Wichtig ist, dass die Kinder zusammen lernen

Pro und Contra: »Ethik oder Religion«

Warum muss Religionsunterricht überhaupt konfessionsgebunden sein? Schließt das nicht automatisch kleine Religionsgemeinschaften wie meine eigene (Christian Science) und zahlreiche andere, und damit Minderheiten, aus?

Ich könnte mir religionskundlichen Unterricht gut vorstellen, in dem Kinder aus unterschiedlichen religiösen oder areligiösen Elternhäusern miteinander über altersgerechte Themen diskutieren und dabei lernen, die Meinung des Andersgläubigen zu respektieren. Während die Kleineren über Lügen und Klauen sprechen und schauen, was Jesus oder Mohammed dazu gesagt hat, wäre es doch für die Größeren wirklich hilfreich, unter diesen Aspekten einmal über die Abtreibung, über Ehe und Familiengründung, wie geht ein Christ mit Angst um – wie ein Muslim –, wie jemand, der gar nicht glaubt? Wäre es nicht spannend, wenn dieses Fach im Klassenverband von religiös oder nichtreligiös geprägten Lehrern aller Art unterrichtet werden würde? Der Erfolg des Unterrichts steht und fällt natürlich mit der kompetenten Ausbildung der Lehrer.

Für mich besteht die Gefahr darin, dass der religiöse Blickwinkel bei der Erörterung dieser Fragen in einem Ethikunterricht fehlen könnte. Dann wäre einfach nichts gewonnen, eine Chance – aktiv zur Integration beizutragen – vertan.

Inge Hake, Burgdorf

Religionsunterricht sollte in einem aufgeklärten und säkularen Staat in der Tat als freiwilliger Zusatz angeboten werden. Auch im weiteren Verlauf der Diskussion vermögen mich die Pro-Reli-Argumente nicht zu überzeugen. So impliziert Herr Wefing, dass die großen Fragen nur durch LehrerInnen beantwortet werden können, die sich mit ihrem Bekenntnis identifizieren. Daraus wiederum folgt, dass die Antworten auf diese Fragen immer in einem Religionsbekenntnis liegen. Schon dieser Anspruch ist aus Sicht von Nichtgläubigen anmaßend und zeigt wieder einmal den bei allen Religionen inhärent vorhandenen Absolutheitsanspruch. Dahingegen ist gerade der Weg eines für alle verpflichtenden Ethikunterrichts derjenige, der echte Wahlfreiheit, wie sie ja auch von Herrn Wefing gefordert wird, erst ermöglicht. Letztere bedeutet nämlich, dass jemand dazu in die Lage versetzt wird, unabhängig von Kulturkreis, Erziehung und damit auch von seiner Schulbildung zu einem bestimmten Glauben oder eben Nichtglauben zu finden.

Dr.-Ing. Andreas Zabel, Dortmund

Wenn es allein darum ginge, die großen Fragen nach Gott und der Welt, sittlichen und moralischen Werten und den Inhalten der einzelnen Religionen zu verdeutlichen, wäre es gleichgültig, ob man das in einem Fach Religion oder Ethik unterrichtet. Gelehrt würde das Gleiche. Den christlichen Kirchen geht es jedoch nicht darum, sie wollen im Wesentlichen ihre eigenen Glaubensinhalte vermitteln, wohl wissend, dass man das am besten im Kindes- und Jugendalter kann, und zwar in einem Pflichtfach Religion.

In Konfessionsschulen mag ihnen ein derartiges Recht zugestanden werden. Auch wenn wir uns unserer christlich-abendländischen Kultur verbunden fühlen, sollte seit der Zeit der Aufklärung ein glaubensneutraler Staat wie Deutschland auf konfessionsgebundenen Religionsunterricht in öffentlichen Schulen verzichten. Diesen können die Kirchen in ihren eigenen Häusern besser vornehmen, auch wenn ihnen möglicherweise der gewünschte Zulauf fehlt.

Jost Viebahn, Hameln

Jede Religion behauptet, sie sei die einzig richtige und wahre. Die Gläubigen bei der Stange zu halten wird in der mediendurchtränkten Welt aber immer schwieriger. Darum ist es ein »Geschenk des Himmels«, dass im säkularen Staat Deutschland die Glaubensgemeinschaften ein Recht auf Religionsunterricht in den Schulen haben (auf Kosten der Steuerzahler). Meine Forderung: Das muss geändert werden! Raus mit allem Religionsunterricht aus den Schulen! Religion ist Privatsache!

Käthe Nebel, Oldenburg (Oldb.)

 
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