Mode Wie ziehe ich meine Kinder an?Wie schön kann die Kindheit sein?

Sie müssen sich ja nicht kleiden wie ihre Eltern, aber kann man Kindern nicht wenigstens ein bisschen Geschmack beibringen? Eine Mutter über ihren täglichen Kampf gegen das Bunte, Schrille, Schlechte

Von Ilka Piepgras Fotos Nan Goldin

Rosa und hellblau sind bei Kindern sehr beliebt - viele Eltern würden diese Farben am liebsten aus den Schränken verbannen

Rosa und hellblau sind bei Kindern sehr beliebt - viele Eltern würden diese Farben am liebsten aus den Schränken verbannen

Neulich zum Beispiel gab es wieder so eine Situation. Am Flughafen kaufe ich meiner Tochter als Mitbringsel die heiß ersehnte Armbanduhr. Die Farbwahl fällt auf dezentes Dunkelblau. Bei der Gepäckkontrolle überkommen mich erste Zweifel. Warum habe ich nicht Pink oder Gelb genommen, ihre Lieblingsfarben? Kurz vorm Gate kehre ich um und renne zurück zum Uhrengeschäft. Die Uhr, die ich nach Hause bringe, ist mädchenrosa.

Solange meine Kinder klein waren, habe ich über Geschmacksfragen hemmungslos allein entschieden. Inzwischen sind sie fünf Jahre alt und finden nur das schön, was andere Kinder schön finden. Das sind Fußballtrikots bei den Jungen und die Farben Pink, Hellpink und Dunkelpink bei den Mädchen. Jetzt streiten, argumentieren, verhandeln wir.

Wenn mein Sohn das ockerfarbene Polizei-T-Shirt aus Polyester anzieht, auf dem von Handschellen über Handy bis zum Dienstabzeichen alles aufgedruckt ist, was ein Polizist braucht – dann trägt er am nächsten Tag zum Ausgleich den Rollkragenpullover, in dem sich schon erahnen lässt, was für ein existenzialistischer Herzensbrecher der Junge mit 18 sein wird.

Wir arrangieren uns (ist das nicht ohnehin das, was das Kinderhaben wie das Elternhaben ausmacht?). Das Arrangieren ist notwendig, denn unser Geschmack kollidiert ja nicht nur in Kleidungsfragen, sondern auch beim Essen und bei Büchern. Ohne sanften Druck essen Kinder kein Dinkelbrötchen. Genauso wenig ziehen sie Wolf Erlbruchs wunderbar gezeichnetes Bilderbuch über die großen Fragen des Lebens aus dem Regal, wenn Piratenbücher und Prinzessinnengeschichten danebenstehen. Sie tun es, um mir zu gefallen. Oder weil ich darauf bestehe. Meist Letzteres.

Natürlich würde ich jederzeit bestreiten, dass es mir um mütterliche Rechthaberei geht, und vehement mein hehres Motiv verteidigen: Ich möchte meinen Kindern Sinn für Schönheit und Qualität vermitteln, will ihnen Stilbewusstsein mit auf den Weg geben. Aber kann ich das? Lohnt sich das mühsame Gegensteuern? Ist so etwas wie "Stilbildung" in der Kindheit möglich? Können Kinder Geschmack entwickeln, oder verschenken sie ihr Herz grundsätzlich an die grellen, kitschigen, hässlichen Dinge?

Gudrun Schwarz, Professorin für Pädagogische Psychologie an der Universität Gießen, lacht bei der Frage, ob man den Geschmack von Kindern schulen kann, kurz auf. Dann antwortet sie mit einer Gegenfrage: "Wer will seinen Kindern denn so was antun?" Mit der Autorität einer Wissenschaftlerin erklärt mir Frau Schwarz, dass man ein Kind nur dann dazu bekommt, sagen wir, karierte Oberhemden zu mögen, wenn man es in einem karierten Oberhemd in einen Käfig sperrt. Sie erwähnt eine Studie aus Kamerun, in der das Nachahmungsverhalten von Kindern erforscht wurde: In der dortigen Kultur gibt es keine Spielsachen, allenfalls Gebrauchsgegenstände. Weil die Kinder es gewohnt seien, sich etwa mit Löffel oder Kochtopf anstatt mit Würfel oder Ball zu beschäftigen, hätten sie kein Bedürfnis danach.

"Kinder sind geprägt von ihrer Umwelt. Sie wollen das, was ihnen ihr soziales Umfeld nahelegt, also Kindergarten und Schule. Kleidung signalisiert Gruppenzugehörigkeit, und gerade im Vorschulalter, wenn sich die Identität noch festigen muss, stehen Kinder stark unter dem Einfluss anderer Kinder", sagt Frau Schwarz. "In der Pubertät können sie sich dann von der Gruppe entfernen. Geschmack wird als Teil der Identitätssuche wichtig. Der Stil der Eltern bleibt in dieser Zeit Referenz – meistens allerdings, um sich davon abzugrenzen."

Das klingt nicht so, als könnten Eltern maßgeblich auf die Stilbildung ihrer Kinder einwirken. Das wäre auch gar nicht nötig – wenn guter Geschmack in den Genen läge wie Musikalität oder andere Talente. "Definitiv nicht in den Genen", winkt die Wissenschaftlerin ab. Gleichwohl präge das Elternhaus unbewusst den Geschmack der Kinder – die Wirkung trete allerdings erst etwa zwanzig Jahre später ein: "Der Stil, den man als Kind zu Hause erlebt, ist eine lebenslange Referenz."

Die Aussicht auf den späten Triumph ist tröstlich – aber für meinen Alltag wenig hilfreich. Der kommt mir manchmal vor wie eine endlose Abwehrschlacht gegen Kinderfilmhelden, die sich als Trinkflaschenmotive, T-Shirt-Aufdrucke und Embleme auf Schulranzen ins Bewusstsein meiner Kinder drängeln. In fast allen Spielzeugläden gibt es Merchandisingprodukte von Spiderman, Lillifee, Hello Kitty, den Wilden Kerlen und ihren Verbündeten. Sie alle sind meine Feinde und scheinen es sich zum Ziel gesetzt zu haben, aus meinen Kindern Lemminge zu machen, die den kollektiven Stiltod sterben. Und ja, leider: Meine Kinder fallen auf das plumpe Kalkül der Produktdesigner herein – für sie ist ein Radiergummi nur dann ein guter Radiergummi, wenn Spongebob, Bob der Baumeister oder sonst eine Figur drauf zu sehen ist.

Wollte ich meine Kinder von meinen Feinden ernsthaft fernhalten, müsste man in einer Blase leben. Das gelingt allenfalls überzeugten Anthroposophen, die mit Hilfe von Bioläden, Waldorfschulen und Homöopathen eine Parallelexistenz zur Masse führen. Oder Stil-Faschisten, die ihren Kindern Miniaturausgaben von Bauhausmöbeln ins Zimmer stellen und sie mit farblich auf die Einrichtung abgestimmten Designerbauklötzen spielen lassen. Auch wenn mir der Anblick dieser durchgestylten Kinderzimmer einen gewissen Respekt einflößt, erinnert er mich an die Sterilität eines Krankenhauszimmers.

Können Kinder, die so aufwachsen, wirklich Stilbewusstsein entwickeln, wenn sie doch nichts ausprobieren, nichts vergleichen dürfen? Und was, um Himmels willen, machen diese Familien, wenn das Kind zum Geburtstag das Traumschloss von Barbie geschenkt bekommt? Bei diesen Gelegenheiten jedenfalls sind in unserem Haushalt eine Menge Plastik und Kitsch gelandet, und im Kleiderschrank meiner Kinder finden sich auch ein paar Geschmacklosigkeiten. Zum Beispiel das Hello-Kitty-Kopftuch, das es neulich als kostenlose Zugabe zu einer Kinderzeitschrift gab. Es sieht aus wie ein Bratschlauch aus feuerrotem Synthetikmaterial und kommt zum Einsatz, wenn meiner Tochter ein Kleidungsstück zu schlicht und langweilig erscheint. Also ziemlich oft.

Erst die Aufklärung hat die Kindheit als eigenen Lebensabschnitt entdeckt. Bis zur Französischen Revolution waren Kinder das verkleinerte Abbild ihrer Eltern. "Die Natur will, dass Kinder Kinder seien!", forderte Jean-Jacques Rousseau 1762. Da erst begann man sich Gedanken über Kleidung für den Nachwuchs zu machen. Auf die Befreiung von Perücke, Schnürleib und Reifrock antwortete die bürgerliche Gesellschaft jedoch mit einer neuen Form der Unterdrückung: Kinder wurden instrumentalisiert für das elterliche Repräsentationsbedürfnis. Weiße Spitzenkleider und Hüte für die Mädchen, Matrosenanzüge für die Jungen. Erst als sich in den siebziger Jahren Jeans und T-Shirts durchsetzten, kamen Kinder- und Erwachsenenkleidung wieder einander näher.

Heute orientieren sich Erwachsene in ihrem Kleidungsstil an den Jüngeren, um die eigene Jugendlichkeit zu unterstreichen – oder sie übertragen die eigenen modischen Ideale ungebrochen auf ihre Kinder und staffieren sie wie ihresgleichen aus. Deshalb erinnern Kleidungsstücke in den Kinderetagen von H&M und Zara oft an entsprechende Modelle aus der Erwachsenenabteilung, die beim Waschen eingegangen sind. Designer wie Marc Jacobs entwerfen neuerdings Kindermode, und Luxusmarken wie Dior und Burberry erweitern ihre Kinderkollektionen. Die Modebranche hat ein lukratives Segment entdeckt. Die Zielgruppe: späte, gut verdienende Eltern. Denn wer spät im Leben sein erstes und zumeist einziges Kind bekommt, der stattet es gerne aufwendig aus – und kann es sich auch leisten. Ähnlich wie Handtaschen trägt man Kinder als teures Accessoire zur Schau.

Und ich? Will mich weder Markenterror noch Massengeschmack beugen und suche sehnsüchtig nach Inseln im Meer der Durchschnittsware. "Hase weiss", ein winziger Laden in Berlin, ist so eine Insel. Wenn meine Tochter mal wieder ihren Bratschlauch angelegt hat, finde ich in dieser kleinen Idylle Trost. Ich stöbere in handgefertigten oder aus Frankreich importierten Spielwaren. Ich streiche zärtlich über Puppenmöbel, die im Großformat auch tadellos ins reale Townhouse einer großstädtischen Familie passen würden. Ich stelle mir vor, dass ich selbst wieder Kind bin und die beweglichen Treppen der dazugehörigen Puppenstuben verschiebe, bis ich zufrieden bin mit meinem kleinen Anwesen.

Ob die Chefin des Ladens mir sagen kann, wie man das ästhetische Bewusstsein seiner Kinder schult? Anna Pfeiffer heißt sie und ist eigentlich Architektin. "Es funktioniert wie die ganze Erziehung: Man drückt seinen Kindern die eigene Weltanschauung auf", sagt sie, "ein Kind kommt ja auch nicht sozial zur Welt, sondern man muss nachhelfen." Mit dieser Ansicht bewegt man sich natürlich auf einem schmalen Grat: Bei der Einschulung, erzählt Anna Pfeiffer, brach ihre Tochter in Tränen aus, als sie in ihrer – aus hinreißend schönem italienischen Papier geklebte – Schultüte eine selbst gemachte Stiftetasche fand. "Immer musst du alles selbst machen!", schimpfte das Kind, tief enttäuscht.

Zeugt es gleich von einem Erziehungsdesaster, wenn man die eigenen Sehnsüchte auf die Kinder überträgt? Nutzt nicht jeder die Bekleidung der eigenen Kinder ein bisschen zur Selbstdarstellung? Da sieht man Mädchen, die schon im Krabbelalter in schwere Lederjacken gezwängt werden, und kleine Jungen in tiefsitzenden Jeans an der Hand von betont coolen Eltern. Und wer seine Kinder als Rotznasen stilisiert, will vermutlich nachholen, was er in der eigenen angepassten Kindheit versäumt hat. Wenn Angelina Jolie ihre Kinder mit Irokesenfrisuren und Zottelmähnen fotografieren lässt, möchte sie die Hippie-Aura ihres Clans unterstreichen. Und wenn die Töchter von Madonna und Katie Holmes in Miniatur-Designermodellen herumlaufen, dient das ihren markenbesessenen Müttern als Stilausweis.

Ich selbst habe meinen Kindern neulich superlässige Jeans von Marc Jacobs gekauft. Es war kein großer Erfolg. Mein Sohn hat Schwierigkeiten, die rutschigen Designerknöpfe der Designerhose ins Designerknopfloch zu manövrieren, meine Tochter stört, dass die extraweite Schlaghose beim Laufen lästig ums Bein schlackert. Kleine Rückschläge. Aber ich gebe nicht auf.

Wie viel Design verträgt das Kind? Diskutieren Sie mit auf www.zeit.de/kinder-mode

 
Leser-Kommentare
    • Moni M
    • 22.01.2009 um 10:55 Uhr

    So, so, Sie haben also Stil. Glauben Sie. Und den wollen sie vermitteln.

    Vielleicht liegt da schon der Kardinalfehler.

    Wären Sie in Westafrika, würden Sie Ihren Mädchen Tonteller in die Unterlippe schieben. Wären Sie hingegen in Südostafrika müssten Ihre Mädchen Halsringe tragen, damit sie ein giraffenhaftes Aussehen bekommen.
    Was dann die Männchen zu vermehrter Paarungbereitschaft treibt. Was ja letzten Endes der Sinn des ganzen Spiels ist. Oder sehen Sie das anders? Reine Ästhetik, vermutlich, oder?

    Psychologisch gesehen betreiben Sie entweder vorgezogene Partnerwahl, da Sie den Kleidungscode Ihrer erwünschten sozialen Schicht propagieren.

    Oder es ist einfach Kindesmissbrauch: Puppenspielen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kleiderwahl -und das sei einmal ohne jede Wertung ausgedrückt- ist letztlich immer nur Ausdruck des Selbstverstädnis. Da unterscheiden sich weder Berliner, noch Designerkleiderträger noch Lehrer.

    Lehrer: das verlotterte Auftreten (Birkenstocks etc.) zeigt den Respekt, den der Lehrer seinem Job gegenüber hat.

    Berliner: Wolf Jobst Siedler hat einmal eine Wette abgeschlossen, innerhalb einer bestimmten Zeit auf dem Berliner Ku'damm (!) niemanden mit Krawatte zu sehen. Auch Ausdruck des Selbstverstädnis - eine verkommene Stadt, die vom Rest der Republik alimentiert wird.

    Designerkleiderträger (insb. die, wo der Name ganz gross drauf steht): die sind nicht mehr als ihre Kleider.

    Aber, lassen wir jeden so rumlaufen, wie er es gern hat. Das zeigt (und nun kommt sicher wieder der Vorwurf der Oberflächlichkeit) wieder: Kleidung ist Ausdruck des Selbstverstädnis.

    Ist "Männchen" nicht genau wie "Weibchen" ein Begriff der eher in Verbindung mit dem Tierreich benutzt wird?
    Ist die Gleichung also:
    Tellerlippe= primitiv = eher Tier als Mensch= Westafrikaner eher Tier als Mensch?

    Mit der Folgegleichung:
    Kinder anziehen = Kindern Tellerlippe verpassen = primitiv?

    Klingt irgendwie nicht gut. Das wollten Sie doch nicht wirklich zum Ausdruck bringen?

    Sollte man sich und andere etwa am besten garnicht ankleiden um nicht dem primitiven Paarungsverhalten zu verfallen?

    Kleiderwahl -und das sei einmal ohne jede Wertung ausgedrückt- ist letztlich immer nur Ausdruck des Selbstverstädnis. Da unterscheiden sich weder Berliner, noch Designerkleiderträger noch Lehrer.

    Lehrer: das verlotterte Auftreten (Birkenstocks etc.) zeigt den Respekt, den der Lehrer seinem Job gegenüber hat.

    Berliner: Wolf Jobst Siedler hat einmal eine Wette abgeschlossen, innerhalb einer bestimmten Zeit auf dem Berliner Ku'damm (!) niemanden mit Krawatte zu sehen. Auch Ausdruck des Selbstverstädnis - eine verkommene Stadt, die vom Rest der Republik alimentiert wird.

    Designerkleiderträger (insb. die, wo der Name ganz gross drauf steht): die sind nicht mehr als ihre Kleider.

    Aber, lassen wir jeden so rumlaufen, wie er es gern hat. Das zeigt (und nun kommt sicher wieder der Vorwurf der Oberflächlichkeit) wieder: Kleidung ist Ausdruck des Selbstverstädnis.

    Ist "Männchen" nicht genau wie "Weibchen" ein Begriff der eher in Verbindung mit dem Tierreich benutzt wird?
    Ist die Gleichung also:
    Tellerlippe= primitiv = eher Tier als Mensch= Westafrikaner eher Tier als Mensch?

    Mit der Folgegleichung:
    Kinder anziehen = Kindern Tellerlippe verpassen = primitiv?

    Klingt irgendwie nicht gut. Das wollten Sie doch nicht wirklich zum Ausdruck bringen?

    Sollte man sich und andere etwa am besten garnicht ankleiden um nicht dem primitiven Paarungsverhalten zu verfallen?

  1. Kleiderwahl -und das sei einmal ohne jede Wertung ausgedrückt- ist letztlich immer nur Ausdruck des Selbstverstädnis. Da unterscheiden sich weder Berliner, noch Designerkleiderträger noch Lehrer.

    Lehrer: das verlotterte Auftreten (Birkenstocks etc.) zeigt den Respekt, den der Lehrer seinem Job gegenüber hat.

    Berliner: Wolf Jobst Siedler hat einmal eine Wette abgeschlossen, innerhalb einer bestimmten Zeit auf dem Berliner Ku'damm (!) niemanden mit Krawatte zu sehen. Auch Ausdruck des Selbstverstädnis - eine verkommene Stadt, die vom Rest der Republik alimentiert wird.

    Designerkleiderträger (insb. die, wo der Name ganz gross drauf steht): die sind nicht mehr als ihre Kleider.

    Aber, lassen wir jeden so rumlaufen, wie er es gern hat. Das zeigt (und nun kommt sicher wieder der Vorwurf der Oberflächlichkeit) wieder: Kleidung ist Ausdruck des Selbstverstädnis.

    Antwort auf "Puppenspielen?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihre Verallgemeinerungen zeigen, daß Ihr Wahrnehmen und Denken nicht auf Stil gegründet ist. Die Wahl der Denkfiguren und der Worte ist jedoch noch wichtiger als die Auswahl der Kleidung.
    ___________________
    Lyriost – Madentiraden

    Ihre Verallgemeinerungen zeigen, daß Ihr Wahrnehmen und Denken nicht auf Stil gegründet ist. Die Wahl der Denkfiguren und der Worte ist jedoch noch wichtiger als die Auswahl der Kleidung.
    ___________________
    Lyriost – Madentiraden

  2. Ist "Männchen" nicht genau wie "Weibchen" ein Begriff der eher in Verbindung mit dem Tierreich benutzt wird?
    Ist die Gleichung also:
    Tellerlippe= primitiv = eher Tier als Mensch= Westafrikaner eher Tier als Mensch?

    Mit der Folgegleichung:
    Kinder anziehen = Kindern Tellerlippe verpassen = primitiv?

    Klingt irgendwie nicht gut. Das wollten Sie doch nicht wirklich zum Ausdruck bringen?

    Sollte man sich und andere etwa am besten garnicht ankleiden um nicht dem primitiven Paarungsverhalten zu verfallen?

    Antwort auf "Puppenspielen?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Moni M
    • 22.01.2009 um 13:20 Uhr

    Man kann immer nur das erkennen, was man selber im Kopf hat.

    Anders ausgedrückt: die von Ihnen wahrgenommene Menschenverachtung muss nicht gesendet worden sein. Besteht aber mit Sicherheit in Ihrem Kopf.

    Also Vorsicht mit Projektionen! Sie könnten geladen sein.

    • Moni M
    • 22.01.2009 um 13:20 Uhr

    Man kann immer nur das erkennen, was man selber im Kopf hat.

    Anders ausgedrückt: die von Ihnen wahrgenommene Menschenverachtung muss nicht gesendet worden sein. Besteht aber mit Sicherheit in Ihrem Kopf.

    Also Vorsicht mit Projektionen! Sie könnten geladen sein.

    • Hugo_P
    • 22.01.2009 um 12:28 Uhr

    ...die Kids mit diesem Stilwahnsinn schon so früh zu belästigen. Das heißt jetzt nicht, daß die in Sack und Asche rumlaufen sollen, aber Mama muß nicht jeden Blödsinn kaufen, den sich die Kids wünschen. Oder gar versuchen, bei dem Designerklamottenwahnsinn schon bei den Kids anzufangen.
    Ich (Bj. 76; DDR) hab zu einem Großteil die Klamotten meiner Großcousins aus dem Westen aufgetragen. Welche dann an meinen Bruder weitervererbt wurden, so noch tragbar. Ergänzt um ein paar Klamotten, die mensch dann hier doch im Laden gekriegt hat. Diese schon frühkindliche Definition über die Klamotten oder das Spielzeug spielte also eher keine Rolle. Nach '89 auch nicht. Fand ich rückblickend auch ganz angenehm; d.h. wenn mensch sich über das definiert, was er ist, nicht wie er scheint.

  3. "wunderbar gezeichnetes Bilderbuch über die großen Fragen des Lebens" gehört selbstverständlich in die Hände von 5 Jährigen.

    Das ist ja noch gar nichts. Mit 5 Jahren hatte ich eine Proffesur am MIT!
    Liebe Autorin, bitte teilen Sie mir umgehend mit wie es um die Kenntnisse ihrer Sprößlinge in Latein und Altgrichisch steht!

    • Moni M
    • 22.01.2009 um 13:20 Uhr

    Man kann immer nur das erkennen, was man selber im Kopf hat.

    Anders ausgedrückt: die von Ihnen wahrgenommene Menschenverachtung muss nicht gesendet worden sein. Besteht aber mit Sicherheit in Ihrem Kopf.

    Also Vorsicht mit Projektionen! Sie könnten geladen sein.

    Antwort auf "Männchen"
  4. Sehr geehrte Benutzer,
    mich würden auch Wortmeldungen von Eltern interessieren, die aus eigener Erfahrung erzählen können, nach welchen Kriterien sie ihre Kinder "einkleiden". Mich würde auch freuen zu erfahren, wie und ab wann sich hier der Gruppenzwang auf die Wünsche der Kinder auswirkt.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zunächst einmal Entschuldige ich mich bei Moni B. für die falsche Interpretation ihres Beitrages. Werde meine Provokationlust in Zukunft besser kontrollieren.

    Jetzt zur Frage von Herrn Kuhn. Was Sie Gruppenzwang nennen wirkt sich doch von Anfang an auf die Entscheidungen des Kindes aus und ist ja auch der einzige Anhaltspunkt den es hat. Nur ist das wirklich so schlecht wie das Wort klingt? Und ist die einzige Alternative dazu nicht der Elternzwang?
    Vieleicht ist soziale Orientierung die bessere Beschreibung.
    Was das Kind am Ende trägt ist doch aller Wahrscheinlichkeit nach ein Kompromiss beider Bezugsgruppen.
    Ich und mein Sohn (4 Jahre) handhaben das jeden Morgen wie eine sportliche Herrausforderung: Er schaut mal was er mir aufschwatzen kann und ich schaue was ich ihm aufschwatzen kann. Ich glaube am Ende ich habe gewonnen, er glaubt am Ende er hat gewonnen. Die perfekte Lösung kommt wie so oft aus Skandinavien. Ein Unentschieden in Form einer dezent blauen Baumwollhose mit Spidermanknöpfen und Spinnennetzstickerei auf der linken Gesässtasche von H&M. So sind sowohl sein Gruppenzwang als auch mein Gruppenzwang befriedigt.
    Ein weiterer Punkt in dieser Diskussion: Auch wenn es aus unserer Sicht etwas albern aussieht wie z.B. Angelina Jolie oder Victoria Beckham ihre Kinder aufbrezeln, so möchte ich doch bezweifeln das diese Kinder automatisch unter diesem Mode-/ Designzwang leiden. Vieleicht sind sie Opfer der Phantasien ihrer Eltern. In ihrem sozialen Umfeld an dem sie sich orientieren sind sie so gekleidet aber bestimmt so normal und akzeptiert wie Frau Piebgras Tochter im Prinzessinenkleid zwischen den anderen Prinzessinen und mein Sohn als Spiderman zwischen den anderen Superhelden.

    • Anonym
    • 22.01.2009 um 18:49 Uhr

    Selbst Mutter von zwei Kids (22 u. 16 Jahre) kann ich aus manchmal leidtragender Erfahrung ein Lied davon zwitschern oder je nach dem Mozart's Requiem anstimmen:

    Ich habe als die Kids Säuglinge und Kleinkinder waren nur auf dem second-hand-markt eingekauft. Ganz einfach deshalb, weil man mit dem Kaufen aufgrund chronischen Wachstums gar nicht mehr nachkam. Und das geht ins Geld und zwar ziemlich heftig.

    Das erste Theater war die "Kommunion". Oje, oje. Und da ging es los. Nein, nicht unbedingt bei uns, sondern bei meinen Freunden, die Mädels hatten: Das mussten glattwegs Brautkleider in Miniaturausgabe sein. Was haben wir hier alles erlebt - schauerlich. Da ging dann der Gruppenzwang schon los.

    Spätestens ab 12 Jahren (seinerzeit, heute mit 9 Jahren) begann der Pubertistenterror: Ein Elend! Wir sind die vollen Bushido-Checker und benötigen von dessen: Kani, PellePelle, Ecko und sonstige. Die entnervte Mutter weigert sich dasselbige zum vollen Preis zu kaufen, da sonst Hartz IV droht: "Mom, alle anderen tragen zumindest Kani!" Die Rettung ereilte uns überraschenderweise auf Besuch in Hamburg: Boah, ein Hip-Hopper-Laden hatte Schlussverkauf: "Mom geh' mit rein, biiiiiittte!" "Schämst Dich da ned?" "Nein, Mom bitte!"

    Wir kamen nach drei Stunden aus dem Laden wieder raus - Pubertistenterrorist strahlend mit 5 Taschen - Mutter mit einem Tinnitus (krach-schebber-Musik) und tatsächlich! anerkennenden Blicken von anderen Youngsters. Der Geldbeutel blieb weitgehend geschont, Kind lief als "krassa Tschäcka" in die Schule ein: "Hey, boah, Mann, Oida, Ecko, wos gehdn ab ey boah - tscheck di nei!" Uff.

    "Kleider machen Leute" hieß es ja schon früher und das ist so geblieben. Wir haben in der Nachbarschaft ein Kind mit vierzehn Jahren. Ehrlich gesagt tut mir dieses Kind leid. Rennt immer mit Mami zum Einkaufen in Hochwasserhosen bis zum Anschlag und Pullis, die hinten und vorn nicht passen. Ich rede jetzt wirklich von PASSEN! Und was sagen die anderen über ihn: "Das ist ein KOF!"

    Gell, da schaugts: Ein "KOF" ist ein Kind ohne Freund! Soviel zum Thema Gruppenzwang.

    Uniformen an den Schulen finde ich jetzt nicht das schlechteste Mittel um dem Gruppenzwang zu entgehen. Aber bitterscheen dann nur Jeans und Sweatshirt und kein Anzug oder Röckerl!

    Zunächst einmal Entschuldige ich mich bei Moni B. für die falsche Interpretation ihres Beitrages. Werde meine Provokationlust in Zukunft besser kontrollieren.

    Jetzt zur Frage von Herrn Kuhn. Was Sie Gruppenzwang nennen wirkt sich doch von Anfang an auf die Entscheidungen des Kindes aus und ist ja auch der einzige Anhaltspunkt den es hat. Nur ist das wirklich so schlecht wie das Wort klingt? Und ist die einzige Alternative dazu nicht der Elternzwang?
    Vieleicht ist soziale Orientierung die bessere Beschreibung.
    Was das Kind am Ende trägt ist doch aller Wahrscheinlichkeit nach ein Kompromiss beider Bezugsgruppen.
    Ich und mein Sohn (4 Jahre) handhaben das jeden Morgen wie eine sportliche Herrausforderung: Er schaut mal was er mir aufschwatzen kann und ich schaue was ich ihm aufschwatzen kann. Ich glaube am Ende ich habe gewonnen, er glaubt am Ende er hat gewonnen. Die perfekte Lösung kommt wie so oft aus Skandinavien. Ein Unentschieden in Form einer dezent blauen Baumwollhose mit Spidermanknöpfen und Spinnennetzstickerei auf der linken Gesässtasche von H&M. So sind sowohl sein Gruppenzwang als auch mein Gruppenzwang befriedigt.
    Ein weiterer Punkt in dieser Diskussion: Auch wenn es aus unserer Sicht etwas albern aussieht wie z.B. Angelina Jolie oder Victoria Beckham ihre Kinder aufbrezeln, so möchte ich doch bezweifeln das diese Kinder automatisch unter diesem Mode-/ Designzwang leiden. Vieleicht sind sie Opfer der Phantasien ihrer Eltern. In ihrem sozialen Umfeld an dem sie sich orientieren sind sie so gekleidet aber bestimmt so normal und akzeptiert wie Frau Piebgras Tochter im Prinzessinenkleid zwischen den anderen Prinzessinen und mein Sohn als Spiderman zwischen den anderen Superhelden.

    • Anonym
    • 22.01.2009 um 18:49 Uhr

    Selbst Mutter von zwei Kids (22 u. 16 Jahre) kann ich aus manchmal leidtragender Erfahrung ein Lied davon zwitschern oder je nach dem Mozart's Requiem anstimmen:

    Ich habe als die Kids Säuglinge und Kleinkinder waren nur auf dem second-hand-markt eingekauft. Ganz einfach deshalb, weil man mit dem Kaufen aufgrund chronischen Wachstums gar nicht mehr nachkam. Und das geht ins Geld und zwar ziemlich heftig.

    Das erste Theater war die "Kommunion". Oje, oje. Und da ging es los. Nein, nicht unbedingt bei uns, sondern bei meinen Freunden, die Mädels hatten: Das mussten glattwegs Brautkleider in Miniaturausgabe sein. Was haben wir hier alles erlebt - schauerlich. Da ging dann der Gruppenzwang schon los.

    Spätestens ab 12 Jahren (seinerzeit, heute mit 9 Jahren) begann der Pubertistenterror: Ein Elend! Wir sind die vollen Bushido-Checker und benötigen von dessen: Kani, PellePelle, Ecko und sonstige. Die entnervte Mutter weigert sich dasselbige zum vollen Preis zu kaufen, da sonst Hartz IV droht: "Mom, alle anderen tragen zumindest Kani!" Die Rettung ereilte uns überraschenderweise auf Besuch in Hamburg: Boah, ein Hip-Hopper-Laden hatte Schlussverkauf: "Mom geh' mit rein, biiiiiittte!" "Schämst Dich da ned?" "Nein, Mom bitte!"

    Wir kamen nach drei Stunden aus dem Laden wieder raus - Pubertistenterrorist strahlend mit 5 Taschen - Mutter mit einem Tinnitus (krach-schebber-Musik) und tatsächlich! anerkennenden Blicken von anderen Youngsters. Der Geldbeutel blieb weitgehend geschont, Kind lief als "krassa Tschäcka" in die Schule ein: "Hey, boah, Mann, Oida, Ecko, wos gehdn ab ey boah - tscheck di nei!" Uff.

    "Kleider machen Leute" hieß es ja schon früher und das ist so geblieben. Wir haben in der Nachbarschaft ein Kind mit vierzehn Jahren. Ehrlich gesagt tut mir dieses Kind leid. Rennt immer mit Mami zum Einkaufen in Hochwasserhosen bis zum Anschlag und Pullis, die hinten und vorn nicht passen. Ich rede jetzt wirklich von PASSEN! Und was sagen die anderen über ihn: "Das ist ein KOF!"

    Gell, da schaugts: Ein "KOF" ist ein Kind ohne Freund! Soviel zum Thema Gruppenzwang.

    Uniformen an den Schulen finde ich jetzt nicht das schlechteste Mittel um dem Gruppenzwang zu entgehen. Aber bitterscheen dann nur Jeans und Sweatshirt und kein Anzug oder Röckerl!

    • Moni M
    • 22.01.2009 um 13:51 Uhr

    Die sich hier vermutlich fortgepflanzte Tragödie hat nach meinen Recherchen ihren Ursprung 1966. Gruner & Jahr gebar die Zeitschrift "Eltern". Ab diesem Zeitpunkt war Erziehung in Deutschland ein bewusstes Problem. Erziehung hatte sozusagen ihre Unschuld verloren.
    Meine Güte! Was man seither alles falsch machen konnte. Instinktive Sicherheit wich der ständigen Selbstzensur der natürlichsten Handlungsimpulse, über die der Mensch verfügt.
    Plötzlich gab es zahlreiche Entscheidungsanforderungen, die - würde man nicht den weisen Sätzen der Redakteure folgen - das eigen Fleisch und Blut dem Verderben überantworten konnten. Erziehungparadigmen wechselten in den Jahren so oft, wie Frau Piepgras ihren Deeren gerne die Kleidchen wechseln würde. Man musste praktisch immer auf dem Laufenden sein. Sprich: am besten Abonnent.
    Dass extrapolierend in 10 Jahren fast jedes Kind unter der fantastischen usa-Erfindung ADHS leiden wird und dann die fantastischen usa-Präparate Phenylphenidat und Abkömmlinge zum Frühstück braucht, um nicht schon morgens den Schulbus zu verwüsten, ist natürlich nicht allein Gruner&Jahr geschuldet.

    Die Geschäftsidee, Eltern Angst zu machen, um ihnen hinterher die Lösung zu verkaufen, hat sich selbstverständlich fortgepflanzt.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service