Belletristik Sisyphos trägt GummistiefelSeite 2/2

Leben, Tod, Einsamkeit, verlorene Träume – das wurde uns zigmal schon erzählt. Bakker tut es oft so frisch, so hin- und mitreißend, als habe er die Sujets gerade erst erfunden. Er erzählt uns diese Geschichte ergreifend und unzerknautscht. Ihm gelingt die Balance zwischen sentimentalen Episoden und lakonischem Witz. Die Dialoge funkeln in der Trübe der grau grundierten Landschaft. Die neugierige Nachbarin, die schnoddrigen Bauernkollegen, der wilde Knecht, der faule Jugendliche – klar, alles Klischees. Bloß: Bakker weiß das! Mit dieser spärlichen Besetzung erreicht er bisweilen wahrlich komödiantische Höhen.

Und immer wieder gibt es diese Szenen, die einfach grandiose Prosa sind: wenn eine Nebelkrähe den flügge werdenden Knecht an der Flucht hindert. Oder als Helmer fast in einer Pfütze ertrinkt, weil er ein Schaf vom regennassen Acker ziehen will.

Jetzt, da alle Muss-man-gelesen-Haben des vergangenen Jahres durchgeackert sind, sollte die Zeit da sein: Raus aufs Land! Helmer, das sind wir alle.

Gerbrand Bakker: Oben ist es still

Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke; Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2008; 316 S., 19,80 €

 
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