Energieversorgung Die Schatzhöhle
Nahe der deutsch-niederländischen Grenze liegt einer der größten Erdgasspeicher Europas. Tief unter der Erde horten die Energiekonzerne ihre Vorräte
Das Amtsvenn liegt am westlichen Rand des Münsterlandes, ein paar Kilometer weiter beginnen die Niederlande. Früher wurde in der sumpfigen Ebene Torf gestochen. Heute steht das Gelände zu großen Teilen unter Naturschutz und sieht im Winter genauso trist aus, wie deutsches Flachland zu dieser Jahreszeit üblicherweise aussieht: Felder, Feldwege, ein paar Baumgruppen. In Gronau, der nächstgelegenen Stadt, wurde der Sänger Udo Lindenberg geboren. Man hat ihm einen Platz gewidmet und ein Rock-und-Pop-Museum errichtet.
Es ging immer ruhig und beschaulich zu. Bis das Amtsvenn bei Gronau gewissermaßen ins Zentrum der europäischen Politik rückte.
Das Gebiet birgt einen riesigen Erdgasspeicher. Mehr als einen Kilometer unter der Oberfläche befinden sich, eingebettet in eine 400 Meter dicke Salzschicht, zahlreiche Kammern, sogenannte Kavernen. In jeder fänden die Türme des Kölner Doms Platz. Und weil das Amtsvenn mit unterirdischen Hohlräumen reichlich gesegnet ist, liegt hier einer der größten Erdgasspeicher Europas.
Als Russland und die Ukraine über Gaspreise zu streiten begannen, betraf das auch Deutschland. Wenn die Ukrainer kein Gas von den Russen bekommen – oder keines durch ihre Pipelines lassen –, kommt auch in Deutschland nichts an. Seit Wochen schon laufen heimische Heizungen auf Reserve, erst in ein paar Tagen soll wieder frisches Gas strömen.
Nach Angaben der Bezirksverwaltung Arnsberg, die die Kavernen beaufsichtigt, fassten die Speicher dort 2006 etwa drei Milliarden Kubikmeter Erdgas. Das würde reichen, um rund 150.000 Einfamilienhäuser ein ganzes Jahr lang zu versorgen – theoretisch.
Aber so einfach ist das nicht. Denn einerseits verbleibt etwa ein Viertel des Gases ständig als sogenanntes Kissengas in den Kavernen, damit das verwendbare Gas überhaupt erst wieder aus der Tiefe nach oben gedrückt werden kann. Und zweitens besagen die Angaben der Bezirksregierung nicht, wie viel Gas derzeit tatsächlich in den Speichern steckt, denn es gehört den Energiekonzernen. Im Amtsvenn horten gleich mehrere ihre Vorräte: RWE, Essent, Trianel, Nuon, E.on Ruhrgas und andere. Und sie schweigen.
- Datum 31.07.2009 - 12:01 Uhr
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- Serie Energie
- Quelle DIE ZEIT, 22.01.2009 Nr. 05
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China und die USA horten seit Jahren riesige "strategische" Energiereserven, obschon beide Länder selbst an 11. bzw. 12. Stelle unter den Welt-Öl- und Gasproduzenten rangieren. Noch weit wichtiger sind also solche Reserven für eine Habenichts-Nation, die fast alle Energie importieren muss und obendrein auch noch die Atomenergie verweigert.
"Noch weit wichtiger sind also solche Reserven für eine Habenichts-Nation, die fast alle Energie importieren muss und obendrein auch noch die Atomenergie verweigert."
Ja - wer kennt sie nicht, die weltweit gebräuchlichen Atomheizungen?
"Noch weit wichtiger sind also solche Reserven für eine Habenichts-Nation, die fast alle Energie importieren muss und obendrein auch noch die Atomenergie verweigert."
Ja - wer kennt sie nicht, die weltweit gebräuchlichen Atomheizungen?
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