Staatshilfen Der neue Staatskapitalismus

Soll die öffentliche Hand angeschlagene Industrieunternehmen mit Steuergeld retten? Noch sagt die Regierung Nein. Doch mit jedem Krisentag steigt der Druck auf die Politik

Die Regierung unter Druck: Muss sie bald auch Steuergelder für angeschlagene Industrieunternehmen bewilligen?

Die Regierung unter Druck: Muss sie bald auch Steuergelder für angeschlagene Industrieunternehmen bewilligen?

Auf dem Schreibtisch steht sein Mittagessen, ein Teller mit Broten, ein Schälchen mit Obst. Aber Jürgen Rüttgers setzt sich nicht an seinen Schreibtisch. Er lässt sich in einen breiten Ledersessel fallen. Er muss nicht reden und nebenher essen, er kann sich Zeit nehmen für ein Gespräch. Wozu Hektik? Es läuft ja alles.

Vor knapp zwei Wochen hat Rüttgers öffentlich gefordert, dass der Staat sich in der Krise notfalls direkt an gefährdeten Betrieben beteiligen müsse, nicht nur an Banken. Der CDU-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen warnte vor der "strukturverändernden Zerstörungskraft der Krise", vor der "spürbaren Deindustrialisierung" der Republik. Einen staatlichen Investmentfonds wollte er dagegen in Stellung bringen, der, wenn nichts anderes hilft, bei bedrohten Unternehmen einsteigt: den "Deutschlandfonds". Die CDU – und an ihrer Spitze die Kanzlerin – diskutierte tagelang darüber. Die SPD spottete. Dann war der Vorschlag vom Tisch. Normalerweise hätte man den Fonds nun vergessen können.

Aber diese Zeiten sind nicht normal.

Und so sitzt Jürgen Rüttgers nun in seinem Büro in der Düsseldorfer Staatskanzlei, er schlägt die Beine übereinander, verschränkt die Hände hinter dem Kopf, lächelt. "Nach allem, was ich aus den Unternehmen höre, wird der Ruf nach Staatsbeteiligungen kommen", sagt er. Und dann wird der Deutschlandfonds doch noch Wirklichkeit.

Seit dem Beginn der Wirtschaftskrise gilt in der deutschen Politik ein neues Gesetz der Evolution. Ein überzeugtes Nein mutiert regelmäßig zu einem ebenso überzeugten Ja. Es muss sich nur die Lage von Monat zu Monat verschlimmern. Noch im Herbst sagten Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Vize Frank-Walter Steinmeier Nein zur Idee eines Konjunkturprogramms. Dann verkauften die Autokonzerne auf einmal keine Autos mehr, und die Große Koalition brachte das erste Konjunkturprogramm auf den Weg. Wenig später meldeten auch Chemie und Maschinenbau, dass die Aufträge ausblieben. Und die Koalition verabschiedete ein zweites, weit größeres Konjunkturprogramm.

An diesem Mittwoch gab die Bundesregierung ihre neue Prognose bekannt: Demnach schrumpft die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 2,2 Prozent. Trotz Konjunkturprogramm. Minus 2,2 Prozent bedeutet: Firmenpleiten, Arbeitslose und jeden Tag neue Berichte über die größte Krise in der Geschichte der Bundesrepublik. Dann wird es wieder heißen, die Politik müsse handeln. "Das ist die typische Dynamik einer solchen Krise", sagt Stefan Homburg, Ökonomieprofessor an der Universität Hannover. Je mehr schlechte Nachrichten kommen, desto schneller wird die Bundesregierung über weitere Rettungsmaßnahmen diskutieren. Dann wird der Deutschlandfonds wieder zum Thema werden. Und Matthias Bittner wird sich bestätigt fühlen.

Bittner lebt in einer eleganten Altbauwohnung in München. Der 61-Jährige ist einer der großen alten Männer der Deutschland AG, ein Ideengeber im Hintergrund. Von ihm stammt der Plan direkter Staatsbeteiligungen in der Krise. Der Ideengeber Bittner und der Politiker Rüttgers kennen sich nicht, aber Bittners Vorschlag landete über Umwege beim ehemaligen Chef der Unternehmensberatung McKinsey, Jürgen Kluge. Dieser trug sie Rüttgers vor. Bittner war selbst lange bei McKinsey, saß im Beirat mehrerer Autozulieferer, arbeitet heute als selbstständiger Berater. »Es gibt viele Leute, die mich kennen, aber nur wenige, mit denen ich intensiv zusammenarbeite«, sagt er. Zu oft hat er erlebt, dass eine gute Idee zu früh lanciert wurde – und verbrannte.

Auch der Deutschlandfonds, so Bittner, wurde zu früh bekannt. "Die deutschen Politiker waren auf so einen weitgehenden Vorschlag doch gar nicht vorbereitet." Jahrelang hatten Regierungsvertreter erklärt, der Staat solle sich aus der Wirtschaft zurückziehen. Post, Telekom, die Energiekonzerne: Ein Staatsbetrieb nach dem anderen ging in private Hände über. Und jetzt soll sich der Staat wieder einkaufen?

Es ist vor allem eine Branche, die derzeit ums Überleben kämpft: die Autoindustrie. Aber es sind nicht die großen Konzerne, es sind nicht Daimler, BMW, Ford oder VW, die nach Einschätzung von Bittner und anderen kurz vor der Pleite stehen. Es sind viele Zulieferbetriebe. Sie stellen heute vier von fünf Teilen jedes neu vom Band laufenden Autos her, obwohl ihre Namen kaum ein Mercedes- oder Opelfahrer kennt. Diese Firmen sind es, die der Deutschlandfonds retten soll. 320.000 Menschen arbeiten in der deutschen Zulieferindustrie, und wie sehr sie die Auswirkungen der Rezession spüren, ist in Ansätzen sichtbar: Allein in den vergangenen vier Wochen sind fünf Betriebe in die Pleite gerutscht, 10.000 Jobs stehen auf der Kippe. "Viele Zulieferer wissen nicht, wie es weitergehen soll", sagt Bittner. Autozulieferer haben traditionell kaum Eigenkapital. Von den Banken bekommen sie keine Kredite mehr. Und die Autokonzerne können anders als in früheren Krisen nicht mit Finanzhilfen einspringen. Sie sind selbst angeschlagen.

Als besonders gefährdet gelten jene Zulieferer, die von Finanzinvestoren aufgekauft und dann mit Schulden überladen wurden, um den Kauf zu finanzieren. Der größte Pleitefall der vergangenen Wochen, der Leverkusener Bremsbelaghersteller TMD Friction, gehörte gleich mehreren Private-Equity-Gesellschaften. Keiner dieser Investoren, landläufig Heuschrecken genannt, hatte das Geld, um die Firma zu retten. Vielen Finanzinvestoren droht selbst die Insolvenz.

Normalerweise würde der Markt das Problem lösen. Es kämen private Käufer, neue Besitzer, die die angeschlagenen Zulieferer retten. Aber diese Käufer gibt es nicht. Nicht jetzt. Kaum ein Betrieb hat derzeit die Kraft, die Übernahme eines anderen zu finanzieren. Der Deutschlandchef eines großen Finanzinvestors befürchtet unter den Zulieferern "eine Pleitewelle unvorstellbaren Ausmaßes".

Und dann? Dann müssten Merkel und Steinmeier vor die Kameras treten, und sie hätten keine andere Antwort, als dass dies eben der Strukturwandel sei, die Marktwirtschaft. Dass in Deutschland künftig keine Autositze oder Rückspiegel mehr produziert würden, so wie kaum noch jemand Radios oder Fernseher, Hemden oder Hosen produziert. Dass es eben darum gehe, neue Branchen aufzubauen. Jedenfalls müssten sie das sagen, wenn sie sich an die Erkenntnisse der meisten Ökonomen hielten. Aus deren Sicht kann man in der Rezession der Wirtschaft als Ganzes per Konjunkturprogramm zu höheren Umsätzen verhelfen. Aber es wäre unsinnig, einzelne Firmen oder Branchen künstlich am Leben zu halten.

Ihr Argument: Niemand, kein Finanzminister und kein Staatssekretär, wisse, welche Unternehmen es verdienten, gerettet zu werden. Wer verfügt über ein profi- tables Produkt, wer wirtschaf- tet solide, wer hatte bisher nur Glück? Und wenn erst die Autozulieferer mit öffentlichen Mitteln gerettet sind, was ist dann mit der Chemie? Dem Maschinenbau? Dem Einzelhandel? Der Ökonom Ludwig von Mises hat diese Dynamik schon 1929 beschrieben, sein Gedanke ging als "Ölflecktheorem" in die Wissenschaft ein. Demnach verbreitet sich der Staat, wenn er einmal anfängt, massiv in das Marktgeschehen einzugreifen, wie Öl auf dem Wasser. Am Ende ist er überall mit drin. »Die Gefahr ist, dass falsche Strukturen auf Kosten des Steuerzahlers konserviert werden«, sagt der Wuppertaler Ökonom Ronald Schettkat. Deshalb würde jede Bundesregierung den Deutschlandfonds normalerweise ablehnen.

Aber diese Zeiten sind eben nicht normal.

Das Sterben der Textilindustrie oder der Hersteller von Unterhaltungselektronik zog sich über Jahrzehnte hin. Bis heute gibt es einzelne Überlebende. Das Land hatte Zeit, sich an das Verschwinden dieser Branchen zu gewöhnen, die Arbeiter hatten Zeit, sich neue Jobs zu suchen. Heute wäre das anders.

Heute geht es nicht um Jahrzehnte, sondern um Monate. Auch wenn die Arbeitslosigkeit bisher kaum gestiegen ist; auch wenn die meisten Firmen es "bisher vorziehen, ihre zum Teil für viel Geld ausgebildete Stammbelegschaft zu halten", wie Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, sagt: Diese Strategie kann man nicht sehr lange durchhalten. "Deshalb ist es so wichtig, dass die Krise zeitlich begrenzt bleibt, dass das Schlimmste vorüber ist, bevor die Massenentlassungen im großen Stil einsetzen", so Möller.

Als die Bundesregierung ihr 500-Milliarden-Euro-Rettungspaket für die Banken auflegte, begründete sie das mit dem "systemischen Risiko" des Finanzsektors. Brächen die Banken zusammen, sei das gesamte Wirtschaftssystem in Gefahr, weil dann allen Unternehmen das Geld ausgehe. Die Anhänger des Deutschlandfonds argumentieren nun, dass es in der Automobilindustrie eine ähnlich enge Vernetzung gebe. Viele Zulieferer seien de facto ausgelagerte Forschungsabteilungen der Autohersteller – bei ihnen entscheide sich, wie gut die deutschen Autos seien. Wenn also auch in Zukunft noch Autos aus München, Stuttgart oder Köln kommen sollen – kleinere, ökologische, modernere Autos –, dann dürften die Zulieferer nicht untergehen. Selbst um den Preis, dass der Staat jene Vorbesitzer herauskaufen würde, die an der Krise mit schuld sind: die Heuschrecken.

Früher, in den Zeiten der Deutschland AG, als ein Geflecht von Bankbeteiligungen an allen großen Industriekonzernen das Land überzog, entschieden die Chefs der Deutschen Bank, der Dresdner Bank, von Daimler oder Siemens, wer mit wem fusionierte. Welche Firma eine Zukunft hatte und welche nicht. Es waren strategische Entscheidungen, keine kurzfristigen Managementmoden. Heute, da dieses informelle Gremium zerfallen ist, muss ein anderer entscheiden. Aber wer? Wenn die Selbstheilungskräfte des Marktes nicht wirken, wenn Verkäufer und Käufer nicht zueinanderfinden: Muss dann doch der Staat ran? Nur für eine gewisse Zeit?

Es ist eine verstörende Frage, für Politiker wie Ökonomen, weil es auf sie keine einfache Antwort gibt. Nicht in dieser Krise. "Wer hätte vor einem Jahr geglaubt, dass wir mit 500 Milliarden Euro für die Banken bürgen?", sagt Jürgen Rüttgers. "Wer hätte gedacht, dass wir zwei Konjunkturpakete schnüren?" Auch indem die Koalition nun angeschlagenen Firmen mit Bürgschaften über 100 Milliarden Euro zu Hilfe eilt, verzerrt sie bereits den Wettbewerb. Denn sie entscheidet, wer günstig Kredit bekommt. Die Regierung hat also den Weg zum Äußersten schon eingeschlagen: zu direkten Firmenbeteiligungen.

Etwas Neues ist das allerdings nicht. Selbst in der Phase der großen Privatisierungen hat es immer wieder neue Staatsbeteiligungen gegeben. Meist über die Landesbanken, etwa die WestLB in Nordrhein-Westfalen, die aus dem Industriekonzern Preussag den Tourismusanbieter TUI formte. Manchmal stieg der Staat direkt ein, so wie die Stadt Hamburg bei Beiersdorf. Auch die Regierung Merkel hat keine Scheu vor Industriepolitik: 2006 organisierte das Kanzleramt ein Bankenkonsortium, um beim Raumfahrtkonzern EADS den deutschen Einfluss zu wahren.

Es ist der Montagmorgen dieser Woche, als Kurt Lauk im Foyer des Berliner Adlon-Hotels sitzt. Der Chef des CDU-Wirtschaftsrates hat die Beine nebeneinandergestellt, seine Ellbogen drücken auf die Oberschenkel, die Hände gestikulieren, der ganze Mann ist auf dem Sprung. Kurt Lauk könnte jetzt ganz entspannt sein. Er war es schließlich, der seiner Partei die Idee des Deutschlandfonds ausredete. Aber Lauk ahnt wohl, dass die CDU ihm nicht lange folgen wird. Zu wenige Unternehmer stellen sich öffentlich hinter ihn, zu groß ist deren Not. "Viele Manager", sagt er, "halten den Mund. Sie wissen nicht, ob sie womöglich bald schon die Hand aufhalten müssen" – für Staatsgeld.

 
Leser-Kommentare
  1. [Gelöscht. Bitte verzichten Sie auf das Kopieren fremder Texte und beschränken Sie sich stattdessen auf den Link zur Quelle und eine kurze Zusammenfassung des Inhalts in eigenen Worten. Danke. /Die Redaktion pt.]

  2. Der Staat könnte - für eine Zeit lang - als vertrauenswürdige "Good Bank" Kredite vergeben:

    - mit relativ geringen Zinsen für sichere , also vertrauenswürdige Anlagen
    - mit dann ebenso günstigen Kreditzinsen für die Investitionen, die natürlich genauso sorgfältig geprüft werden müssen wie bei jedem Häusle- Bauer.

    Natürlich könnten dann die Banken dann keine Marmorpaläste mehr bauen, die in allen Städten alle Kathedralen und Dome überragen und auch keine Bonus-Zahlungen in schwindelerregenden Höhen mehr auszahlen.

    Dann könnten sich die Banken zunächst einmal von den giftigen Wertpapieren "entgiften", ohne dass der Steuerzahler für die Giftpapiere der Abzocker aufkommen muss.

    Wenn die Banken nachweislich entgiftet sind, dann werden sie wieder Vertrauen ("Kredit") bei Anlegern genießen !

    Dazu bedarf es eines Entgiftungsnachweises mit strengsten Kontrollen. Die Kontrollinstitutionen müssen natürlich vertrauenswürdig sein. Die Rating-Agenturen haben ja auch an Vertrauen verloren.

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    Selbstreinigung? Mit was durch wen? Es wäre doch eher ein externer Ungeziefer-Vernichter angesagt. Gleiche Vorstände, gleicher Ausichtsrat und dann Selbstreinigung? Ganz schön viel Illusion auf einem Haufen.

    Selbstreinigung? Mit was durch wen? Es wäre doch eher ein externer Ungeziefer-Vernichter angesagt. Gleiche Vorstände, gleicher Ausichtsrat und dann Selbstreinigung? Ganz schön viel Illusion auf einem Haufen.

  3. Selbstreinigung? Mit was durch wen? Es wäre doch eher ein externer Ungeziefer-Vernichter angesagt. Gleiche Vorstände, gleicher Ausichtsrat und dann Selbstreinigung? Ganz schön viel Illusion auf einem Haufen.

  4. Solange Kurt Lauck, von der CDU Deutschland, in einem der top-exclusivsten deutschen Hotels, im Berliner Adlon-Hotels 'residiert', dabei indirekt wohl von der öffentlichen Hand finanziert, kann die Lage noch nicht so ganz besonders schlecht sein - so könnte der ZEIT-Leser meinen. Es scheint aber offensichtlich so zu sein, daß es dem ehemaligen Top-Automobil-Manager an verantwortlichem Handeln und an jeglichem situationsbedingten Schamgefühl fehlt.

    Verabschieden sollten sich die ZEIT-Autoren auch von der Vorstellung, daß es möglich wäre, daß unser Staat finanziell in der Lage wäre, einen Verfall der deutschen Industrie, der produzierenden Unternehmen, zu stoppen. Bund und Länder stehen dafür nicht in einem nur annähernd ausreichenden Maße die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung.

    Wenn Unternehmen in Schwierigkeiten sind, dann sind aus der Sicht der Marktwirtschaftler, zunächst und in erster Linie, ihre Eigentümer, Gesellschafter oder Aktionäre, gefordert, um die Insolvenz des Unternehmens bzw. den Totalverlust ihres eingesetzten Kapitals zu vermeiden. Wenn der Staat, Bund oder Länder, in ganz besonderen und sehr gut begründeten Ausnahmefällen finanziell helfen, dann muß der Staat von Seiten der Kapitaleigner, im Einzelfall, einen angemessenen 'Preis', mit kalkulierter Risikoprämie, verlangen. Alles andere wäre genauso 'unanständig' wie die 10 bis 100-Mio-€-Bezüge unserer Automobil-Vorstandsvorsitzenden und moralisch überhaupt nicht zu verantworten.

    Um die Zulieferbetriebe der Fahrzeugindustrie, die zahlreichen verlängerten Werkbänke, sollte sich die öffentliche Hand überhaupt nicht kümmern. Zulieferbetriebe stehen immer, wie zum Beispiel auch in Japan, unter einem besonderen Patronat ihrer Hauptauftraggeber (bei uns Audie, BMW, Mercedes, Porsche, VW etc.). Automobilzulieferer sichern stets auch die Existenz ihrer Auftraggeber. Fallen Zulieferer aus, stehen die Bänder in Wolfsburg, Stuttgart, Ingolstadt, München etc. sehr schnell still. Auch, weil nicht nur die Zulieferer-Produktion ausgelagert wurde. Ausgelagert wurde auch die jeweilige Technologie-Kompetenz.

    Dadurch, daß die Fahrzeughersteller in der Vergangenheit ihre Zulieferer 'ausgepreßt' haben und ihnen in der Regel nur sehr geringe Profitraten zugestanden haben, sind diese Unternehmen natürlich die Ersten, die in eine Notlage kommen. Für die Herren Zetsche, Wiedeking u.a. 10Mio- oder 100Mio-Vorstandsvorsitzende gilt es, für ihre Zulieferer und deren Mitarbeiter eine sehr weitgehende Verantwortung zu übernehmen, damit meine ich, Unterstützungsmaßnahmen zu planen und anforderungsgerecht umzusetzen, um die eigenen Geschäftsmöglichkeiten in der Zukunft zu sichern.

    Über die Eigentümer der inhabergeführten Fahrzeugzulieferer brauchen wir uns überhaupt keine Sorgen zu machen. Ihr Rolls Royce oder Bently wird ihnen irgendwo auf der Welt, in den schönsten Regionen, auch weiter stets zur Verfügung stehen. Schwierig könnte es nur werden, wenn sie auf irgendeiner Lichtensteiner Liste notiert sind, die derzeit von der Staatsanwaltschaft in Deutschland korrekt abgearbeitet werden.

    Ich persönlich empfehle unseren Regierungen in Rahmenbedingungen zu 'investieren' und ausschließlich sofort wirksame binnennachfrage-fördernde Maßnahmen zu veranlassen. Das geht in der Hauptsache nur über Bürger. Ganz genau geht es nur über die einkommensschwachen Bürger, die mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit keinen Konsumverzicht üben werden und sich ausgabenorientiert verhalten. Die Erhöhung des Kindergeldes für Einkommens- und Vermögens-Millionäre ist z.B. der Mißbrauch von Steuergeldern! Die Herabsetzung der Kfz.-Steuer für PKW's der gehobenen Mittelklasse oder der Oberklasse, eine sehr dumme Maßnahme zu Lasten des Staatshaushaltes.

    Aber auch die Presse bzw. die Medien sind in der Verantwortung. Mein Aufruf an alle Intendanten, Verleger, Herausgeber, Chef-Redakteure etc. lautet: "Übernehmen Sie Verantwortung für unsere Volkswirtschaft und sorgen Sie für ein positives, konsum-/ausgabenorientiertes Wirtschaft-Klima in Deutschland. Veranlassen Sie, daß die Wirtschafts-Katastrophe nicht herbeigeschrieben oder herbeigeredet wird. Wir sehen doch derzeit, daß es gut funktioniert - bei der Abwrackprämie!"

    Und, daß die Banken gerettet sind, von der öffentlichen Hand, wie von den beiden ZEIT-Autoren behauptet, ist eine unzulässige Annahmen, aus der durch eine Veröffentlichung eine Falschmeldung geworden ist (und auch ein schlechtes Licht auf die Wirtschaftkompetenz der ZEIT-Redaktion wirft), die wahrscheinlich nur auf die große Naivität der beiden Autoren zurückzuführen sein dürfte. Auch die Deutsche Bank kann noch 'total in die Kniee gehen', z.B.

    • Piepe
    • 23.01.2009 um 21:00 Uhr

    Automobilzulieferer haben traditionell wenig Eigenkapital.
    Das ist falsch. Sie haben jetzt wenig EIgenkapital nachdem die Politik die Plünderung durch Hedgefonds zugelassen hat.
    Jürgen Rüttgers begründete seine Wünsche mit einem Beispiel:
    Phoenix Unter den Linden 21:00 als Podcast abrufbar: " Da gibt es einen Automobilzulieferer 80% Weltmarktanteil. Der kriegt keine Kredite weil der mehreren Finazfonds gehört. Den müssen wir retten."
    Finanzfonds das sind Private Equity Fonds die deutschen Unternehmen ihr Eigenkapital gestohlen haben.
    Jürgen Kluge hat in seinem ganzen Leben nicht für 1 Euro zur Wertschöpfung in Deutschland beigetragen.
    Wir sollen jetzt mit Steuergeldern die Finanzfonds retten. Nachdem mehrere 100 Milliarden Gewinn an private Eigner unsere Elite verteilt wurden.
    Wie lange hat es Tshernobyl zum Untergang der Sowjetunion gebraucht.
    Schönreden und Lügen hilft jetzt nicht mehr.
    Bitte Herr Rütgers Sofort Zurücktreten.

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    Die von Rüttgers bei Phoenix erwähnte Firma ist die Lverkusener TMD Friction. Hauke Fürstenwerth hat in seinem Buch "Geld arbeitet nicht" die Hintergründe der Ausplünderung dieses Unternehmens ausführlich beschrieben. Demnach hat die Politik jahrelang das schädliche Treiben in der Finanzwirtschaft nach Kräften zu Lasten der Steuerzahler unterstützt. Alle Wünsche nach Liberalisierung des Finanzsektors und Steuernachlässen für Finanzprodukte wurde parteiübergreifend entsprochen. Bereits 2003 haben die Banken mit der Bundesregierung über eine Bad Bank als Auffanggesellschaft für Finanzschrott verhandelt. Die haben genau gewusst, was sie treiben. Die Bundesregierung hat daraufhin zugestanden, dass der Finanzschrott in Zweckgesellschaften ausgelagert werden durfte. (Spanien hat dieses seinen Banken verboten, ergo ist keine spanische Bank von toxischen Finanzprodukten betroffen). IKB, Landesbanken, HRE, Dresdner/Commerzbank etc ersticken heute an genau diesen von der Politik geförderten Vehikeln. Das alles war bekannt und voraussehbar. Wir brauchen keinen Systemwechsel, es reicht, wenn der Finanzindustrie endlich die Regeln auferlegt werden, welche sich in der marktwirtschaftlich organisierten Realwirtschaft bewährt haben. Lesen Sie das Buch "Geld arbeitet nicht" und Sie werden verstehen, worum es geht.

    Die von Rüttgers bei Phoenix erwähnte Firma ist die Lverkusener TMD Friction. Hauke Fürstenwerth hat in seinem Buch "Geld arbeitet nicht" die Hintergründe der Ausplünderung dieses Unternehmens ausführlich beschrieben. Demnach hat die Politik jahrelang das schädliche Treiben in der Finanzwirtschaft nach Kräften zu Lasten der Steuerzahler unterstützt. Alle Wünsche nach Liberalisierung des Finanzsektors und Steuernachlässen für Finanzprodukte wurde parteiübergreifend entsprochen. Bereits 2003 haben die Banken mit der Bundesregierung über eine Bad Bank als Auffanggesellschaft für Finanzschrott verhandelt. Die haben genau gewusst, was sie treiben. Die Bundesregierung hat daraufhin zugestanden, dass der Finanzschrott in Zweckgesellschaften ausgelagert werden durfte. (Spanien hat dieses seinen Banken verboten, ergo ist keine spanische Bank von toxischen Finanzprodukten betroffen). IKB, Landesbanken, HRE, Dresdner/Commerzbank etc ersticken heute an genau diesen von der Politik geförderten Vehikeln. Das alles war bekannt und voraussehbar. Wir brauchen keinen Systemwechsel, es reicht, wenn der Finanzindustrie endlich die Regeln auferlegt werden, welche sich in der marktwirtschaftlich organisierten Realwirtschaft bewährt haben. Lesen Sie das Buch "Geld arbeitet nicht" und Sie werden verstehen, worum es geht.

  5. und fast alle haben sich ganz schnell daran gewöhnt. Denn was uns heute als Banken- und Wirtschaftskrise daherkommen soll, ist genau betrachtet eine Krise des Staates. Der gefällt sich momentan in dem unerwarteten Rollentausch - gestern noch zitternder, geduldeter Bittsteller, der die Forderungen der Global-Player zu erfüllen hat, heute plötzlich der Retter in der Not, der mit inflationären Geldbeträgen hantiert. Da bleibt rationales Denken und Handeln schnell auf der Strecke. Denn alle Finanzierungen des Staates und der sogenannten Sozialsysteme sind im Wesentlichen aufgebaut auf Abgaben von abhängig Beschäftigten. Man muß also möglichst viele dieser Einkommensquellen erhalten.
    Die Konjunkturpakete gehen von eine befristeten Delle im Verlauf der Entwicklung aus, die man mit Schuldenmachen überbrücken kann. und irgendwann ..... wird Alles wie früher.
    Was aber, wenn die Delle keine ist sondern ein Sprung nach ....?
    So wie das Pferd seinen Wert mit Einführung der Dampfmaschine und des Motors einbüßte und nie wieder erlangte?
    So viel Ehrlichkeit, daß die Konjunktur, die Absätz und Gewinne der letzten Jahre auf wertlosen, da durch keine Wertschöpfung begründete Papieren bestand, darf man heute erwarten.
    Und daraus folgt logischerweise die Konsequenz: entweder man erhält die wertlosen Blasen und so die Absatzzahlen von Porsche und Co., oder man
    man regelt den Finanzmarkt hinsichtlich realistischer Erträge. Was dann aber leider zur Folge hat, daß Unternehmen und Arbeitsplätze, die auf dieser Blase basieren, sich auf ein angemessenes realistisches Maß begeben (sprich reduzieren) müssen. Und damit hat dann wieder der Staat ein Problem-siehe oben! Die Katze beißt sich also in den Schwanz ...

  6. Ich denke, Inhaltlich sind schon viele weiter und die Abstimmung im alten Europa läuft gerade.

    Natürlich wird man sehen und anstreben, das die nationalstaatliche Komponente, die darin besteht Forderungen aus dem eigenen Land bevorzug zu behandeln, so wie es auch die Schweden gemacht haben, aber auch die Japaner, gegen die Auslandsinvestitionen abzuwiegen, die z.B. durch die BRD in China gelaufen sind.

    Viele Milliarden sind dort Fehlerhaft investiert worden, die sich nicht so schnell auflösen lassen, bzw. die Gewinne, die dort realisiert werden, lassen sich nicht rückführen.
    Viele wussten von der Invest-Falle in China.
    Ein paar Abteilungsleiter haben da die Umsätze aufgebläht: „Man, was für ein Riesen Markt!
    Und wir machen mit!“

    Leider kommen die Gehälter und Tantiemen nicht aus China.

    Aus der Ecke kommen vorwiegend die Waren im Grabelboxenbereich der Baumärkte kurz vor den Kassen.
    Was bleibt von den Auslandsinvestionen?
    VW machte den Anfang mit Skoda und steckte dann viel Geld in den asiatischen Raum. Da jetzt alle schnell auf Ihre Investitionen zugreifen wollen ist die EU in der Pflicht, dass Handelsbilanzdefizit mit Investitionsabsicherungen und einer Gewinnentnahmemöglichkeit gegenüber den BRIC-Staaten abzusichern.

    Aus Japan Bankenkrise der 90er kann man nur lernen, den Duck auf die auslandorientierten Banken aufrecht zu erhalten.

    Bis jetzt ist noch nicht viel passiert. Da die BRIC-Staaten (Brasilien Russland, Indien und China) die Kapital Akkumulation in US$ sogar noch erstreben, insbesondere für China, steigt der Bedarf für US$ kurzfristig.
    Der Abzug der US-Millarden aus den Chinesischen Banken verlangt nach Unmengen US$.

    Zugeständnisse aus China gibt es nicht!

    Tatsächlich wird es darauf ankommen den Druck auf die Banken zu Bewertung Ihrer Risiken aufrecht zu erhalten.
    Leitzinsen zu senken, für die erhoffte schnellerer Bewegung vom globalen Kapital ist grundsätzlich falsch.
    Es geht darum, die Akkumulation neu auszurichten.
    Ob man nun einen Deutschland Fond auflegt, oder eine Neue Heimat, oder eine Treuhand.
    Egal jeder Name, bekommt ein Problem.
    Die Banken brauchen einen Stopp was ihre Risikobewertung angeht.
    Und da ist Bürger gefragt, mit dem Staat den er gerade hat!
    Der Markt gibt da keine Konzepte.
    Und das Volk will einen Stopp (oder eine Rückforderung) der Boni- Zahlungen an Manager, wenn sie Risiken aus einem Geschäftsabschluss in die Zukunft verschoben haben, aber selber sofort kassiert haben.
    Irgendjemand muss einfach den Mut haben die Risiken der Finanzderivate unter Aufsicht zu stellen. Das kann doch nicht so schwer sein!
    Der Kapitalverkehr hat nicht nur einen nominalen Aspekt, sondern auch eine zeitliche Komponente, die mal wieder bei jeder Bankenkrise von gut abgesicherten Führungskräften immer wieder unterschätzt wird.
    Das hätten wir wirklich schon ein paar Mal!

    Den regionalen Sparkassen, Genossenschaftsbanken etc. der BRD (oder wer auch immer als VVaG organisiert ist) wird es zu Gute kommen.

    Den BRIC Staaten wird es egal bleiben, aber Inhaltlich wird die nationalstaatliche
    Komponente gefragt sein. Das fordert natürlich Europa.

    Und so bleibt es spannend.

  7. Es ist völlig legitim, wenn die Regierung jetzt ernsthaft überlegt, ob sie ein Deutschlandfond auflegt oder nicht. Die Euphorie nach dem Fall des real existierten Sozialismus ist verflogen, ich frage mich nur, warum es so weit kommen musste, warum der "Zeitgeist" eine frühere Kehrtwende nicht zugelassen hat, jetzt gilt es, die Maschine am Laufen zu halten.
    Es ist m.e. blauäugig, das Ende der "Deutschland AG" zu verkünden, wie es der Redakteur des Artikels tut: Diese AG war niemals eine offizielle Körperschaft und kann daher auch nicht von einem Tag zum anderen auf Knopfdruck verschwinden; sie wird sich weiterhin halten, etwas leiser klüngeln, aber totzuschlagen ist sie vorerst nicht.
    Genau da liegt die Gefahr eines Auftritts des Staates als Unternehmer. Die "Deutschland AG" verfügt immer noch über hervorragende Netzwerke, die ihr ermöglichen würden, durch die Hintertür an dem neuen Wirtschaftsgebilde zu partizipieren. Es würde dann bedeuten, dass nicht unabhängige Fachleute, sondern "Leute mit Beziehung" an die Schlüsselstellen der Wirtschaft gelangen würden.
    Italien hat es in den 60er Jahren vorgemacht: Die größten Flaschen aus dem Reservoir der Mitte-Links-Parteien und aus den unoffiziellen Netzwerken des Landes wanderten in einflußreiche Positionen der teils verstaatlichten Unternehmen ("IRI", "ENI") und sorgten mit ihrer Unerfahrenheit und mit ihren persönlichen Verpflichtungen zu bestimmten Kreisen für die allerseits bekannte Wirtschaftskatastrophe, die sich hinter der Fassade des italienischen Wirtschaftswunder verbarg.
    Diese Leute überstanden die Wirtschafts- und die Politikkrise glänzend und kamen, selbst in der sog. "Zweiten Republik" auf einflussreiche Posten in der Politik (Prodi) und in der Wirtschaft (Cimoli). Beide Herren hatten die von ihnen verwalteten Unternehmen (ENI und Alitalia) in den Ruin getrieben!
    Was Deutschland daraus lernen kann, ist äußerste Vorsicht bei der Besetzung von Schlüsselpositionen in den vom Staat überwachten Firmen. Man kann schlecht sagen, Deutschland sei ein integres Land, wenn man die Karrieren eines ehemaligen Vorstands der Telekom und sogar die eines ehemaligen Bundeskanzlers, der Bundesbürgschaften aus sehr persönlichen Motiven vergab, berücksichtigt.
    Im Großen und Ganzen begrüße ich die jetzige Richtung der Regierung Merkel, frage mich aber heimlich, ob diese Denkanstöße auch Bestand haben würden, wenn ein Herr Westerwelle Vizekanzler wäre. Herr Professor Kirchhof hätte eine solche epochale Kehrtwende der CDU-geführten Regierung bestimmt nicht mitgetragen.

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