Klinsmann-Interview "Ich konnte nicht länger immer nur der 'good guy' sein"

Vor einem halben Jahr trat Jürgen Klinsmann an, den FC Bayern München zu verändern. Wie hat er sich selbst seither verändert? Ein Gespräch

Von Moritz Müller-Wirth Fotos Tina Hager

Jürgen Klinsmann im Trainingslager des FC Bayern München in Dubai

ZEITmagazin: Herr Klinsmann, wir sprechen im Trainingslager des FC Bayern in Dubai miteinander, wo sich Ihre Mannschaft in den letzten Wochen auf die Rückrunde vorbereitet hat. Sie wirken ziemlich entspannt.

Jürgen Klinsmann: Ich bin auch sehr zufrieden damit, was wir gemeinsam in diesen ersten Monaten geleistet haben. Wir haben die Bundesliga in der letzten Phase dominiert und in der Champions League bewiesen, dass wir international oben mitspielen können. Es war nicht immer einfach, aber es ist uns gelungen, vieles anzustoßen, was langfristig angelegt ist, aber Gott sei Dank auch kurzfristig gegriffen hat.

ZEITmagazin: Was meinen Sie damit?

Klinsmann: Wir haben Oliver Schmittlein verpflichtet, einen Fitnesschef, der schon früher bei Bayern war und auch zu meiner Zeit als Bundestrainer die Nationalmannschaft betreut hat. Die Spieler sind jetzt schon fitter als jemals zuvor. Es ist also kein Zufall, dass wir einige Spiele gegen Ende noch gedreht haben. Unsere Gegner wissen inzwischen, dass wir in den letzten zehn, zwanzig Minuten noch mal richtig aufdrehen können. Auch die Talentsuche, das Scouting, haben wir neu organisiert. Wir haben jetzt eine Abteilung, die die Gegner studiert und analysiert, und eine weitere, die nach Spielern schaut, die für uns geeignet erscheinen.

ZEITmagazin: Wie haben Sie das Spielsystem verändert?

Klinsmann: Sie wissen ja, dass wir die Philosophie eines schnellen, direkten, dominanten Spiels vertreten. Und wir sehen, dass das allmählich greift. Die Bälle werden jetzt schneller weitergespielt, Abwehr, Mittelfeld und Angriff sind besser aufeinander eingestellt. Das Wichtigste jedoch ist, dass jeder Spieler im Laufe dieser ersten Monate individuelle Fortschritte gemacht hat. Ich glaube wirklich, dass jeder von ihnen vielleicht nicht jeden Tag, aber jedenfalls insgesamt besser geworden ist.

ZEITmagazin: Und wie kommen Trainer und Spieler nach einem halben Jahr miteinander zurecht?

Klinsmann: Uns war von vornherein klar, dass wir uns erst einmal aneinander gewöhnen müssen. Die Mannschaft blieb zwar weitgehend unverändert, aber das gesamte Team dahinter, den Betreuerstab, die medizinische Abteilung, haben wir nahezu komplett verändert. Hinzu kam, dass wegen der Urlaube nach der Europameisterschaft nur eine extrem kurzfristige Vorbereitung mit allen Spielern möglich war.

ZEITmagazin: Nach starkem Start rutschte das Team im Herbst in eine Phase der Erfolglosigkeit. Warum?

Klinsmann: Wir haben ein langfristiges Konzept. Das haben wir den Spielern zunächst versucht klarzumachen, indem wir in den ersten Monaten bewusst die Zügel etwas lockerer gelassen haben, damit sie sich an unsere Ideen und an uns gewöhnen können.

ZEITmagazin: Das dauerte offenbar länger als gedacht.

Klinsmann: Das kam für mich nicht überraschend, aber wir mussten eben reagieren. Ich selbst habe sehr deutlich darauf hingewiesen, dass jeder zunächst einmal die Pflicht hat, seine persönlichen Interessen hintanzustellen, sich individuell zu verbessern. Inzwischen wissen die Spieler, dass sie selbst am meisten davon profitieren. Auch die Erfahrenen von ihnen haben erkannt, dass noch viel mehr in ihnen steckt, als sie bisher aus sich rausgeholt haben.

ZEITmagazin: Haben Sie in dieser Zeit an sich selbst etwas verändert?

Klinsmann: Wir haben äußere Zeichen gesetzt. So gab es im Trainingszentrum in den ersten Wochen, gewissermaßen als Symbol für den Prozess des Sich-aneinander-Gewöhnens, ein offenes Trainerbüro, ohne verschlossene Türen. Jeder hatte Zutritt, jeder wusste immer, wer da war. Später dann habe ich mir ein Einzelbüro einrichten lassen, in das ich mich zurückziehen, in dem ich auch einmal mit einem Spieler unter vier Augen sprechen konnte. Ich war nicht mehr für alle greifbar. Die Hierarchie wurde sichtbarer. Das war für alle gut. Ich konnte nicht länger immer nur der good guy sein.

ZEITmagazin: Sie wirkten in dieser Phase im Herbst kraft- und ruhelos, hatten offensichtlich an Gewicht verloren.

Klinsmann: Natürlich war ich in dieser Situation nicht entspannt. Wenn man beim FC Bayern keinen Erfolg hat, steigt der Druck ungemein. Dazu kam ein schwerer Bandscheibenvorfall, der es mir für fast zwei Monate unmöglich machte, mich wie gewohnt zu bewegen. Ich stand vier Wochen lang unter schweren Schmerzmitteln. Beim Abschiedsspiel von Oliver Kahn war es so schlimm, dass ich mich nicht einmal auf die Bank setzen konnte. Ein Trainer, der sich nicht auf die Bank setzen kann – wie soll der noch entspannt wirken?

ZEITmagazin: Nach den drei erfolglosen Spielen in Serie gegen Hannover, Bremen und Bochum schien auch im Verein die Unruhe groß zu werden. Beckenbauer, Hoeneß und Rummenigge begannen, Ihnen öffentlich Ratschläge zu erteilen.

Klinsmann: Der Auftrag an mich vor meinem Antritt war, den Klub wieder dauerhaft in der europäischen Spitze zu verankern – ein mittelfristiger Entwicklungsauftrag. Wir haben deshalb jungen Spielern wie Breno, Sosa oder Toni Kroos zu Beginn der Saison bewusst die Chance gegeben, Erfahrung zu sammeln. Als der Erfolg ausblieb, haben wir die Entwicklung neuer Talente erst einmal zurückgestellt und uns aufs Gewinnen konzentriert. Inzwischen ist der Erfolg da, und wir sind wieder voll im Plan.

ZEITmagazin: Sie haben sich eng mit Hoeneß und Rummenigge abgestimmt. Als Sie Ihr Amt beim FC Bayern antraten, fürchteten einige: Da kommt der große Reformer und macht wieder "sein Ding", wie bei der Nationalelf.

Klinsmann: Der Unterschied zur Nationalmannschaft ist: Hier sehen alle jeden Tag, wie ich arbeite, was ich investiere, dass ich mich austausche und immer für Anregungen empfänglich bin. Leute wie Hoeneß oder Rummenigge, die mich lange kennen, wussten das immer.

ZEITmagazin: Was unterscheidet den Job beim FC Bayern hauptsächlich von Ihrer Tätigkeit bei der Nationalmannschaft?

Klinsmann: Die Arbeit beim FC Bayern ist mit dem Job als Bundestrainer nicht zu vergleichen. Bei der Nationalelf hieß es immer: Der kommt nur ab und zu angereist und krempelt dann auch noch alles um. Keiner hat gesehen, dass ich auch in Amerika 12, 14, 16 Stunden am Tag an dem Projekt WM 2006 gearbeitet habe. Die Nationalmannschaft lag am Boden, als ich sie übernommen habe, aber der FC Bayern ist vermutlich der am besten geführte Klub in Europa, die Mannschaft spielt seit Jahren auf höchstem Niveau. Schon daraus ergibt sich, dass ich hier unter ganz anderen Vorzeichen angefangen habe. Alle Beteiligten wussten sofort, wie sehr ich mich dieser Tradition verpflichtet fühle. Aber man hat mich eben auch geholt, damit ich hier massiv Dinge verändere. Und zwar nicht, wie bei der Nationalmannschaft, mit einer Deadline wie dem WM-Turnier, sondern mittelfristig, flexibel und behutsam. Einer, der "sein Ding" durchzieht, wäre hier völlig falsch. Das war allen klar – auch mir!

ZEITmagazin: Lassen Sie uns über ein paar Neuerungen sprechen und was daraus geworden ist, zum Beispiel aus den Sprachkursen, die Sie den Spielern verordnet haben.

Klinsmann: Nicht verordnet – alles freiwillig, trotzdem werden sie rege besucht!

ZEITmagazin: Von allen?

Klinsmann: Von den meisten.

ZEITmagazin: Auch von Luca Toni und Franck Ribéry, die sich ja anfangs skeptisch geäußert haben?

Klinsmann: Auch von Luca und Franck – im Übrigen mit großem Erfolg. Und natürlich auch von den Trainern.

ZEITmagazin: Wie wird der Kommunikationsraum mit Simultanübersetzungsmöglichkeit genutzt?

Klinsmann: Alle Mannschaftssitzungen werden simultan übersetzt, auch Vorträge beispielsweise unseres Teampsychologen Philipp Laux. Ein Großteil der Mannschaft hört also alles über Kopfhörer. Ein voller Erfolg.

ZEITmagazin: Sie haben den Spielern auch Zurückhaltung gegenüber den Medien, sagen wir es vorsichtig: nahegelegt.

Klinsmann: Ich sage den Spielern nur, dass es für mich keine Rolle spielt, was über sie gesagt oder geschrieben wird, und empfehle ihnen, sich davon nicht beeinflussen zu lassen.

ZEITmagazin: Welche Zeitungen empfehlen Sie Ihren Spielern?

Klinsmann: Ich sagte ja gerade: Ich empfehle ihnen, gar keine Zeitungen zu lesen, jedenfalls nichts, was darin über sie geschrieben steht. Es gibt in unserem Trainingszentrum deshalb auch keine Tageszeitungen. Wenn die Spieler sich eine holen wollen, müssen sie an den Kiosk – oder sie lesen im Internet.

ZEITmagazin: Außerdem hatten Sie die Übernachtung im Hotel vor den Heimspielen abgeschafft.

Klinsmann: Das haben wir inzwischen korrigiert. Einige Spieler, besonders die mit kleinen Kindern, haben doch zu Hause weniger Ruhe als im Hotel, außerdem sind wir und sie selbst dann sicherer, dass sie sich am Tag vor dem Spiel optimal ernähren.

ZEITmagazin: Herr Klinsmann, das wirkt alles so wahnsinnig durchdacht, durchgeplant und frei von den Widrigkeiten des wirklichen Lebens. Gibt es eigentlich in Ihrem Trainerleben auch Momente des Selbstzweifels oder gar der Verzweiflung?

Klinsmann: Natürlich gibt es die, aber ich versuche, mir das nicht anmerken zu lassen, meine Gefühle in meinem Trainerjob sehr stark zu kontrollieren. Wenn ich Entscheidungen treffe, versuche ich, mich weniger von Gefühlen leiten zu lassen. Wenn Sie Erfolg haben wollen, egal ob in der Wirtschaft oder im Sport, müssen Sie Emotionen weitgehend eliminieren.

ZEITmagazin: Fußball ohne Gefühle? Das klingt sonderbar.

Klinsmann: Allerdings, das wäre ja fatal! Bei jedem Spiel müssen die Gefühle am Siedepunkt sein, nicht nur im Stadion. Auch die Spieler brauchen den emotionalen Antrieb – und ich auch. Man sieht das auch an meinen Reaktionen auf der Bank. Aber wenn ich eine Strategie ausarbeite oder entscheide, welche Spieler in der ersten Elf stehen und welche auf der Bank sitzen, darf ich mich nicht von Emotionen leiten lassen.

ZEITmagazin: Woran erkennt man, dass Sie unter Druck stehen?

Klinsmann: Daran, dass ich sehr ruhig werde, mich zurückziehe, mehr von außen beobachte, als zu agieren.

ZEITmagazin: Schlafen Sie dann schlecht?

Klinsmann: Im Gegenteil. Wenn mich der Job emotional und physisch erschöpft, falle ich, manchmal schon recht früh am Abend, in einen Tiefschlaf. Der Körper sagt dann: Na gut, für heute reicht’s jetzt halt mal.

ZEITmagazin: Hat der Trainer Jürgen Klinsmann auch Momente echter Schwäche?

Klinsmann: Natürlich, aber auch hier gilt: In den meisten Situationen darfst du diese Schwäche nicht zeigen, du musst mit Weitblick reagieren. Oft kenne ich beispielsweise die Gründe, warum etwas schiefläuft, und würde sie nur zu gern auch öffentlich ansprechen. Ich weiß aber inzwischen, dass Ehrlichkeit oft zu Schwäche gemacht wird, vor allem, weil ja die Öffentlichkeit oft nicht an Ehrlichkeit, sondern an Geschichten interessiert ist, die dann über Wochen als Thema weitergedreht werden können. Das ist auch ein legitimes Interesse, aber ich will das nicht bedienen.

ZEITmagazin: Herr Klinsmann, Sie leben nun seit einem halben Jahr wieder in München, erstmals mit Familie. Wie erleben Sie die Stadt? Was hat sich verändert?

Klinsmann: Die Stadt erlebe ich, erleben wir, viel intensiver, als ich das zu meiner Zeit als Spieler konnte. Als junger Kerl damals habe ich nicht wirklich verstanden, was diese Stadt hergibt, kulturell, aber vor allem durch die Landschaft, die sie umgibt.

ZEITmagazin: Wie lernen Sie all das jetzt kennen?

Klinsmann: Wir machen Ausflüge, nach Berchtesgaden, Salzburg, auf die Zugspitze, aber auch in München selbst. Das erlebt man mit der Familie natürlich ganz anders und viel intensiver. Als Spieler ging’s früher eigentlich nur ums Toreschießen. Tore, Tore, Tore.

ZEITmagazin: Sind Sie dann, wie früher, gut getarnt mit Hut oder Mütze unterwegs?

Klinsmann: Daran hat sich nichts geändert – und es funktioniert immer noch bestens.

ZEITmagazin: Bevor Sie kamen, hatten Sie Sorge, dass Ihre Privatsphäre nicht respektiert würde.

Klinsmann: Die Medien haben gemerkt, dass sie alles bekommen, was sie brauchen, ich aber im Gegenzug den Schutz der Privatsphäre in Anspruch nehme. Wenn es nicht so wäre, das wissen alle, würde ich sofort einen Schnitt machen, dann würde der Informationsfluss auf das Notwendigste reduziert. Aber das steht nicht an, wir werden in Ruhe gelassen.

ZEITmagazin: Sie haben kürzlich gesagt, es fehle Ihnen hier mit Blick auf Amerika nichts. Hat Sie dieser Satz nicht selbst überrascht?

Klinsmann: Ja, aber er stimmt trotzdem – sieht man einmal von der Anonymität ab, die ich, die wir dort genießen, auch ohne Mütze oder Hut.

ZEITmagazin: Können Sie sich vorstellen, dauerhaft in Deutschland zu leben?

Klinsmann: Das kann ich inzwischen, und meine Familie kann es auch. Die Kinder sind jetzt ein halbes Jahr hier, sie erleben Deutschland hautnah, bauen eine emotionale Bindung auf, nach zehn Jahren USA. Das war immer mein Wunsch, auch der meiner Frau. Und ich selbst sehe auch meine Aufgabe als Trainer beim FC Bayern als mittel- beziehungsweise langfristiges Projekt.

ZEITmagazin: Bald wird ja, sollte sich Uli Hoeneß irgendwann zurückziehen, dort ein Posten frei, der eigentlich für den Strategen Klinsmann die logische Fortentwicklung seiner Karriere wäre: Spieler, Trainer – Manager.

Klinsmann: Erstens sind wir gerade dabei, Uli zum Weitermachen zu überreden. Und zum anderen lebt der Trainerjob, die Art, wie man ihn ausübt, ganz wesentlich von Erfahrung. Ich sammle diese Erfahrung gerade – und will sie dann noch viele Jahre weitergeben.

ZEITmagazin: Also: Niemals Manager des FC Bayern München?

Klinsmann: Gerade die letzten fünf Jahre meines Berufslebens haben mich gelehrt: Sage niemals nie.

ZEITmagazin: Was unterscheidet die moderne Trainergeneration, zu der Sie neben Jürgen Klopp, Ralf Rangnick und anderen gehören, von der alten Garde der Röbers und Neururers?

Klinsmann: Die Namen will ich nicht kommentieren. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Umfeld und damit das Berufsbild des Trainers sich massiv verändert hat und noch weiter verändern wird. Jeder Trainer muss jetzt Wege finden, mit Dingen klarzukommen, die noch vor zehn Jahren keine Rolle spielten. Dazu gehört, dass die Trainer mit immer mehr ausländischen Spielern zu tun haben, deren Sprache sie, jedenfalls in groben Zügen, lernen sollten. Außerdem müssen wir uns mit zum Teil höchst komplexen Technologien auseinandersetzen, unter anderem denen, die zur Leistungsdiagnostik nötig sind. Jeder Trainer muss sich darüber hinaus sehr intensiv mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten seines Klubs befassen. Die Ansprüche an ihn im Umgang mit den – zum Teil neuen – Medien kommen hinzu. Das alles bestimmt den Alltag des Trainers massiv.

ZEITmagazin: Ist der deutsche Fußball auf diese neuen Anforderungen an die Trainer ausreichend vorbereitet?

Klinsmann: Wir müssen Wege finden, den deutschen Fußball wieder international in der Spitze konkurrenzfähig zu machen. Das geht nur über die Trainer und die Trainerausbildung. Ich will es mal so sagen: Da ist noch viel Luft nach oben.

ZEITmagazin: Ein kurzer Blick auf die Konkurrenz: Beneiden Sie eigentlich Ralf Rangnick um die Möglichkeiten, die er in Hoffenheim hat?

Klinsmann: In keinster Weise. Ich habe ja oft genug gesagt, wie sehr ich das schätze, was dort aufgebaut wurde und wird. Für mich ist es aber das Nonplusultra, Trainer des FC Bayern zu sein.

ZEITmagazin: Auch weil – im Gegensatz zu Ihrem Verein – viele der Konkurrenten abhängig sind von Großinvestoren, deren Engagement in den Fußball im Zeichen der weltweiten Finanzkrise unsicherer scheint denn je.

Klinsmann: Da wage ich keine Prognosen. Geht man aber mal die Investoren der Großen durch, dann nehme ich doch an, dass in manchem Klub jetzt schon die bange Frage nach dem künftigen Engagement gestellt wird.

ZEITmagazin: Wann wird man die ersten Konsequenzen spüren?

Klinsmann: Schon im Sommer wird der Transfermarkt völlig anders aussehen als noch im vergangenen Jahr. Ich denke, dass der Spagat zwischen den Summen, die für echte Weltstars gezahlt werden, und dem Geld, das für durchschnittliche Spieler ausgegeben wird, sich noch vergrößert. Die Durchschnittsspieler werden billiger, die Ausnahmespieler werden teurer. Das Ausmaß dieses Umbruchs kann man noch gar nicht abschätzen. Da ist der Fußball eine Branche wie viele andere – auch wir wissen nicht, was uns noch blüht.

ZEITmagazin: Und der FC Bayern als Krisengewinnler?

Klinsmann: Durch die solide Arbeit der letzten dreißig Jahre gibt es begründete Hoffnung, dass wir davon nicht nachhaltig negativ betroffen sein werden.

ZEITmagazin: Zum Schluss müssen Sie uns noch eines verraten: Wer kam eigentlich auf die Idee, dass Sie sich die Haare kurz schneiden lassen?

Klinsmann: Ich selbst. Es war im Herbst vor einem Spiel im Hotel, ich hatte Langeweile und wusste, ich müsste irgendwann zum Friseur. Ich habe dem Friseur gesagt, dass er’s etwas kürzer machen soll. Dann ist’s halt extrem kurz geworden. Jetzt sind sie ja schon wieder gewachsen.

Das Gespräch führte Moritz Müller-Wirth

Jürgen Klinsmann, 44, ist seit dem Sommer 2008 Cheftrainer des FC Bayern. Bei der WM 2006 führte er die Nationalelf als Trainer auf Platz drei. Als Spieler war er unter anderem beim VfB Stuttgart, beim FC Bayern und bei Inter Mailand. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 
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