Jurastudium Am Ende des SonderwegsSeite 3/3
Dieses Argument ist auch Uwe Döring stets das liebste. In Diskussionsrunden, in denen er für die Reform wirbt, kokettiert er mit dem Hinweis, er sei schließlich nicht nur Justiz-, sondern auch Arbeitsminister. »Und das Heer von Taxifahrern mit Juraabschluss ist erschreckend groß.« Das traditionelle Studium sei zu sehr auf die drei reglementierten Berufe zugeschnitten, dabei lande nur noch die Minderheit der Absolventen in einem von ihnen. Dem widerspricht Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) mit Nachdruck: »Ich habe mit der Lupe nach all den angeblich Taxi fahrenden Juristen gesucht. Gefunden habe ich sie nirgendwo.«
Spätestens seit der Berliner Justizministerkonferenz haben allerdings auch die glühendsten Verteidiger des Status quo die Zeichen der Zeit erkannt und ihre Rhetorik angepasst. Zwar lässt Staatsministerin Merk immer noch keine Gelegenheit aus, gegen »die Fesseln von Bologna« zu wettern und zu bekräftigen, dass die Rechtswissenschaft die Umstellung nicht brauche. Doch für den Fall, dass sie die Reform nicht verhindern könne, fügt sie hinzu, werde sie zumindest peinlichst darauf achten, »dass die Ansprüche an die Qualität nicht aufgegeben werden«.
Was nur zu verständlich wäre. Denn vielerorts ist von den hochfliegenden Träumen der Bologna-Fans in der Realität nicht viel übrig geblieben: Überregulierte, mit Stoff vollgestopfte Studienprogramme haben nach Daten des Hochschul-Informations-Systems (HIS) die Abbrecherquoten in einigen Fächern sogar in die Höhe getrieben, in ihrer zeitlichen und inhaltlichen Enge haben sie zudem die früher so beliebten Auslandssemester fast unmöglich gemacht.
Natürlich gibt es auch viele Erfolgsbeispiele, doch selbst Minister Döring kann seiner Kollegin nicht widersprechen, wenn Beate Merk sagt: »Die Reformwirklichkeit an vielen Hochschulen spricht eine deutliche Sprache. Und zwar gegen die Reform.« Darum übt Uwe Döring sich lieber in Optimismus: »Weil die Rechtswissenschaften die Reform so lange aufgeschoben haben, haben sie jetzt die Gelegenheit, von den Fehlern der anderen zu lernen und es von Anfang an besser zu machen.«
Zeit zum Lernen bleibt noch genug. Bis »spätestens 2011«, so beschlossen die Justizminister, soll der für die Juristenausbildung zuständige Koordinierungsausschuss seine Reformvorschläge vorlegen. Der wenig ehrgeizige Zeitplan war ein kleiner Sieg der Bologna-Gegner auf der Konferenz. Es dürfte ihr letzter gewesen sein.
- Datum 07.07.2009 - 19:20 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 22.01.2009 Nr. 05
- Kommentare 21
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Jura, Jura, Jura; leider scheint es in der Zeit Campus Rubrik kaum ein anderes Thema zu geben als die Juristen, deren Ausbildung und man höre und staune - rappende Juraprofessoren. Woran liegt das eigentlich? Haben die Redakteure alle selber Jura studiert? Da wünscht man sich gerade hinsichtlich des Bologna Prozesses doch etwas mehr Vielfalt in der Berichterstattung; verschiedene Studiengänge gibt es zu genüge. Wie wäre es mal mit Biologie, Gartenbau oder Architektur (alles so genannte MINT Fächer, deren Absolventen trotzdem oft Taxifahren). Oder mit einer Reportage über Gegenwart und Zukunft der Soziologie als Universitätsdisziplin. Abseits der Juristerei gibt es ausreichend Themenstoff im Bereich der Hochschulen, bitte mehr Abwechslung.
daß Sie gern in jeder Ausgabe alles behandelt sehen wollen? Ich finde eine von Ausgabe zu Ausgabe vorgenommene Schwertpunktsetzung nicht verkehrt, im Gegenteil.
daß Sie gern in jeder Ausgabe alles behandelt sehen wollen? Ich finde eine von Ausgabe zu Ausgabe vorgenommene Schwertpunktsetzung nicht verkehrt, im Gegenteil.
daß Sie gern in jeder Ausgabe alles behandelt sehen wollen? Ich finde eine von Ausgabe zu Ausgabe vorgenommene Schwertpunktsetzung nicht verkehrt, im Gegenteil.
Pardon.
Pardon.
Pardon.
Natürlich, muss ein Akademiker Taxifarer sein, ist immer das System schuld. Denn zu einem Examen gehört natürlich eine Jobgarantie. Da muss halt niveaumäßig angepasst werden. Man sieht es an der Gesetzgebung, die ständig von denen korrigiert werden muss, die nach alten Systemen gelernt haben. BHG und BVerfg.
Und zunehmend ist die Juristerei der politischen Strategie unterworfen. Die alte Idee der gleichberechtigten Individuen schwindet. Wir sind ja alle nur noch Verbraucher, die gefälligst geschützt werden müssen.
Des weiteren wird, wie jüngst zur Hatz IV Praxis mitgeteilt, die Rechtsprechung erst gar nicht beachtet. Also ein Aufgabengebiet für Juristen. Vielleicht sollten einige eine Zusatzqualifikation in Erwägung ziehen.
Und: In den traditionellen Bachelor Ländern ist es nicht leichter Anwalt oder gar Richter zu werden. Wer meint, eine geringere Qualifikation erhöhe die Jobchancen, irrt. Und das ist auch gut so.
"Denn zu einem Examen gehört natürlich eine Jobgarantie."
Natürlich ist das so - kann auch gar nicht anders sein in einem Gemeinwesen, das durchwegs von Anspruchsgrundlagen durchzogen ist. Damit meine ich keinesfalls die zivilrechtlichen solchen, sondern die Ansprüche, die das "System" allein durch seine Existenz hervorzurufen geneigt macht.
Ein System, das gewohnheitsmäßig jeden bemuttert, bevätert, beonkelt - ja welche Gewächse reifen denn unter diesem Strahlenkranz gutmenschlicher Wohlfühlseligkeit heran?
Unter anderem solche, die wie selbstverständlich erwarten, daß sie mit dem Examen in der Tatsche auf der Überholspur in Richtung "ziemlich weit oben, wofür hab' ich denn studiert" unterwegs sind.
"Denn zu einem Examen gehört natürlich eine Jobgarantie."
Natürlich ist das so - kann auch gar nicht anders sein in einem Gemeinwesen, das durchwegs von Anspruchsgrundlagen durchzogen ist. Damit meine ich keinesfalls die zivilrechtlichen solchen, sondern die Ansprüche, die das "System" allein durch seine Existenz hervorzurufen geneigt macht.
Ein System, das gewohnheitsmäßig jeden bemuttert, bevätert, beonkelt - ja welche Gewächse reifen denn unter diesem Strahlenkranz gutmenschlicher Wohlfühlseligkeit heran?
Unter anderem solche, die wie selbstverständlich erwarten, daß sie mit dem Examen in der Tatsche auf der Überholspur in Richtung "ziemlich weit oben, wofür hab' ich denn studiert" unterwegs sind.
"Denn zu einem Examen gehört natürlich eine Jobgarantie."
Natürlich ist das so - kann auch gar nicht anders sein in einem Gemeinwesen, das durchwegs von Anspruchsgrundlagen durchzogen ist. Damit meine ich keinesfalls die zivilrechtlichen solchen, sondern die Ansprüche, die das "System" allein durch seine Existenz hervorzurufen geneigt macht.
Ein System, das gewohnheitsmäßig jeden bemuttert, bevätert, beonkelt - ja welche Gewächse reifen denn unter diesem Strahlenkranz gutmenschlicher Wohlfühlseligkeit heran?
Unter anderem solche, die wie selbstverständlich erwarten, daß sie mit dem Examen in der Tatsche auf der Überholspur in Richtung "ziemlich weit oben, wofür hab' ich denn studiert" unterwegs sind.
ZEIT-Redakteur Wiarda reitet wieder mal sein Lieblings-Steckpferd, das journalistische Durchpeitschen des Bachelors, ausgerüstet mit einer gut gefüllten Kiste voller journalistischen Tricks, wie man durch geschicktes Formulieren die Faktenlage in ihr Gegenteil verdrehen kann. Viel Feind, viel Ehr' ist wohl das Motto, denn ausser bei den Vasallen der Bertelsmann-Stiftung kann von einer wachsenden Akzeptanz des Bachelors unter Fachleuten keine Rede sein.
Aber das schreckt Herrn Wiarda nicht: er weiss es besser, denn er hat (wenn ich da richtig informiert bin) selbst auch einen Master-Abschluss. Und wenn es einem guten Zweck dient, den selbstlosen Zielen derjenigen nämlich, die vom Umstrukturieren und Reformieren leben, dann kann man ja schon mal auf das sorgfältige Abwägen des Für und Wider verzichten. Viel schöner ist es ja, darüber zu schreiben, dass man eine Handvoll Leute gefunden hat, die auch für den Bachelor eintreten. Wer lesen kann, der lese: einzelne Stimmen, die es natürlich auch unter Juristen gibt, äußern sich optimistisch über den Bachelor, und für Herrn Wiarda ist das gleich ein Trendwende. Selbst diejenigen, die ausgesprochene Kritiker des Bachelor sind, z.B. Ministerin Merk, werden in Wiardas Text bei oberflächlichem Lesen zu Befürwortern. Aus der Tatsache, dass die Justizministerkonferenz sich (völlig zu recht) vornimmt, die Möglichkeiten und Konsequenzen der Bachelor-Master-Struktur zu prüfen (!!) konstruiert Herr Wiarda, dass irgendwelche Bastionen gefallen sind. Liebe ZEIT: seriöser Journalismus ist das nicht!
(Anmerkung: Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk)
Es war einmal eine Institution, die nannte man „Universität“. Da zogen viele junge Leute hin, um das zu genießen, was man die „akademische Freiheit“ nannte. Sie lasen Bücher, diskutierten und tranken Kaffee. Sie besuchten die Vorlesungen der Professoren oder auch nicht, denn es bestand keine Pflicht dazu. Es gab Übungen und Seminare, bei denen man tunlichst nicht allzu oft fehlen sollte. Man schrieb Seminararbeiten, ab und zu war eine Prüfung zu bestehen und am Ende noch eine Abschlussarbeit zu schreiben. Dann erhielt man eine Urkunde und hatte damit alle Chancen, eine gute Stelle zu erhalten. So vergingen zweihundert Jahre. Da setzte auf einmal ein Unwetter ein, und es hagelte Bestimmungen zur Umstrukturierung sämtlicher Studiengänge. Das Unwetter erhielt den Namen „Bologna“ und machte dem schönen Leben schnell ein Ende.
Hier geht es weiter: http://www.faz.net/s/RubC...
Das Verhalten der ZEIT, als Propagandaorgan der Bertelsmann Stiftung, daß sie auch bei anderen Themen unter Beweis gestellt hat (z.B Lissabon-Vertrag), ist mehr als peinlich. (Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen dieser Art. Die Redaktion/jk)
Ihren Artikel in der FAZ habe ich gelesen, kann es nachvollziehen. Den Entschluss, auszusteigen, sollten Sie m. E., ohne mich aufdrängen zu wollen und meine folgenden Ausführungen vielleicht gar nicht teilen, noch einmal überdenken.
Gerade jetzt werden Menschen mit Ihrer Einstellung gebraucht. Und zwar an dem Platz, wo sie sind und mit dem, was sie gelernt haben. Denn Bologna ist überall. Bei den Regierenden in Europa und Deutschland, an den Schulen, in der Arbeitswelt und sogar im Zuge von Hartz IV.
Durch die Zunahme der Verteilungskämpfe, in Deutschland gerne auf die Globalisierung geschoben, entwickelt sich der ehemalige Sozialstaat und seine "Nebenstellen" zum bevormundenen Versorger und Bestimmer. Paradoxer ausgerechnet jetzt, wo die Anzahl der in seinen Diensten stehenden Akademiker noch nie so hoch war. Eigentlich müsste diese Tatsache ein Garant für Flexibilität bei der maximalen Suche nach der möglichen "Freiheit" sein.
Aber nein, neue Bedrohungen, neue, den Einzelnen und die Gesellschaft verändern sollende (natürlich zum Guten) Ziele und "politische" Notwendigkeiten, erfordern Bevormundungen und Regeln und ein gesellschaftliches Klima, für deren Boden früher eher geplante oder aufgezwungene Kriege verantwortlich waren. Immer verbunden natürlich mit dem Anspruch, die letzten Wahrheiten der Welt gefunden zu haben.
Und in einer solchen Situation haben die Populisten der Gleichheit, die letztendlich zur Entmündigung führt, Konjunktur. Es enthebt sie der wirklich anstrengenden Arbeit, Veränderung und Entwicklung zuzulassen und auszuhalten, und sie schaffen willfährige Diener zur Bewahrung der Pfründe. Mal sehen, wer sie jetzt aus ihren Tempeln vertreibt. Vielleicht bleibt nur Beharrlichkeit.
Ihren Artikel in der FAZ habe ich gelesen, kann es nachvollziehen. Den Entschluss, auszusteigen, sollten Sie m. E., ohne mich aufdrängen zu wollen und meine folgenden Ausführungen vielleicht gar nicht teilen, noch einmal überdenken.
Gerade jetzt werden Menschen mit Ihrer Einstellung gebraucht. Und zwar an dem Platz, wo sie sind und mit dem, was sie gelernt haben. Denn Bologna ist überall. Bei den Regierenden in Europa und Deutschland, an den Schulen, in der Arbeitswelt und sogar im Zuge von Hartz IV.
Durch die Zunahme der Verteilungskämpfe, in Deutschland gerne auf die Globalisierung geschoben, entwickelt sich der ehemalige Sozialstaat und seine "Nebenstellen" zum bevormundenen Versorger und Bestimmer. Paradoxer ausgerechnet jetzt, wo die Anzahl der in seinen Diensten stehenden Akademiker noch nie so hoch war. Eigentlich müsste diese Tatsache ein Garant für Flexibilität bei der maximalen Suche nach der möglichen "Freiheit" sein.
Aber nein, neue Bedrohungen, neue, den Einzelnen und die Gesellschaft verändern sollende (natürlich zum Guten) Ziele und "politische" Notwendigkeiten, erfordern Bevormundungen und Regeln und ein gesellschaftliches Klima, für deren Boden früher eher geplante oder aufgezwungene Kriege verantwortlich waren. Immer verbunden natürlich mit dem Anspruch, die letzten Wahrheiten der Welt gefunden zu haben.
Und in einer solchen Situation haben die Populisten der Gleichheit, die letztendlich zur Entmündigung führt, Konjunktur. Es enthebt sie der wirklich anstrengenden Arbeit, Veränderung und Entwicklung zuzulassen und auszuhalten, und sie schaffen willfährige Diener zur Bewahrung der Pfründe. Mal sehen, wer sie jetzt aus ihren Tempeln vertreibt. Vielleicht bleibt nur Beharrlichkeit.
"Der Bachelor ist der Studienabschluß für Studienabbrecher... Auf dem Papier, das heißt in den OECD-Statistiken, werden sich die zahlreichen Bachelors dann auch ziemlich gut machen... Zu den besonders pikanten Aspekten des Bologna-Prozesses gehört die Anrechnung von Studienleistungen nach dem European Credit Transfer System... Es gehört zu den Ironien der Weltgeschichte, dass die Marxsche Arbeitswertlehre, die von den Wirtschaftswissenschaften mit Abscheu ad acta gelegt wurde, in der europäischen Bildungsplanwirtschaft fröhliche Urständ feiert: Der Wert eines Studiums bemisst sich nach der dafür aufgewendeten durchschnittlichen Arbeitszeit" Konrad Paul Liessmann, Theorie der Unbildung, Wien: Paul Zsolnay 2006.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren