zimmer, würde mir die Pfeife anzünden und in aller Ruhe den Artikel eines israelischen Autors lesen, der aus dem Unglücksgebiet berichtet.

Ich lebte lieber an einem Ort, wo ich nicht zwei Wochen lang meine kleinen Töchter vom Fernsehen abhalten muss, weil es dort Bilder zu sehen gibt, denen ich sie nicht aussetzen will, würde sie lieber im Bus in den Kindergarten bringen, ohne zu fürchten, dass er explodiert. Ich hätte es lieber, wenn sie im Kindergarten tanzen lernen würden und nicht das Runterlaufen in den Schutzraum bei Alarm. Ich würde lieber an einem Ort leben, wo meine Werte als Privatmann nicht mit dem kollidieren, was mein Staat macht.

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Ich hätte es lieber, wenn meine erbittertsten Feinde neutrale Schweden und nicht Palästinenser wären. Ich hätte es lieber, wenn die Palästinenser im Gaza-Streifen sich nicht radikale Terroristen als Führer gewählt hätten, wenn sie ihren ganzen Eifer in die wirtschaftliche Entwicklung und nicht in die Entwicklung von Raketen stecken würden. Ich hätte es lieber, wenn der Krieg in Gaza schon morgen aufhörte. Jeder Mensch mit einem Gewissen und einem minimalen historischen Bewusstsein kann nicht anders, als Kriegen mit Misstrauen zu begegnen. Die Erfahrung lehrt, dass sie vor allem sofortiges Leid und Traumatisierungen auf lange Zeit bringen.

Die einzige Rechtfertigung für einen Krieg ist in meinen Augen die Notwendigkeit der Selbstverteidigung. Kann man das, was Israel gerade im Gaza-Streifen tut, als Selbstverteidigung bezeichnen? In gewissem Maße ja. Die Städte im Süden Israels wurden über Jahre aus dem Gaza-Streifen mit Raketen beschossen, ein Zustand, mit dem sich kein souveräner Staat über längere Zeit abfinden kann.

Ob das Ausmaß des Tötens und der Zerstörung unter den Palästinensern bei diesem Krieg gerechtfertigt ist? Da bin ich mir nicht sicher. Ich wäre mir gern sicher. Ich wäre gern in Frieden mit dem, was die Armee meines Landes macht. Ich wäre gern in Frieden mit dem, was ich beim Militär gemacht habe, als ich Soldat war. Aber ich bin es nicht.

Doch der Ort, an dem ich lebe, ist nicht mit sich in Frieden. Es ist ein verfluchter, geliebter und nicht ganz normaler Ort. Während im einen Teil des Landes die Raketen landen, gehen woanders die Leute ins Theater. Im selben Moment, in dem die Leute im Süden des Landes die Sirenen hören und in die Schutzräume rennen, schließen andere anderswo die Augen, um in Ruhe Musik zu hören.

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