Mobbing Und raus bist du
"Ich habe nichts getan, außer ein Kind zu bekommen", sagt die Managerin Fiona Haramustek. Es reichte, um sie aus ihrem Job zu drängen.
Von Barbara Nolte Fotos Sigrid Reinichs
Fiona Haramustek hatte nicht mehr daran geglaubt, noch schwanger zu werden. Sie war 47. Im schwedischen Konzern SCA saß sie im Europa-Management, Geschäftsbereich Hygieneprodukte, zuständig unter anderem für die Papiertaschentücher Tempo und die Küchenrollen der Marke Zewa. Ein Spitzenjob, in dem man womöglich einen Hörsturz bekommt, aber für gewöhnlich kein Kind.
Ein erstes Treffen in einem Münchner Café. Fiona Haramustek trägt eine Cordmütze und drei dicke Goldringe, ihre hellbraunen Haare reichen bis weit über die Schultern. Eine elegante, bestimmt auftretende Frau. Die Kollegen, sagt sie, hätten sich damals mit ihr über ihre Schwangerschaft gefreut. Zur Geburt der Tochter im Oktober des vorletzten Jahres schenkten sie einen Blumenstrauß und ein Paket mit Windeln – hergestellt von SCA. Sogar der oberste Justiziar des Konzerns habe aus Schweden angerufen; Fiona Haramustek leitete in München eine von zwei Rechtsabteilungen. Er habe ihr geraten, berichtet sie, länger freizunehmen, als es der gesetzliche Mutterschutz vorsieht: Die erste Zeit mit einem Baby sei etwas Besonderes. Die solle sie auskosten.
Fiona Haramustek beschloss, ein halbes Jahr lang zu Hause zu bleiben. Endlich, in diesem modernen skandinavischen Unternehmen, schienen sich ihre beiden Lebensziele zu verwirklichen: Karriere und Familie.
Im Februar, noch während ihrer Elternzeit, ging sie zu einem Treffen des Managements, um auf dem Laufenden zu bleiben. Dort erkundigte sich niemand mehr nach ihrem Baby. Ihren Kaffee in der Pause trank sie allein. "Ich spürte", sagt sie, "da stimmt was nicht." Doch ihr Mann meinte: "Das wirst du dir einbilden."
Fiona Haramustek hat die Ellbogen auf die Tischkante aufgestützt und die Hände ineinandergelegt. Sie spricht mit dunkler, gleichförmiger Stimme: sachlich, sehr konzentriert. Ihr Gefühl hatte sie nicht getrogen. Im vergangenen halben Jahr hat sie ihren Sitz im Management verloren, ihren Titel General Counsel: Chefsyndikus, ihre Sekretärin, den Manager-Parkplatz und fast ihre gesamte tägliche Arbeit. Immer wenn sie glaubt, das muss es gewesen sein, ihr ist nichts mehr zu nehmen, passiert das Nächste.
"Ich habe nichts gemacht, außer ein Kind zu bekommen", sagt sie. "Ich konnte es zuerst überhaupt nicht fassen." Das Management-Treffen, bei dem sie sich so unwohl fühlte, war gerade einmal zwei Wochen vorbei, als ihr direkter Vorgesetzter sie in die Firma bestellte. Dort sagte er ihr, sie werde ihren Sitz im Management sowie das Aufgabengebiet verlieren, für das sie eingestellt worden war: Wenn SCA Marken zukaufe, betreue das künftig jemand anderes.
So weit ist das nicht ungewöhnlich. Gerade Akademikerinnen, die die Politik immer ermuntert, Kinder zu bekommen, bezahlen genau dafür oft einen hohen Preis. Sie müssen ihre herausgehobenen Positionen aufgeben, weil die Unternehmen fürchten, dass die Mitarbeiterinnen mit Kind zu abgelenkt und unflexibel sind.
Bei der Hertie-Stiftung, die ein Siegel für besonders familienfreundliche Unternehmen vergibt, beschweren sich immer wieder Frauen, meist anonym. Zuletzt zwei hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen einer deutschen Großbank, die sich degradiert fühlten. Die Süddeutsche Zeitung berichtete, dass selbst im Kanzleramt unter Frank-Walter Steinmeier Mütter um ihre Position fürchteten. Mehr als einmal sei einer Mitarbeiterin, die ein Kind bekommen hatte, angetragen worden, in einen ruhigeren, das heißt unwichtigeren Job zu wechseln. Die alte Leitung des Kanzleramtes bestreitet diese Vorwürfe. In vertraulichen Gesprächen, schrieb die Süddeutsche, hätten frühere Mitarbeiter allerdings eingeräumt, dass es da "einen Wahrnehmungsunterschied" gegeben haben könnte.
Oft bleibt unklar: Wann wollen Arbeitgeber ihre Mitarbeiterinnen entlasten, wann abschieben? Fiona Haramustek sagt, sie habe schon geahnt, dass ihr Chef nicht das Wohl ihrer Tochter im Sinn hatte, als er am Ende des Gesprächs vorgeschlagen habe: ob sie unter den veränderten Bedingungen nicht lieber ein Jahr bei ihrem Kind bleiben und sich anschließend einen Job in einer Kanzlei suchen wolle.
Fiona Haramustek hat fünf Kinder zu versorgen. Ihr Mann hat vier Kinder aus früheren Beziehungen, für die er unterhaltspflichtig ist. Er hat sich gerade selbstständig gemacht und verdient noch nicht viel. Sie entschied, bei SCA zu bleiben. Sie buchte gleich einen Flug zu einem sogenannten Senior Management Meeting, zu dem sie aus der Konzernzentrale in Schweden eingeladen worden war. Ein paar Tage später, erzählt sie, habe ihr Chef angerufen und gesagt, sie solle doch lieber bei ihrem Kind bleiben. Sie entgegnete, dass sie bereits eine Kinderfrau engagiert habe. Doch der Chef hatte die Sekretärin bereits angewiesen, ihren Flug zu stornieren.
Da begann ihre Krankengeschichte. Fiona Haramustek, die ihr Baby stillte, hatte auf einmal keine Milch mehr. Von einem Tag auf den anderen musste ihre Tochter die Flasche bekommen. Haramustek bekam eine schwere Bronchitis mit Verdacht auf Lungenentzündung. Ihr Immunsystem ist seitdem so stark geschwächt, dass sie sich alles Mögliche einfängt. In ihrem Körper scheinen die Widerstandskräfte zu schwinden, die ihr Kopf mobilisiert. "Ich bin ein absoluter Gerechtigkeitsmensch", sagt sie. Als man ihr bei SCA sagte, sie solle sich für Abfindungsverhandlungen einen Anwalt nehmen, antwortete sie: "Brauch ich nicht." Im Mai, zum verabredeten Termin, kehrte sie an den Arbeitsplatz zurück, obwohl ihr Arbeitgeber sie mehrfach gebeten hatte, Urlaub zu nehmen.
Fiona Haramustek wirkt selbstbewusst, trotz allem. Eine gewisse Härte ist ihr anzumerken, mit der sie sich unter Männern immer zu behaupten wusste. "Ich trage Probleme nicht vor mir her", sagt sie. Der Wille, sich nichts anmerken zu lassen, lässt ihre Mimik gefrieren. Sie lächelt nie, klagt nie, hustet nur dauernd, als man sie ein paar Wochen nach dem ersten Treffen zum Mittagessen abholt.
Ismaning, ein Industriegebiet. In einem schwarz-weißen Seidenkleid sitzt sie zwischen zwei Zimmerpalmen. Das Mobiliar riecht neu, die Akten sind alt. Nur abgeschlossene Fälle durfte sie mitnehmen, als sie vor einem halben Jahr das Büro bezog. Es liegt 15 Kilometer von der SCA-Zentrale im Münchner Airport Center entfernt, in der die anderen Kollegen der Rechtsabteilung mit den aktuellen Akten sowie das Management untergebracht sind. Nach ihrer Rückkehr ist Fiona Haramustek zu den Computer-Abteilungen und dem betrieblichen Pensionsfonds ausquartiert worden.
Ihr Telefon hat an diesem Tag noch nicht geklingelt. Arbeit bekommt sie von einem Kollegen per E-Mail zugewiesen. In diesem Büro fühlt man sich an den zynischen Ausdruck von Personalmanagern erinnert: Sterbezimmer. Isoliert von den Kollegen, abgeschnitten von interessanter Arbeit, sitzen Mitarbeiter dort, bis sie kündigen.
Fiona Haramustek zieht eine Karte aus ihrer Handtasche: ein Weihnachtsgruß. "Liebe Fiona", schrieb ihr Chef ihr noch während des Mutterschutzes, "vielen Dank für die ausgezeichnete Arbeit während des Jahres. Ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit, wenn du wiederkommst." – "Da schwelte kein Streit", sagt sie, "im Gegenteil."
Sie hängt sich ihre Tasche über die Schulter und geht fast schreitend die Treppe in den Keller hinunter. Durch etliche Brandtüren hindurch geht es zur Kantine. Der Kantinenchef begrüßt sie. Von einem hinteren Tisch winken ihr eine Sekretärin und der Leiter des Fuhrparks zu. Was Fiona Haramustek an Kontakten bei SCA blieb, sind diese Kantinenbekanntschaften. Sie belädt ihr Tablett und geht zum Nachbartisch. Da sitzt sie in ihrer feinen Garderobe in einem Keller in Ismaning über einem Cordon bleu und versucht, ihre Würde zu wahren.
"Bei erfolgreichen Frauen ist die Arbeitsrolle doch die viel bestimmendere als die Mutterrolle", sagt die Münchner Professorin Barbara Vinken, die den deutschen Muttermythos untersucht hat. Mit ihrer Arbeit hätten sich die Frauen über die Jahre selbst entworfen – sie kommen nicht ohne sie aus. Deshalb ist es heute fatal, wenn eine Mutter aus dem Job gedrängt wird: "Dann führt der Glücksfall, der jede Geburt ist, letztlich zur Zerstörung ihrer Existenz: nicht unbedingt finanziell, aber psychisch."
Fiona Haramustek sagt, sie tröste sich jetzt damit, dass sie so ein tolles Kind habe. Es klingt eher wie ein Vorsatz: Sie wirkt auf ihre kontrollierte Art tief enttäuscht.
Einen Anwalt hat sie sich nun doch genommen: Stefan Filippi, einen Arbeitsrechtler aus Frankfurt, den der "drastische Umgang" mit Fiona Haramustek erstaunt, wie er sagt, nicht aber der Versuch überhaupt, sie in der Elternzeit aus dem Job zu drängen. Dass so etwas regelmäßig passiert, deutet auch eine Umfrage der Bundesanstalt für Arbeit an. Darin bezeichneten sich ein Sechstel der Frauen nach drei Jahren Elternzeit als arbeitssuchend, die zuvor Arbeit hatten. Dabei ist eine Kündigung in der Zwischenzeit eigentlich verboten. Um die Frauen trotzdem loszuwerden, müssen die Arbeitgeber sie entweder zermürben oder überrumpeln – wie ein Spediteur aus Baden-Württemberg, der einer Angestellten einen Scheck über 2000 Euro als Abfindung übergab, als sie nach dem verabredeten Jahr Auszeit zurückkehrte. Sie jobbt jetzt in einem Schuhgeschäft. Andere Firmen legen die verabredete Teilzeitarbeit so, dass die Mitarbeiterin keine Kinderbetreuung findet. Aus betrieblichen Gründen, leider.
Fiona Haramustek sagt, dass sie mit SCA eine Viertagewoche ausgemacht hatte. Im Spätsommer hat die Firma sie aufgefordert, wieder an fünf Tagen zu kommen. "Dabei habe ich doch gar nichts zu tun", sagt sie. "Ich hatte denen erzählt, wie schwer es war, ein Kindermädchen zu finden, das an vier Tagen in der Woche Zeit hat. Und freitags kann mein Kindermädchen nicht." Eine fast unglaubliche Reihe von Gemeinheiten. Ist doch noch etwas anderes vorgefallen?
Gegenbesuch bei SCA am Flughafen. Der Boden aus hellem Holz, in den Vitrinen ungewöhnlich gewöhnliche Exponate: Damenbinden, Taschentücher, Küchenpapier – das Sortiment von SCA. Ein Unternehmen, das ein gewisses Verständnis für den privaten Alltag haben muss, allein aus professionellen Gründen. Und wie steht es um das Verständnis für den privaten Alltag der Mitarbeiter?
Karla Hoffmeister, die Personalleiterin, hat ein paar Beispiele mitgebracht, die belegen sollen, dass SCA besonders familienfreundlich sei: Einer Mitarbeiterin habe man während der Elternzeit sogar ein Studium mitfinanziert. Doch warum das Unternehmen Fiona Haramustek wieder jeden Tag braucht, will sie nicht sagen. Keine der Anschuldigungen räumt sie aus. Sie sagt nur: "Es hat eine Umstrukturierung gegeben." Zwei Rechtsabteilungen wurden zusammengelegt. "Der laufende Fall hat mit Frau Haramusteks Mutterschaft überhaupt nichts zu tun." Es handele sich "um eine zeitlich unglückliche Koinzidenz".
Die Personalleiterin ist die Einzige aus dem Unternehmen, die sich überhaupt äußert. Wenn man anruft, um etwa mit Fiona Haramusteks Chef zu sprechen oder mit dem obersten Juristen in Schweden, hat man immer wieder sie am Apparat. "Ich kann keine Details kommentieren. Der Fall liegt beim Arbeitsgericht."
Bei einem ersten Termin in der zweiten Januarwoche versuchte die Richterin, den Streit in kleine, lösbare Punkte zu zerteilen. Sie schlug zum Beispiel vor, Fiona Haramustek könne freitags zwar arbeiten, aber von zu Hause aus. "Es drängt sich der Gedanke auf", sagte sie einmal, "dass es der Klägerin möglichst unbequem gemacht werden soll im Betrieb."
Ein kalter Wintertag. Fiona Haramustek sitzt auf ihrem Sofa in ihrer Altbauwohnung am Münchner Prinzregentenplatz. Sie ist krankgeschrieben: Von der Anspannung hat sie schwere Rückenschmerzen. Die Tochter, mittlerweile ein Jahr alt und ganz in Rosa gekleidet, hangelt sich am Wohnzimmertisch entlang. Eine Kinderfrau steht hinter ihr und wacht darüber, dass sie nicht hinfällt.
Wie Fiona Haramustek in ihrem Kaschmirpulli dasitzt und das Kindermädchen anweist, welche Mütze es für die Tochter heraussuchen soll, ist sie noch immer ganz die Karrierefrau. Kindermädchen und Tochter gehen auf den Spielplatz, Fiona Haramustek sucht das Protokoll eines sogenannten Jahresgespräches heraus, in dem bei SCA Führungskräfte bewertet werden. Darin heißt es: Fiona Haramustek sei direkt und klar, ehrlich und loyal, arbeite schnell und setze Prioritäten. Der einzige kritische Punkt: In manchen Situationen könnte sie "diplomatischer" sein. Immer wieder sagt Fiona Haramustek: "Ich habe nichts falsch gemacht."
Sie ist jemand, der im Leben immer alles richtig machen wollte. Deshalb trifft sie der Streit so hart. Sie war Einserschülerin, zügige Studentin, nach drei Jahren von der angestellten Anwältin in einer Kanzlei zur Partnerin aufgestiegen. Dann dieser gut dotierte Job in der Industrie. In der Vorweihnachtszeit, erzählt sie, hatte sie die Kollegen einmal zum Abendessen hier zu sich eingeladen. "Ein netter Abend." Es ist nicht zu verstehen, warum ihr jetzt keiner aus der Firma beisteht. "Ich kannte halt nur das Management. Und davon sind viele in der Zwischenzeit gegangen", sagt sie. Dies ist sicher auch eine Geschichte über die Kälte in den Chefetagen, nur dass sie diesmal eine Mutter zu spüren bekommt.
Dem obersten Justiziar aus Schweden hatte Fiona Haramustek im Frühjahr vom Umgang mit ihr berichtet – demjenigen, der ihr ausdrücklich geraten hatte, die Elternzeit auszudehnen. Er habe ihr geantwortet, sagt sie, dass sich alles um ein Missverständnis handeln müsse. Im Sommer hat er sich dann von sich aus bei ihr gemeldet. Das jährliche Treffen aller Justiziare des Konzerns stand an, in Philadelphia. Er hat sie ausgeladen.
- Datum 25.02.2009 - 16:09 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 22.01.2009 Nr. 05
- Kommentare 40
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:
Ich war empört, als ich diesen Artikel las.
Fiona Haramustek war Topmanagerin, sie bekam ein Kind und wurde aus ihrem Job gedrängt.
Na und?
Nun ist Fiona Haramustek traurig ,empört, wird krank und wendet sich an die Zeit
Sie bekam nur das mit gleicher Münze heimgezahlt, was sie sicherlich in ihrem Job
oft genug mit Frauen aus Ebenen unter ihr gemacht hat.
Und sie hat mit Sicherheit genauso zynisch auf die Probleme mit der Kinderbetreuung bei diesen Frauen reagiert, wie nun auf ihre Problem reagiert wird.
Nur das die Frauen in schlechteren Positionen nicht die finanziellen Möglichkeiten einer Topmanagerin haben , sich eine Kinderfrau zu nehmen, die müssen auf Oma
und Freunde zurückgreifen.
Schade , das sich die Zeit zum Sprachrohr einer frustrieten Topmanagerin machen lässt.
Das was ihr passiert ist, wird Frauen in unterern Ebenen schon lange angetan , nur..die Zeit hats bisher noch nicht interessiert.
kann schon sein, dass Frau Haramustek bevor sie selber Mutter wurde, die Stolpersteine, die anderen berufstätigen Eltern in den Weg gelegt wurden nicht gesehen hat (oder dass sie selber damals solche Stolpersteine ausgelegt hat). Trotzdem: ich habe - wenn ich auch als "normale Angestellte" genau die selbe Geschichte erlebt und bin froh, dass sich mal jemand traut, diese öffentlich zu machen! Ich weiss gar nicht, was los ist, aber Mutter zu werden scheint im deutschen Berufsleben das Schlimmste überhaupt zu sein, und man kriegt alles Mögliche angehängt, um bloß zu verschwinden - auch wenn man Nicht-Mutter eine geschätzte Mitarbeiterin war - auf einmal ist alles ganz anders. Ich weiss nicht, woher diese Neurose kommt und wenn das nicht so traurig, verachtend und kontraproduktiv wäre, wäre es zum Lachen.
1. Ueber das, was Frau Haramustek fruehr gemacht oder nicht gemacht hat, wissen Sie nichts, schon gar nicht "mit Sicherheit".
2. "frustrierte Topmanagerin": Was koennten Sie mit dieser abwertend gemeinten Formulierung meinen ? Frau Haramustek hat allen Grund, frustriert zu sein. Stoert es sie vielleicht, dass eine Frau eine Leitungsposition hat ? Haben Sie ein Problem damit, dass andere Frauen im Beruf mehr erreicht haben als Sie ? Ist Mobbing fuer eine Verkaeuferin schlimm, aber fuer eine Magerin genau das, was sie verdient ?
3. Die ZEIT interessiert sich fuer sehr vieles, unter anderem auch dafuer, was "Frauen in unteren Ebenen angetan wird." Ich finde jedenfalls alle gesellschaftlichen Gruppen in Artikeln der ZEIT vertreten. Die Unterschicht ist gegenueber der Zusammensetzung der Leserschaft der ZEIT sogar recht ueberrepraesentiert. Das spricht sehr fuer ein soziales Bewusstsein der Redaktion.
Ich habe nichts getan, außer ein Kind zu bekommen.
Ein Kind ist eben nicht nichts. Ein Kind zu bekommen ist eine verantwortungsvolle Entscheidung, durch die das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatem eben nicht ungestört bleibt.
Und gerade als Topmanagerin unterstützt und identifiziert sie sich sehr stark mit der Unternehmenskultur und der Job wir dementsprechend auch gut bezahlt, weil mit dem Posten auch die Bereitschaft einhergeht sich dementsprechend einzubringen. Da kann man dann doch nicht einfach sagen, ups, Kind, nichts passiert. Das ist doch ein Risiko, das ich bereit sein muß einzugehen, um notfalls eine andre nicht weniger ansprechende Beschäftigung zu finden, die der neuen Situation nicht entgegensteht.
Warum ist sie nicht überrascht, und von den Menschen enttäuscht, und wechselt zu einer anderen Firma, deren Firmenkultur Familienfreundlicher eingestellt ist?
Das müssen tagtäglich andre Leute auch auf sich nehmen.
Für die Problematik kann ich Verständnis aufbringen, nicht aber für diese Naivität .
kann schon sein, dass Frau Haramustek bevor sie selber Mutter wurde, die Stolpersteine, die anderen berufstätigen Eltern in den Weg gelegt wurden nicht gesehen hat (oder dass sie selber damals solche Stolpersteine ausgelegt hat). Trotzdem: ich habe - wenn ich auch als "normale Angestellte" genau die selbe Geschichte erlebt und bin froh, dass sich mal jemand traut, diese öffentlich zu machen! Ich weiss gar nicht, was los ist, aber Mutter zu werden scheint im deutschen Berufsleben das Schlimmste überhaupt zu sein, und man kriegt alles Mögliche angehängt, um bloß zu verschwinden - auch wenn man Nicht-Mutter eine geschätzte Mitarbeiterin war - auf einmal ist alles ganz anders. Ich weiss nicht, woher diese Neurose kommt und wenn das nicht so traurig, verachtend und kontraproduktiv wäre, wäre es zum Lachen.
1. Ueber das, was Frau Haramustek fruehr gemacht oder nicht gemacht hat, wissen Sie nichts, schon gar nicht "mit Sicherheit".
2. "frustrierte Topmanagerin": Was koennten Sie mit dieser abwertend gemeinten Formulierung meinen ? Frau Haramustek hat allen Grund, frustriert zu sein. Stoert es sie vielleicht, dass eine Frau eine Leitungsposition hat ? Haben Sie ein Problem damit, dass andere Frauen im Beruf mehr erreicht haben als Sie ? Ist Mobbing fuer eine Verkaeuferin schlimm, aber fuer eine Magerin genau das, was sie verdient ?
3. Die ZEIT interessiert sich fuer sehr vieles, unter anderem auch dafuer, was "Frauen in unteren Ebenen angetan wird." Ich finde jedenfalls alle gesellschaftlichen Gruppen in Artikeln der ZEIT vertreten. Die Unterschicht ist gegenueber der Zusammensetzung der Leserschaft der ZEIT sogar recht ueberrepraesentiert. Das spricht sehr fuer ein soziales Bewusstsein der Redaktion.
Ich habe nichts getan, außer ein Kind zu bekommen.
Ein Kind ist eben nicht nichts. Ein Kind zu bekommen ist eine verantwortungsvolle Entscheidung, durch die das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatem eben nicht ungestört bleibt.
Und gerade als Topmanagerin unterstützt und identifiziert sie sich sehr stark mit der Unternehmenskultur und der Job wir dementsprechend auch gut bezahlt, weil mit dem Posten auch die Bereitschaft einhergeht sich dementsprechend einzubringen. Da kann man dann doch nicht einfach sagen, ups, Kind, nichts passiert. Das ist doch ein Risiko, das ich bereit sein muß einzugehen, um notfalls eine andre nicht weniger ansprechende Beschäftigung zu finden, die der neuen Situation nicht entgegensteht.
Warum ist sie nicht überrascht, und von den Menschen enttäuscht, und wechselt zu einer anderen Firma, deren Firmenkultur Familienfreundlicher eingestellt ist?
Das müssen tagtäglich andre Leute auch auf sich nehmen.
Für die Problematik kann ich Verständnis aufbringen, nicht aber für diese Naivität .
kann schon sein, dass Frau Haramustek bevor sie selber Mutter wurde, die Stolpersteine, die anderen berufstätigen Eltern in den Weg gelegt wurden nicht gesehen hat (oder dass sie selber damals solche Stolpersteine ausgelegt hat). Trotzdem: ich habe - wenn ich auch als "normale Angestellte" genau die selbe Geschichte erlebt und bin froh, dass sich mal jemand traut, diese öffentlich zu machen! Ich weiss gar nicht, was los ist, aber Mutter zu werden scheint im deutschen Berufsleben das Schlimmste überhaupt zu sein, und man kriegt alles Mögliche angehängt, um bloß zu verschwinden - auch wenn man Nicht-Mutter eine geschätzte Mitarbeiterin war - auf einmal ist alles ganz anders. Ich weiss nicht, woher diese Neurose kommt und wenn das nicht so traurig, verachtend und kontraproduktiv wäre, wäre es zum Lachen.
1. Ueber das, was Frau Haramustek fruehr gemacht oder nicht gemacht hat, wissen Sie nichts, schon gar nicht "mit Sicherheit".
2. "frustrierte Topmanagerin": Was koennten Sie mit dieser abwertend gemeinten Formulierung meinen ? Frau Haramustek hat allen Grund, frustriert zu sein. Stoert es sie vielleicht, dass eine Frau eine Leitungsposition hat ? Haben Sie ein Problem damit, dass andere Frauen im Beruf mehr erreicht haben als Sie ? Ist Mobbing fuer eine Verkaeuferin schlimm, aber fuer eine Magerin genau das, was sie verdient ?
3. Die ZEIT interessiert sich fuer sehr vieles, unter anderem auch dafuer, was "Frauen in unteren Ebenen angetan wird." Ich finde jedenfalls alle gesellschaftlichen Gruppen in Artikeln der ZEIT vertreten. Die Unterschicht ist gegenueber der Zusammensetzung der Leserschaft der ZEIT sogar recht ueberrepraesentiert. Das spricht sehr fuer ein soziales Bewusstsein der Redaktion.
(entfernt. Bitte verzichten Sie darauf, persönliche Streitigkeiten hier auszutragen. Die Redaktion/jk)
Mich hat der Artikel sehr angesprochen.
Ich würde Frau Haramustek empfehlen, diese Zeit als eine bezahlte Auszeit zu nutzen und Dinge zu klären z.B.:
Warum hat sich ihr Chef plötzlich so anders verhalten, als sie erwartet hat. Mir erscheint es so, als hätte er nur darauf gewartet, sich von ihr trennen zu können, als er ihr empfahl, das Kind so richtig zu genießen. Normal wäre gewesen zu sagen: Wir freuen uns, wenn Sie wieder zurückkommen.
Vielleicht sollte sie sich mit allgemeinen Dingen beschäftigen, die sicherlich bei der bisherigen Karriere zu kurz gekommen sind – z.B.
mit Problemen bei Hochbegabung, die wahrscheinlich bei ihr vorliegt.
Mit den Verhältnis Mann-Frau und mit den Tabus und Vorurteilen, die es immer noch gibt und wahrscheinlich auch noch lange geben wird und die ihr offensichtlich bisher nicht begegnet sind.
Ich wünsche ihr viele Erkenntnisse und vielleicht ist es ein Scheideweg, bei dem sie später einmal sagt – wie gut, dass ich diese Krise als etwas Positives angenommen habe – so hart, wie es im Moment auch zu sein scheint. Aber Karriere ist nicht alles und zu einem vollständigen Leben gehört mehr.
Alles Gute auf dem weiteren Weg.
Auf der anderen Seite finde ich es aber auch fraglich, wie ein TOP-Manager Beruf und Familie in Einklang bringen will. Die dauernde Verfügbarkeit, Stress, Überstunden werden ja finanziell entlohnt als eine Art Entschädigung für entgangenes Privatleben. Jetzt entscheidet sich dieser Mensch dafür, dass der Beruf nicht mehr die Hauptrolle in seinem Leben spielen soll, will aber genau so viel Macht/Geld wie einer, der sein Privatleben dafür aufgibt.
Sicherlich sollten Erziehende in der Lage sein, einen ‚normalen‘ Beruf auszuüben. Aber darauf zu bestehen, einen Fulltime-Job mit regelmäßiger Freizeit und Flexibilität zu bekommen, erscheint mir unverschämt. Das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer.
Eine wichtige(!) Führungskraft hat gefälligst den Beruf vor das Privatleben zu stellen, sie trägt ja auch die Verantwortung für viele Mitarbeiter. Dass diese Mitarbeiter jetzt um ihre Arbeit besorgt und böse sind, erscheint mir verständlich. Ansonsten sollte sie wirklich einen ‚ruhigeren‘ Job annehmen – es zwingt sie ja auch niemand dazu sich dort aufzureiben.
Was so bei einigen Beiträgen auffällt (also nicht nur bei Ihnen), ist, dass es wohl für einen persönlichen Luxus gehalten wird, Kinder zu bekommen.
Erinnert mich irgendwie an die Sache mit Hunden: "Bevor Sie sich einen Hund anschaffen, sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie ausreichend Zeit haben, mit ihm gassi zu gehen und ob Sie für ihn Unterkunft finden, wenn Sie mal verreisen wollen, ..."
Selber Schuld wer Kinder bekommt, oder wie jetzt?
Ich weiss ja nicht, ob das der eine oder andere vergisst, aber eine Gesellschaft braucht Kinder, um zu überleben. Nicht nur der Rentenkassen wegen, sondern für ihre Existenz. ( Und komme hier ja niemand auf die Idee zu sagen, die Erde wäre eh schon übervölkert. That's not the point!)
Gesellschaft braucht Kinder um zu Überleben
+
Eltern der Kinder brauchen Arbeit, damit Kind überlebt (simplifizierende Darstellung (Ironie). Es gibt natürlich auch noch andere Gründe zu arbeiten)
=
Arbeitende Eltern
Warum ist das hier denn so ein Problem? Andere Länder kriegen es doch auch hin!
Aber man (frau) kann auch in Deutschland mit Kindern gute Führungskraft sein. Eine bekannte Professorin hat zwei davon, leitet ein Institut, hat 20 Doktoranden und sitzt in diversen Gremien - und macht einen wirklich guten Job.
Was so bei einigen Beiträgen auffällt (also nicht nur bei Ihnen), ist, dass es wohl für einen persönlichen Luxus gehalten wird, Kinder zu bekommen.
Erinnert mich irgendwie an die Sache mit Hunden: "Bevor Sie sich einen Hund anschaffen, sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie ausreichend Zeit haben, mit ihm gassi zu gehen und ob Sie für ihn Unterkunft finden, wenn Sie mal verreisen wollen, ..."
Selber Schuld wer Kinder bekommt, oder wie jetzt?
Ich weiss ja nicht, ob das der eine oder andere vergisst, aber eine Gesellschaft braucht Kinder, um zu überleben. Nicht nur der Rentenkassen wegen, sondern für ihre Existenz. ( Und komme hier ja niemand auf die Idee zu sagen, die Erde wäre eh schon übervölkert. That's not the point!)
Gesellschaft braucht Kinder um zu Überleben
+
Eltern der Kinder brauchen Arbeit, damit Kind überlebt (simplifizierende Darstellung (Ironie). Es gibt natürlich auch noch andere Gründe zu arbeiten)
=
Arbeitende Eltern
Warum ist das hier denn so ein Problem? Andere Länder kriegen es doch auch hin!
Aber man (frau) kann auch in Deutschland mit Kindern gute Führungskraft sein. Eine bekannte Professorin hat zwei davon, leitet ein Institut, hat 20 Doktoranden und sitzt in diversen Gremien - und macht einen wirklich guten Job.
Ich arbeite zur Zeit noch in einen größeren Industrieunternehmen in der Entwicklungsabteilung.
Was über Frau Haramustek in dem Artikel berichtet wird, finde ich sehr tragisch. Ich denke aber nicht, dass es hier um eine spezielle Diskriminierung von schwangeren Frauen geht. Hätte ein Mann oder eine nicht schwangere Frau in ihrer Führungsposition aus anderen Gründen (Pflegen eines älteren Menschen, Krankheit, Auslandsaufenthalt, ...) eine ähnlich lange Fehlzeit aufgewiesen, wäre es dieser Person wahrscheinlich auch nicht anders ergangen.
Ich denke, wenn man sich ins Management kämpft, muss man sich klar sein, dass man sich dann in einer Ellenbogengesellschaft befindet. Man steigt auf, indem man einen freien Platz einnimmt oder einen Platz freimacht. Wenn man das Machtgefüge verlässt, füllt sich das Machtvakuum schneller als man denkt. Das sind nun mal die Regeln des Business.
In letzter Zeit wird viel von Verantwortung von Führungskräften gesprochen. Frau Haramustek hatte jetzt nach meinen Informationen keine Personalverantwortung, sondern "nur" eine hochdotierte Fachfunktion. Im Falle von Personalverantwortung muss man sich aber auch fragen, ob es z.B. ein Abteilungsleiter, der fünfzig Angestellte unter sich hat, vertreten kann, dass er seiner Abteilung für ein Jahr den Rücken kehrt. Als Angestellter erwarte ich ja schon, dass, wenn z. B. ein Zeichnungsberechtigter erforderlich ist, mein Abteilungsleiter seinen Urlaub unterbricht, um die erforderlichen Tätigkeiten auszuführen.
Man sollte in diesem Zusammenhang reflektieren, ob die derzeitige Leistungsethik wünschenswert ist, oder ob man vielleicht die Messlatte unserer Manager tiefer legt (kann man dann gleich, wie aus von der SPD öfters gefordert, mit einem geringeren Gehalt verbinden).
Auf der anderen Seite kann ich die persönliche Situation von Frau Haramustek verstehen. Die Geburt eines Kindes sollte kein Kündigungsgrund sein. Von einem skandinavischen Unternehmen hätte mehr erwartet. Ob in diesem Fall der oft geforderte Ausbau der Kinderbetreuung eine Verbesserung ihrer Situation gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln. Die Elternzeit ihres Mannes hätte ihr beruflich wahrscheinlich mehr Luft gegeben.
Ich habe nichts getan, außer ein Kind zu bekommen.
Ein Kind ist eben nicht nichts. Ein Kind zu bekommen ist eine verantwortungsvolle Entscheidung, durch die das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatem eben nicht ungestört bleibt.
Und gerade als Topmanagerin unterstützt und identifiziert sie sich sehr stark mit der Unternehmenskultur und der Job wir dementsprechend auch gut bezahlt, weil mit dem Posten auch die Bereitschaft einhergeht sich dementsprechend einzubringen. Da kann man dann doch nicht einfach sagen, ups, Kind, nichts passiert. Das ist doch ein Risiko, das ich bereit sein muß einzugehen, um notfalls eine andre nicht weniger ansprechende Beschäftigung zu finden, die der neuen Situation nicht entgegensteht.
Warum ist sie nicht überrascht, und von den Menschen enttäuscht, und wechselt zu einer anderen Firma, deren Firmenkultur Familienfreundlicher eingestellt ist?
Das müssen tagtäglich andre Leute auch auf sich nehmen.
Für die Problematik kann ich Verständnis aufbringen, nicht aber für diese Naivität .
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren