Holocaust-Gedenktag Die unbedachten Toten

Routiniert gedenkt Deutschland des Holocaust – vergisst aber immer noch die osteuropäischen Opfer der NS-Vernichtungspolitik

Als am 27. Januar 1996 zum ersten Mal der »Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus« begangen wurde, mischte sich Genugtuung mit Ratlosigkeit bei allen, die sich in Museen, Gedenkstätten und Bürgerinitiativen um die Erinnerung an die NS-Verbrechen bemühen. Genugtuung, weil mit der Proklamation des Gedenktages durch Bundespräsident Herzog die Bedeutung der eigenen Arbeit für das Selbstverständnis der Bundesrepublik anerkannt wurde. Und Ratlosigkeit, weil unklar war, wie man einen solchen Tag begehen sollte, für den es kein Vorbild gab.

An die Stelle der Ratlosigkeit ist seither Routine getreten, die allerdings nicht unbedingt verwerflich sein muss. Natürlich bleibt eine Spannung zwischen dem Ritualcharakter von Gedenktagen und dem Ziel, mit jeder Veranstaltung und jedem Projekt zum Thema des nationalsozialistischen Massenmordes die Bürger auch zu erreichen und zu bewegen. Aber die Veranstalter auf der höchsten Ebene des Bundestages wie auch der zahlreichen lokalen Gruppen können in der Regel mit ihrer Arbeit zufrieden sein, sie erreicht die Bürger.

Trotzdem weckt die Gedenkpraxis Unbehagen. Denn es hat sich eine Opfererinnerung herausgebildet, die bedeutende Aspekte der historischen Realität der NS-Mordpolitik ausblendet. Dabei ist die Verkürzung des Gedenktages auf den in den Medien üblichen Begriff »Holocaustgedenktag« noch verständlich, galten die Juden den Nazis doch als Wurzel allen Übels, standen sie im Zentrum der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Die Verkürzung des Gedenktages auf diese Opfergruppe scheint auch verständlich, wenn man sieht, welche Opfer der Verfolgung noch erwähnt werden. »Jährlich wird an diesem ›Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus‹ an die Millionen ermordeter Jüdinnen und Juden, aber auch der anderen Opfer des deutschen Nationalsozialismus: der Euthanasieopfer, der Sinti und Roma, der Kommunisten, der Sozialdemokraten, der Gewerkschafter, der Homosexuellen und der Christen gedacht.«

Diese Charakterisierung (wie sie beispielhaft vom Bezirksamt Mitte von Berlin im vergangenen Jahr formuliert wurde) fasst idealtypisch die gegenwärtige Wahrnehmung der Mordopfer zusammen, sie findet sich in den Reden hoher Repräsentanten der Bundesrepublik wie etwa des Bundespräsidenten Johannes Rau im Jahr 2001 wie auch in den zahlreichen lokalen Gedenkfeiern. Und auch das Ensemble von Berliner Denkmälern, mit denen offiziell an die Verbrechen des Nationalsozialismus erinnert wird, entspricht im Wesentlichen diesem Erinnerungsraster: das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das (noch nicht fertiggestellte) Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma, das für die verfolgten Homosexuellen sowie das Denkmal, das an die »T4-Aktion« zur Ermordung der Behinderten erinnert.

Die nach Millionen zählenden Opfer, die unter den rassistischen Prämissen nationalsozialistischer Herrschaft als »slawische Untermenschen« in Osteuropa ermordet wurden, fallen dagegen noch immer aus der Erinnerung der deutschen Öffentlichkeit heraus. Noch immer ist die Mordpolitik gegen die serbische Bevölkerung kein Thema, sind die weit über eine Million zählenden nichtjüdischen Opfer des NS-Terrors in Polen keiner Erwähnung wert, sind die Millionen sowjetischer Bürger, die die deutsche Führung im Frühjahr 1941 in der Sowjetunion durch direkte Gewalt und vor allem durch Hunger vernichten wollte, nicht in das Gedenken an die Opfer eingeschlossen worden. Nicht die über drei Millionen (von insgesamt 5,7 Millionen) sowjetischen Kriegsgefangenen, die, aller Schutzbestimmungen des Völkerrechts beraubt, durch Hunger oder Erschießung getötet wurden, nicht die 800000 bis eine Million Einwohner Leningrads, die Opfer einer Belagerungsstrategie wurden, mit der der Hungertod aller drei Millionen Einwohner der Stadt geplant wurde, nicht die Hunderttausende der bäuerlichen Bevölkerung, die in flächendeckenden Aktionen unter vagestem Partisanenverdacht ermordet wurden. Einzig die polnischen und sowjetischen Zwangsarbeiterinnen fanden 2001, dem Jahr ihrer, nach langer Verzögerung zustande gekommenen, Entschädigung, kurzzeitig Erwähnung, aber auch hier reichte unsere kollektive Empathie nicht aus, sie in die Reihe der Opfer des NS-Terrors aufzunehmen.

Im Oktober 1943 fasste Heinrich Himmler die Grundsätze des Vernichtungskrieges in seiner berüchtigten Posener Rede noch einmal zusammen: »Wie es den Russen geht, wie es den Tschechen geht, ist mir total gleichgültig. … Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur insoweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht. Ob beim Bau eines Panzergrabens zehntausend russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur insoweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird. Wir werden niemals roh und herzlos sein, wo es nicht sein muss; das ist klar. Wir Deutsche, die wir als einzige auf der Welt eine anständige Einstellung zum Tier haben, werden ja auch zu diesen Menschentieren eine anständige Einstellung einnehmen…«

Mangel an Kenntnis der Fakten kann heute nicht mehr der Grund für die Verdrängung des Völkermordes sein. Die deutsche historische Forschung hat – spät genug – vor dreißig Jahren begonnen, sich dem Thema des Vernichtungskriegs im Osten zuzuwenden, und seitdem zahlreiche differenzierte Darstellungen der Verbrechen veröffentlicht. Diese Fakten wurden auch einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt, etwa in der zweiten Wehrmachtsausstellung. Die Wahrnehmungssperre ist jedoch älter und sitzt tiefer.

Gegenüber Polen, aber vor allem gegenüber der Sowjetunion/Russland sahen sich die Deutschen vor allem als Opfer, ideologisch und mental präpariert durch eine Propaganda, die die drohenden asiatischen Horden als Rechtfertigung der eigenen Aggression beschworen hatte, und dann scheinbar bestätigt in der kollektiven eigenen Erfahrung vom Kriegsschrecken im Osten, von Gefangenschaft, Vertreibung und sowjetischen Racheexzessen in Deutschland. So konnte es den Westdeutschen im Kalten Krieg leichtfallen, die Kämpfe deutscher Soldaten an der Wolga als vorgeschobene Verteidigung des Abendlandes auszugeben. Auch von der Sowjetunion wurde diese Haltung nicht wirklich erschüttert, sah sie sich doch als Sieger über den Faschismus und nicht als Opfer des Vernichtungskrieges. Und die summarischen Verurteilung von 20000 deutschen Kriegsgefangenen als Kriegsverbrecher in den Jahren 1948/49 bot den Deutschen ein Alibi, sich nicht als Täter, sondern als Opfer zu sehen.

Es ist jedoch, gemessen an unseren proklamierten Ansprüchen, unerträglich, diese Opfer, die mit dem Stigma der minderwertigen slawischen Rasse in Millionenzahl vor allem durch Hunger vernichtet wurden, aus unserer Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus auszuschließen. Es ist unerträglich, weil es unser öffentliches Bild vom Charakter des Nationalsozialismus um ein ganz wesentliches Stück verkürzt. Es ist zugleich moralisch unerträglich, den Opfern die Erinnerung und damit Mitleiden und Achtung zu verweigern. Und wem das nicht ausreicht, möge darauf verwiesen werden, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir von polnischer Seite mit der Forderung nach Anerkennung der Verbrechen unter deutscher Besatzungsherrschaft ohne den ultranationalistischen Kontext der Kaczyńskis konfrontiert werden, der uns die Zurückweisung so leicht machte. Und auch auf russischer Seite steht ein Generationswechsel an, der weniger heroische und mehr trauernde Erinnerung an den »Großen Vaterländischen Krieg« mit sich bringen wird. Dann werden wir auch von dort gefragt werden, welchen Platz die Opfer ihres Landes in unserem historischen Gedächtnis erhalten haben.

 
Leser-Kommentare
    • Gafra
    • 26.01.2009 um 19:43 Uhr

    Und hier der Verein, der sich um die alten, noch überlebenden Opfer dieser Vernichtungspolitik und die überlebenden Kriegsgefangenen kümmert. http://www.kontakte-konta...

  1. Wie steht es mit den Tausenden von Opfern in den nach 1945 weiter bestehenden KZs der sowjetischen Besatzungszone, z.B. Buchenwald und Torgau? Wie steht es mit den Ermordeten von Marienburg? Wie steht es mit den Opfern der Stasi in der späteren DDR?
    Haben sie ihr Leben umsonst geopfert?

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    die Erinnerung an die Opfer des Faschismus in den Dreck zu treten?

    die Erinnerung an die Opfer des Faschismus in den Dreck zu treten?

    • keox
    • 26.01.2009 um 20:00 Uhr

    »Wie es den Russen geht, wie es den Tschechen geht, ist mir total gleichgültig. … Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur insoweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht. Ob beim Bau eines Panzergrabens zehntausend russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur insoweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird. Wir werden niemals roh und herzlos sein, wo es nicht sein muss; das ist klar. Wir Deutsche, die wir als einzige auf der Welt eine anständige Einstellung zum Tier haben, werden ja auch zu diesen Menschentieren eine anständige Einstellung einnehmen…«
    (Anmerkung: Bitte machen Sie Zitate etwas deutlicher kenntlich. Die Redaktion/jk)

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    • Anonym
    • 26.01.2009 um 20:13 Uhr

    was genau wollen Sie damit ausdrücken, einen Spruch aus dem 21. Jahrhundert über ein Zitat von Himmler zu setzen?

    Salus Publica Suprema Lex

    • Anonym
    • 26.01.2009 um 20:13 Uhr

    was genau wollen Sie damit ausdrücken, einen Spruch aus dem 21. Jahrhundert über ein Zitat von Himmler zu setzen?

    Salus Publica Suprema Lex

    • JUKOS
    • 26.01.2009 um 20:12 Uhr

    Es ist eine Schande fuer Deutschland, fuer die Menschlichkeit, fuer die Menschenrechte, fuer die Gerechtigkeit und fuer alles wofuer das freie (frueher westliche) Deutschland steht, dass dies erst 64 Jahre nach dem Krieg zur Kenntnis genomen wird, dass Schulbuecher wahrscheinlich immer noch falsche Opferzahlen auf sovjetischer Seite angeben, dass Lehrer immer noch Deutschland als Opfer im Krieg darstellen und vieles mehr.
    Welch ein Verhalten haette man von der Sovjetunion nach dem Krieg denn erwarten sollen bei dieser gewaltigen Zahl an Opfern? Die Teilung Deutschlands war im Vgl. dazu verdammt harmlos. Die Deutschen sollten froh sein dass die Sovjetischen Komunisten scheinbar viel menschlicher und zivilisierter waren als die deutschen Nazis, sonst waere die deutsche Bevoelkerung wohl ausgerottet worden.

    • Anonym
    • 26.01.2009 um 20:13 Uhr

    was genau wollen Sie damit ausdrücken, einen Spruch aus dem 21. Jahrhundert über ein Zitat von Himmler zu setzen?

    Salus Publica Suprema Lex

    Antwort auf "Du bist D€UTSCHLAND"
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    • keox
    • 26.01.2009 um 20:44 Uhr

    greift eine faschistische Parole auf. Allerdings hieß sie damals "Denn Du bist Deutschland".

    Man nennt das Traditionspflege.

    • keox
    • 26.01.2009 um 20:44 Uhr

    greift eine faschistische Parole auf. Allerdings hieß sie damals "Denn Du bist Deutschland".

    Man nennt das Traditionspflege.

    • Anonym
    • 26.01.2009 um 20:14 Uhr

    scheint auch beim "Gedenken" in Deutschland das Ziel zu sein. Keine Gruppe der Verfolgten, kein Massaker, keine Untat der nicht gedacht wird, im TV laufen immer auf mind. einem Sender Doku-Filme über die "NS"-Zeit, meine Schulzeit bestand zu gefühlten 50% irgendwie aus der Nazi-Zeit, sei es im Geschichtsunterricht oder aber in Deutsch in der selbstredend entsprechende Bücher gelesen wurden oder in Sozialkunde wo es um Massenpsychologie ging, etc. Keine 6 Monate vergehen ohne eine Spiegel Titelgeschichte mit dem Konterfei von Hitler. Wofür immer Geld da ist sind Mahnmale, wofür immer Zeit ist sind ausführlichste Worte "deutscher Schuld" und so weiter. Die wohlfeile Aussage "es kann kein genug" geben bei diesem Thema ist viel zu pauschal, man kann alles exzessiv betreiben und der größte Teil der beklagten Routine beim Gedenken beruht mit Sicherheit darauf dass dieses Thema eben omnipräsent ist und daher eine ganz natürliche abstumpfung stattfindet. Zumal junge Deutsche wie ich weder direkt mit dieser Zeit zu tun hatten noch einer meiner Familienmitglieder (selbst meine Großeltern waren bei Kriegsende noch Schulkinder). So, dies ist also der Ist-Zustand.

    WER ist aber wirklich "unbedacht"? Nicht nur nicht Teil des großen staatstragenden Gedenkzirkus sondern nach wie vor totgeschwiegen? Die Schwulen. Klar es waren weniger als die Juden, seltsamerweise wird dieses "Argument" besonders von jenen vorgebracht die im Zusammenhang mit deutschen Opfern im Krieg sofort vor "Relativierung" warnen (es also nicht auf Opferzahlen ankommt da jedes Opfer eines zuviel ist). Wer relativiert hier also? Nach langer langer Debatte gibt es nun ein winziges Denkmal für die getöteten Homosexuellen am Rande des großen Stehlenfeldes (was aus irgend einem Grund nicht aller Opfer gedenkt sondern ausdrücklich den jüdischen Opfern, einen nachvollziehbaren Grund dafür hab ich bis heute nicht gehört). Freilich hat dieses Denkmal keine paar Wochen ohne einen Anschlag überstanden. Ohne den kollektiven Aufschrei der bei anderen Schändungen von Denkmälern erfolgt.
    Und während dem so ist werden alleine in Berlin tagtäglich Schwule Männer beleidigt, angespuckt, zusammengeschlagen. Nicht weil sie angelich "dumm" gekuckt haben, nicht weil sie darum baten eine Zigarette auszumachen.. dass derlei bei einigen "Mitbürgern" bereits genug Grund ist jemanden krankenhausreif zu schlagen daran haben wir uns bereits gewöhnt so scheint es. Nein, wegen ihrer Liebe. Weil sie es wagen sich nicht, wie immer noch die meisten Schwulen, im Schrank zu verstecken um ihre Liebe auszuleben oder schlicht in Einsamkeit leben da sie Angt haben sich zu ihrer Sexualität zu bekennen. Angt davor dass die eigenen Eltern einen auf einmal nicht mehr lieb haben, oder einfach Angst davor zusammengeschlagen zu werden weil man den Mann neben sich auf der Straße verliebt anschaut und der falsche in der Nähe ist.

    Solang dem so ist brauch mir keiner mit diesem stereotypen "Nie wieder" kommen. Die Lehre der Geschichte besteht darin HASS entgegenzutreten wo immer er auftritt. Diese Lehre wurde nie gezogen. Stattdessen ergeht man sich in "Nie wieder Deutschland" und den inzwischen erstarrten Ritualen und Reden von denen man bereits weiss worum sie handeln bevor der Sprecher auch nur den Mund aufmacht.

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    • keox
    • 26.01.2009 um 21:24 Uhr

    für verfolgte und ermordete Schwule ist eine einzige Sauerei. Den Beschreibungen nach blickt man in einen Würfel/Quader durch einen Schlitz und sieht zwei Männer sich küssen.

    Die Assoziationen sind: Peepshow, Darkroom - Schmuddelkram. Mir zumindest ist kein veröffentlichter Protest gegen diese Art von Gedenkkultur bekannt. Schon gar nicht von deutschen schwulen Politikern.

    Eine Skulpturengruppe weiblicher und männlicher Körper, die ihre Zuneigung ungeachtet jeder Zuordnung leben, hätte dem Gedenken sicher mehr gedient.

    Dieses Denkmal ist ein furchtbares Zeichen deutscher - auch politischer - Kultur.

    • Anonym
    • 27.01.2009 um 10:27 Uhr

    es stimmt, dass der "kollektive Aufschrei" nach der Schändung des Mahnmals für die ermordeten Homosexuellen ausgeblieben ist, wenige Tage später wurde dann auch noch das Mahnmal für die ermordeten Juden geschändet und ... ich stieg in diesem Forum massiv in das Thema Homosexualität ein, z.B. "Das interessiert doch wirklich niemanden" vom 26.08.2008

    Dies alles geschah ziemlich zeitnah mit der Ermordung eines schwulen deutschen Studenten (mit kurdischen Wurzeln) "um die Ehre seiner Familie wieder herzustellen." Von diesem Augenblick an war ich hier im ZEIT-ONLINE FORUM kaum noch zu bremsen und habe etliche Leser-Artikel und Dutzende Kommentare zum Thema Homosexualität verfasst.

    Doch zurück zum Thema Gedenken an NS-Opfer:
    Ja, das Mahnmal für die ermordeten Homosexuellen ist relativ klein, relativ versteckt und ICH HALTE ES FÜR WICHTIG UND GANZ GUT GELUNGEN!

    Was mich bis heute wahnsinnig ärgert: Diejenigen schwulen Männer, die die KZs überlebt haben, wurden auch in der Nach-Nazi-Zeit wie "Kriminelle" behandelt; der während der Nazi-Zeit "reanimierte" § 175 verhinderte die Rehabilitierung und finanzielle Entschädigung dieser Opfer. Man hat diesen Männern also dauerhaft Ihre Würde genommen - zum Kotzen!

    Zu #11 @Kox ... Haben Sie mal einen (vielleicht nur winzigen Augenblick) überlegt, bevor Sie den Kommentar verfasst haben? Für eine Satire finde ich Ihren Text nicht gut genug.

    Zu #16 tobiasrueger ... Sie haben vollkommen recht, gerade aus dem Umfeld der Juden in Deutschland (und auch anderswo) hat es von Anfang die Forderung gegeben ALLER Nazi-Opfer würdig zu gedenken und ... das monumentale Mahnmal für die ermordeten Juden war - ganz besonders unter Juden - äußerst umstritten (Stichwort: Lea Rosh).

    Lieber mahun, mir liegt es absolut fern so etwas wie "Konkurrenz" zwischen den einzelnen "Opfer-Gruppen" aufkommen zu lassen, zumal ich als schwuler Mann etwa 1/2 Dutzend jüdische Freunde und Bekannte habe und ... ES GIBT KEINE UNTERSCHIEDE IN UNSEREN AUFFASSUNGEN ZU DIESEM THEMA!

    Also mein Vorschlag:
    Gedenkt (wenn Ihr es schafft aus "unglaubwürdigen Ritualen" auszusteigen) würdig ALLER Nazi-Opfer, auch ... und ganz besonders der bisher "vergessenen" Menschen. Das wäre - für mich - ein Schritt in Richtung Glaubwürdigkeit.

    Gruss
    Knüppel

    • keox
    • 26.01.2009 um 21:24 Uhr

    für verfolgte und ermordete Schwule ist eine einzige Sauerei. Den Beschreibungen nach blickt man in einen Würfel/Quader durch einen Schlitz und sieht zwei Männer sich küssen.

    Die Assoziationen sind: Peepshow, Darkroom - Schmuddelkram. Mir zumindest ist kein veröffentlichter Protest gegen diese Art von Gedenkkultur bekannt. Schon gar nicht von deutschen schwulen Politikern.

    Eine Skulpturengruppe weiblicher und männlicher Körper, die ihre Zuneigung ungeachtet jeder Zuordnung leben, hätte dem Gedenken sicher mehr gedient.

    Dieses Denkmal ist ein furchtbares Zeichen deutscher - auch politischer - Kultur.

    • Anonym
    • 27.01.2009 um 10:27 Uhr

    es stimmt, dass der "kollektive Aufschrei" nach der Schändung des Mahnmals für die ermordeten Homosexuellen ausgeblieben ist, wenige Tage später wurde dann auch noch das Mahnmal für die ermordeten Juden geschändet und ... ich stieg in diesem Forum massiv in das Thema Homosexualität ein, z.B. "Das interessiert doch wirklich niemanden" vom 26.08.2008

    Dies alles geschah ziemlich zeitnah mit der Ermordung eines schwulen deutschen Studenten (mit kurdischen Wurzeln) "um die Ehre seiner Familie wieder herzustellen." Von diesem Augenblick an war ich hier im ZEIT-ONLINE FORUM kaum noch zu bremsen und habe etliche Leser-Artikel und Dutzende Kommentare zum Thema Homosexualität verfasst.

    Doch zurück zum Thema Gedenken an NS-Opfer:
    Ja, das Mahnmal für die ermordeten Homosexuellen ist relativ klein, relativ versteckt und ICH HALTE ES FÜR WICHTIG UND GANZ GUT GELUNGEN!

    Was mich bis heute wahnsinnig ärgert: Diejenigen schwulen Männer, die die KZs überlebt haben, wurden auch in der Nach-Nazi-Zeit wie "Kriminelle" behandelt; der während der Nazi-Zeit "reanimierte" § 175 verhinderte die Rehabilitierung und finanzielle Entschädigung dieser Opfer. Man hat diesen Männern also dauerhaft Ihre Würde genommen - zum Kotzen!

    Zu #11 @Kox ... Haben Sie mal einen (vielleicht nur winzigen Augenblick) überlegt, bevor Sie den Kommentar verfasst haben? Für eine Satire finde ich Ihren Text nicht gut genug.

    Zu #16 tobiasrueger ... Sie haben vollkommen recht, gerade aus dem Umfeld der Juden in Deutschland (und auch anderswo) hat es von Anfang die Forderung gegeben ALLER Nazi-Opfer würdig zu gedenken und ... das monumentale Mahnmal für die ermordeten Juden war - ganz besonders unter Juden - äußerst umstritten (Stichwort: Lea Rosh).

    Lieber mahun, mir liegt es absolut fern so etwas wie "Konkurrenz" zwischen den einzelnen "Opfer-Gruppen" aufkommen zu lassen, zumal ich als schwuler Mann etwa 1/2 Dutzend jüdische Freunde und Bekannte habe und ... ES GIBT KEINE UNTERSCHIEDE IN UNSEREN AUFFASSUNGEN ZU DIESEM THEMA!

    Also mein Vorschlag:
    Gedenkt (wenn Ihr es schafft aus "unglaubwürdigen Ritualen" auszusteigen) würdig ALLER Nazi-Opfer, auch ... und ganz besonders der bisher "vergessenen" Menschen. Das wäre - für mich - ein Schritt in Richtung Glaubwürdigkeit.

    Gruss
    Knüppel

  2. Sehr geehrte Benutzer,
    wir hoffen trotz des emotionalen Themas auf eine sachbezogene Debatte. Es würde uns freuen, wenn Sie dazu beitragen möchten.
    Mit freundlichen Grüßen,

    Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

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    Ich finde das eigentlich noch schwierig, emotional zu sein und dann darüber sachlich zu schreiben... Schliesst sich das nicht irgendwie aus?

    Oh hör mal, diese wunderschön klingende Musik !!! Ja stimmt, ich höhre auch diese Musik !

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    Ich finde das eigentlich noch schwierig, emotional zu sein und dann darüber sachlich zu schreiben... Schliesst sich das nicht irgendwie aus?

    Oh hör mal, diese wunderschön klingende Musik !!! Ja stimmt, ich höhre auch diese Musik !

    ;-)

    “When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara

    • keox
    • 26.01.2009 um 20:44 Uhr

    greift eine faschistische Parole auf. Allerdings hieß sie damals "Denn Du bist Deutschland".

    Man nennt das Traditionspflege.

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    • Anonym
    • 26.01.2009 um 21:04 Uhr

    "greift auf"?

    Oh ja, ganz bestimmt lag das in der Absicht der Macher, an die 30er Jahre anzuknüpfen und wieder einen faschistischen Staat auszurufen.

    Machen wir es also kurz: Alle außer Ihnen sind nach wie vor Faschisten und Nazis.
    Schon in Ordnung, träumen Sie weiter.

    Salus Publica Suprema Lex

    • Anonym
    • 26.01.2009 um 21:04 Uhr

    "greift auf"?

    Oh ja, ganz bestimmt lag das in der Absicht der Macher, an die 30er Jahre anzuknüpfen und wieder einen faschistischen Staat auszurufen.

    Machen wir es also kurz: Alle außer Ihnen sind nach wie vor Faschisten und Nazis.
    Schon in Ordnung, träumen Sie weiter.

    Salus Publica Suprema Lex

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