Neuer US-Präsident Die Last der Macht

Barack Obama verzaubert alle. Aber auch für ihn gilt: Wer regiert, kann scheitern oder schuldig werden

Ein strahlender US-Präsident Barack Obama auf dem Weg zu einem der vielen Bälle auf denen er gefeiert wurde

Nichts hätte die Mär vom Niedergang der Supermacht sinnfälliger widerlegen können als die Inthronisierung Barack Obamas, des 44. Bürgerkönigs von Amerika. Abermillionen rings um die Welt, die das Spektakel auf dem Schirm beobachtet haben, kennen nicht einmal die Namen der Staatschefs von China, Indien oder den europäischen Ländern, geschweige denn, dass sie ihre Amtseinführung bestaunen würden. Doch wie schon die Wahl Obamas global war, ist es auch dieser Präsident. Die Geschichte kennt dafür kein Beispiel.

Die Macht ist auch die Last. »Noch nie« seit Kennedy, notiert Henry Kissinger, habe ein Präsident sein Amt unter »so gewaltigen Erwartungen« angetreten. Die Hoffnungen, die auf Obama drücken, sind geradezu grausam, und natürlich wird er unter diesem Gewicht oft genug einknicken, zumal er zwei Kriege und eine Weltwirtschaftskrise geerbt hat. Aber diese Binsenweisheit verblasst angesichts der Tugenden und Talente, die er mit ins Weiße Haus bringt.

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Kennedy wurde erst im Amt zum Mythos, Obama verkörperte schon vor diesem 20. Januar einen klassischen amerikanischen Helden, aber von der postmodernen Art. Er kam aus dem Nichts in die Stadt geritten, ein Mann fast ohne Eigenschaften, der als Provinzsenator in Illinois, dem Lande Lincolns, zumeist mit Enthaltung gestimmt hatte. Im shoot-out hat er die mächtige Hillary bezwungen, den alten Krieger McCain. Doch dann, wie im Bildungsroman, die Reifung vom kaltblütigen Machtpolitiker zum charismatischen Versöhner, der seine Feinde nicht vernichtet, sondern umarmt – siehe Mrs. Clinton, seine Außenministerin, siehe den Bushisten Robert Gates, der Verteidigungsminister bleibt.

Dieser Präsident wird einem bescheideneren Land vorstehen

Auf diese magische Wende hat Amerika, hat die Welt gewartet; sie erklärt die Woge des Optimismus, die Obama am Dienstag ins Weiße Haus trug. Zwei Drittel aller Amerikaner glauben, er werde ihre Lebenswelt verbessern – trotz wütender Rezession. George W. ist zwar auch als Versöhner (»compassionate conservative«) angetreten, hat wie kein anderer Minderheiten ins Kabinett geholt; doch dann, nach dem Terrorangriff, hat er die Nation polarisiert. Hier wir, dort ihr – »you are with us or against us«. Das galt zwar dem Rest der Welt, hat aber die Nation genauso gespalten: in »rote« und »blaue« Staaten, Gläubige und Weltliche, Bildungseliten (links) und weiße Arbeiter (rechts).

Obama dagegen verkörpert die Sehnsucht nach der »Wiedervereinigung«. Und siehe da, der Mann der Linken trennt sich von den Extremisten im eigenen Lager wie dem rassistischen Prediger Jeremiah Wright und holt sich den Evangelikalen Rick Warren für die Inauguration. Er verneigt sich vor dem unterlegenen John McCain und bricht Brot mit Washingtons konservativen Kolumnisten. Der Nestor der Neo-Cons, Charles Krauthammer, sagt hinterher nur halb ironisch: »Der Mann ist intellektuell neugierig, wollte (uns) aber auch kooptieren. Bei mir zumindest hat er es geschafft.« Wer Krauthammer gelesen hat, weiß diese Leistung irgendwo zwischen Nobelpreis und NBA-Meisterschaft einzuordnen.

In seiner Antrittsrede hat sich Obama gleich im zweiten Satz bei Bush bedankt. Dann intonierte er: »Wir haben uns für Hoffnung, nicht Furcht entschieden, für Einheit, nicht Streit.« Diese Worte erinnern an Abraham Lincoln, der 1861 auch zu einer zerrissenen Nation sprach: »Wir sind nicht Feinde, sondern Freunde. Wir dürfen keine Feinde sein. Die Kette unserer Liebe zueinander darf nicht brechen.«

Der Mann, der wie Lincoln sein will, sprach schon im Sommer zu den Europäern. »Jetzt ist die Zeit, neue Brücken zu bauen«, rief er an der Berliner Siegessäule. »Wir brauchen Verbündete, die einander zuhören, voneinander lernen und einander vor allem vertrauen.« So spricht er zu einer Welt, die Amerika wieder lieben möchte, freilich auch wähnt, dass alle Probleme, der Hass und die Verachtung, die dem Land in den vergangenen acht Jahren zuteilwurden, allein auf Bush zurückzuführen seien.

Bush ist weg, aber Amerikas Macht, Masse und Ungestüm sind geblieben. Für Hannah Arendt war dieses Land stets »Traum und Albtraum«, Modell und Monstrum zugleich. Das wird sich auch unter Obama nicht ändern. Wer die Macht hat, nutzt sie, und wer handelt, kann scheitern oder schuldig werden. Aber ändern werden sich der Stil und auch die Substanz. Dieser Präsident wird einem ernüchterten, bescheideneren Land vorstehen. Es wird wieder »führen«, wie er verkündet, aber als »Freund aller anderen Nationen«. Denn die Macht wachse »durch die Besonnenheit ihres Einsatzes«, und wahre Stärke entspringe der »Kraft des Beispiels«.

Obama hat sich eine gewaltige Agenda vorgenommen – von der Gesundheitsreform bis Afghanistan, von der Rettung der Wirtschaft bis zur Zähmung Irans. Dazu Nahost und Korea, Russland und China. Und das größte Budgetdefizit seit dem Zweiten Weltkrieg. Und Pakistan und das Klima. Kann er es schaffen? Nur so viel: Dieser Mann hat seine Nation und die Welt verzaubert; er hat den Charakter und das Temperament, die historische Größe verheißen. Und er hat ein Team, das intelligenter, gewiefter und erfahrener nicht sein könnte – »the best and the brightest«, wie es unter Kennedy hieß, und keine verdienten Partei-Apparatschiks.

Die Welt hat diesen Präsidenten mitgewählt. Wird sie ihn auch mittragen? Ihr Interesse gebietet es, denn es gibt kein anderes Land, das der Last der Erwartungen gerecht werden könnte.

 
Leser-Kommentare
  1. zeigt sich exemplarisch am Beispiel des von den Medien gefeirten "neuen Messias". Oder wie sonst soll man den schon an Massenwahn grenzenden "Hype" um einen amerikanischen Präsidenten nennen, der zwar die "Sehnsüchte und Wünsche" aller Menschen in seinen Reden anspricht, aber doch nur ein Mensch ist, der in ein bestehendes System von Abhängigkeiten gewählt wurde, welches schon seit Anbeginn der USA besteht. ( Und natürlich auch bei uns vorhanden ist )

    Wenn ich im Fernsehen heulende Amerikaner sehe, die mit religiöser Verzückung die Arme in die Luft werfen, dann macht mir das Angst. In welchem Zustand muss ein Land sein, dass es einen x-beliebigen Menschen zum gottgleichen Wesen hochjubelt, sodass ein Scheitern schon vorherbestimmt ist. Klar, ist praktisch, damit entsteht dann auch gelich der Schuldige, auf den ich dann meine Wut werfen kann, wenn alles schief geht.

    Ich beneide Herrn Obama nicht. Und hoffe, das irgendwann der Irrsinn um seine Person wieder normale Masse annimmt.

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    • Anonym
    • 21.01.2009 um 11:36 Uhr

    wieder normale Masse annimmt"
    Hm, was ist denn "normaler Irrsinn"?

    Nichts für ungut
    Knüppel

    • Anonym
    • 21.01.2009 um 11:36 Uhr

    wieder normale Masse annimmt"
    Hm, was ist denn "normaler Irrsinn"?

    Nichts für ungut
    Knüppel

  2. Schon allein die Tatsache dass die USA nicht mehr von einem schiesswütigem Cowboy regiert wird, der in jeder erdenklichen Situation zielsicher die schlechteste Alternative wählt kann als enormer Fortschritt gewertet werden. Bei dieser Ausgangslage kann der neue Präsident fast nur im positivem Sinne überraschen.

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    Obama müsste sich schon anstrengen etwas falscher zu machen als Bush es gemacht hat oder etwas falsch zu machen, was Bush nicht schon falsch gemacht hat. Also Kopf hoch ... es kann nur besser werden.

    • Anonym
    • 21.01.2009 um 11:38 Uhr

    Dem kann ich mich anschließen.
    Gruss
    Knüppel

    Obama müsste sich schon anstrengen etwas falscher zu machen als Bush es gemacht hat oder etwas falsch zu machen, was Bush nicht schon falsch gemacht hat. Also Kopf hoch ... es kann nur besser werden.

    • Anonym
    • 21.01.2009 um 11:38 Uhr

    Dem kann ich mich anschließen.
    Gruss
    Knüppel

  3. "Abermillionen rings um die Welt, die das Spektakel auf dem Schirm beobachtet haben, kennen nicht einmal die Namen der Staatschefs von China, Indien oder den europäischen Ländern, geschweige denn, dass sie ihre Amtseinführung bestaunen würden."
    Millionen Außerirdische beobachten das Spektakel und bestaunen ihre eigene Amtseinführung nicht?
    Joffe at it´s best!

  4. Das Wichtigsts an Obamas Rede ist für mich sein Bezug auf die Gründungsväter der USA:

    "Diese Ideale erhellen noch immer die Welt":
    Wir halten die nachfolgenden Wahrheiten für klar an sich und keines Beweises bedürfend, nämlich: daß alle Menschen gleich geboren; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt sind; daß zu diesem Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit gehören; daß, um diese Rechte zu sichern, Regierungen eingesetzt sein müssen, deren volle Gewalten von der Zustimmung der Regierten herkommen; daß zu jeder Zeit, wenn irgend eine Regierungsform zerstörend auf diese Endzwecke einwirkt, das Volk das Recht hat, jene zu ändern oder abzuschaffen, eine neue Regierung einzusetzen, und diese auf solche Grundsätze zu gründen, und deren Gewalten in solcher Form zu ordnen, wie es ihm zu seiner Sicherheit und seinem Glück am zweckmäßigsten erscheint ...

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    Die Gründerväter hatten da sehr eigene Ansichten, was die Gleichheit betraf. Es dürfte Ihnen bekannt sein, dass diese "Väter" auch selbst Sklavenhalter waren. Die damalige Definition von Mensch stimmt mit der heutigen nicht überein. Sklaven waren per se keine Menschen, also traf die Erklärung der Gründerväter nicht auf Sie zu. Sie waren lediglich die ausgebeutete Masse, die den Kontinent Amerika und auch die USA aufgebaut hat. 1830 hatte die Union 12,9 Mio. Einwohner, 3,5 Mio. davon waren Sklaven. Sich also auf diese Erklärung zu berufen, käme einer Selbstverleugnung gleich. Das ist ein grosser Schwachpunkt an seiner Rede. Siehe dazu auch einen weiteren Kommentar:

    http://kommentare.zeit.de/node/146693/262609#comment-262609

    Die Gründerväter hatten da sehr eigene Ansichten, was die Gleichheit betraf. Es dürfte Ihnen bekannt sein, dass diese "Väter" auch selbst Sklavenhalter waren. Die damalige Definition von Mensch stimmt mit der heutigen nicht überein. Sklaven waren per se keine Menschen, also traf die Erklärung der Gründerväter nicht auf Sie zu. Sie waren lediglich die ausgebeutete Masse, die den Kontinent Amerika und auch die USA aufgebaut hat. 1830 hatte die Union 12,9 Mio. Einwohner, 3,5 Mio. davon waren Sklaven. Sich also auf diese Erklärung zu berufen, käme einer Selbstverleugnung gleich. Das ist ein grosser Schwachpunkt an seiner Rede. Siehe dazu auch einen weiteren Kommentar:

    http://kommentare.zeit.de/node/146693/262609#comment-262609

  5. Die Reichen und Superreichen der USA müssen wohl innerlich vor Wut kochen,
    dass Obama es ganz nach oben hin geschafft hat und das noch als Afroamerikaner.
    Obama weis auch, dass diese im Hintergrund noch viel Macht besitzen. Er wird
    klug diese Quertreiber scheibchenweise aus dem Machtgefüge der USA herausoperieren.
    Hier ist endlich mal einer der weis wie Dreck stinkt und dementsprechend versucht dieses Übel zu beheben. Wir wollen hoffen, dass seine Umgebung treu zu ihm hält
    die politischen und finanziellen Sümpfe trocken zu legen.

  6. Seit langem lebe ich nun in den USA und interessiere mich beruflich und privat sehr dafür, wie Amerikaner die deutsche Politik werten und umgekehrt, wie die Deutschen die amerikanische Politik auffassen und verstehen. Die Amtseinführung Obamas kann hier als Vorzeigemodell dienen, um die deutsche Seite einmal zu beleuchten und ich möchte gerne einmal darstellen, wie naiv frohlockend auf Obama in der Bundesrepublik reagiert wird. Endlich, so scheint es, ist der 43. Präsident aus dem neo-konservativen Texas aus dem Weißen Haus katapultiert worden, nachdem er mit verbalen Ausrutschern die Welt nicht nur zum Lachen brachte, sondern mit Krieg, Guantanamo, Umweltgiften und Bankenkrisen den blauen Planeten an den Rand des Abgrundes versetzte. Vergessen wir beim erleichternden Aufseufzen aber nicht, dass unsere Bundeskanzlerin im Wahlkampf gegen Schröder im Januar 2006 nach Washington flog und Bush ihre Unterstutzung anbot, um in der Koalition der Willigen gegen das Alte Europa und gegen den Irak zu ziehen. Wie wir weiter wissen, können sich gewisse Herren der SPD und der Grünen nicht die Hände in Unschuld waschen, denn scheinbar wussten sie mehr über Guantanamo, als sie zugaben und waren sogar aktiv an den offiziell verteufelten Verschleppungen nach Kuba beteiligt. Vergessen wir weiter nicht, dass die Banken der USA sicher eine große Schuld an der jetzigen Wirtschaftskrise haben – keine Frage – aber haben nicht europäische und deutsche Banken die fragwürdigen Machenschaften der US Banken mitgetragen, durch Kredite gestützt und daran sicher nicht schlecht verdient? Sollte das erleichternde Aufatmen vielleicht ein bisschen demütiger sein und sollte endlich einmal die Rolle der deutschen Politik im Lichte der Bush Administration genau beurteilt werden? Kurzum: während Amerika den Wechsel herbeisehnte und Bush in den Umfragen nur kurz vor Nixon eingestuft wird, scheint ein Lächeln über der BRD zu liegen: jetzt wird alles gut, Guantanamo wird abgeschafft und Steinmeier kann trotz seiner fragwürdigen Verwicklung in die unmenschliche Inhaftierung Bundeskanzlerkandidat werden. Jetzt wird alles gut und endlich kommt ein Präsident in den USA an die Macht, der sich den Deutschen geneigt zeigt; vielleicht kurbelt er unseren Export an und wir müssen nicht Angst haben, dass es uns ergeht wie den Franzosen in den USA, als aus „French Fries“ plötzlich „Patriot Fries“ wurden. Falsch gedacht! Die Amerikaner wollen den Wechsel und wenn Bush eines richtig machte, dann war es, die Wähler in die Arme der Demokraten zu treiben und das nicht erst seit seiner Wiederwahl 2004 mit weniger erhaltenen Stimmen als sein Herausforderer. Aber seit dem misslungenen King-George-Putsch der amerikanischen Kolonialmacht England vor mehreren hundert Jahren zeigt sich, dass ein Präsident der USA zuerst einmal Präsident der USA ist und nationale Interessen in erster Linie vorantreiben wird. Dafür wird gesorgt und zwar von denen, die ihn durch finanzielle Mittel in dieses Amt hievten oder von denen, die ihn gerne scheitern sehen und auf einen Fehler in der Außenpolitik warten. Beide Seiten werden durch enormen Druck Obama eines zu verstehen geben: America first. Hier wird er Kompromisse schließen müssen und genauso beeinflusst werden wie die Bundeskanzler der Deutschen, die im Wahlkampf das eine sagen, in einer späteren Regierungskoalition einen Mittelweg finden und ab und zu nicht ganz das einhalten, für das sie anfangs standen. Schröder nannte es die Politik der ruhigen Hand und doch war er der erste Bundeskanzler, der Soldaten in ein Kriegsgebiet sandte. Ob Obama für eine ruhige Hand steht, ist noch nicht entschieden, denn hinter Obama steht ein knallharter und mit allen Wassern gewaschener Politiker namens Joe Biden, der bereits im Vorfeld ankündigte, dass sein job darin bestehe, Obama gegen die „tests“ in seiner Rolle als Präsident abzudecken. Für Amerika ist es seit dem Ersten Weltkrieg durchaus ein legitimes und wiederholt eingesetztes Mittel, das Militär international zum Durchsetzen nationaler Interessen zu verwenden. In einer Präsidialdemokratie schlagen die Uhren anders und als Befehlshaber der Streitkräfte hat Obama bereits deutlich gemacht, dass das Militär gegen den Iran und andere Staaten verwendet wird, solange die Staaten amerikanische Interessen gefährden. Die Begriffe „Schurkenstaat“ und „Achse des Bösen“ verwendete der rhetorisch geschulte Obama natürlich nicht, aber Hören wir genau hin. Er wäre ja nicht der erste Präsidenten der Demokraten, der so dachte und handelte: der beliebte Kennedy brachte uns an den Rand eines Weltkrieges mit der „Alliance of Procress“ und der Schweinebucht, Clinton schickte die Air Force in das europäische Jugoslawien und zerbombte was nicht Niet und Nagelfest war und nun ist die Ehefrau Clintons als Außenministerin erneut in Amt und Würden mit ihrem Ehemann als Berater. Nur, und das vergessen wir im Zuge der Verteufelung der Republikaner, war es der republikanische Ronald Reagan, der Gorbatschow im Juni 1987 aufforderte, die Berliner Mauer einzureißen. Stellen wir fest: Obama ist kein Neokonservativer und wird sicher nicht direkt beeinflusst durch die nationalkonservative RAND Vereinigung, zu der Cheney und Rumsfeld im Kabinett Bush gehörten. Der Wechsel ist gut, notwendig und wichtig. Obama ist der richtige Mann für Amerika in dieser Zeit und wird durch sein Charisma und sein Wesen hoffentlich die Fehler der Bush Administration ausgleichen können. Trotzdem wird er handeln wir ein amerikanischer Präsident, sicher den Begriff „altes Europa“ vermeiden und dennoch handeln wie es die Amerikaner schon immer getan haben: America first – mit oder ohne Deutschland.

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    Besten Dank für Ihre Ermahung. Ich denke nicht, dass sich die Deutschen den Illusionen der hiesigen Medien hingeben. Das ist "business as usual". Die Obama Story wird eben verkauft, so oft dies nur möglich ist. Die Flut an Artikeln gefährdet ja mittlerweile die Deiche ;), wirkliche Inhalte hat sie aber nie gebracht. Und sie haben vollkommen Recht: natürlich America first, was denn sonst.

    Übrigens, die Wahl 2004 hat Bush mit Stimmenmehrheit gewonnen, d.h. man war bereits 4 Jahre mit dem Mann vertraut der gegen Gore eigentlich unterlegen war, doch durch die tatkräftige Mithilfe von Harris und dem obersten Gerichtshof, das Präsidentenamt beanspruchen konnte. Der eigentliche Präsidentenmacher ist James Baker, ihm gebühren die Lorbeeren für diesen Coup.

    Nein, Bush war kein unbeschriebenes Blatt. Man wusste wie er an die Macht gekommen war und man hat ihn wiedergewählt. Die Gründe mögen vielseitig sein, doch eins bleibt gewiss: bei einem "glanzvollen" Sieg im Irak wäre das Phänomen Obama nicht möglich gewesen. Ist es also der Wunsch nach Veränderung oder die Erniedrigung der Niederlage, die eine Präsidentschaft entscheidet? Das eigentliche Kernthema wird aber nie wirklich angesprochen, zu stark überwiegen die aussenpolitischen Themen. Es ist dies die Rassenfrage innerhalb der USA. Wäre Clinton als Kandidatin gewählt worden, könnte es gut möglich sein, dass McCain heute Präsident wäre. Die Afroamerikaner, die Hispanics und andere Minderheiten wünschten sich einen Wandel in der Rassenfrage. Dafür haben sie Obama gewählt. Sie haben zu einer hohen Wahlbeteiligung beigetragen und es sind ihre Stimmen, die Obama den nötigen Auftrieb gaben.

    Das Verhältnis der einzelnen Bevölkerungsgruppen innerhalb der USA könnte sich trotz dieser Präsidentschaft dennoch verschlechtern. Diese Frage ist meiner Ansicht nach die grösste Aufgabe, die Obama zu bewältigen hat. Auch wenn sie im ersten Moment nicht offensichtlich ist, so ist sie nicht minder brisant als der Konflikt von 1861. Was wird passieren, wenn die Weissen die Mehrheit in den USA verlieren? Man kann sich Tagträumen hingeben, doch dies sind die Realitäten. Die Konflikte sind vorprogrammiert.

    Sicher wird Obama wie ein amerikanischer Präsident handeln. Aber das sehe ich eigentlich nicht als Problem.
    Er wird sicher auch Massnahmene ergreifen müssen im einen oder anderen Fall, die alles andere als Populär sind, nicht zuletzt, weil er eine extrem verfahrene Situation im Irak und in Afghanistan übernimmt. Und diese Situationen werden sich nicht in Wohlgefallen auflösen.
    Was mir aber ganz persönlich an ihm auffällt ist, dass er nicht über wir "guten" konservativen Amerikaner und Ihr "bösen" Araber spricht sondern darüber, dass man über unterschiedliche Ansichten sprechen kann, anstatt Terroranschläge zu verüben. Das ist kein quantitativer Unterschied im Vergleich zu Bush. Das ist eine andere Qualität, eine andere Vorgehensweise, die Chancen eröffnet anstatt Konfrontation provoziert.
    Und das sehe ich positiv. Er hat eine andere Qualität der Motivation, nicht nur im Vergleich zu seinem Vorgänger sondern auch im Vergliech zu seinen Herausforderern.
    Dass Joe Biden knallhart hinter Obama steht sehe ich auch eher positiv, da er für Entscheidungen in den Krisengebieten einen erfahrenen Mann für solche Situationen braucht. Joe Biden macht aber nicht den Eindruck auf mich, dass er persönliche Interessen und Politik so stark miteinander vermischt, wie das sein Vorgänger tat.
    Mit Kennedy würde ich Obama nicht vergleichen denn Kennedy war alles andere als eine stabile Persönlichkeit. Er verkörperte vielmehr das realitätsferne träumen der Zeit zwischen den 50er und 60er Jahren, in denen die USA die letzten Kriege gewonnen hatten (soweit man Kriege gewinnen kann) und einen bestimmten Größenwahn hatten (und mit den Amerikanern natürlich auch Deutschland).

    • keox
    • 21.01.2009 um 14:45 Uhr

    mal etwas Sachlichkeit vorzufinden.

    Besten Dank für Ihre Ermahung. Ich denke nicht, dass sich die Deutschen den Illusionen der hiesigen Medien hingeben. Das ist "business as usual". Die Obama Story wird eben verkauft, so oft dies nur möglich ist. Die Flut an Artikeln gefährdet ja mittlerweile die Deiche ;), wirkliche Inhalte hat sie aber nie gebracht. Und sie haben vollkommen Recht: natürlich America first, was denn sonst.

    Übrigens, die Wahl 2004 hat Bush mit Stimmenmehrheit gewonnen, d.h. man war bereits 4 Jahre mit dem Mann vertraut der gegen Gore eigentlich unterlegen war, doch durch die tatkräftige Mithilfe von Harris und dem obersten Gerichtshof, das Präsidentenamt beanspruchen konnte. Der eigentliche Präsidentenmacher ist James Baker, ihm gebühren die Lorbeeren für diesen Coup.

    Nein, Bush war kein unbeschriebenes Blatt. Man wusste wie er an die Macht gekommen war und man hat ihn wiedergewählt. Die Gründe mögen vielseitig sein, doch eins bleibt gewiss: bei einem "glanzvollen" Sieg im Irak wäre das Phänomen Obama nicht möglich gewesen. Ist es also der Wunsch nach Veränderung oder die Erniedrigung der Niederlage, die eine Präsidentschaft entscheidet? Das eigentliche Kernthema wird aber nie wirklich angesprochen, zu stark überwiegen die aussenpolitischen Themen. Es ist dies die Rassenfrage innerhalb der USA. Wäre Clinton als Kandidatin gewählt worden, könnte es gut möglich sein, dass McCain heute Präsident wäre. Die Afroamerikaner, die Hispanics und andere Minderheiten wünschten sich einen Wandel in der Rassenfrage. Dafür haben sie Obama gewählt. Sie haben zu einer hohen Wahlbeteiligung beigetragen und es sind ihre Stimmen, die Obama den nötigen Auftrieb gaben.

    Das Verhältnis der einzelnen Bevölkerungsgruppen innerhalb der USA könnte sich trotz dieser Präsidentschaft dennoch verschlechtern. Diese Frage ist meiner Ansicht nach die grösste Aufgabe, die Obama zu bewältigen hat. Auch wenn sie im ersten Moment nicht offensichtlich ist, so ist sie nicht minder brisant als der Konflikt von 1861. Was wird passieren, wenn die Weissen die Mehrheit in den USA verlieren? Man kann sich Tagträumen hingeben, doch dies sind die Realitäten. Die Konflikte sind vorprogrammiert.

    Sicher wird Obama wie ein amerikanischer Präsident handeln. Aber das sehe ich eigentlich nicht als Problem.
    Er wird sicher auch Massnahmene ergreifen müssen im einen oder anderen Fall, die alles andere als Populär sind, nicht zuletzt, weil er eine extrem verfahrene Situation im Irak und in Afghanistan übernimmt. Und diese Situationen werden sich nicht in Wohlgefallen auflösen.
    Was mir aber ganz persönlich an ihm auffällt ist, dass er nicht über wir "guten" konservativen Amerikaner und Ihr "bösen" Araber spricht sondern darüber, dass man über unterschiedliche Ansichten sprechen kann, anstatt Terroranschläge zu verüben. Das ist kein quantitativer Unterschied im Vergleich zu Bush. Das ist eine andere Qualität, eine andere Vorgehensweise, die Chancen eröffnet anstatt Konfrontation provoziert.
    Und das sehe ich positiv. Er hat eine andere Qualität der Motivation, nicht nur im Vergleich zu seinem Vorgänger sondern auch im Vergliech zu seinen Herausforderern.
    Dass Joe Biden knallhart hinter Obama steht sehe ich auch eher positiv, da er für Entscheidungen in den Krisengebieten einen erfahrenen Mann für solche Situationen braucht. Joe Biden macht aber nicht den Eindruck auf mich, dass er persönliche Interessen und Politik so stark miteinander vermischt, wie das sein Vorgänger tat.
    Mit Kennedy würde ich Obama nicht vergleichen denn Kennedy war alles andere als eine stabile Persönlichkeit. Er verkörperte vielmehr das realitätsferne träumen der Zeit zwischen den 50er und 60er Jahren, in denen die USA die letzten Kriege gewonnen hatten (soweit man Kriege gewinnen kann) und einen bestimmten Größenwahn hatten (und mit den Amerikanern natürlich auch Deutschland).

    • keox
    • 21.01.2009 um 14:45 Uhr

    mal etwas Sachlichkeit vorzufinden.

  7. Obama müsste sich schon anstrengen etwas falscher zu machen als Bush es gemacht hat oder etwas falsch zu machen, was Bush nicht schon falsch gemacht hat. Also Kopf hoch ... es kann nur besser werden.

  8. Besten Dank für Ihre Ermahung. Ich denke nicht, dass sich die Deutschen den Illusionen der hiesigen Medien hingeben. Das ist "business as usual". Die Obama Story wird eben verkauft, so oft dies nur möglich ist. Die Flut an Artikeln gefährdet ja mittlerweile die Deiche ;), wirkliche Inhalte hat sie aber nie gebracht. Und sie haben vollkommen Recht: natürlich America first, was denn sonst.

    Übrigens, die Wahl 2004 hat Bush mit Stimmenmehrheit gewonnen, d.h. man war bereits 4 Jahre mit dem Mann vertraut der gegen Gore eigentlich unterlegen war, doch durch die tatkräftige Mithilfe von Harris und dem obersten Gerichtshof, das Präsidentenamt beanspruchen konnte. Der eigentliche Präsidentenmacher ist James Baker, ihm gebühren die Lorbeeren für diesen Coup.

    Nein, Bush war kein unbeschriebenes Blatt. Man wusste wie er an die Macht gekommen war und man hat ihn wiedergewählt. Die Gründe mögen vielseitig sein, doch eins bleibt gewiss: bei einem "glanzvollen" Sieg im Irak wäre das Phänomen Obama nicht möglich gewesen. Ist es also der Wunsch nach Veränderung oder die Erniedrigung der Niederlage, die eine Präsidentschaft entscheidet? Das eigentliche Kernthema wird aber nie wirklich angesprochen, zu stark überwiegen die aussenpolitischen Themen. Es ist dies die Rassenfrage innerhalb der USA. Wäre Clinton als Kandidatin gewählt worden, könnte es gut möglich sein, dass McCain heute Präsident wäre. Die Afroamerikaner, die Hispanics und andere Minderheiten wünschten sich einen Wandel in der Rassenfrage. Dafür haben sie Obama gewählt. Sie haben zu einer hohen Wahlbeteiligung beigetragen und es sind ihre Stimmen, die Obama den nötigen Auftrieb gaben.

    Das Verhältnis der einzelnen Bevölkerungsgruppen innerhalb der USA könnte sich trotz dieser Präsidentschaft dennoch verschlechtern. Diese Frage ist meiner Ansicht nach die grösste Aufgabe, die Obama zu bewältigen hat. Auch wenn sie im ersten Moment nicht offensichtlich ist, so ist sie nicht minder brisant als der Konflikt von 1861. Was wird passieren, wenn die Weissen die Mehrheit in den USA verlieren? Man kann sich Tagträumen hingeben, doch dies sind die Realitäten. Die Konflikte sind vorprogrammiert.

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    Ihr Artikel ist sehr interessant und inhaltlich sehr argumentativ. Vielen Dank! Es streiten sich die Geister über die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zur Wahl und ich habe hier Politikprofessoren kennen gelernt, die unterschiedliche Meinungen durchaus nachvollziehbar vertreten können. Neben Baker möchte ich eher Karl Rove in den Vordergrund stellen und ihm nicht absprechen, dass er einer der wichtigsten „Bush-Maker“ war. Ihr Thesen über den Stand Obamas, wäre der Irakkrieg glanzvoll verlaufen ist zulässig und durchaus annehmbar, aber dennoch glaube ich, dass die Wirtschaftslage und die schlechten sozialen Leistungen des Staates für die Unterschicht der Amerikaner die Ausschläge waren. Insbesondere in den Wochen vor der Wahl gingen die Themen Terrorismus und Irak eigentlich bald schon klanglos unter und das Thema ‚Wirtschaft’ mit ‚Joe the Plumber“ triumphierte. Sie werden sich an die TV-Debatten McCains und Obamas erinnern, in denen Obama punkte, weil McCain mit seiner Kriegserfahrung und dem Terrorismusthema nicht auf Interesse stieß. Stellen wir folgende These auf: War unsere Frau aus dem tiefen Alaskas ein Ausschlag für die Niederlage McCains? Wenn man die schon bald kalte Distanz McCains zu Palin in der letzten Zeit betrachtet, scheint diese These sicher annehmbar zu sein. Zur Rassenfrage möchte ich nur eines sagen: hier hätte Clinton punkten können, den bereits unter ihrem Mann galt sie mit ihm zusammen als Anwalt der Einwanderer, der Ureinwohner, der armen Bevölkerung und der Hispanics. Ich glaube aber, dass Obama aus folgenden Gründen gewählt wurde und nicht aus rassenpolitischen Aspekten: zum einen versagte McCains Vize Palin auf der ganzen Linie und das liegt offen auf der Hand. Dann leistete sich McCain einige wahlkampftaktische Schnitzer, die zum Lachen anregten. Weiterhin deckte McCain nicht die tagespolitischen Geschehnisse ab und setzte zu sehr auf Terrorismus und Irak, anstatt auf Wirtschaft, Sozialpolitik und Schulbildung. Obwohl er als liberal und ‚Bush-feindlich’ gilt, schaffte er es nicht, sich von diesem zu distanzieren und seine Linie als liberaler Republikaner zu verdeutlichen. Schließlich kam dazu, dass unser lieber Herr Bush sein Bestmöglichstes tat, um die GOP zu spalten, sie politisch zu verheizen und ihr den Ruf einer neokonservativen Partei zu verleihen. Kurzum, alles was Republikaner hieß, war und ist bei den Bürgern und bei vielen Parteimitgliedern selber meistens schon mit Unmut und Misstrauen bestraft worden. Zu recht, denn die GOP hätte sicher mehr Einfluss auf die Administration Bush ausüben können, als sie es tat. In diesem Wirrwarr kommt nun Herr Obama daher: ein junger, dynamischer und rhetorisch gut agierender Politiker, der den Amerikanern das zeigt und wiedergibt, worauf sie alle stolz sind: man schafft alles, wenn man nur will – die Tellerwäschertheorie: vom Arbeiter zum Millionär im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Mit der Hautfarbe hat das kaum etwas zu tun, obwohl ich Ihnen diesen Aspekt nicht abstreite und dieser sicher ein großer Faktor in der Wahlbeteiligung war. Insbesondere in Florida sah man die von Ihnen beschriebene Bewegung bei den Hispanics und den Einwanderern der unteren Schichten. Dennoch hätte auch ein weißer Obama das gleiche erreicht, wenn man die Gesamtumstände mitbewertet. Zu Ihrem Artikel 10 muss ich Ihnen recht geben – die Sache mit den Gründungsvätern und ihrer Sklavenhaltung wird in der Geschichtsschreibung der USA oft ein wenig ‚ignoriert’ und man scheint den Widerspruch, den Sie richtig darlegen, oft nicht ganz wahrhaben zu wollen.

    Ihr Artikel ist sehr interessant und inhaltlich sehr argumentativ. Vielen Dank! Es streiten sich die Geister über die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zur Wahl und ich habe hier Politikprofessoren kennen gelernt, die unterschiedliche Meinungen durchaus nachvollziehbar vertreten können. Neben Baker möchte ich eher Karl Rove in den Vordergrund stellen und ihm nicht absprechen, dass er einer der wichtigsten „Bush-Maker“ war. Ihr Thesen über den Stand Obamas, wäre der Irakkrieg glanzvoll verlaufen ist zulässig und durchaus annehmbar, aber dennoch glaube ich, dass die Wirtschaftslage und die schlechten sozialen Leistungen des Staates für die Unterschicht der Amerikaner die Ausschläge waren. Insbesondere in den Wochen vor der Wahl gingen die Themen Terrorismus und Irak eigentlich bald schon klanglos unter und das Thema ‚Wirtschaft’ mit ‚Joe the Plumber“ triumphierte. Sie werden sich an die TV-Debatten McCains und Obamas erinnern, in denen Obama punkte, weil McCain mit seiner Kriegserfahrung und dem Terrorismusthema nicht auf Interesse stieß. Stellen wir folgende These auf: War unsere Frau aus dem tiefen Alaskas ein Ausschlag für die Niederlage McCains? Wenn man die schon bald kalte Distanz McCains zu Palin in der letzten Zeit betrachtet, scheint diese These sicher annehmbar zu sein. Zur Rassenfrage möchte ich nur eines sagen: hier hätte Clinton punkten können, den bereits unter ihrem Mann galt sie mit ihm zusammen als Anwalt der Einwanderer, der Ureinwohner, der armen Bevölkerung und der Hispanics. Ich glaube aber, dass Obama aus folgenden Gründen gewählt wurde und nicht aus rassenpolitischen Aspekten: zum einen versagte McCains Vize Palin auf der ganzen Linie und das liegt offen auf der Hand. Dann leistete sich McCain einige wahlkampftaktische Schnitzer, die zum Lachen anregten. Weiterhin deckte McCain nicht die tagespolitischen Geschehnisse ab und setzte zu sehr auf Terrorismus und Irak, anstatt auf Wirtschaft, Sozialpolitik und Schulbildung. Obwohl er als liberal und ‚Bush-feindlich’ gilt, schaffte er es nicht, sich von diesem zu distanzieren und seine Linie als liberaler Republikaner zu verdeutlichen. Schließlich kam dazu, dass unser lieber Herr Bush sein Bestmöglichstes tat, um die GOP zu spalten, sie politisch zu verheizen und ihr den Ruf einer neokonservativen Partei zu verleihen. Kurzum, alles was Republikaner hieß, war und ist bei den Bürgern und bei vielen Parteimitgliedern selber meistens schon mit Unmut und Misstrauen bestraft worden. Zu recht, denn die GOP hätte sicher mehr Einfluss auf die Administration Bush ausüben können, als sie es tat. In diesem Wirrwarr kommt nun Herr Obama daher: ein junger, dynamischer und rhetorisch gut agierender Politiker, der den Amerikanern das zeigt und wiedergibt, worauf sie alle stolz sind: man schafft alles, wenn man nur will – die Tellerwäschertheorie: vom Arbeiter zum Millionär im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Mit der Hautfarbe hat das kaum etwas zu tun, obwohl ich Ihnen diesen Aspekt nicht abstreite und dieser sicher ein großer Faktor in der Wahlbeteiligung war. Insbesondere in Florida sah man die von Ihnen beschriebene Bewegung bei den Hispanics und den Einwanderern der unteren Schichten. Dennoch hätte auch ein weißer Obama das gleiche erreicht, wenn man die Gesamtumstände mitbewertet. Zu Ihrem Artikel 10 muss ich Ihnen recht geben – die Sache mit den Gründungsvätern und ihrer Sklavenhaltung wird in der Geschichtsschreibung der USA oft ein wenig ‚ignoriert’ und man scheint den Widerspruch, den Sie richtig darlegen, oft nicht ganz wahrhaben zu wollen.

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